04.07.2022

NEOS setzen in Wien Entlastungspaket für Unternehmer:innen durch

Wiens Betriebe atmen auf und dürfen sich über die Abschaffung bestimmter Abgaben, neue Förderungen und weniger Bürokratie durch Digitalisierung freuen.
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NEOS-Wien-Wirtschaftssprecher Markus Ornig © NEOS
NEOS-Wien-Wirtschaftssprecher Markus Ornig © NEOS
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Die rot-pinke Koalition in Wien arbeitet seit einem Jahr intensiv mit einer eigenen Arbeitsgruppe an der Entlastung von Unternehmer:innen und legt nun erste Erfolge auf den Tisch. Von den Maßnahmen profitieren vor allem Unternehmen mit Geschäftslokalen in Wien von einer Entbürokratisierung und Förderung. NEOS ist es dabei gelungen, eine lang gehegte Forderung durchzusetzen: Die Abschaffung der sogenannten Luftsteuer. Diese Steuer betrifft Dinge, die sich im “Luftraum” vor Geschäftslokalen befinden – etwa Markisen, Vordächer oder Windfänge. Ab 2023 sind dafür keine Abgaben mehr zu entrichten. 

Leere Lokale wiederbeleben

Gleichzeitig mit der Entlastung soll auch der Leerstand in Wien durch gezielte Förderung reduziert werden. Das schafft neue Chancen für Unternehmer:innen, Geschäftslokale zu nutzen. Die Förderschiene “Geschäftsbelebung Jetzt!” unterstützt mit bis zu 25.000 Euro beispielsweise notwendige Adaptierungsarbeiten in Lokalen. Dafür müssen Geschäftslokale nicht mehr mindestens ein Jahr leer stehen. Abgewickelt wird die Förderung über die Wirtschaftsagentur Wien, die damit bis Ende Mai 2022 bereits 161 Projekte mit insgesamt rund 3 Millionen Euro unterstützt hat. NEOS-Wien-Wirtschaftssprecher Markus Ornig rechnet damit, dass dadurch 290 neue Arbeitsplätze entstehen werden. Die Förderung wird entsprechend dem Erfolg bis Ende 2023 verlängert. 

Digitales Serviceportal ausbauen

Auch die Digitalisierung soll das Leben von Unternehmer:innen in Wien leichter machen. Dafür wird das Angebot von “Mein Wien” ausgebaut. Dabei handelt es sich um ein digitales Serviceportal, das ein One-Stop-Shop für Amtswege für Unternehmen ist. Im September 2023 soll in diesem Portal mit “Zahl’s Wien” ein eigener Bezahlservice starten; geplant ist außerdem ein digitales Kontoblatt für beglichene und offene Gebühren und in Zukunft soll es auch eine rein digitale Betriebsanlagengenehmigung geben. 


NEOS-Wien-Wirtschaftssprecher Markus Ornig im Interview

In der Stadt Wien widmet sich seit Jänner 2021 eine eigene Arbeitsgruppe dem Thema Entbürokratisierung für kleine Unternehmen – was sind die größten Hürden, die diese Arbeitsgruppe ausgemacht hat?

Markus Ornig: Wir verfolgen als Fortschrittskoalition ein gemeinsames Ziel – Entbürokratisierung durch Digitalisierung. Die größte Hürde, wenn Sie dieses Wort so verwenden wollen, ist nicht die Verhandlung einzelner Maßnahmen, sondern das Mitziehen diverser Magistratsabteilungen die letztendlich mit den Digitalisierungsmaßnahmen arbeiten müssen. Hier freuen wir uns, dass dies durchwegs positiv aufgenommen und umgesetzt wird. Neu eingeführte digitale Zahlungsmöglichkeiten oder diverse Online-Beantragungsverfahren auf unserem ständig wachsenden Online Amtswegeportal mein.wien.gv.at sparen Zeit, Wege und damit Geld. Offline muss alles in Richtung One-Stop-Shop adaptiert werden. Das alles kostet natürlich Zeit, aber wir präsentieren laufend Innovationen.

Im Zuge der Entlastung fallen viele, teilweise skurril anmutende Abgaben – wie groß ist die Entlastung für kleine Unternehmen und wer profitiert am meisten davon?

Jeder gesparte Euro hilft einzig und allein allen Wiener Unternehmer:innen. NEOS haben seit jeher die Abschaffung der, im Volksmund bekannten Luftsteuer, gefordert und als Regierungspartei diese Forderung erfolgreich umgesetzt. Durch die Abschaffung der bisherigen Gebrauchsabgaben (z.B. Sonnenschutzeinrichtungen wie Markisen, Vordächer und Portale) sowie diverse Bagatellabgaben (Windfang, Zierverputz und Stufenanlagen) ersparen sich ein Wiener Unternehmen ab dem 01. Jänner 2023 durchschnittlich 800 Euro pro Jahr. Darauf ruhen wir uns aber nicht aus, sondern werden hier laufend nachbessern. In Zeiten der Pandemie und Teuerung verständigen wir uns auf nachhaltige und sinnvolle Investitionen vor dem budgetären Hintergrund, der zur Verfügung steht. Nur gezielte Investitionen führen auch zu einer spürbaren Entlastung für unsere Unternehmer:innen.

Mit eigenen Förderungen sollen leerstehende Geschäftslokale in Wien wiederbelebt werden. Wieviel Leerstand gibt es derzeit und welche Effekte erwarten Sie sich durch die Förderung?

Unter den Titel „Geschäftsbelebung Jetzt!“ unterstützen wir Wiens Unternehmer:innen bei Wiederbelebung leerstehender Geschäftslokale. Die maximale Fördersumme pro Projekt beträgt 25.000 Euro, das ermöglicht den Unternehmer:innen beispielsweise den Einbau einer effizienteren und dadurch klimaschonenden Heizung und unterstützt natürlich bei der gesamten Einrichtung und Renovierung des Lokals. Insgesamt wurden seit März 2021 Gassenlokale mit einer Gesamtfläche von rund 28.000 Quadratmeter wiederbelebt. Würde man alle geförderten Geschäfte aneinanderreihen, ergäbe das eine rund ein Kilometer lange Ladenzeile.

Die Bilanz bis dato ist beeindruckend: Bis Ende Mai 2022 haben 216 Unternehmen ihre Projekte eingereicht, 161 konnten mit insgesamt rund 3 Millionen Euro unterstützt werden. Die dadurch ausgelösten Investitionen belaufen sich auf mehr als 15 Millionen Euro. Die geförderten Unternehmen beschäftigen 667 Arbeitnehmer*innen, der bei den 161 Projekten zu erwartende Beschäftigungseffekt liegt bei 290 neuen Arbeitsplätzen bzw. einem Beschäftigungszuwachs von 45 Prozent. Aufgrund des Erfolgs haben wir diese Förderung jetzt verlängert. Ich möchte hier aber auch noch die EPU-Förderung und das Gründer:innen Stipendium erwähnen. Auch diese Maßnahmen werden gut angenommen und bringen neue Impulse gegen den Leerstand in Geschäftslokalen.

Welche Rolle spielt die Digitalisierung bei der Entlastung kleiner Unternehmen?

Eine sehr große, wir wissen ja, dass sich der durchschnittliche österreichische Unternehmer einen ganzen Tag in der Woche nur mit Bürokratie herumschlagen muss. Das ist zu viel! In dieser Zeit könnte man so viel Wichtigeres machen, um sein Unternehmen weiterzuentwickeln. Die Digitalisierung bringt hier vor allem zeitliche Entlastung deshalb hat für uns der Ausbau einer modernen Verwaltung höchste Priorität. Voraussichtlich im September 2023 startet das umfassende, sichere und nutzer:innenfreundliche Bezahlservice „Zahl’s Wien“. Dieses ist unter dem Dach von „Mein Wien“ verankert und bietet ab Start dann auch moderne Bezahlarten wie PayPal, GooglePay oder ApplePay. Wir haben uns unter anderem darauf geeinigt, dass zusätzlich zur Online-Beantragung eines Schanigartens, es zukünftig auch ein digitales Kontoblatt geben wird, das auf einen Blick alle offenen und beglichenen Gebühren für alle Wiener:innen auflistet. Zudem wird mit Hochdruck an der weiteren Umsetzung einer rein digitalen Betriebsanlagengenehmigung für Unternehmer*innen getüftelt. Jeder der den derzeitigen Prozess schon einmal durchlebt hat weiß, wie viel Schweiß und Tränen das bedeutet.  Sie sehen also, es werden Schritt für Schritt immer weiter Entlastungspakete ausgearbeitet und präsentiert.

Welche Maßnahmen müssen derzeit besonders dringend gesetzt werden?

Ich denke es führt kein Weg daran vorbei auf allen Ebenen zu entlasten. Bei den Unternehmer:innen und auch bei allen Wiener:innen. Die schnellste und effizienteste Möglichkeit in dieser Energiekrise ist neben den bereits vorgestellten vier Säulen der Energiekostenförderung mit knapp € 300 Mio. ist die Aussetzung der Valorisierung. Das kostet die Stadt zwar auf einen Schlag ca. 50 Millionen Euro an wichtigen Einnahmen, aber es ist die Beste und einfachste Entlastung für alle. Ich hoffe sehr, dass unser Koalitionspartner diesen Weg mit uns geht.

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Dieser Text ist zuerst im brutkasten-Printmagazin von Mai 2026 „Die nächste Stufe“ erschienen. Eine Download-Möglichkeit des gesamten Magazins findet sich am Ende dieses Artikels.


Der große kleine Startup-Standort

Wiens Strahlkraft zeigt sich auch bei den Unternehmensbewertungen: 82 Prozent der Wiener Startups knacken die 2,5-Millionen-Euro-Schwelle – gegenüber 70 Prozent im übrigen Land.

Solide klingt das aber nur an österreichischen Maßstäben gemessen; im Vergleich zum europäischen Kapitalmarkt bleibt viel Luft nach oben. Vom europaweiten VC-Boom (62 Mrd. Euro) blieb Wien 2025 weitgehend abgeschnitten. Das Paradoxon: Während die Stadt mit 86 Deals noch Platz 15 bei der Anzahl der Runden hält, offenbart das Volumen die reale Skalierungslücke – mit nur 179 Millionen Euro sammelten Wiener Startups weniger als die Hälfte des Vorjahreswerts (378 Mio. Euro) ein.

Der direkte Vergleich: München und Stockholm

Der Kontrast zu Städten, die oft als direkte Wettbewerber oder Vorbilder genannt werden, ist drastisch. München verzeichnete 2025 bei 124 Deals ein Investitionsvolumen von 2,45 Milliarden Euro – fast das Vierzehn-fache der Wiener Summe. Und das, obwohl die bayerische Hauptstadt deutlich weniger Neugründungen als Wien ausweist: 192 im Jahr 2023, immerhin 290 im Jahr 2025.

Auch der Blick nach Norden unterstreicht die Diskrepanz: Stockholm, oft als Paradebeispiel für ein international ausgerichtetes Ökosystem genannt, zog im selben Zeitraum 1,42 Milliarden Euro an Risikokapital an, verteilt auf 137 Finanzierungsrunden.

Während Stockholm und München ihre Position als Milliarden-Hubs festigen, droht Wien bei der Wachstumsfinanzierung den Anschluss zu verlieren.

Städtische Unterstützung

Um das Ökosystem zu stärken, engagiert sich auch die Stadt Wien selbst auf mehreren Schienen. Treibende Kraft ist die Wirtschaftsagentur Wien: Sie förderte allein im vergangenen Jahr 1.177 Projekte mit insgesamt rund 48 Millionen Euro – 30 Prozent der Einreichungen stammten dabei laut Agentur von Gründer:innen und Startups. Die Wirtschaftsagentur ist es auch, die als Organisatorin hinter dem dezentralen Startup-Festival ViennaUP steht – von 18. bis 22. Mai finden im Rahmen des Festivals heuer rund 40 Startup-relevante Einzelevents zahlreicher Veranstalter statt, dazu kommen mehrere Side-Events anderer Player außerhalb des offiziellen Programms.

Konkretes Engagement zeigt die Stadt auch beim Schaffen von Infrastruktur: Neben den im Aufbau befindlichen Technologiezentren Life Science Center Vienna und AI Factory Austria ist aktuell ein Quantum Technology Center Vienna in Planung.

Risikokapital-Hauptstadt

Was für den gesamten österreichischen Startup-Sektor gilt, trifft auf den Bereich Risikokapital im Besonderen zu: Er ist auf Wien konzentriert. Die Hauptstadt beheimatet mehrere VC-Fonds von internationaler Bedeutung (allen voran Platzhirsch Speedinvest), aber auch mehrere Corporate-VCs und eine active Business-Angel-Szene. Das Kapital fließt aber keineswegs nur in heimische Startups und Scaleups – ein Überblick.

Wie viel Risikokapital von Wien aus verwaltet wird, lässt sich auf Basis öffentlich zugänglicher Informationen nicht exakt beziffern. Fest steht: Die Hauptstadt ist auch unbestrittene Risikokapital-Hauptstadt. Mit Speedinvest, 3VC und Apex Ventures haben die drei größten privaten VC-Fonds des Landes ihren Sitz in Wien, dazu kommen mehrere kleinere Fonds wie calm/storm und Fund F. Auch die größten Corporate-VCs, konkret Verbund X Ventures und Elevator Ventures (Raiffeisen Bank International) arbeiten von Wien aus. Die mittlerweile inaktive Uniqa Ventures hatte ihren Sitz ebenfalls hier. Mit dem aws Gründungsfonds hat zudem der größte öffentliche VC seinen Sitz in der Donaumetropole. Komplettiert wird das Risikokapital-Angebot durch die aktive Business-Angel-Szene mit Aushängeschild Hansi Hansmann.

Aktive VCs und CVCs mit Sitz in Wien (Auswahl)

VC / CVCAuM (Schätzung)Volumen aktueller HauptfondsDetails
Speedinvest~ 1,2 Mrd. EUR350 Mio. EUR (Speedinvest 4)Europas größter Seed-Fonds. Breiter Branchenfokus, paneuropäisches Mandat.
3VC~ 200 Mio. EUR150 Mio. EUR (Fonds II)Größter Later-Stage-Fonds Österreichs. Investiert ab Series A in B2B-/B2C-Software (DACH und CEE).
APEX Ventures~ 150 Mio. EUR80 Mio. EUR (Zielvolumen Amadeus APEX Tech)Fokus auf Deeptech, AI, Quantum und Spacetech. Aktueller Hauptfonds gemeinsam mit der britischen Amadeus Capital aufgelegt.
aws Gründungsfonds~ 140 Mio. EUR72 Mio. EUR (Gründungsfonds II)Staatlich initiierter Co-Investor. AuM aus Alt-Fonds und aktuellem Fonds II in der Investmentphase. Nahezu 100 % Österreich-Fokus.
Elevator Ventures> 100 Mio. EUR70 Mio. EUR (EV II)Corporate VC der Raiffeisen Bank International. Aktiver Lead-Investor in Fintech und Cybersecurity in DACH und CEE.
calm / storm ventures~ 50 Mio. EUR27 Mio. EUR (Fund II)Kürzlich zweiten Fonds geschlossen. Sehr aktiver Early-Stage-Player in Healthtech und Femtech; Europa-Fokus.
Fund F~ 28 Mio. EUR28 Mio. EUR (Fund I)Pre-Seed- und Seed-Fonds der Female-Founders-Gründerinnen. Investiert in Startups mit mindestens einer Gründerin im Team.
Verbund X Ventureskein fixes Volumen (Evergreen)kein fixes Volumen (Evergreen)Keine klassische VC-Fondsstruktur. Investiert aus dem Budget des Energieversorgers in ganz Europa.

Internationale Ausrichtung

Die Bündelung des verwalteten VC-Kapitals in Wien bedeutet keineswegs, dass dieses Kapital auch zur Gänze heimischen Startups zur Verfügung steht: Mit Ausnahme des aws Gründungsfonds, der laut Mandat nahezu ausschließlich in Unternehmen mit Hauptsitz in Österreich investiert, sind die genannten Fonds international ausgerichtet. Bei den meisten privaten VCs liegt der Anteil österreichischer Startups im Portfolio bei oder unter zehn Prozent, bei den Corporate-VCs knapp darüber. Genaue Zahlen liefert Speedinvest: Das Gesamtportfolio umfasst laut eigenen Angaben zuletzt 298 aktive Investments in 40 Ländern mit klarem Schwerpunkt in Europa. Genau 30 Portfolio-Unternehmen – also rund zehn Prozent – haben ihren Sitz in Österreich.

Spinoff-Boom in Progress

Neun öffentliche Universitäten und fünf Fachhochschulen sind nur der Kern: Mit rund 200.000 Studierenden ist Wien der größte Hochschulstandort im deutschsprachigen Raum. In der Forschung gehören die Wiener Unis in mehreren Fachbereichen zur Weltspitze – bei der Überführung von Forschungsergebnissen in die Wirtschaft gibt es allerdings noch viel Potenzial. Dabei betreiben mehrere Universitäten seit Jahren Programme zur Förderung von Spinoffs, etwa die TU Wien mit i²c, die WU Wien mit dem Gründungszentrum, die Uni Wien mit u:seed oder die Universität für Bodenkultur mit „[sic!]“.

Zuletzt wurden die Strategien an mehreren Häusern noch deutlich ausgebaut. Die TU etwa definierte Spin-offs als zentralen Baustein der Strategie, etablierte eine Spinoff Factory und initiierte gemeinsam mit Speedinvest den Fonds Noctua Science Ventures. Das erklärte Ziel von Rektor Jens Schneider: 30 bis 50 Spinoffs pro Jahr. Die WU wiederum wurde mit Ignite Ventures selbst zum Frühphasen-Investor und vergibt kleine Tickets an Ausgründungen des Hauses.

Internationale Krypto-Anziehungskraft

Dass die Hauptstadt ein gutes Pflaster für den KryptoBereich ist, hat Österreichs am höchsten bewertetes Scaleup ein drücklich bewiesen: Als Kryptobroker gestartet bietet Bitpanda mittlerweile ein deutlich breiteres Portfolio – der Handel mit Bitcoin und Co samt B2BAngeboten für internationale Banken und Fintechs bleibt aber das Kern geschäft. Den formellen Hauptsitz hat das Wiener Unicorn zwar vor einigen Internationale Krypto-Anziehungskraft Jahren in die Schweiz verlegt, operatives Zentrum bleibt aber die Zentrale im zweiten Wiener Bezirk.

Bitpanda ist längst nicht mehr allein: Mehrere große internationale Kryptoanbieter haben in den vergangenen Jahren ihre EU-Headquarters in Wien eröffnet – konkret die in Asien gegründeten Plattformen KuCoin, Bybit und Bitget, die alle drei zu den größten der Welt zählen. Sie profitieren am Standort von zwei Faktoren: erstens vom attraktiven Angebot an qualifiziertem Personal, zweitens von guten regulatorischen Voraussetzungen. Um in der EU aktiv sein zu dürfen, brauchen die Plattformen seit Ende 2024 eine Lizenz gemäß der Markets in Crypto-Assets Regulation (MiCAR). Die in Österreich zuständige Finanzmarktaufsicht (FMA) gilt dabei als streng und EU-weit angesehen, gleichzeitig aber auch als kooperativ bei der Erarbeitung der für die Lizenz notwendigen Voraussetzungen.

Stärkefeld Life Sciences

Wien beherbergt laut der Clusterplattform LISA-vienna 754 Life-Sciences-Organisationen, darunter 646 Unternehmen sowie 19 renommierte Forschungs- und Bildungseinrichtungen mit insgesamt über 49.000 Beschäftigten. Obwohl die Stadt nur rund 21 Prozent der österreichischen Bevölkerung ausmacht, vereint sie mehr als die Hälfte des heimischen Life-Sciences-Sektors. Die jährlichen Umsätze lagen 2023 laut Vienna Life Science Report 2024/25 bei rund 22,7 Milliarden Euro, der Großteil davon in Biotech und Pharma.

Wiens Innovationskraft basiert maßgeblich auf der starken akademischen Landschaft: 2023 veröffentlichten die Forschungs- und Bildungseinrichtungen der Stadt rund 8.800 wissenschaftliche Arbeiten, über 34.000 Studierende waren in Life-Sciences-Studiengängen eingeschrieben. Gleichzeitig treibt eine aktive Startup- und Scaleup-Szene Innovationen voran – von der Wirkstoffentwicklung bis zu KI-basierten digitalen Lösungen im Gesundheitswesen. Investitionen, Finanzierungsrunden und Deals wie Lizenzvereinbarungen oder Übernahmen erreichen jährlich regelmäßig ein Volumen im dreistelligen Millionenbereich.

Zentraler Hub für die Branche ist das von der Stadt initiierte Life Science Center mit Schwerpunkt auf der Verbindung von Life Sciences und KI, für das auch ein Komplex im dritten Bezirk errichtet wird. Dort ist auch AITHYRA angesiedelt, ein Institut für biomedizinische künstliche Intelligenz in Kooperation mit der Boehringer-Ingelheim-Stiftung.

KI-Hub ohne große Namen

Die Bundeshauptstadt hat schon im vorigen Jahrzehnt einige KI-Pioniere hervorgebracht. Die Ironie der Geschichte: Viele davon haben das Aufkommen der Large Language Models nicht überlebt, weil ihre über Jahre entwickelten Technologien davon überholt wurden. Gleichzeitig hat die KI-Revolution der vergangenen Jahre eine Reihe neuer, teils schnell wachsender Unternehmen hervorgebracht. Player von internationalem Rang oder gar Herausforderer der US-Riesen sucht man in Wien aber nach wie vor vergeblich.

Dabei ist die Stadt durchaus um die Förderung des KI-Sektors bemüht. Geschaffen wurde etwa die AI Factory Austria, die mit dem AI:AT Coworking Hub auch als zentrale Anlaufstelle für die heimische KI-Szene fungieren soll. Startups bekommen dort unter anderem Zugang zu Supercomputern und Unterstützung bei der internationalen Vernetzung.

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