17.12.2019

netidee Community Camp: Zwei Internet-Ideen, die Österreich ein bisschen besser machen

Mit der netidee werden Open Source-Ideen gefördert, bei denen mit technologischen Mitteln soziale und ökologische Probleme gelöst werden. Beim kürzlich erfolgten Community Camp stachen dabei zwei Projekte besonders hervor.
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netidee community camp
(c) Anna Rauchenberger
kooperation

Die von der Internet Privatstiftung Austria (IPA) finanzierte netidee ist eine regelrechte Institution in Österreichs Internetlandschaft: Mit ihr wird das Ziel verfolgt, ein nutzenstiftendes, sicheres, freies und offenes Internet für alle Österreicher zu fördern.

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Jährlich werden Förderungen im Gesamtumfang von bis zu einer Million Euro vergeben – mit bis zu 50.000 Euro für für einzelne Projekte und 5.000 Euro für Diplom- bzw. Masterarbeiten, sowie 10.000 Euro für Abschlussarbeiten eines Doktoratsstudiums. Im Fokus steht dabei der Open Source-Gedanke: Alle netidee-Vorhaben werden offen entwickelt, die Ergebnisse stehen der Öffentlichkeit frei zur Verfügung – sei es in Form von Open Software, Open Hardware, Open Data Initiativen, freien Inhalten oder Diensten für die Öffentlichkeit. Ziel ist, dass die Ergebnisse frei genutzt und weiterentwickelt werden und somit möglichst viele Menschen davon profitieren.

Community Camp als Kick-off-Event des netidee Call 14

Als Kick-off-Event für alle neu geförderten Projekte im Call 14 der netidee fand im November das Community Camp im Impact Hub Vienna statt. Basierend auf Inputs von Experten wurde hier gemeinsam an den Projekten gearbeitet. Die Mentoren gaben dabei Feedback zur strukturierten und kundenzentrierten Weiterentwicklung der Projekte.

Außerdem hatten die Geförderten die Möglichkeit, ihre Projektideen und Stipendien live zu pitchen – wobei sich zwei Ideen als Gewinner herauskristallisierten.

Projekt Oskar: Smartphone-Tastatur mit Braille

(c) Anna Rauchenberger

Für die mobile Nutzung des Internets bieten virtuelle Smartphone-Tastaturen wenig haptische Rückmeldung und sind langsamer als Hardware-Tastaturen – das ist ein Problem für blinde und sehbehinderte Menschen. Hardware- und Blindenschrift-Tastaturen bieten dieses Feedback zwar, haben aber das Problem, dass sie – im Gegensatz zum Smartphone – beim Bedienen eine feste Unterlage brauchen.

Hier kommt das Projekt Oskar (Open Source Key ARrangement) von Erich Schmid und Johannes Střelka-Petz ins Spiel. Dabei handelt es sich um eine mobile Hardware-Tastatur, welche die Eingabe der Blindenschrift Braille ermöglicht und dabei wie ein Smartphone ohne feste Unterlage, im Stehen oder Gehen, verwendet werden kann. Dabei wird Oskar auf der Rückseite eines Smartphones oder eigenständig bedient. Mit Oskar können Blinde vier Mal schneller schreiben als auf einer virtuellen Smartphone-Tastatur, heißt es von den Erfindern.

Projekt eTrax | rescue: Software für Rettungseinsätze

(c) Anna Rauchenberger

Der zweite Gewinner-Pitch kommt von den Menschen hinter dem Projekt eTraX | rescue: Eine cloud-basierte Software zur Verwaltung von Personensucheinsätzen. Die Software ermöglicht eine standardisierte Vorgehensweise und effizienten Ressourceneinsatz. Dabei geht es auch darum, dass der Zeitaufwand bis zum effektiven Suchbeginn deutlich verkürzt werden kann – denn die Wahrscheinlichkeit, Vermisste zu finden sinkt rapide mit fortschreitender Zeit.

Die Software beinhaltet dabei die Möglichkeit zur Verwaltung von Ressourcen, die Erstellung von Suchgebietskarten, das Live-Tracking von Suchmannschaften und eine lückenlose Einsatzdokumentation. Wesentliche Aspekte bei der Weiterentwicklung im Rahmen der netidee sind die Aktualisierung des bestehenden Systems, die Entwicklung einer Multimandatenfähigkeit, das Ermöglichen der Kollaboration, die Entwicklung einer Tracking-App für Android und iOS und die Umwandlung in eine OpenSource Software, die allen interessierten Nutzern den Zugang zu eTrax | rescue ermöglicht.

Künftig soll die Software allen Einsatzorganisationen zur professionellen Abwicklung von Personensucheinsätzen zur Verfügung stehen. Da die meisten dieser Organisationen spendenbasiert und mit geringem Budget arbeiten, soll das Tool kostenlos zur Verfügung gestellt werden.

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Links Mitgründer von NXAI Sepp Hochreiter und Mitte rechts CEO von Neura Robotics David Reger | (c) Neura Robotics / NXAI

„Ein Roboter, der im Alltag und in der Industrie wirklich hilft, muss sich erinnern“, sagt David Reger, Gründer und CEO von Neura Robotics. Daher arbeitet sein Unternehmen mit dem Linzer Startup NXAI an der Merkfähigkeit von Robotern. „Gedächtnis und Erfahrungen sind die Voraussetzungen für Roboter, Aufgaben über viele Schritte zuverlässig zu lösen“, ergänzt Sepp Hochreiter, Gründer von NXAI.

Die Grundlage bietet Neura Robotics mit einem multimodalen Foundation-Modell, das Funktionen wie 3D-Sehen, Tastsinn und Audio mit einer Gedächtnisfunktion verbindet. Der Physical-AI-Stack von Neura Robotics wird mit einem xLSTM von NXAI, also einem künstlichen neuronalen Netz, verbunden. „xLSTM ist dafür gebaut, ist schnell, speichereffizient und kann den Zustand über lange Sequenzen halten“, sagt Hochreiter.

NXAI plant, ein eigenes Modell auf Basis der xLSTM-Architektur auf Neura Robotics‘ hauseigener Neuraverse-Plattform bereitzustellen. „Mit dem Neuraverse schaffen wir die Plattform, auf der auch andere starke KI-Ansätze ihren Weg in Roboter finden“, erklärt Reger.

Gesteigerte Effizienz

Ein Roboter arbeitet in Schleifen und verarbeitet permanent Wahrnehmungen, Entscheidungen und Handlungen. Laut Neura Robotics braucht er dafür Gedächtnis auf zwei Ebenen: das Arbeitsgedächtnis und das episodische Gedächtnis. Ein Roboter, der einen Prozess wiederholt ausgeführt hat, soll bei derselben Situation auf frühere Erfahrungen zurückgreifen können und so aus der Erfahrung handeln.

Die Roboter der Zukunft

Langfristig möchten die beiden Firmen, dass Roboter nicht nur einzelne Fähigkeiten ausführen, sondern über die Zeit Erfahrung aufbauen. Fähigkeiten, die Roboter aus der Interaktion mit der realen Welt lernen, sollen verbessert und auf andere Maschinen und Umgebungen übertragen werden.

From Science to Business

NXAI, gegründet vor drei Jahren, ist ein Deep-Tech-Unternehmen mit Sitz in Linz, das Lösungen für industrielle Anwendungen entwickelt. Die Firma versteht sich als Brücke zwischen Wissenschaft und Industrie. So möchte sie die eigene KI-Forschung in marktreife Produkte überführen. Im Mittelpunkt der Forschung stehen xLSTM-Modelle in den Bereichen Time Series und Robotics.

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netidee Community Camp: Zwei Internet-Ideen, die Österreich ein bisschen besser machen

Die von der Internet Privatstiftung Austria (IPA) finanzierte netidee ist eine regelrechte Institution in Österreichs Internetlandschaft: Mit ihr wird das Ziel verfolgt, ein nutzenstiftendes, sicheres, freies und offenes Internet für alle Österreicher zu fördern. Jährlich werden Förderungen im Gesamtumfang von bis zu einer Million Euro vergeben – mit bis zu 50.000 Euro für für einzelne Projekte und 5.000 Euro für Diplom- bzw. Masterarbeiten, sowie 10.000 Euro für Abschlussarbeiten eines Doktoratsstudiums. Im Fokus steht dabei der Open Source-Gedanke: Alle netidee-Vorhaben werden offen entwickelt, die Ergebnisse stehen der Öffentlichkeit frei zur Verfügung – sei es in Form von Open Software, Open Hardware, Open Data Initiativen, freien Inhalten oder Diensten für die Öffentlichkeit. Als Kick-off-Event für alle neu geförderten Projekte im Call 14 der netidee fand im November das Community Camp im Impact Hub Vienna statt. Hier kommt das Projekt Oskar von Erich Schmid und Johannes Střelka-Petz ins Spiel. Künftig soll die Software allen Einsatzorganisationen zur professionellen Abwicklung von Personensucheinsätzen zur Verfügung stehen.

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