11.06.2021

Nationalbank: Wirtschaft wird noch dieses Jahr deutlich wachsen

Die Nationalbank (OeNB) erwartet ab Jahresmitte einen starken Aufschwung der heimischen Wirtschaft. Das BIP-Wachstum 2021 soll 3,9 Prozent betragen.
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Der Impffortschritt ist ausschlaggebend für ein BIP-Wachstum von 39 Prozent 2021, prognostiziert die OeNB
Der Impffortschritt ist ausschlaggebend für ein BIP-Wachstum von 39 Prozent 2021, prognostiziert die OeNB (c) Adobe Stock / Spitzi-Foto

Ein Rückgang des realen BIP um 6,7 Prozent steht für das Krisenjahr 2020 in Österreich zu Buche. Und auch im ersten Halbjahr dieses Jahres wurden die einschneidenden Corona-Maßnahmen bekanntlich fortgesetzt. Doch dank des Impffortschritts und den damit verbundenen Öffnungen wird das Land ab Jahresmitte einen derartigen Aufschwung erleben, dass am Ende wieder ein Plus herauskommt, prognostiziert die Oesterreichische Nationalbank (OeNB). Konkret erwartet sie für 2021 unterm Strich ein BIP-Wachstum von 3,9 Prozent. 2022 sollen es 4,2 Prozent werden. Bereits 2023 soll der „Aufholprozess“ abgeschlossen sein und das Wachstum sich mit 1,9 Prozent wieder dem langfristigen Durchschnitt annähern, heißt es von der OeNB weiter.

BIP-Wachstum: Weltweit große Unterschiede wegen Impffortschritt

Man sei in den der Prognose zugrunde liegenden Annahmen davon ausgegangen, dass im weiteren Verlauf des Jahres 2021 partielle Eindämmungsmaßnahmen notwendig bleiben, deren negative wirtschaftliche Folgen aber gering seien und 2022 gänzlich ausklingen, heißt es von der OeNB. Zu begründen sei dies mit dem Impffortschritt.

Dieser sei auch für Unterschiedliche Entwicklungen in verschiedenen Regionen der Welt verantwortlich. „Die fortgeschrittenen Volkswirtschaften werden im dritten Quartal 2021 ihr Vorkrisenniveau überschreiten und gegen Ende 2022 den vor der Krise prognostizierten Entwicklungspfad erreichen. Im Gegensatz dazu wird das BIP der Schwellenländer aufgrund der langsameren Impfausrollung auch mittelfristig unterhalb des Vorkrisentrends liegen“, so die Nationalbank in einer Aussendung. Die Weltwirtschaft werde der Prognose zufolge 2021 überaus kräftig mit sechs Prozent wachsen. Danach nehme die Dynamik graduell auf 4,3 Prozent (2022) und 3,5 Prozent (2023) ab.

Schnelle Erholung bei Exporten und Konsum, Budgetdefizit hängt Österreich länger nach

Eine schnelle Erholung erwartet die OeNB für die heimische Export-Wirtschaft, die im vergangenen Jahr um 10,9 Prozent einbrach. Länger werde es aufgrund des Totalausfalls der Wintersaison unterm Strich im Tourismus-Bereich dauern. Der Bereich Konsum werde sich rasch erholen. Das Vorkrisenniveau der Konsumausgaben soll laut Prognose im ersten Halbjahr 2022 erreicht werden. Betriebliche Investitionen sollen noch dieses Jahr stark wachsen. Die Arbeitslosenquote soll bis 2023 auf knapp über dem Vorkrisenniveau zurückgehen.

Die (HVPI-)Inflationsrate werde dieses Jahr, getrieben von höheren Rohstoffpreisen, auf zwei Prozent ansteigen, um dann wieder auf 1,8 Prozent zurückzugehen. Der Budgetsaldo werde 2021 bei einem Minus von 6,9 Prozent des BIP liegen und sich dann bis 2023 auf etwa minus zwei Prozent des BIP verbessern. Die Schuldenquote werde nach einem weiteren Anstieg im Jahr 2021 auf 85,1 Prozent des BIP ab 2022 wieder rückläufig sein und 2023 knapp unter 82 Prozent des BIP zu liegen kommen.

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Elisabeth Zehetner (Staatssekretärin für Energie, Startups und Tourismus) | Foto: Martin Pacher
Elisabeth Zehetner (Staatssekretärin für Energie, Startups und Tourismus) | Foto: Martin Pacher / brutkasten

Wirklich neu oder gar überraschend ist das jüngste Statement von Startup-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner zum mit „bis zu“ 500 Millionen Euro Volumen geplanten „Start-up & Scale-up Dachfonds“ nicht. Wie mehrere heimische Medien berichten, sagte sie zuletzt gegenüber der APA: „Die Ausschreibung für das Fondsmanagement wird im Herbst stattfinden“ – betraut ist damit die aws. Anders wäre es freilich gar nicht möglich, den bereits zuvor kommunizierten Start der operativen Tätigkeit mit Anfang 2027 zu gewährleisten.

Und auch so könnte es schwer werden. Denn „im Herbst“ ist immer noch eine recht vage Zeitangabe und Ausschreibungsverfahren können bekanntlich auch länger dauern, als erhofft – sofern nicht bereits im Hintergrund Vorentscheidungen getroffen wurden, was hier keineswegs unterstellt werden soll.

Kleiner Pool an erfahrenen Dachfonds-Manager:innen

Der Pool an Personen, die konkrete Erfahrung mit dem Management VC-fokussierter Dachfonds mitbringen, hält sich nämlich europaweit in engen Grenzen. Neben dem European Investment Fund (EIF) als dominierendem Player auf EU-Ebene, gibt es einige nationalstaatliche Fonds, die teilweise auch zum Vorbild für die österreichische Version wurden, und einige private Player, die meist mit deutlich niedrigeren Kapitalvolumina arbeiten. Ein schlagkräftiges Team müsse aktiv mit entsprechenden Incentives abgeworben werden. Die Staatsnähe erschwere die Suche zusätzlich, befürchtet ein Branchenkenner gegenüber brutkasten hinter vorgehaltener Hand.

Keine staatliche Einflussnahme?

Dass es, wie versprochen, tatsächlich keine staatliche Einflussnahme auf den Dachfonds geben werde, glaubt er nämlich nicht. So soll etwa die aws laut einer nicht öffentlichen Präsentation, die dem Insider vorliegt, ins Fundraising eingebunden werden. Und das spreche, kombiniert mit dem geplanten staatlichen Ankerinvestment in Höhe von bis zu 20 Prozent bzw. bis zu 100 Millionen Euro (brutkasten berichtete), gegen völlige Unabhängigkeit.

Und auch die Zielsetzung, den Investmentfokus auf Österreich zu legen, passt nicht ganz mit der Idee zusammen, dass das Fondsmanagement völlig freie Hand haben soll. Zehetner äußerte sich auch hierzu gegenüber der APA: Österreich-Fokus ja, „es gibt aber keine genauen Vorgaben für das Fondsmanagement.“ Hinzu kommt natürlich auch, dass es in Österreich gar nicht so viele VC-Fonds gibt – und noch viel weniger im angestrebten Growth-Stage-Bereich.

Politische Überzeugungsarbeit bei potenziellen LPs

Ist das Management dann einmal aufgestellt, dürfte das Finden geeigneter Limited Partners (LPs), also Kapitalgeber für den Dachfonds, zur nächsten Herausforderung werden. Wirklich attraktiv sei die Beteiligung für die institutionellen Investoren, wie Banken und Versicherungen, die man ansprechen will, nämlich nicht, sagt ein anderer Branchenkenner – ebenfalls off the record. Auch wenn – wie angekündigt – begleitende Gesetze die Situation für die in Sachen Risiko sehr restriktiv geregelten Institutionellen verbessern, gebe es nicht automatisch gute Gründe, die für dieses Investment sprechen.

Die Folge: Es bedürfe auch von politischer Seite Überzeugungsarbeit bei den LPs. Dass man bereits jetzt, bevor das Management überhaupt ausgeschrieben ist, hinter verschlossenen Türen versucht, die großen relevanten heimischen Player zu einem Committment zu bewegen, liegt auf der Hand – schließlich soll das Projekt zum politischen Erfolg werden. Dass darunter die angestrebte Unabhängigkeit abermals leidet, ebenfalls.

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