20.07.2022

Nachbarinnen.at: Initiative schafft für isolierte Frauen Brücke in den Arbeitsmarkt

Dadurch sollen Isolation und toxische Tradition durchbrochen werden.
/artikel/nachbarinnen-at-initiative-schafft-fuer-isolierte-frauen-bruecke-in-den-arbeitsmarkt
Nachbarinnen.at, Frauen empowern,
(c) Nachbarinnen.at - Der Verein Nachbarinnen.at holt Frauen aus der Isolation.

Renate Schnee und Christine Scholten, die Initiatorinnen von Nachbarinnen.at, sind in ihren Arbeitsumfeldern seit Jahren auf die Unfreiheit der Frauen gestoßen. Aufgrund sprachlicher und kultureller Barrieren kam beide Gründerinnen nicht wirklich an Betroffene ran. So hatten sie die Idee zu muttersprachlichen Brückenbildnerinnen.

Nachbarinnen.at: Bildung als Ziel

„Nachbarinnen.at hat die Hauptaufgabe, isolierte Familien auf dem Weg der Integration zu begleiten. Wir haben dazu Frauen aus ´fünf Communities zu sozialen Assistentinnen ausgebildet, die ihre Landsleute muttersprachlich beraten. Derzeit haben wir neun Frauen aus Somalia, Afghanistan, dem arabischen Sprachraum, Tschetschenien und aus der Türkei als ‚Nachbarinnen‘ angestellt und möchten heuer wieder ein Team von zehn Frauen werden“, sagt Scholten. „Durch kleine Handelsgeschäfte erreichen unsere Frauen meistens rasch ihr Ziel, sie fordern Spracherwerb, Weiterbildung, Förderung der Kinder oder unter anderem Gewaltverzicht.“

Zum Hauptziel von Nachbarinnen.at gehört Bildung, weil jene schlicht Perspektiven, Freiheiten sowie Selbstbestimmung ermögliche. Nicht zuletzt durch Relativierung alter, oft einschränkender Traditionen, an denen meist Frauen zu leiden haben.

Tradition ist Weitergabe des Feuers

„Durch generationenübergreifende Muster und falsches Verständnis schränken Traditionen ein“, führt Scholten aus. „Tradition ist die Weitergabe des Feuers und nicht das Anbeten der Asche. In den Fällen unserer begleiteten Familien werden Traditionen im Rahmen des patriarchalischen Systems zur Macht missbraucht. Frauen und Mädchen fügen sich – auch traditionsbezogen.“

Ihr Verein hilft daher – in Zusammenarbeit mit anderen Organisationen – Traumata von Flucht oder sehr prägenden Lebenserfahrungen zu bewältigen und neue, erfüllende Bedingungen zu schaffen. Neben einer häuslichen Lernhilfe für Kinder gehören Bildungsprogramme für Frauen der Communities zur täglichen Arbeit der beiden Founderinnen.

Brücke in den Arbeitsmarkt

Die „Brücke in den Arbeitsmarkt“ ist jedoch die an den Verein angeschlossene Nähwerkstatt. Dort verarbeiten ausgebildeten Näherinnen unter der Leitung einer Schneidermeisterin meist alte Materialien zu jedwedem Produkt, das eben daraus gefertigt werden kann.

„Die Frauen unserer Familien haben sehr oft keine oder nur sehr geringe Ausbildung“, erklärt Scholten weiter. „Sie bleiben traditionellerweise zu Hause und bilden sich auch bei uns nicht weiter. Wenn diese Frauen einmal ein bezahltes Praktikum in unserer Nähwerkstatt absolvieren, wollen die meisten nicht mehr zu Hause bleiben. Sie waren nun erstmals dazu gezwungen, das ‚zu Hause‘ zu organisieren und sehen, dass das geht. Sie verdienen ihr erstes eigenes Geld und möchten darauf nicht mehr verzichten.“

Nachbarinnen.at: Rund zwei Drittel werden vermittelt

Bisher konnten der Verein zwei Drittel der Praktikantinnen an weitere Arbeitsstellen vermitteln. Die fix angestellten Näherinnen (momentan reicht die Finanzierung für sieben Angestellte) sind alles Frauen aus ehemals begleiteten Familien, die seit Jahren bei Nachbarinnen.at arbeiten und Role Models für Praktikantinnen sind.

Als Produkte entstehen Taschen, Rucksäcke, Geldbörsen aus alten Planen oder Kuverts aus Plakaten. Die Arbeit vereint dabei die soziale Verantwortung der Unternehmen mit dem Thema Klimaschutz und Nachhaltigkeit. Abseits davon gibt es Gratis-Plätze an einer Nähmaschine zur Reparatur eigener Dinge und Upcycling.

Wege gegen die Isolation und toxische Tradition

„Unser prinzipielles Programm ist das Empowerment und damit die Initiierung wachsender Selbstwertgefühle und wir klären auf: Über eigene Rechte, über die Notwendigkeit Hilfe zu holen, über die Dringlichkeit von Verbündeten gegen Gewalt. Wir proben den Akutfall und zeigen Erfolgsgeschichten. Wir thematisieren die Kinder und mögliche Ausweg-Szenarien“, präzisiert Schulte, die sich von der Politik mehr Voraussicht erwartet.

„Wir wünschen uns eine frühere individuelle Begleitung zu uns geflohener oder migrierter Menschen. Durch die üblichen ‚Komm-Strukturen‘ der wirklich für jedes Thema vorhandenen Einrichtungen, werden viele Menschen, die sich nicht gut selbst orientieren können, nicht erreicht. Dadurch kommt es zur angesprochenen Isolation und immer stärkeren Rückzug in die Tradition.“

Das nächste Ziel des Vereins ist, die Finanzierung für 2023 aufzustellen.

Deine ungelesenen Artikel:
27.10.2026

Fawks AI-Gründerin: Von Indien über die IAEA zu einem KI-Startup, das Dialekte erkennt

Fawks AI, in Wien von CEO und CTO Neha Agarwal und COO Arun Gaurav gegründet, erhielt vom Austria Wirtschaftsservice für seine Spracherkennungs-Engine eine Förderung in Höhe von 300.000 Euro.
/artikel/fawks-ai-gruenderin-von-indien-ueber-die-iaea-zu-einem-ki-startup-das-dialekte-erkennt
27.10.2026

Fawks AI-Gründerin: Von Indien über die IAEA zu einem KI-Startup, das Dialekte erkennt

Fawks AI, in Wien von CEO und CTO Neha Agarwal und COO Arun Gaurav gegründet, erhielt vom Austria Wirtschaftsservice für seine Spracherkennungs-Engine eine Förderung in Höhe von 300.000 Euro.
/artikel/fawks-ai-gruenderin-von-indien-ueber-die-iaea-zu-einem-ki-startup-das-dialekte-erkennt
Fawks AI
© LinkedIn/Canva - Neha Agarwal, Co-Founderin Fawks AI.

Eigentlich geht es hier nicht um ein Startup aus Indien, aber dennoch muss es kurz erwähnt werden: über 86 Millionen US-Dollar Umsatz, eine geschätzte Firmenbewertung von 200 Millionen US-Dollar, 500 Mitarbeiter:innen. Und das gebootstrapped. Das ist die Geschichte des indischen Proptech Housiey. Gegründet wurde es 2016 von Neha Agarwal und ihrem Bruder Ankit.

Problem Intransparenz

Der Ausgangspunkt der Geschwister damals war ein Markt, in dem es zwar viele Immobilienportale gab, aber es aufgrund laxer Regulierung immer wieder zu Fällen kam, in denen Makler:innen Objekte zu Preisen anboten, die vom tatsächlichen Endpreis stark abwichen. Auch Angaben zu Steuern, Regulierung und Mindestpreisen fehlten und Käufer:innen zahlten häufig zu viel für Immobilien.

Darin sahen die beiden eine Marktlücke. So bauten sie eine Plattform, auf der Bauträger direkt vertreten sind. Ihr Bruder übernahm als CEO den Vertrieb, Agarwal verantwortete die gesamte Technik. Dazu gehörte die Suchmaschinenoptimierung, die die heute in Wien lebende Gründerin als einen der Eckpunkte für den investorenlosen Erfolg nennt. „Housiey sollte bei Google gut ranken, ohne viel Geld für Werbung auszugeben. Das war noch vor dem KI-Zeitalter“, sagt sie. Außerdem entwickelte Agarwal den Anmeldeprozess für Nutzer:innen und setzte zu Beginn auf YouTube-Kanäle, um Immobilien zu präsentieren.

Der andere zentrale Faktor für Erfolg war die Transparenz: Nutzer:innen sollen alle Informationen zu einer Immobilie in einem durchgängigen Ablauf sehen können, vollständig und korrekt. „Das schafft Vertrauen und sie tappen nicht in eine Falle“, so Agarwal.

Von Indien nach Österreich: Fawks AI entsteht

2012 endete das Kapitel Indien und die Founderin kam für einen Job bei den Vereinten Nationen nach Österreich (IAEA). Eigentlich war ein Aufenthalt von sechs Monaten geplant, doch sie blieb, wechselte danach in einen Job bei einem anderen Unternehmen und kündigte dort schließlich, um gemeinsam mit COO Arun Gaurav Fawks AI in Wien zu gründen.

© zVg – Neha Agarwal und Arun Gaurav.

Das Wiener KI-Startup entwickelt eine eigene Speech-Engine zur Kundenkommunikation: eine KI, die Telefonanrufe im Kundensupport wie ein Mensch führen soll und sich an Unternehmen richtet. Erste Tests mit zahlenden Kund:innen laufen bereits.

aws-Förderung

Dafür erhielt das Startup eine Förderung in Höhe von 300.000 Euro von der Austria Wirtschaftsservice (aws) im Rahmen des Förderprogramms aws Preseed | Deep Tech. Damit soll die Kerntechnologie mit dem Codenamen HIVE vom Konzept zu einem produktionsreifen Prototyp weiterentwickelt werden. Im vergangenen Jahr wurde Fawks AI zudem für den ersten Venture-Cake-Jahrgang von weXelerate, dem Wiener Startup-Accelerator, als eines von acht Startups bei 150 Bewerbungen ausgewählt. Ein möglicher Grund dafür: eine sprachliche Besonderheit von Fawks AI.

„Wir haben festgestellt“, präzisiert Agarwal, „dass es bei der deutschen Sprache auf den Dialekt ankommt, etwa Vorarlbergerisch oder Wienerisch. Im Benchmarking lag die Erkennungsrate nur bei 68 Prozent. Wir haben überall gesucht, aber kein Spracherkennungsmodell gefunden, auch nicht in Europa, sondern nur US-Modelle. Wenn ein Anruf zum Beispiel eine Bankangelegenheit betrifft und eine IBAN genannt wird, wird die Nummer nicht korrekt erkannt, und der nächste Workflow wird nicht ausgelöst. Viele große Unternehmen können KI deshalb nicht richtig einsetzen, weil die Spracherkennung nicht gut genug ist.“

Deswegen deckt Fawks AI Standarddeutsch, Wienerisch und Österreichisch-Bairisch ab, und adressiert auch Menschen, die Deutsch nicht als Muttersprache, sondern in der Schule gelernt haben. Künftig möchte man noch Schweizerdeutsch in die Anwendung implementieren.

Damit ist Fawks AI nicht allein und bewegt sich hierzulande in einem Feld, mit großer Konkurrenz wie fonio, KI-Note oder NeedNect. Doch es gibt einen Grund, warum man sich für Wien entschieden hat.

„Ernst genommen“

„Österreich hat uns ernst genommen, bevor es andere taten“, sagt Agarwal. „Die Förderung ist ein Signal, dass die aws bereit ist, anspruchsvolle Ingenieursprobleme zu unterstützen, nicht nur Anwendungen. Europäische KI-Infrastruktur lässt sich nicht mit amerikanischen Standardwerkzeugen aufbauen. Das hat die aws verstanden, und ihre Jury ebenso. Wir sind dankbar für das Vertrauen.“

Toll dass du so interessiert bist!
Hinterlasse uns bitte ein Feedback über den Button am linken Bildschirmrand.
Und klicke hier um die ganze Welt von der brutkasten zu entdecken.

brutkasten Newsletter

Aktuelle Nachrichten zu Startups, den neuesten Innovationen und politischen Entscheidungen zur Digitalisierung direkt in dein Postfach. Wähle aus unserer breiten Palette an Newslettern den passenden für dich.

Montag, Mittwoch und Freitag

AI Summaries

Nachbarinnen.at: Initiative schafft für isolierte Frauen Brücke in den Arbeitsmarkt

AI Kontextualisierung

Welche gesellschaftspolitischen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Nachbarinnen.at: Initiative schafft für isolierte Frauen Brücke in den Arbeitsmarkt

AI Kontextualisierung

Welche wirtschaftlichen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Nachbarinnen.at: Initiative schafft für isolierte Frauen Brücke in den Arbeitsmarkt

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Innovationsmanager:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Nachbarinnen.at: Initiative schafft für isolierte Frauen Brücke in den Arbeitsmarkt

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Investor:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Nachbarinnen.at: Initiative schafft für isolierte Frauen Brücke in den Arbeitsmarkt

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Politiker:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Nachbarinnen.at: Initiative schafft für isolierte Frauen Brücke in den Arbeitsmarkt

AI Kontextualisierung

Was könnte das Bigger Picture von den Inhalten dieses Artikels sein?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Nachbarinnen.at: Initiative schafft für isolierte Frauen Brücke in den Arbeitsmarkt

AI Kontextualisierung

Wer sind die relevantesten Personen in diesem Artikel?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Nachbarinnen.at: Initiative schafft für isolierte Frauen Brücke in den Arbeitsmarkt

AI Kontextualisierung

Wer sind die relevantesten Organisationen in diesem Artikel?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Nachbarinnen.at: Initiative schafft für isolierte Frauen Brücke in den Arbeitsmarkt