23.08.2024
STARTUP-INSIGHTS

nagene: So holte das junge Wiener BioTech Großkunden an Bord

Ein Jahr gibt es das BioTech nagene bereits. In der Wiener Seestadt bastelt es an neuen, effizienteren Prozessen der Gensynthese und mRNA-Herstellung - und zählt bereits einige europäische Großkunden. Das sind die Kundenakquise-Strategien und Expansionspläne des Startups.
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Das nagene-Team (c) nagene

Das in der Wiener Seestadt sitzende BioTech-Startup nagene wurde vor gut einem Jahr – konkret am 21. August 2023 – gegründet. Nun zieht Co-Founder Alexander Makula Bilanz und verrät, wie das BioTech in der doch recht konkurrenzreichen Pharma-Szene Großkunden an Bord holen konnte.

Schlagzeilen schrieb nagene auch vergangenen April: Damals holte man sich eine Förderung in Höhe von 652.000 Euro für Standort und Labor. Vergeben wurde die Finanzspritze von der Wirtschaftsagentur Wien – brutkasten berichtete.

Aufgeteilt wurde die Förderung damals in Sachgüter für hochmoderne Laborgeräte sowie in die Förderung “Standort”. Als gefördertes Sachgut wurde unter anderem der sogenannte Syntax – als Laborgerät einmalig in Österreich – in das Seestädter Labor des Startups integriert. Nach Angaben des Gründers stehe man auch kurz vor Abschluss einer aws-Förderung in mittlerer sechsstelliger Höhe.

Hong Konger Millioneninvestment nach vier Monaten

Das Laborgerät zählt zu den modernsten am Markt – und ist nicht unwesentlich für weitere Schlagzeilen des BioTechs verantwortlich: Mittlerweile positioniert man sich als eines der modernsten Labore Österreichs, das man in neun Monaten aufgebaut habe.

Derzeit sind zehn Mitarbeitende am Standort Seestadt beschäftigt, weitere Neuzugänge seien in Planung. Obwohl der Aufbau der Laboranlage erst im vergangenen Juni startete, ergatterte das BioTech nur vier Monate nach Gründung – also schon im Dezember des Vorjahres – ein Millioneninvestment aus Hong Kong. Damals von der dort ansässigen Investorin Maggie Luan unter der ML Manna Laaz BeteiligungsgmbH – brutkasten berichtete.

Gemeinsam spezialisiert sich das Team auf die Produktion synthetischer DNA-Bausteine in Rekordzeit – und stellt diese Pharmaunternehmen zur Herstellung von mRNA-Impfstoffen bereit. Das Besondere daran: Der Prozess dauert bei nagene nur etwa vier bis fünf Tage. Damit ist die Gensynthese des Startups um eine knappe Arbeitswoche schneller als branchenübliche Verfahren, die in der Regel sieben bis zehn Tage benötigen – brutkasten berichtete auch hier.

Umsätze wie Verbindlichkeiten in mittlerer fünfstelliger Höhe

Monatlich laufe das Geschäft bei nagene auf Hochtouren. Schließlich erziele man seit Produktionsstart im Juni 2024 monatliche Umsätze in mittlerer fünfstelliger Höhe. In ähnlichen Sphären befinden sich auch die monatlichen Verbindlichkeiten. Mit Oktober 2024 erwarte man den Break-Even-Point.

Bereits Pharma-Größen aus Europa an Bord

Umsätze kommen nicht von allein – dafür braucht es ein funktionierendes Geschäftsmodell und zahlende Kunden. Von denen hat das BioTech bereits einige: Seit Produktionsstart im April betreut es „mittelgroße bis große Pharma- und BioTech-Unternehmen“ in Europa – darunter Deutschland, Belgien, England und Österreich. „Einige dieser Kunden möchten uns bereits als feste Lieferanten mit langfristigen Verträgen etablieren“, so Makula gegenüber brutkasten.

Ohne Ziele keine Partnerschaften

Die Kundenakquise des zehnköpfigen Teams umfasst zu einem großen Teil das Pflegen und Intensivieren bestehender Kontakte. „Die Erfahrung, die wir drei Gründer aus früheren Tätigkeiten mitbringen, war dabei entscheidend. Wir wussten genau, was die Kunden brauchen und wo aktuell Probleme liegen. Basierend darauf haben wir unsere Lösung im Bereich der Gensynthese und mRNA-Herstellung positioniert und perfektioniert“, so Makula im Gespräch.

In puncto Kundenpflege setzte man schon anfangs einen „klaren Fokus auf eine bestimmte Zielgruppen“, nämlich mittelgroße bis große Pharmaunternehmen. „Was für Kunden immer wichtig ist, sind konkrete kurzfristige bis langfristige Ziele, die man mit der Partnerschaft anstrebt“, verrät Makula.

Ohne Pitch-Deck kein Umsatz

Zu erfolgreicher Akquise gehöre außerdem ein detailliertes, kurzweiliges Pitch-Deck: Auf etwa 20 Folien sei hierbei das Unternehmen inklusive Idee, klarer Ziele und dem Mehrwert für Kunden dargestellt. Nachweislich habe das Pitch-Deck zum bereits genannten Millioneninvestment aus Hong Kong verholfen, berichtet Co-Founder Makula. „Unsere Präsentation wird ständig aktualisiert und dem Status von nagene angepasst. Jedem Kunden schicken wir sie zu, um ein aktuelles Bild zu vermitteln.“

Bestehende Kontakte und Pitch-Deck sind allerdings nicht der ganze Streich des Wiener BioTechs. Wohl oder übel bleibt auch dem aufstrebenden Team ein gewisses Maß an Kaltakquise nicht erspart. Makula nutzt dafür eine bekannte Strategie: Die Kaltakquise auf Messen und Kongressen.

Ohne Analog kein Digital

Dafür war das nagene-Team in Spanien, Italien, Dubai und der Schweiz unterwegs. Auch im Nachbarsmarkt Deutschland sei man aktiv auf Zielkunden zugegangen. „Viele unserer Kunden, auch Großkunden, haben wir durch diese Veranstaltungen gewonnen“, meint der Co-Founder. Die hohe Bedeutung von persönlichen (Neu-)Kontakten bleibt also auch im digitalen Zeitalter unabdingbar.

Dennoch hebt Makula den digitalen Auftritt auf Website und Social-Business-Plattformen hervor, die, ebenso wie analoge Kontakte, regelmäßig gepflegt gehören: „Auch über LinkedIn haben wir mit Personen aus interessanten Unternehmen Kontakt aufgenommen und diesen intensiviert.“

Weitere Standorte geplant

Umsatz- und Kundenzahlen sprechen für sich – genauso wie die hochgesteckten Pläne des Seestädter BioTechs: Konkrete Strategien zur „nationalen und internationalen Standorterweiterung“ seien in Arbeit, wie Co-Founder Makula im Gespräch mit brutkasten erwähnt. 2025 wolle man in Wien sowie in den Vereinigten Arabischen Emiraten (UAE) zusätzliche Standorte aufbauen. 2026 folge der Nachbarsmarkt Deutschland.

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Die Pimcore-Geschäftsführer Dietmar Rietsch und Matthias Blauth (v.l.) © Pimcore

Der britische Private-Equity-Investor Tenzing steigt bei Pimcore ein: Wie Tenzing in einer Mitteilung bekannt gab, übernimmt das Unternehmen die Mehrheitsanteile, die bisher der Münchner Wachstumsfonds Nordwind Growth hielt. Laut Firmenbuchdaten hält der zu Nordwind gehörende NC Growth Fund I GmbH & Co. KG aktuell 73,25 Prozent an der Pimcore GmbH. Die Transaktion steht laut beiden Unternehmen noch unter Vorbehalt der Kartellbehörden.

Salzburger Unternehmen für Datenverwaltung

Pimcore wurde 2009 in Salzburg gegründet und bietet eine Plattform für die Verwaltung von Produkt-, Kunden- und Asset-Daten. Laut Tenzing laufen mehr als 120.000 Installationen und über 400 Unternehmenskund:innen auf der Software. Der Deal ist der nächste Schritt in der Finanzierungsgeschichte, über die brutkasten mehrfach berichtet hat.

2018 investierte die Münchner Auctus Capital 3,5 Mio. US-Dollar in das Open-Source-Tool. 2022 sicherte sich Pimcore eine Series-B-Runde über zwölf Mio. US-Dollar, die Nordwind Growth anführte und sich damit die seither bestehende Mehrheitsbeteiligung sicherte, mit dem Ziel, die globale Expansion des Salzburger Unternehmens voranzutreiben. Rund zehn Monate später folgte die Eröffnung eines deutschen Standorts in Langenfeld sowie die Erweiterung des Management-Teams durch Matthias Blauth.

Zweites DACH Investment für Tenzing

Tenzing begründet den Einstieg mit dem wachsenden Bedarf an kontrollierten Unternehmensdaten für KI-Anwendungen. Milan Kellner, Investment Lead bei Tenzing, wird in der Mitteilung zitiert: Pimcore habe „etwas Seltenes geschaffen – eine einzige Plattform, die Unternehmen eine verlässliche Version ihrer Produkt-, Kunden- und Asset-Daten liefert, während die meisten Mitbewerber nur einen Teilbereich abdecken.“

Finanziert wird die Übernahme aus Tenzings 900 Millionen Pfund schwerem Fund III, aus dem der Investor seit 2023 investiert. Pimcore ist Tenzings zweite Investition im DACH-Raum nach dem IT-Dienstleister Mahr EDV.

Persönliches Schreiben der Pimcore-Geschäftsführer

In einem Blogbeitrag ordnen die Co-CEOs Dietmar Rietsch und Matthias Blauth die Übernahme ein: Unverändert blieben der offene Plattform-Kern („Open-Core“), das freie Deployment (Cloud, On-Premise, PaaS), die Führung durch die beiden Co-CEOs sowie die Produkt-Roadmap rund um die „Data Spine“-Strategie und die KI-native Weiterentwicklung.

Mehr Ressourcen für internationales Wachstum

Was sich laut den Geschäftsführern ändert, sind vor allem die Ressourcen für internationales Wachstum: Tenzing bringe mit rund 1,7 Milliarden Pfund verwaltetem Vermögen, 20 Portfoliounternehmen und Standorten in London, Stockholm und München zusätzliche Reichweite, um die Skalierung, auch über Zukäufe, voranzutreiben. Zudem kündigt man mehr Investitionen in Partner-Enablement, Zertifizierungen und gemeinsame Vermarktung mit dem bestehenden Ökosystem an.

Den bisherigen Investor Nordwind Growth würdigen Rietsch und Blauth für den Umbau vom Open-Source-Projekt zum Enterprise-Softwareunternehmen: In den knapp vier Jahren seit dem Einstieg sei der jährlich wiederkehrende Umsatz um mehr als das Fünffache gewachsen, das Unternehmen operativ profitabel geworden und ein Standort in Nordamerika aufgebaut worden.

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