18.03.2026
INTERVIEW

neoom-Gründer Walter Kreisel: „Ich habe in diesen acht Jahren alles gegeben“

Interview. Nach der Übergabe seiner CEO-Rolle Anfang des Jahres gab neoom-Gründer Walter Kreisel brutkasten nun sein erstes großes Interview. Darin spricht er offen über die Herausforderungen des Loslassens, seinen persönlichen Neustart und künftige Projekte.
/artikel/neoom-gruender-walter-kreisel-interview-maerz-2026
Walter Kreisel zu Gast bei brutkasten | (c) Martin Pacher / brutkasten

Acht Jahre lang leitete Walter Kreisel das von ihm gegründete CleanTech-Scaleup neoom als CEO. Anfang des Jahres übergab er die operative Führung an Nicolas Iwan und wechselte in eine Aufsichtsratsrolle (brutkasten berichtete). Im Interview mit brutkasten spricht Kreisel über die strategischen und persönlichen Hintergründe dieses Wechsels. Er erklärt, wie der Übergabeprozess ablief und welche Überlegungen letztlich dazu führten, sich aus dem Tagesgeschäft zurückzuziehen. Der Rückzug aus der Geschäftsführung geht für Kreisel mit einer beruflichen und privaten Neuorientierung einher. Im Gespräch gibt der Unternehmer Einblicke in seine aktuelle Ausrichtung und künftige Projekte.


brutkasten: Anfang des Jahres hast du den Rücktritt als CEO bekannt gegeben und bist dabei, deinen eigenen Worten nach, eher „zur Seite getreten“. Wie lange hast du für diese Entscheidung gebraucht und warum hast du sie getroffen?

Walter Kreisel: Ich durfte in den letzten acht Jahren neoom gemeinsam mit meinem Management-Team sehr erfolgreich aufbauen. Wir haben viele gute, aber auch viele harte Zeiten hinter uns. Wenn ein Unternehmen in der dezentralen Energieversorgung zu einem Marktführer heranwächst – wir sind ja in Österreich, Deutschland und der Schweiz aktiv –, stellst du als Gründer im besten Fall immer Leute ein, die besser sind als du selbst. Du holst Spezialisten für Bereiche, die du selbst nicht abdecken kannst. Irgendwann kommt der Punkt, an dem die Eigenwahrnehmung und die Fremdwahrnehmung auseinandergehen. Wenn man als Gründer und CEO gewisse Herausforderungen managen muss, ist der logische Schritt irgendwann, mehr aus der Eigentümerrolle auf das Unternehmen zu blicken als aus der reinen Managementrolle.

Wie ging es dir persönlich mit dieser Entscheidung?

Ich habe in diesen acht Jahren alles gegeben und auf vieles verzichtet: Familie, meinen eigenen Körper, Zeit. Vieles ist auf der Strecke geblieben. Ich war an einem Punkt, an dem ich spürte: Ich möchte mich verändern. Das geht aber nicht von heute auf morgen. Im Herbst 2024 habe ich dann beschlossen, eine Ausbildung an der FH – Donau-Universität Krems zum zertifizierten Aufsichtsrat zu machen und mich mit der Nachfolge zu beschäftigen. Wir haben ohne Stress einen neuen CEO gesucht und ich hatte das Glück, dabei die volle Unterstützung meines gesamten Teams und der Miteigentümer zu haben. Seit Anfang des Jahres bin ich nun als Gründer in der Aufsichtsratsrolle und unterstütze neoom weiterhin als Non-Executive Advisor in den Bereichen Vertrieb und bei politischen sowie strategischen Themen.

Mit Nicolas Iwan hat ein neuer CEO das operative Ruder übernommen. Wie schwer fällt es dir als Gründer, dich in dieser „Cool-off-Phase“ wirklich zurückzunehmen?

Walter Kreisel: Das ist ein durchaus herausfordernder Prozess. Denn man kommt in manchen Themen vom Mikromanagement teilweise ins Nanomanagement, weil das Loslassen auch bei gewissen Themen extrem schwerfällt. Es ist wichtig, vieles im Blick zu behalten, aber man muss sich auch selbst steuern können. Ich habe dabei durchaus manche Dinge falsch gemacht, aber wir haben als Team dafür auch sehr viele Dinge richtig gemacht. Wir haben uns immer gegenseitig Feedback gegeben und unterstützt.

Ich habe ein enormes Vertrauen in Nicolas. Er ist ein super Typ, passt hervorragend ins Team, hat internationale Erfahrung – unter anderem zehn Jahre bei Shell, war bei McKinsey – und kommt jetzt über die Wasserstoffbranche zu neoom. Er bringt genau das richtige Mindset, das richtige Alter und den nötigen Fokus mit. Das macht das Loslassen viel einfacher. neoom bleibt mein „Baby“, auch wenn es jetzt erwachsen ist. In einer Phase, in der sich der Markt von einem unglaublichen Wachstumsmarkt zu einem Verdrängungsmarkt wandelt, ist er als CEO wahrscheinlich die viel bessere Besetzung, als ich es in dieser Phase wäre.

Du sprichst den Markt an. Aktuell tut sich geopolitisch extrem viel: Konflikte in den USA, Iran, steigende Öl- und Gaspreise. Was bedeutet das für das Geschäft von neoom?

Wenn man sich die Krisen der letzten Jahre ansieht, vom Klimachaos über Corona, den Ukraine-Konflikt bis hin zu Themen wie Venezuela oder Iran, wird klar: Das Thema dezentrale Energieversorgung durch erneuerbare Energien (Strom, Wärme, Kälte, Mobilität), die Europa unabhängig macht, ist nach wie vor ein Megatrend, der bleiben wird. Wir haben aktuell eine Marktsättigung von vielleicht 20 Prozent. Es ist derzeit eher eine Frage der Zinsen und der politischen Kommunikation, die den Markt hemmt oder eben pusht. Damit muss man als Unternehmen flexibel und effizient umgehen.

Das Gute ist, dass die Menschen verstanden haben, was erneuerbare Energien heute leisten können. Ich bin stolz darauf, dass wir heute rund 200 Mitarbeiter haben, jeden Tag Anlagen in Betrieb nehmen und damit enorm viel Energie, somit Geld und CO2 für unsere Kunden einsparen.

Neben neoom bist du weiterhin operativer Geschäftsführer bei der Earthshot One GmbH. Was genau macht ihr dort?

Im Zuge der Fokussierung von neoom haben wir das Thema Anlagenfinanzierung sowie Energie- und Wasserinfrastruktur aus der neoom herausgecarved. Mit der Earthshot One GmbH kümmern wir uns darum, internationale Strom- und Wasserinfrastruktur zu entwickeln, zu finanzieren und zu betreiben. Wir sind hier in der Entwickler- und Betreiberrolle und somit gleichzeitig bei Energieprojekten Kunde von neoom. Wir haben ein super kleines, agiles Team und großartige Eigentümer. Vor allem das Thema dezentrales Wasser ist eine immense Herausforderung, aus der wir gerade viel lernen.

Ein Blick auf deine persönliche Transformation: Du hast auf LinkedIn gepostet, dass du den Kilimandscharo in Afrika bestiegen hast. Und wie sieht dein beruflicher und persönlicher Plan für die Zukunft aus?

Es ist extrem wichtig, auf seiner Vergangenheit aufzubauen und sein Netzwerk weiterhin mit Mehrwert zu bespielen. Als ich den Entschluss fasste, meine Rolle bei neoom zu verändern, war mir klar, dass ich auch einen emotionalen Anker brauche. Vor 18 Jahren war ich mit dem Mountainbike in Tansania unterwegs, damals sehr sportlich. Während meiner Zeit bei neoom habe ich rund 28 Kilo zugenommen. Mir war wichtig: Wenn ich diese Transformation (intern hieß sie „Project Infinity“) durchziehe, dann möchte ich den Kilimandscharo erfolgreich besteigen. Dort habe ich gelernt, dass der Berg an sich nicht das Abenteuer ist. Er ist nur der Weg dorthin. Und der Gipfel ist nur ein weiterer Höhepunkt im Leben, auf dem man aufbauen kann.

Mir wurde bewusst, wie wichtig das „Warum“ im Leben ist. Das „Wie“ – mein Körper, meine Energie, mein Geist – ist heute mein stärkster Antrieb. Das „Was“ (ob Familie, Unternehmen oder Hobby) muss man in verschiedene Prioritäten unterteilen. Aus dieser Erfahrung heraus schreibe ich jetzt ein Buch. Das sehr spezielle Projekt trage ich bereits seit sieben oder acht Jahren in mir. Das Projekt heißt „Wahakahou“ und wird ein Wirtschafts-Epos. Es ist als moderne Fabel geschrieben und zieht einen schmalen Spagat zwischen Kapitalismus und Wiedergeburt. Ich möchte Menschen – unabhängig von Karriere, Erfolg oder Wohlstand – das Thema Unternehmertum auf eine fiktive, emotionale Art näherbringen.

Wie sieht dein Arbeitsalltag aktuell aus, wenn du an diesem Buch schreibst?

Ich stehe relativ früh auf, mache mir einen Matcha Latte, esse oft ein Avocado-Ei- oder Honigbrot, erledige dann meine verbliebenen operativen Aufgaben bei neoom oder den anderen Firmen. Ab Mittag widme ich mich dann dem Projekt Wahakahou. Egal, ob ich Auto fahre und dabei mit der KI spreche, ob ich lese oder Filme schaue – ich tauche tief in diese Themen ein, um rund um das Thema eine Plattform zu etablieren, bei der das Buch der erste wichtige Baustein ist.

Eine letzte spannende Rolle: Du bist Investor bei YEON Labs, einem Startup, das von deinem 18-jährigen Sohn Finn gegründet wurde. Wie kam es dazu?

Finn hat zwei Tage nach seinem 18. Geburtstag mit seinen Co-Gründern Anfang Februar die GmbH gegründet. Ich war am Anfang total dagegen. Ich meinte: Mach zuerst einen Berater-Job, lern etwas Neues oder mach die HTL fertig. Aber er ließ sich nicht abbringen. Er meinte: Du hast mir 18 Jahre lang nichts anderes vorgelebt. Schlussendlich habe ich als Minderheitsgesellschafter investiert und berate das Team. YEON Labs hat den „HALO“ entwickelt – ein medizinisches Gerät für aromatische Öle. Es ist ein Inhalator, der dir hilft, dein Potenzial schnell abzurufen. Egal, ob du Fokus brauchst, Sport machen willst oder schlafen möchtest. Über die Atmung kannst du deinen Zustand und das damit verbundene Potenzial am besten beeinflussen. Diese Funktion ist medizinisch bewiesen, und das war mir wichtig: keine Esoterik. Es tritt auch ganz klar gegen das Rauchen und Vapen an und bietet eine gesunde Möglichkeit, den eigenen Körper zu regulieren. Das finde ich extrem spannend.

Zum Abschluss: Was sind deine drei wichtigsten Learnings aus den letzten Jahren, die du anderen Gründern mitgeben möchtest?

Erstens: Schau dir ganz genau an, wer mit dir am Tisch sitzt – das Team ist das Wichtigste. Zweitens: Keine Entscheidung erfordert sofortige Handlung. Nimm das Tempo raus, schlaf eine Nacht darüber. Drittens: Gib Verantwortung viel schneller ab.

Deine ungelesenen Artikel:
06.10.2026

Toto Wolff: „Niemand wird bei der Fehlersuche die Hand heben, wenn er Angst hat, gefeuert zu werden“

Interview: Toto Wolff hat mit dem Mercedes-AMG-Petronas-Formula-One-Team eine lange Phase großer Erfolge verantwortet, danach vier Saisonen ohne Titelkampf erlebt und das Team in dieser Zeit umgebaut. Im Interview spricht er über psychologische Sicherheit als Voraussetzung für Fehlerkultur, über Entscheidungen unter Unsicherheit, über die Grenzen von KI im Rennsport – und über seine Beteiligungen an Nuki und Instahelp.
/artikel/toto-wolff-niemand-wird-bei-der-fehlersuche-die-hand-heben-wenn-er-angst-hat-gefeuert-zu-werden
06.10.2026

Toto Wolff: „Niemand wird bei der Fehlersuche die Hand heben, wenn er Angst hat, gefeuert zu werden“

Interview: Toto Wolff hat mit dem Mercedes-AMG-Petronas-Formula-One-Team eine lange Phase großer Erfolge verantwortet, danach vier Saisonen ohne Titelkampf erlebt und das Team in dieser Zeit umgebaut. Im Interview spricht er über psychologische Sicherheit als Voraussetzung für Fehlerkultur, über Entscheidungen unter Unsicherheit, über die Grenzen von KI im Rennsport – und über seine Beteiligungen an Nuki und Instahelp.
/artikel/toto-wolff-niemand-wird-bei-der-fehlersuche-die-hand-heben-wenn-er-angst-hat-gefeuert-zu-werden
Toto Wolff
© Sulay Kelly for Mercedes-Benz Grand Prix Ltd. - Toto Wolff.

Dieser Text ist zuerst im brutkasten-Printmagazin von August 2026 „Aufbrechen“ erschienen. Eine Download-Möglichkeit des gesamten Magazins findet sich am Ende dieses Artikels.


brutkasten: Sie haben Mercedes durch eine lange Phase großer Erfolge geführt, dann kamen schwierige Jahre. Was war Ihr wichtigstes Learning darüber, wie Organisationen nach Rückschlägen wieder in die Spur finden?

Toto Wolff: Die Formel 1 ist eine Welt der ständigen Evolution, nichts steht je still. Zum Beispiel haben die Regeländerungen 2022 schonungslos Schwächen in unseren Entwicklungsfähigkeiten und unserem Verständnis offenbart. Wir haben diese Ära klar hinter unseren Wettbewerbern gestartet und es über vier Saisonen hinweg nicht wirklich geschafft, diese Defizite auszubügeln.

Der eine oder andere Rennsieg waren die Highlights, wir haben es geschafft, zweimal in vier Jahren den zweiten Platz in der Konstrukteursmeisterschaft zu erringen; aber wir haben nie um den Titel gekämpft. Wir haben im Hintergrund größere Änderungen in unserer technischen Ausstattung, beim Personal und den Strukturen vorgenommen, um das Team stärker und wettbewerbsfähiger zu machen. Wir haben auch die Führungskultur adaptiert, weil wir das Team motivieren mussten, das begann, sich nach so vielen Jahren des Erfolgs selbst infrage zu stellen. Es war jedenfalls eine wichtige und wertvolle Phase für uns.

Sie sprechen in diesem Sinne wiederholt von einer „No Blame Culture“. Wie baut man eine Kultur auf, in der Fehler nicht versteckt oder angeprangert, sondern als Lernchance genutzt werden?

Es geht hier fast ausschließlich um psychologische Sicherheit. Niemand wird bei der Fehlersuche die Hand heben, wenn er Angst hat, gefeuert zu werden. Wir müssen aber zu unseren Fehlern stehen können. Und das fängt bei den Führungskräften an. Nur so können auch andere zu ihren Fehlern stehen. Eine „No Blame Culture“ funktioniert jedoch nur im Zusammenspiel mit einem hohen Verantwortungsbewusstsein. Man braucht Teammitglieder, die Verantwortung übernehmen, auch wenn es um Fehler geht.

In der Formel 1 hat jeder Fahrer eigene Ingenieure und Mechaniker. Wie verhindert man, dass interne Konkurrenz gegen die gemeinsame Strategie arbeitet?

Das ganze Team hat das gleiche Ziel: Die Meisterschaft für Mercedes zu gewinnen. Nicht mit dem einen oder anderen Fahrer, sondern für die Marke und das Team. Alle Mitarbeiter sind gleich incentiviert: Ausschlaggebend ist der Gewinn der Konstrukteursmeisterschaft, nicht der Fahrerwertung. Das ist die Grundlage unserer Entscheidungsfindung. Auch die Ingenieure und Mechaniker, die einem der Fahrer zugeteilt sind, arbeiten zuallererst für das Team. Beide Seiten der Garage machen jeden Boxenstopp gemeinsam. Alle technischen Daten werden zwischen den Ingenieuren der Fahrer geteilt, damit wir so wettbewerbsfähig wie möglich sein können. Das Motto ist klar: Das beste Team gewinnt, der beste Fahrer gewinnt; und zwar in dieser Reihenfolge.

Viele Gründerinnen und Gründer kämpfen damit, schnell zu wachsen und dabei die Kultur zu bewahren. Lassen sich Prinzipien aus der Formel 1 auf Startups und Scaleups übertragen?

Wir haben seit dem Cost Cap 2021 starkes Wachstum in der Formel 1 gesehen. Wir mussten uns überlegen, ob wir die Geschäftsfelder erweitern wollen, wie wir es etwa mit unserem Engagement im America’s Cup beim Segeln gemacht haben. Der Headcount ist gewachsen, vor allem in den Support-Bereichen außerhalb der technischen und operationellen Hauptbereiche. Aber dann haben wir uns wieder auf unser Kerngeschäft fokussiert, mit einem klaren Ziel: die Formel-1-Weltmeisterschaft zu gewinnen. Und bei jedem neuen Projekt stellen wir uns die Frage: Bringt uns das Projekt diesem Ziel näher, hilft es uns, Rennen und Meisterschaften zu gewinnen?

Wenn die Antwort Ja ist, dann investieren wir in das Projekt; wenn nicht, dann nicht. Ich denke, es geht vor allem darum, das Hauptziel nicht aus den Augen zu verlieren, da mit dem Unternehmenswachstum viele Elemente komplexer werden. Wenn man in einem so kompetitiven Umfeld wie der Formel 1 tätig ist, dann ist das Hauptziel relativ klar. Aber jedes Startup muss sich ein Ziel geben können und dann genau wie wir darauf fokussieren.

Wie treffen Sie strategische Entscheidungen, wenn nicht alle Informationen vorliegen? Gibt es ein Erfolgsgehmeinis?

Mein Freund und Geschäftspartner Niki Lauda hat immer auf die rasche Entscheidungsfindung gepocht – es ist besser, eine mangelhafte Entscheidung jetzt zu treffen, als darauf zu warten, alle Informationen zusammengetragen zu haben, wenn es dann zu spät ist. Man kann Entwicklungen immer noch korrigieren, wenn eine Entscheidung nicht ganz richtig war. Persönlich versuche ich die Upside und Downside bei den großen Entscheidungen zu erkennen: Wenn ich mit der Downside, dem Worst Case, leben kann, dann gibt es keinen Grund, vor der Entscheidung zurückzuschrecken.

Welche Leadership-Lektion hätten Sie gerne früher gelernt?

Meine wichtigste Erfahrung ist wohl, in Konfliktsituationen neugierig zu bleiben, zu versuchen, die Perspektive der anderen Seite zu verstehen, und auch manchmal zu akzeptieren, dass man nicht einer Meinung ist oder unterschiedliche Interessen hat; ein „agree to disagree“ als Ergebnis zu akzeptieren. Bei Leadership geht es ja vor allem darum, andere Menschen zu verstehen, sich auf eine gemeinsame Linie zu einigen, sie mit etwas zu incentivieren, das für sie auch wirklich relevant ist. Nur wer motiviert ist und sich wohlfühlt, kann 100 Prozent geben. Ziele klar formulieren, Mitarbeitern Verantwortung übertragen, ihnen dabei helfen, Herausforderungen zu meistern, und Ergebnisse offen analysieren – das ist meine Arbeitsweise.

Gibt es Ihrer Ansicht nach die eine Eigenschaft, die erfolgreiche Unternehmerinnen und Unternehmer brauchen? Und welche Fähigkeiten werden durch den zunehmenden Einsatz von KI wichtiger?

Das eigene Geschäft verstehen und die Leute kennen und verstehen, mit denen man arbeitet. Ein großes Ziel verfolgen und das Auge fürs Detail, das Gleichgewicht in allen relevanten Bereichen nicht verlieren. KI wird viel in unserer Welt verändern. Aber sie wird hoffentlich vor allem ein Instrument sein, das den Menschen dabei helfen wird, bessere Entscheidungen zu treffen. Die fähigsten Leute werden das Beste aus AI herausholen, die Stärken nutzen und sich von den Gefahren und Schwächen nicht beeinträchtigen lassen. Wir stehen sicher am Anfang einer rasanten Entwicklung, deren Ergebnis kaum vorhersehbar ist.

Und im Rennsport selbst: Kann KI helfen, die Ideallinie, die optimalen Bremspunkte oder das perfekte Setup zu entschlüsseln?

Wo die richtigen Bremspunkte sind, sollten wir eigentlich schon wissen; auch, dass, wenn es regnet, ein Reifen ohne Profil nicht so toll funktioniert. Aber im Ernst: Wir müssen AI zur Entscheidungsfindung einsetzen, wo hochkomplexe Datenmodelle es verlangen. Aber AI wird in keinem Bereich eigenständig entscheiden. Sie wird immer eine Unterstützung für unsere Ingenieure bleiben; zumindest in absehbarer Zeit.

Welche Innovationen aus dem Motorsport könnten in den kommenden Jahren für andere Industrien relevant werden?

Es gibt in der Geschichte viele Beispiele für Technologietransfer, und das geht auch heute weiter. Wir als Industrie lernen gerade viel über Batteriesysteme, über Steuerungselektronik und elektrische Motoren, aber auch über nachhaltige Treibstoffe und innovative Composite-Materialien; alles wichtige Entwicklungsbereiche für die Automobil- und Transportindustrie.

Es gibt aber auch ganz andere Bereiche, die mit dem Fahrzeug an sich nichts zu tun haben. So haben wir etwa vor ein paar Jahren Pionierarbeit beim Einsatz von 5G-Technologie an der Rennstrecke geleistet. Die Formel 1 ist in ihrer Grundcharakteristik interessant für Entwicklungen unterschiedlicher Technologien, weil sie ein sehr kompetitives Umfeld mit einer enorm hohen Entwicklungsgeschwindigkeit bietet. Das ist für Innovation und Entwicklung wertvoll.

Sie sind ja an mehreren Unternehmen beteiligt. Was sind Ihre Kriterien dabei?

Nuki und Instahelp sind ja nicht mehr Startups im eigentlichen Sinn, beide sind profitabel. Nuki macht über 50 Millionen Euro Umsatz und ist Marktführer in Europa; Instahelp hat seit zwei Jahren einen zweistelligen Millionenumsatz und verdient Geld. Unsere Kriterien waren damals, als wir die beiden Firmen mit unseren Partnern in der Up to Eleven, den Brüdern Martin und Jürgen Pansy und René Berger, gegründet haben, dass wir unsere bestehende Kompetenz bei mobiler Kommunikation, die wir mit sms.at und ucp über Jahre aufgebaut hatten, für innovative Geschäftsmodelle einsetzen wollen.

Dass wir direkt in Startups investiert haben, die wir nicht selbst gegründet haben, ist ja schon lang her; das war zu Zeiten von Marchfifteen beziehungsweise ganz vereinzelt vor über 15 Jahren. Das wichtigste Kriterium war jedenfalls immer, dass die Gründer gute Leute waren, denen man vertrauen kann. Einer davon war übrigens Oliver Holle. Auch heute vertrauen wir ihm, und zwar indem wir bei Speedinvest und damit auch weiterhin indirekt in Startups investieren.

Abschließend: Wie sieht bei Ihnen eigentlich ein Sonntag aus, an dem kein Rennen stattfindet?

Meistens bin ich in Italien, an einer Kartstrecke. Da sind Susie und ich dann die größten Fans unseres jungen Sohns. Der Apfel ist nicht weit vom Stamm gefallen.


Toll dass du so interessiert bist!
Hinterlasse uns bitte ein Feedback über den Button am linken Bildschirmrand.
Und klicke hier um die ganze Welt von der brutkasten zu entdecken.

brutkasten Newsletter

Aktuelle Nachrichten zu Startups, den neuesten Innovationen und politischen Entscheidungen zur Digitalisierung direkt in dein Postfach. Wähle aus unserer breiten Palette an Newslettern den passenden für dich.

Montag, Mittwoch und Freitag

AI Summaries

neoom-Gründer Walter Kreisel: „Ich habe in diesen acht Jahren alles gegeben“

AI Kontextualisierung

Welche gesellschaftspolitischen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

neoom-Gründer Walter Kreisel: „Ich habe in diesen acht Jahren alles gegeben“

AI Kontextualisierung

Welche wirtschaftlichen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

neoom-Gründer Walter Kreisel: „Ich habe in diesen acht Jahren alles gegeben“

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Innovationsmanager:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

neoom-Gründer Walter Kreisel: „Ich habe in diesen acht Jahren alles gegeben“

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Investor:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

neoom-Gründer Walter Kreisel: „Ich habe in diesen acht Jahren alles gegeben“

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Politiker:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

neoom-Gründer Walter Kreisel: „Ich habe in diesen acht Jahren alles gegeben“

AI Kontextualisierung

Was könnte das Bigger Picture von den Inhalten dieses Artikels sein?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

neoom-Gründer Walter Kreisel: „Ich habe in diesen acht Jahren alles gegeben“

AI Kontextualisierung

Wer sind die relevantesten Personen in diesem Artikel?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

neoom-Gründer Walter Kreisel: „Ich habe in diesen acht Jahren alles gegeben“

AI Kontextualisierung

Wer sind die relevantesten Organisationen in diesem Artikel?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

neoom-Gründer Walter Kreisel: „Ich habe in diesen acht Jahren alles gegeben“