10.12.2021

Naow-Co-Founder Jonas Friedrich über die Vorteile digitaler Touchpoints

Brand Building und die Art des Marken-Launch sind mitunter eine unternehmerische Kunstform, die man beherrschen muss. Sky-Fußballkommentator Jonas Friedrich möchte mit seinem Startup Naow.Studio die Web-Experience für User wieder aktiver gestalten und digitale Touchpoints für Marken und Produkte setzen. Oder kurz gesagt: "Digital Flagship Experiences" erneut ins Leben rufen.
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Naow, Touchpoints, Web Experience, SAP
(c) Naow.Studio - Das Naow-Team mit Co-Founder und Geschäftsführer Jonas Friedrich (2.v.r.).

Was bleibt eigentlich hängen? Viele unter uns können sich womöglich an ein Fußballergebnis aus den 90er Jahren erinnern – Rapid siegte 1990 gegen Inter Mailand und Fußballweltmeister Lothar Matthäus 2:1 -, oder an eine mitreißende Szene aus einem Computerspiel (Leliana’s Song für Eingeweihte), wissen aber nicht mehr, wie die eine Marke hieß, die man etwa beim Scrollen nach Weihnachtsgeschenken für einen späteren Zeitpunkt im Kopf abspeichern wollte. Oder wo man ein bestimmtes Service erhält, das man am Rande mitbekam. Marketing-Aktionen und Advertorials ziehen täglich an Usern als Horde vorbei und hoffen sich im Gedächtnis potentieller Käufer bzw. Kunden einzunisten. Allerdings ist es genau diese Fülle an Werbeabsicht und Awareness-Schaffung, die das Problem darstellt. Vieles setzt sich nicht durch. Jonas Friedrich, Co-Founder und Geschäftsführer von Naow, verfolgt deshalb eine eigene Vorstellung, wie „Brand-Building“ funktionieren kann. Und haften bleibt.

Verweildauer durch Interaktion steigern

„Es geht bei Naow um die Kreation wirkungsvoller, digitaler Touchpoints für Marken oder Produkte. Oder wie wir es nennen, um Digital Flagship Experiences“, sagt der Co-Founder. „Konkret kann das eine interessante und für die Zielgruppe reizvoll aufgebaute Web- oder Microsite zum Launch eines neuen Produkts sein. Diese Site ist so gestaltet, dass User eine für Online-Verhältnisse lange und intensive Zeit mit dem Produkt verbringen.“

So würde die Marke auf einen Schlag mehrere Probleme lösen, meint der Fußball-Kommentator. Zum ersten hätte sie einen „uniquen, interessanten Touchpoint“, der mehr sei, als beispielsweise „nur“ eine weitere Landing Page auf der Website. Zudem wäre diese Experience „kampagnenfähig“, könne also beispielsweise das Herzstück für eine „Social Media-Kampagne“ sein, um zukunftssichere „First Party“-Daten zu generieren. „Und sie trägt über den intensiven Kontakt der User mit dem Content zum ‚Brand Building‘ bei. Weil über das Produkt hinaus noch weitere Werte der Marke transportiert werden können. Ähnlich wie bei einem ‚Flagship Store‘ im echten Leben, in dem es eben auch um mehr geht, als nur um die Produktpräsentation.“

Idee zu Naow bei SAP-Projekt entstanden

Die Idee zu Naow ist im Rahmen eines Projekts für SAP entstanden, bei dem es um die Kreation einer Web-Experience ging, präzise um eine hochwertig gestaltete Website, die SAP-Produkte anschaulich und spielerisch erklären sollte.

„Aus dem Erfolg dieses Projekts heraus ist organisch folgende Hypothese entstanden: Es gibt (wieder) eine Berechtigung für echte, tiefergehende Web-Erlebnisse“, so Friedrich weiter. „So kam eines zum anderen. Unsere beteiligten Teams, bestehend aus Beratung, Design und Code, bringen ihr Know-how in eine gemeinsame ‚Entity‘ ein. Diese Berechtigung sehen wir ‚wieder‘, weil der Ansatz in Zeiten von ‚Flash‘ schon einmal sehr verbreitet und erfolgreich war. Unser Anspruch ist es, die User mit unseren ‚Web-Experiences‘ ein Stück weit raus aus der Passivität holen. Denn eine wesentliche Stärke der Webtechnologie im Unterschied zum Video oder zum Text ist die Interaktionsfähigkeit. Die Erinnerungsrate und der ‚Impact‘ bei der Zielgruppe ist schlicht besser bei Content, bei dem die User eine aktive Rolle spielen.“

Digitaler Reifegrad gefragt

Der Mitgründer möchte mit seinen „Digital Flagship Experiences“-Ansatz alle „Marketeers“ ansprechen, die ein Produkt oder eine Marke launchen wollen, egal ob aus dem Bereich B2B oder B2C, wie er sagt.

„Wir sind Partner sowohl für mittelständische Betriebe, Konzerne oder aber auch Agenturen, die in einem größeren Kampagnenkontext arbeiten“, so Friedrich abschließend. „Ein gewisser digitaler Reifegrad ist dabei Voraussetzung. Eine ‚Flagship Experience‘ sollte schon in ein bereits existierendes digitale Ökosystem eingebettet sein.

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Das Gründerteam von vioom: Lucia Studer und Ronny Türtscher | (c) vioom

Wer auf dem Land lebt, kennt das Problem: Der nächste Bus fährt erst in zwei Stunden und ohne eigenes Auto wird selbst der Weg zum Arzt oder zum Einkaufen zur Herausforderung. Diese Erfahrungen hat auch das Gründerteam des Vorarlberger Startups vioom gemacht. Sie kommen aus dem Großen Walsertal, wo öffentliche Verkehrsverbindungen teilweise nur im Zwei-Stunden-Takt angeboten werden.

„Wir haben als Jugendliche immer Autos gestoppt“, erzählt Mitgründer und Co-CEO Ronny Türtscher. Aus Bedarfserhebungen zur Mobilität in der Region, die Türtscher selbst begleitete, entstand schließlich die Idee zu vioom.

Hinter dem Startup steht die im Februar 2026 gegründete VAREO Innovations GmbH mit Sitz in Ludesch. Als CEOs fungieren Ronny Türtscher und Lucia Studer. Das Gründerteam bringt nach eigenen Angaben gemeinsam mehr als 20 Jahre Erfahrung in der Softwareentwicklung mit.

Personen- und Warentransporte gemeinsam organisieren

Vioom setzt auf sogenannte On-Demand-Mobilität: Fahrgäste können über eine App eine Strecke innerhalb eines festgelegten Gebiets buchen. Das System organisiert daraufhin ein verfügbares Shuttle. Anders als bei klassischen Anrufsammeltaxis sollen die Fahrzeuge zusätzlich regionale Waren transportieren. „Wir versuchen, die Ausnutzung so hoch wie möglich zu halten und diese Wege von A nach B mit mehreren Erlösströmen zu gestalten“, sagt Türtscher. So könnte ein Shuttle beispielsweise eine Gemüsekiste bei einem Bauernhof abholen, anschließend einen Fahrgast vom Bahnhof transportieren und die Ware danach bei einem Hotel abliefern.

Ziel ist es, Leerfahrten zu reduzieren und Fahrzeuge auch außerhalb der Stoßzeiten auszulasten. Gleichzeitig soll das Angebot bestehende Bus- und Bahnverbindungen ergänzen und insbesondere die sogenannte „First und Last Mile“, also den Weg zur beziehungsweise von der nächsten Haltestelle, abdecken. Durch die gemeinsame Nutzung der Fahrzeuge und eine bessere Anbindung an den öffentlichen Verkehr sollen zudem CO₂-Emissionen reduziert werden. Die Regionen entscheiden dabei selbst, wann Personen- beziehungsweise Warentransporte angeboten werden. Die Durchführung übernehmen beispielsweise regionale Taxiunternehmen. Vioom selbst stellt keine Fahrzeuge oder Fahrpersonal bereit, sondern liefert die Software und begleitet die Umsetzung.

Wie sich die regionale Mobilität rechnen soll

Mit seinem Geschäftsmodell richtet sich vioom an Gemeinden und Regionen. Diese zahlen je nach Modell eine monatliche Gebühr für die Nutzung der Plattform. Zusätzlich erhält das Startup eine Vermittlungsprovision für jede gebuchte Fahrt. Die Fahrgäste und Unternehmen bezahlen für die jeweiligen Personen- oder Warentransporte. Diese Einnahmen fließen grundsätzlich an die Regionen selbst. Die Abrechnung erfolgt vollständig automatisiert über die Plattform.

Durch die Kombination von Personenbeförderung und Warenlogistik sollen die Fahrzeuge besser ausgelastet und zusätzliche Einnahmen erzielt werden. Langfristig will vioom damit die Wirtschaftlichkeit regionaler Mobilitätsangebote verbessern und deren Abhängigkeit von öffentlichen Förderungen verringern.

Technologiepartnerschaft mit ioki

Für die technische Umsetzung arbeitet vioom mit dem Mobilitätstechnologie-Anbieter ioki zusammen. Das Unternehmen ist ursprünglich aus der Deutschen Bahn hervorgegangen und bietet Software für bedarfsgesteuerte Mobilitätsangebote an. Vioom nutzt Teile dieser Technologie und hat darauf aufbauend ein eigenes Logistikmodul entwickelt.

Die Partnerschaft soll auch die Skalierung erleichtern. Für jede Region wird zwar eine individuelle Mobilitätsanalyse durchgeführt, die anschließende Umsetzung erfolgt jedoch über eine standardisierte, anpassbare Plattform.

Eigenfinanziert und erste Pilotprojekte geplant

Bislang wurde vioom vollständig aus Eigenmitteln der CEOs finanziert, mit einem Stammkapital von 12.000 Euro. An der VAREO Innovations GmbH sind die LOONEY GmbH (gehört unter anderem Lucia Studer) mit 66,67 % und scale.out (gehört Ronny Türtscher) mit 33,33 % beteiligt. Für externe Investoren zeigt sich das Unternehmen grundsätzlich offen.

Die größte Herausforderung besteht laut Türtscher darin, erste Referenzprojekte umzusetzen und nachzuweisen, dass die Kombination aus Personen- und Warentransporten tatsächlich wirtschaftliche Vorteile bringt. „Viele Kunden fragen: Was habt ihr schon gemacht und was könnt ihr nachweisen?“, erzählt der Gründer.

Der erste Pilotbetrieb ist derzeit in Vorarlberg in Vorbereitung, ein konkreter Starttermin steht noch nicht fest. Parallel führt vioom Gespräche mit zwei Landkreisen und einer Stadt in Deutschland. Bis Ende 2027 will das Startup drei bis fünf Regionen an die Plattform angebunden haben. Zusätzlich sollen weitere Partnerschaften und Anwendungen, etwa im Tourismus, entstehen.

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