Net-Zero Industries Award: Diese Projekte wurden ausgezeichnet
Der Net-Zero Industries Award wurde an drei österreichische Innovationsprojekte vergeben. Zwei AIT-Forscherinnen befinden sich unter den Preisträger:innen.
Die österreichischen Gewinner:innen des NIM Awards wurden bei der Veranstaltung „Klimafitte Industrie: Forschung und Entwicklung für die Industrie der Zukunft“ in Linz am 28. Jänner 2025 geehrt. (c) Net-Zero Industries Award
Der „Mission Innovation Net-Zero Industries Award“ zeichnet Unternehmen und Menschen aus, die sich „mit wegweisenden Ansätzen für die Reduktion von Treibhausgasen in der Industrie einsetzen“. Die österreichischen Preisträger:innen wurden auf der UN-Klimakonferenz in Baku (COP29) vorgestellt und bei der Veranstaltung „Klimafitte Industrie: Forschung und Entwicklung für die Industrie der Zukunft“ in Linz ausgezeichnet.
Ausgezeichnet wurden die Innovationen dreier Projekte, die mit ihren Innovationen zur Transformation der Industrie beitragen und damit „unseren Wirtschaftsstandort langfristig“ absichern, so Klimaschutzministerin Leonore Gewessler. Auch Elvira Lutter, Mission Director der Net-Zero Industries Mission, äußert sich zum vergebenen Award: „Der Net-Zero Industries Award würdigt visionäre Unternehmen und innovative Köpfe, die mit ihrem Engagement den Weg in eine klimaneutrale Zukunft ebnen.“
RHI Magnesita für Kooperationsprojekt ausgezeichnet
Die besten Projekte aus Österreich wurden in drei Kategorien ausgezeichnet. In der Kategorie „Outstanding Projects“ gewann RHI Magnesita mit dem Forschungsprojekt CCUpScale – CO2 to Value. Dabei handelt es sich um eine Kooperation mit dem australischen Cleantech MCi Carbon.
Im Februar 2023 hat RHI Magnesita ein Millionen-Investment in das australische Cleantech-Unternehmen MCi Carbon getätigt. Gemeinsam wollte man an der Weiterentwicklung einer Carbon-Capture-Technologie arbeiten (brutkasten berichtete).
Das Projekt zielt darauf ab, CO2-Emissionen durch Reaktion mit mineralischen Ausgangsstoffen in verkaufsfähige, alternative Materialien für den Bau- und Industriesektor umzuwandeln. Damit soll eine Netto-CO2-Reduktion von 85 bis 95 Prozent erreicht werden, heißt es per Aussendung. Die erste CCU-Anlage der Welt soll für die Feuerfestindustrie in Hochfilzen, in Tirol, errichtet werden.
Zwei AIT-Forscherinnen unter den Sieger:innen
In der Kategorie „Female Innovators“ wurde Tara Esterl ausgezeichnet. Sie leitet die Abteilung für integrierte Energiesysteme am AIT Austrian Institute of Technology und das NEFI-Projekt Industry4Redispatch. Am AIT ist sie verantwortlich für die strategische Weiterentwicklung des Forschungsbereichs „Integrierte Energiesysteme“. Damit will man die Dezentralisierung der Energieerzeugung unterstützen und so zur Erreichung von Klimazielen beitragen.
In der Kategorie „Young Talents“ konnte Sophie Köttner des AIT mit ihren Forschungstätigkeiten über industrielle Energiesysteme überzeugen. Zum Forschungsportfolio Köttners zählen zudem Entwicklungspfade für Digitalisierung und Dekarbonisierung. Ihr Fokus liegt dabei auf der Energiesystemtransformation.
„Net-Zero Industries Mission“ will Energiewandel vorantreiben
„Mission Innovation“ ist eine globale Initiative von 23 Ländern und der Europäischen Kommission. Ihr Ziel ist es, die Investitionen in Forschung, Entwicklung und Demonstration zu fördern, um saubere Energie „erschwinglich, attraktiv und zugänglich zu machen“.
Die Net-Zero Industries Mission wurde 2022 gegründet und gemeinsam von Österreich und Australien geleitet. Sie ist eine globale Initiative, die den Übergang energieintensiver Industrien zur Klimaneutralität beschleunigt.
Instahelp-Rebranding: Sechs Learnings für die eigene Marke
Die Plattform für psychologische Online-Beratung Instahelp hat sich eine neue Markenidentität gegeben. Gegenüber brutkasten erklären Projektleiter Nino Groß und Designerin Marie Pierer von Studio Furore, wie der Prozess ablief und was andere Unternehmen daraus mitnehmen können.
Instahelp-Rebranding: Sechs Learnings für die eigene Marke
Die Plattform für psychologische Online-Beratung Instahelp hat sich eine neue Markenidentität gegeben. Gegenüber brutkasten erklären Projektleiter Nino Groß und Designerin Marie Pierer von Studio Furore, wie der Prozess ablief und was andere Unternehmen daraus mitnehmen können.
Bunt, warm, lebendig und offen: So beschreibt Instahelp seinen neuen Auftritt. Die 2015 gegründete Plattform für Online-Therapie und psychologische Beratung hat gemeinsam mit Studio Furore Logo, Typografie, Farbwelt, Fotografie und Illustration neu entwickelt. Entstanden ist laut Aussendung alles in Graz.
Der Auftritt soll laut Aussendung ein Gegenentwurf zur häufig cleanen und zurückhaltenden Ästhetik des Gesundheitsbereichs sein. Das in der Aussendung als „schnell“ beschriebene Logo rückt ein Kernattribut der Plattform ins Zentrum: den garantierten Erstkontakt mit Psycholog:innen binnen 24 Stunden.
Nino Groß, seit Jänner Head of Brand & Communications bei Instahelp, formulierte laut Aussendung den Markenauftrag, das Thema in die Mitte der Gesellschaft zu tragen.
Über sein Netzwerk kam er laut Aussendung mit Marie Pierer in Kontakt, Designerin und Mitgründerin von Studio Furore. brutkasten hat bei beiden nachgefragt, was Gründer:innen und Marketingverantwortliche aus dem Projekt lernen können.
1. Die Marke laufend hinterfragen
„Man sollte wohl nie damit aufhören, seine Marke kritisch zu betrachten. Auch, wenn man etwas Ikonisches geschaffen hat“, sagt Groß. Spätestens wenn Markenelemente nicht mehr praktikabel oder im Kontext des Zeitgeists nicht mehr zielführend seien, sei es an der Zeit, etwas zu verändern.
Bei Instahelp sei die Ausgangssituation ideal gewesen: ein starkes Fundament und zehnjähriges Bestehen. „Die Grundidee war von Beginn weg, auf dem Bestehenden aufzubauen und es in die Zukunft zu tragen“, so Groß. Die Marke solle Strahlkraft über den Health-Bereich hinaus bekommen.
Als erste Best Practice nennt Groß die strategische Annäherung mit den wichtigsten W-Fragen: „Wozu machen wir das, wo wollen wir damit hin, welche Ziele soll die Marke erreichen, die sie bislang noch nicht erreicht hat?“
Pierer beschreibt den Ausgangspunkt ihrer Arbeit so: „Am Anfang steht für uns immer die Frage: Was wollen wir eigentlich vermitteln, wen wollen wir erreichen und was sollen Menschen fühlen, wenn sie mit der Marke in Berührung kommen?“
Darauf aufbauend entwickle Studio Furore ein Konzept mit einer klaren Herleitung. Daraus entstehe Schritt für Schritt die Brand Identity, von Logo, Farben, Typografie und Bildwelt bis hin zu Layoutsystem, Gestaltungselementen und Tonalität. Ziel sei ein Aha-Moment, „bei dem man versteht, warum etwas genau so gestaltet ist“.
3. Innen- und Außenperspektive zusammenbringen
Groß steuerte das Projekt in Abstimmung mit der Geschäftsführung und entwickelte das markenstrategische Konzept. Eingebunden waren außerdem die internen Design-Verantwortlichen, die den bisherigen Markenauftritt verantwortet hatten, sowie der CTO.
Diesen Mix zählt Groß zu den Best Practices des Projekts. Es gehe darum, jene, die den Markenkern gebaut haben, mit jenen zusammenzubringen, die ihn weiterentwickeln werden. „Diesen Wissenstransfer braucht es.“ Ebenso wichtig sei, offen und ohne Tabus zu diskutieren, was bleiben darf und was gehen muss. „Greift man die gesamte Identität an, ist das ein schmaler Grat.“
Dass die Entscheidungen im Unternehmen schnell fielen, hat Groß nach eigenen Angaben beeindruckt. Die Marke habe in ihrer Erscheinungsform seit zehn Jahren bestanden. „Von daher ist das keine kleine Intervention, wenn man an die gesamte Identität geht.“
4. Bei der Agentursuche das eigene Netzwerk nutzen
„Wir haben mehrere Angebote eingeholt, das sollte man immer“, sagt Groß. Ausschlaggebend sei im Endeffekt der persönliche Kontakt gewesen. Er kenne die Köpfe hinter Studio Furore schon lange und habe von ihnen nie etwas gesehen, das ästhetisch und handwerklich nicht auf sehr hohem Niveau gewesen sei.
Bei einem Mittagessen mit Pierer und Fotograf Kurt Bauer, der für die Bildwelt verantwortlich zeichnete, sei ihm nach ein paar Sätzen klar gewesen: „Die spüren die Marke.“
Startups und kleineren Unternehmen rät Groß, nach Möglichkeit persönliche Kontakte anzuzapfen, also Personen mit Erfahrung und guten Drähten in die Kreativwirtschaft. „Das spart einerseits Zeit und schützt vor Leerläufen. Andererseits ist es enorm wichtig für die qualitative Einschätzung.“
5. Konventionen brechen, wenn sie dem Ziel im Weg stehen
Die neue Marke tritt bunt und warm statt klinisch auf. „Ich sehe das eigentlich weniger als Mut, sondern vielmehr als Notwendigkeit“, sagt Pierer dazu. Psychische Themen seien gesellschaftlich schon stark mit Schwere und Unsicherheit behaftet. „Wie soll man Hoffnung vermitteln oder ein Gefühl des Aufatmens schaffen, wenn die Gestaltung genau diese Schwere noch verstärkt?“
Verharmlosen dürfe man das Thema dadurch nicht. „Aber ernst zu nehmen bedeutet nicht automatisch, dass etwas klinisch, kühl oder schwer aussehen muss.“ Dabei müsse jedes Element eine klare Bedeutung haben. „Es geht nicht einfach darum, ein schönes Logo oder eine bestimmte Farbe zu wählen. Die Gestaltung muss in sich stimmig sein und eine Geschichte erzählen.“
Für Pierer hat das Projekt auch eine persönliche Seite. In der Aussendung schildert sie, nach der Geburt ihres ersten Kindes selbst schwierige psychische Phasen erlebt zu haben. „Wenn ich damals von einem Angebot wie Instahelp gewusst hätte, wäre mir der Weg zur Unterstützung mit Sicherheit leichter gefallen.“
6. Mit kleinem Budget: wenige Dinge richtig machen
Startups mit kleinem Budget rät Pierer, sich am Anfang klar darüber zu werden, wofür man steht und was man vermitteln möchte. „Man braucht nicht sofort ein riesiges Branding oder unzählige Gestaltungselemente. Man braucht ein gutes Konzept.“
Ein durchdachtes Logo, eine passende Farb- und Typografiewelt und eine konsistente Bildsprache könnten schon viel bewirken. Pierer rät davon ab, Trends oder andere Marken zu kopieren, nur weil sie gerade gut funktionieren. Man solle herausfinden, was einen selbst besonders macht, und das konsequent sichtbar machen.
Außerdem solle das Erscheinungsbild flexibel bleiben und mit dem Unternehmen wachsen können. „Eine gute Markenidentität muss nicht von Anfang an riesig sein. Sie muss vor allem eine klare Idee haben.“
Die neue Markenidentität von Instahelp ist laut Aussendung inzwischen vollständig ausgerollt. Die Plattform arbeitet nach eigenen Angaben mit mehr als 400 Psycholog:innen und hat bis dato rund 450.000 Beratungen durchgeführt.
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