07.08.2025
NACH INVESTMENT

Neuausrichtung bei Mazing: Wiener Startup wird zum „One-Stop Content Shop“ für Möbel

Das Wiener Startup Mazing positioniert sich nach seinem sechsstelligen Investment neu. Der ursprüngliche AR-Anbieter ist nun ein „One-Stop Content Shop“ speziell für Möbelhändler.
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Mazing
(c) Mazing - (v.l.) Marco Messner (COO), Stefan Sprenger (CTO) und Manuel Messner (CEO).

Im April 2024 holte sich das Wiener Startup rund um die Gründer Manuel Messner (CEO), Stefan Sprenger (CTO) und Marco Messner (COO) ein sechsstelliges Investment. Mit dem frischen Kapital wollte Mazing eigentlich global wachsen (brutkasten berichtete). Nun kam es etwas anders: Das Startup meldet sich mit einer klaren Neuausrichtung wieder.

AR und KI in der Möbelbranche

Gegründet wurde Mazing 2021 als Plattform zur Darstellung von 3D-Modellen in Augmented Reality. Inzwischen versteht sich das Unternehmen als umfassender „One-Stop Content Shop“ für die Möbelbranche. Hersteller und Händler können ihre Produkte mit Mazing digital und realitätsnah in Innenräumen visualisieren. Neben 3D-Modellen und AR-Vorschauen bietet das Unternehmen strukturierte Produktdaten sowie KI-generierte Bilder in Studioqualität an. “Die Inhalte lassen sich über gängige Shop-Systeme automatisiert ausspielen – per Plug-in oder API”, erklärt das Unternehmen. 

„Wir sehen täglich, wie viel Aufwand es ist, für hunderte Produkte Content zu produzieren“, sagt Messner. „Unsere Kunden sparen mit Mazing nicht nur Zeit und Kosten, sondern können Produkte schneller online bringen – mit visuell hochwertigem Content, der verkauft.“

Das Angebot basiert unter anderem auf einer eigenen 3D-Datenbank mit mehr als 100.000 Möbelstücken von rund 700 Herstellern weltweit. Für Messner ist klar: „In fünf Jahren wird kein Möbel-Shop mehr ohne AR oder KI-Content auskommen. Wir zeigen, dass auch aus Österreich digitale Lösungen entstehen können, die den Weltmarkt verändern.“

„Fokus ist kein Nice-to-Have“

Zwar liegt der Fokus nun auf der Möbelbranche, doch laut Unternehmensangaben ist die zugrunde liegende Technologie branchenübergreifend einsetzbar. „Das Besondere: Die Use Cases in der Möbelbranche sind oft komplex – große Produkte, schwierige Visualisierung, hoher Beratungsbedarf“, heißt es auf brutkasten-Anfrage. Darüber hinaus ermögliche Mazing eine technische Infrastruktur, die sowohl Nachhaltigkeit als auch Effizienz fördere. Die Zahl an Retouren könne reduziert werden – ein „aktiver Beitrag zur Ressourcenschonung im E-Commerce“.

Die Neupositionierung geht auch auf ein großes Learning im Gründerteam zurück. „Als gebootstrapptes Startup haben wir viele Projekte angenommen, die nicht zu unserer Vision passten – einfach, um den Cashflow zu sichern“, so Mazing. „Das hat uns in der Produktentwicklung massiv gebremst. Mit dem Investment von Modus Furniture konnten wir durchatmen – und Nein sagen zu den falschen Projekten. Das war für uns ein Gamechanger.“ Die Gründer haben in den letzten Jahren verstanden, dass „Fokus kein Nice-to-Have ist – es ist eine Voraussetzung für skalierbares Wachstum. Und Branding funktioniert nur, wenn man klar in einer Branche verankert ist“.

Wachstum und Expansion

Mehr als 350 Kunden nutzen mittlerweile das Angebot – darunter Unternehmen wie Otto, Toshiba, Spar und Telekom. Parallel zur strategischen Neuausrichtung wurde auch das Geschäftsmodell angepasst: Weg vom projektbasierten Umsatz, hin zu einem SaaS-Modell mit Abonnements. „Möglich wurde das durch unsere eigenen KI-Tools, die skalierbare Content-Produktion erlauben – und damit einen ganz neuen Preis-Leistungs-Hebel bringen. Für uns war das ein riesiger Schritt Richtung Planbarkeit und Wachstum“, so eine Pressesprecherin des Unternehmens.

Das Team umfasst aktuell rund 20 Personen und ist im DACH-Raum, Europa sowie den USA aktiv. Eine weitere internationale Expansion sei in Vorbereitung. Die Entwicklung stimmt das Unternehmen optimistisch: „Der Umsatz wächst mit dem Faktor 2,5x pro Jahr, aber was für uns noch spannender ist: Der Anteil wiederkehrender Umsätze wächst rapide, weil wir SaaS-Modelle anbieten und KI-Tools stark in die Prozesse integrieren.“

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Mike Grabowski von Callstack und Marc Rousavy von Margelo | (c) Callstack
Marc Rousavy (l.) und Mike Grabowski von Callstack von Margelo | (c) Callstack

Nur einmal die App coden und sie sowohl auf iOS als auch auf Android als native App herausbringen – das ist eines der zentralen Versprechen von React Native, einer App-Entwickler-Umgebung des US-Tech-Riesen Meta. Doch aus dem Framework ist noch deutlich mehr herauszuholen. Das beweist das vor fünf Jahren gegründete Wiener Startup Margelo. Mehrere Module mit unterschiedlichen Funktionalitäten für Developer, die das Unternehmen für React Native entwickelte, verzeichneten je Download-Zahlen im mittleren bis hohen zweistelligen Millionenbereich.

Dienstleister kauft Entwickler

Ebenfalls auf React Native spezialisiert ist das Unternehmen Callstack aus Polen – dieses richtet sich an große Unternehmen, die bei der Einführung des Frameworks unterstützt werden. Nun übernahm Callstack Margelo für „mehr als 20 Millionen Euro“, wie es von den beiden Unternehmen heißt. Das polnische Unternehmen hatte sich im vergangenen Jahr eine große Finanzierung von der Investmentgesellschaft Viking geholt.

Margelo-Gründer Rousavy behält „signifikanten Anteil“

Margelo war bislang komplett im Besitz von Gründer Marc Rousavy. Er werde auch weiterhin „einen signifikanten Anteil“ an der Firma halten, schreibt er auf LinkedIn und gibt im Posting einen Einblick in die Gründungsgeschichte: „Ich habe Margelo vor fünf Jahren gegründet und hatte damals keine Ahnung von Business – ich habe sogar nach nur drei Tagen mein Wirtschaftsstudium abgebrochen.“

Langjährige Freundschaft

Mit Callstack-Gründer Mike Grabowski sei er schon länger befreundet. Nun werde man gemeinsame Sache machen. Auch Grabowski betont in seinem LinkedIn-Posting die Freundschaft: „Wir haben schon lange darüber gesprochen zusammenzuarbeiten. Einmal haben wir einander sogar versprochen, ein gemeinsames Venture zu starten.“ Nun sei es soweit. Dabei soll Margelos Entwicklung im Open-Source-Bereich fortgeführt werden.

„Foundation schaffen, die Teams brauchen, um mit Agents zuverlässige Software zu entwickeln“

Zudem will man gemeinsam auch auf den aktuellen Wandel im Software-Development durch KI eingehen, heißt es von den beiden Unternehmen in einer Aussendung. „Indem wir diese Stärken zusammenbringen, haben wir das Team und die Reichweite, um noch mehr der schwierigen Probleme zu lösen, die darüber entscheiden, ob Software in Production erfolgreich ist“, wird Grabowski dort zitiert. Und Rousavy kündigt an: „Während Softwareentwicklung zunehmend agentic wird, wollen wir mit dieser Technologie die Foundation schaffen, die Teams brauchen, um mit Agents zuverlässige Software zu entwickeln.“

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