27.07.2021

NEA: Junge Salzburgerin als Matchmakerin für NFT-Kunst und Investoren

Patricia Karrer liegt die Kunst in den Venen. Die Salzburerin machte sich während der Pandemie Gedanken darüber, wie sie Künstlern helfen kann. Heraus kam NEA und die Tokenisierung des Kunstschaffenden.
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NEA, Karrer,
(c) NEA - Patricia Karrer möchte Künstern die Möglichkeit geben auch digital Einkommen zu lukrieren.

Es war der Wille Künstlern in der Pandemie zu helfen, der Patricia Karrer vorantrieb. Die 24-Jährige trägt die Kunstszene im Blut – die Großeltern waren Galeristen; ihr Onkel Kunstmanager. Sie stellte sich lange die Frage, wo es sie hinziehen soll. Die Gründerin wollte viel machen, erkannte aber rasch, dass „Corporate“ nicht ihr Weg sei. Sie arbeitete bei der Erste Bank und im Europäischen Parlament, finanzierte sich ihr Studium in London über das „Claudio Ciborra Scholarship“ selbst, engagierte sich für Flüchtlinge und andere sozioökonomische Felder. Schlussendlich hat das künstlerische Wallen in ihr gewonnen. Und sie hat mit NEA (New Emerging Artists) ein Metaportal geschaffen, das Künstlern den Markteinritt digital erleichtern möchte.

Ihr Unternehmen befindet sich aktuell in einer Preseed-Phase, verfügt aber über eine Beta-Version. Dabei ist Karrer auf den NFT-Boom der letzten Monate aufgesprungen und bietet Kulturschaffenden eine zweite Einkommensquelle durch Umsatzbeteiligungs-Token – den Anlegern eine Dividendenausschüttung durch einen prozentualen Anteil der jährlichen NFT-Verkäufe der Künstler.

NFT-Kunst als Einkommensquelle

So geht’s: Der Künstler meldet sich bei NEA an, verifiziert seine Wallet und erhält seine eigenen Token, die sich auf den aktuellen Marktwert seiner Künstlermarke beziehen. „Dabei ist der Token-Name gleich der Artist-Name“, erklärt Karrer, die bei ihrem Portal ein einfaches Prinzip anbietet: „Je mehr digitale Kunstwerke in Form von NFTs der Künstler schafft und verkauft, desto höher sind seine persönlichen Einnahmen und desto größer ist der Anreiz für den Investor, den Künstler-Token zu kaufen, wodurch der Token-Wert steigt.“

Der Investor hingegen ersteht Token und schließt damit einen „Smart Contract“ mit dem Künstler ab, der den Preis dafür selbst bestimmt. Je höher die Anteile, desto höher auch der monatliche Revenue. Pro verkauftem Token erhält NEA eine prozentuale Gebühr.

Kommerzialisierung der Künstler-Brand

„Aktuell fokussieren wir auf digitale Kunst. Später werden noch andere Bereiche dazukommen“, erzählt Karrer. „Wir verstehen uns als Metaportal und agieren komplementär zu Plattformen wie zum Beispiel ‚Open Sea‘. Bei uns geht es um die Kommerzialisierung der Künstler-Brand.“

Der NFT-Markt hat, wie Interessierte vielleicht wissen, in den letzten Monaten einen starken Boom erlebt. Während sich Experten der Kunstszene darum streiten, ob dies eine bald platzende Bubble ist, oder ein Teil einer neuen Kunst-Entwicklung, verkaufen Künstler wie „Beeple“ ihre digitalen Werke um mehrere Millionen US-Dollar. Insgesamt erwirtschaftete der Kunstmarkt 2020 rund 50 Milliarden US-Dollar, davon fielen knapp 340 Millionen auf NFT und digitale Kunst ab. Tendenz stark steigend. Österreich hinke da etwas hinterher, meint die Gründerin.

Habitus der Norm

„In Österreich fürchten wir uns manchmal vor Neuem und fragen, was ist das eigentlich?“, weiß Karrer, die die ganze Szene in einer experimentellen Phase sieht. „Wir digitalisieren nicht gerne. Folgen lieber dem Habitus der Norm. Es war schon harte Arbeit, den Österreicher dazu zu bringen die Kreditkarte zu verwenden“, sagt sie lächelnd. Nur um dann ernst von Innovationsdynamiken in der Kunstindustrie zu sprechen, von der Blockchain-Technologie oder Distributed Ledger.

NEA-Gründerin hat noch einiges vor

Im Kopf von Patricia Karrer sprudeln die Ideen nur so hervor, die jetzt für die breite Masse nach wahllos aneinander gereihten Anglizismen klingen könnten, aber in zukünftig wohl so normal werden, wie Apple-Pay für Tim Cook.

Die dominanten Faktoren, die die junge Frau beschäftigen, sind, neben der Weiterentwicklung des Portals, die Integration der Marketplaces, die Feedback-Loop effizienter zu gestalten, Kooperationen mit Agenturen auszuarbeiten, die NEA mit Künstlern füttern, einen „beneficiary“ Fokus aufzubauen und einen „educational part“ zu entwickeln, der Leute mit Knowledge über die NFT-Szene und allem was dazugehört, versorgen soll. Der aktuelle Launch von NEA ist für den Herbst geplant. Vorher schreibt die 24-Jährige noch „kurz“ an ihrer Dissertation.

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Die invest.austria conference fand im Apothekertrakt des Schlosses Schönbrunn statt | (c) invest.austria / Alexander Müller
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In dieser Eventlocation war das diesjährige Motto der invest.austria conference – „Postcard or Powerhouse“ – fast schon provokant: Auch heuer fand die Konferenz im Apothekertrakt des Schlosses Schönbrunn statt, also inmitten der Wiener Postkarten-Idylle. Dass es nicht – wie das Motto nahelegt – ein Entweder-oder sein muss, machte invest.austria-Geschäftsführerin Daniela Haunstein aber dann schon in ihren Eröffnungsworten klar: „Wir waren bislang sehr gut darin, Postkarten-Motiv zu sein und damit ist auch nichts falsch. Aber der Tourismus alleine wird uns nicht weiterbringen.“

Was ist es also, das Österreich und Europa weiterbringen soll? Mit dieser Frage beschäftigten sich bei der invest.austria conference rund 450 Teilnehmer:innen aus 22 Ländern. In einem Punkt sind sich wohl alle einig – invest.austria-Präsident Niki Futter wechselte dazu auf der Bühne vom Englischen ins Österreichische: „Wir müssen uns auf die Hinterfüß‘ stell’n!“ Dafür, wie das konkret passieren soll, wurden im Laufe der Konferenz aber durchaus unterschiedliche Konzepte vorgebracht.

Kopetz: „Unser Bottleneck sind nicht Erfindungen“

Im Vordergrund standen dabei Kapital-Themen – wie sollte es auf der Jahreskonferenz der heimischen Risikokapital-Investor:innen-Szene anders sein. „Unser Bottleneck sind nicht Erfindungen – es ist die Überführung von technologischer Exzellenz zu globaler Marktführerschaft“, sagte TTTech-Gründer Georg Kopetz in seiner Keynote zum Start des Events und präzisierte: „Es braucht nicht nur Innovation, sondern Ökosysteme, Partnerschaften und Kapital – auch über Exits.“

TTTech-Gründer Georg Kopetz auf der Bühne | (c) invest.austria / Alexander Müller

Er sprach damit mehrere Themen an, die im Laufe des Tages noch intensiver behandelt werden sollten. Über ihre persönlichen Erfahrungen mit Exits an Tech-Riesen in Übersee sprachen etwa Ixopay-Gründer Rene Siegl und StreamUnlimited-Gründer Markus Rutz auf einem Panel mit i5invest-Gründer Markus Wagner. Der erzählte aus seiner langjährigen Erfahrung in der M&A-Beratung: „Niemand will ein Unternehmen kaufen, das zum Verkauf steht.“

Just: „Die Messlatte für unsere Startups höher legen“

Gelungen ist der Exit bekanntlich auch dem Linzer Startup Emmi AI – der Verkauf an den französischen KI-Riesen Mistral sorgte dieses Jahr für Aufsehen. Co-Founder Dennis Just, mittlerweile Vice President Manufacturing bei Mistral, brachte auf der Bühne eine These vor, die konträr zum allgemeinen Tenor der Speaker:innen steht: „Österreichs Problem ist nicht das Kapital, sondern die Entrepreneure.“ Sprich: Das Geld sei durchaus da, aber es brauche mehr investierbare Unternehmen. „Meine Meinung: Wir sollten nicht zu sehr auf Dinge wie den neuen Dachfonds fokussieren und lieber die Messlatte für unsere Startups höher legen, um mehr Leuchttürme hervorzubringen“, so Just.

Dennis Just auf der Bühne | (c) invest.austria / Alexander Müller

Das ist freilich eine provokante Ansage, war doch der erwähnte Dachfonds eines der (logischen) großen Themen auf der Konferenz. Er wurde nicht nur – wie zu erwarten – von den beiden auftretenden Staatssekretärinnen Barbara Eibinger-Miedl (Finanzen) und Elisabeth Zehetner (Startups) thematisiert, sondern auch auf einem Panel mit Erste-Bank-CEO Gerda Holzinger-Burgstaller, TTTech-Gründer Georg Kopetz, Marcel Müller-Marbach vom European Investment Fund und Rozalia Urbanek, die als Chefin von PFR Ventures für den polnischen Dachfonds Innovate Poland verantwortlich zeichnet.

Nötige Balance beim nationalen Dachfonds

Urbanek brachte die große Herausforderung beim Aufbau eines nationalen Dachfonds auf den Punkt: „Man muss die Balance schaffen, die Anforderungen des Ökosystems zu erfüllen, aber gleichzeitig marktorientiert und kommerziell getrieben zu sein – denn die Investoren müssen glücklich mit dem Return sein, sonst steigen sie wieder aus der Asset-Klasse aus.“

Rozalia Urbanek am Wort | (c) invest.austria / Alexander Müller

Es war freilich nicht die einzige Asset-Klasse, die bei der invest.austria conference diskutiert werden sollte. Private Equity für den Mittelstand – insbesondere im CEE-Raum – war ebenso Thema, wie klassische direkte Startup-Investments. Entsprechend kamen auch die Startups selbst auf der Konferenz nicht zu kurz – 26 davon konnten sich auf die eine oder andere Weise, unter anderem in einer Expo, präsentieren. Passend dazu durften auch die großen technologischen Themen, u.a. KI und Robotik, in den Keynotes und Panels nicht fehlen.

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