16.09.2024
ENERGY

neoom-Gründer Walter Kreisel: „Wir stellen wieder neue Leute ein“

Inflation, hohe Zinsen und Preisdruck setzen der Solarbranche zu. Doch neoom-Gründer Walter Kreisel bleibt optimistisch. Im brutkasten-Talk spricht er darüber, wie er das Unternehmen auf Wachstumskurs halten möchte.
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Walter Kreisel | © brutkasten / viktoria waba

Die Solarbranche erlebt derzeit eine Achterbahnfahrt. Nach dem Boom während der Energiekrise bremsen nun steigende Kreditzinsen und Inflation das Wachstum. Erst im Sommer gab das oberösterreichische Technologiekonzern Fronius bekannt, dass es in seiner Solarsparte über 800 Jobs abbauen muss. Parallel dazu kämpft auch das deutsche Unicorn Enpal mit rückläufigen Gewinnen. Und auch heimische Energy-Scaleups mussten aufgrund der schwierigen Marktbedingungen ihre Wachstumsstratgien anpassen – darunter auch neoom. Das Unternehmen rund um Walter Kreisel musste Ende Dezember letzten Jahres 27 Stellen abbauen (brutkaten berichtete)

Walter Kreisel: „Wir haben Zeit gewonnen“

Doch wie ist es um die Branche bestellt? „Die Nachfrage ist nach wie vor hoch,“ erklärt Kreisel im Interview. Der Markt sei nicht eingebrochen, aber die Entscheidungszeiten für Solarspeicherkraftwerke im privaten und gewerblichen Sektor hätten sich verlängert. Kreisel betont, dass die Conversion Rate – also der Prozentsatz der Kunden, die sich für ein Produkt entscheiden – weiterhin hoch ist.

Im Dezember 2023 sah sich das Unternehmen gezwungen den Wachstumskurs anzupassen. Aus Sicht des Gründers sei der Schritt jedoch eine notwendige Maßnahme gewesen – zur langfristigen Stabilisierung des Unternehmens. „Es fühlt sich fast an wie eine Vollbremsung, aber in Wirklichkeit haben wir Zeit gewonnen, um Effizienz- und Effektivitätsmaßnahmen umzusetzen.“

Trotz dieser internen Anpassungen wächst neoom stetig weiter und beschäftigt mittlerweile über 300 Mitarbeiter:innen in Österreich, Deutschland und der Schweiz. „Wir stellen bereits wieder neue Leute ein und sehen großes Potenzial in unseren internationalen Märkten,“ so Kreisel.

neoom setzt auf neue Geschäftsmodelle

Doch wie gelingt neoom in dem schwierigen Marktumfeld der Turnaround? Kreisel argumentiert es mit der zunehmende Digitalisierung, auf die sein Unternehmen setzt. So hätte das Unternehmen über die letzten Jahr den Schritt weg vom reinen Hardware-Verkauf (Stromspeicher) hin zu umfassenden digitalen Lösungen gemacht hat. „Wir sind längst kein reines Stromspeicher-Unternehmen mehr,“ erklärt er. „Mittlerweile haben wir über 58.000 Geräte in der Cloud vernetzt, die von 15.000 Standorten aus gesteuert werden.“

Diese Vernetzung ermöglichte es neoom, nicht nur Solaranlagen effizienter zu betreiben, sondern auch neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. Durch die Einführung von Subscriptions und Transaktionsmodellen hat das Unternehmen begonnen, einen signifikanten Teil seines Umsatzes durch wiederkehrende Einnahmen zu generieren. „Bis Jahresende werden knapp zehn Prozent unseres Umsatzes aus wiederkehrenden Erlösen bestehen,“ so Kreisel.

Erst Anfang September stellte neoom neue Produkte im digitalen Bereich vor. Dazu zählt unter anderem die Energiemanagementsoftware Connect AI. Dieses System ermöglicht es, durch die intelligente Analyse von Daten automatisch die bessere Entscheidungen für den Energieverbrauch zu treffen.

Besonders in Deutschland und der Schweiz sieht Kreisel großes Potenzial für weiteres Wachstum. In Deutschland, wo neoom bereits 40 Prozent seines Umsatzes erwirtschaftet, wächst das Unternehmen schneller als in Österreich. „Deutschland ist ein riesiger Markt, und wir haben dort viel von unseren Mitbewerbern gelernt,“ erklärt Kreisel.

Deutschland und Schweiz als neue Märkte

Walter Kreisel erklärt, dass neoom theoretisch jederzeit bereit für einen Börsengang wäre, aber die Marktbedingungen derzeit nicht optimal sind. „Wir könnten theoretisch jederzeit einen Börsengang machen, aber die Börse ist nicht bereit,“ so Kreisel. Er merkt an, dass das Unternehmen eine bestimmte Umsatz- und Gewinnschwelle erreichen müsste, bevor ein Börsengang Sinn macht. „Stand heute musst du wahrscheinlich 600, 700, 800 Millionen Euro Umsatz machen und 100, 150 Millionen Euro Gewinn, das sind wir natürlich noch nicht.“ Gleichzeitig hebt er hervor, dass neoom in Zusammenarbeit mit seinen 1.000 Partnern bereits indirekt Umsätze in dieser Größenordnung generiert.

„Die Energiewende wird bis 2040, 2050 dauern, du musst dir denken, 80% der Dächer sind noch nicht belegt, also wir haben unglaublich viel Potenzial.“ Und merkt an: „Ich habe keinen Stress, ob wir den Börsengang 2029 oder 2026 haben.“

Hinsichtlich der gegenwärtigen Unvorhersehbarkeiten an den Finanzmärkten nennt Kreisel steigende Zinsen, Inflation sowie die geopolitischen Unsicherheiten, wie den Krieg in der Ukraine und die Konflikte in Israel und Palästina, als Faktoren, die eine stabile Planung für einen Börsengang erschweren. „Die Zinslage, steigende Zinsen, die Inflation, der Krieg – die Börse ist brutal volatil,“ erklärt er.


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Aktiv leben und dafür auch noch Rabatte bekommen: Die neue App Move2pay des Vorarlberger Unternehmens SVAX GmbH möchte einen gesunden Lebensstil belohnen. „Wir wollten mit unserem Unternehmen etwas Gutes tun und haben uns gedacht: ‚Mit welchen Problemen kämpft unsere Gesellschaft?‘ Die Antwort war der Bewegungsmangel. Das ist aktuell eine echte Pandemie“, erklärt Co-Founder Karim Allouche, der die App gemeinsam mit seiner Tochter gegründet hat. Tatsächlich betreiben laut einer Erhebung der EU 39 Prozent der Europäer nie Sport.

Move2pay sorgte zuletzt bei der „Höhle der Löwen“ für Aufsehen. Trotz verpasstem Abschluss scheint sich der Auftritt rentiert zu haben, denn die App hat eigenen Angaben zufolge innerhalb der folgenden sieben Tage stark an Downloads zugelegt, rund 260.000 Nutzer:innen sollen in dieser Zeit dazugekommen sein. Im Apple-App-Store ist auch von Platz eins vor ChatGPT und Claude die Rede. Unabhängig überprüfen konnte brutkasten diese Zahlen nicht. Jedenfalls wird die App im Play Store mit über 100.000 Downloads angegeben, ihr Launch war im März.

Bewegung als das „neue Zahlungsmittel“

Die Idee hinter der App ist simpel. Kund:innen verbinden Move2pay mit ihrer Fitnessapp und erhalten anschließend aufgrund ihrer körperlichen Belastung ein entsprechendes Guthaben. Dabei berücksichtigt die App die Herzfrequenz, die zurückgelegte Distanz und die Dauer der Belastung. Move2pay bewertet somit die Belastung für das Herz-Kreislaufsystem und nicht die erreichte Leistung. „Uns war von Anfang an wichtig, dass unsere App barrierefrei funktioniert. Auch Menschen mit Beeinträchtigungen können Move2pay verwenden und werden fair bewertet“, sagt Allouche.

Das erhaltene Guthaben wird in Euro umgewandelt. Mit dieser Gutschrift erhalten User:innen bei den 163 Partnershops wie Waterdrop oder Snocks Rabatte. „Bewegung wird somit zum neuen Zahlungsmittel“, sagt Allouche.

Ja nach Shoppartner erhält Move2pay eine Marge von 30 bis 50 Prozent, die in der Währung Euro an die User:innen weitergegeben wird. 10 Prozent der Marge verrechnet Move2pay den Kund:innen als Servicegebühr. Im Oktober kam die App so auf einen Umsatz von rund 113.000 Euro. Move2pay ist vollständig gebootstrappt.

Und was haben die Shops davon?

Für die Firmen sei Move2pay ein weiterer Marktplatz, über den sie ihre Produkte vermarkten können. Die Unternehmen hätten durch die Rabatte keine finanziellen Nachteile. Allouche sieht den Vorteil für die Shoppartner auf der psychologischen Ebene: „Wenn unsere User:innen ein Produkt erwerben, dann belohnen sie sich mit Marke XY für einen gesunden Lebensstil. Meistens kaufen unsere Kund:innen zwölf Minuten nach der letzten Aktivität. Das heißt, sie haben immer noch Endorphine im Körper und verbinden diesen Zustand mit einer Marke.“

Belohnung für ausreichend Schlaf und gesunde Ernährung

Die App soll Menschen in Zukunft nicht nur zu mehr Bewegung motivieren. „Wir möchten umfänglich Gesundheit belohnen. Wir sprechen hier von Schlaf, Ernährung und Bewegung. Das sind die drei Säulen unserer Gesundheit“, erklärt Allouche. Wer genügend schläft und ausreichend trinkt bzw. gesund isst, soll künftig auch damit sein Guthaben aufwerten können. Diese weitere Entwicklung würde nach Zusage einer angefragten FFG-Förderung von über 300.000 Euro zwölf bis 18 Monate dauern.

„Das sind herausfordernde Features, die wir bauen möchten. Wir wollen keine kommerzielle Shopping-Plattform werden, die man links, rechts, oben und unten betrügen kann“, erklärt der Co-Founder.

Börsengang 2032

Allouche und seine Tochter denken aber bereits in größeren Dimensionen. Sie wollen mit Move2pay an die Börse gehen, die selbstgesetzte Frist lautet 2032. Den Börsengang beschreibt er als „großes Ziel“ und ergänzt: „Bewegung muss auf der ganzen Welt zu einem anerkannten Zahlungsmittel werden.“ In seiner Vision soll man in Zukunft mit Move2pay auch online bezahlen können, ähnlich wie mit Klarna oder PayPal. Allouche gibt aber zu, dass dafür noch „viele Faktoren“ zusammenspielen müssen.

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