28.11.2022

Nach Klimakonferenz: Helioz-Founder befürchtet CO₂-Dumping

Was nachhaltige Veränderungen betrifft, sind viele von der Klimakonferenz COP27 enttäuscht. Das Wiener Social Impact-Unternehmen Helioz war vor Ort und zieht ebenfalls ein kritisches Resümee.
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COP27, Helioz
(c) Helioz - Helioz-CEO, Niclas Schmiedmaier kritisiert die Ergebnisse der Klimakonferenz.

CO₂-Kompensation alleine sei keine Lösung gegen den Klimawandel. Aber ein wichtiges Mittel, um jene Ausstöße, die nicht anders vermieden werden können, auszugleichen. Die Diskussion über Emissionseinsparungen und -ausgleiche kam bei den Verhandlungen der Weltklimakonferenz letzte Woche jedoch viel zu kurz. Das empfindet Niclas Schmiedmaier, Helioz-CEO, der bei der COP27 in Sharm el-Scheich vor Ort war.

Helioz: „Klimakonferenz bei CO₂-Ausstoß gescheitert“

„Was bleibt, ist viel heiße Luft, aber keine neuen Beschlüsse oder konkreten Maßnahmen, um den globalen Anforderungen unserer Zeit gerecht zu werden“, sagt er. „Nicht einmal ein dezidiertes Aus für fossile Energien konnte beschlossen werden – aus unserer Sicht ist die Klimakonferenz klar bei der Reduktion des CO₂-Ausstoßs gescheitert.“

Zwar sei der Unterstützungsfonds für Länder des globalen Südens, die unter den Auswirkungen des Klimawandels am meisten leiden, ein wichtiges Zeichen, darüber hinaus ist es allerdings kaum gelungen, konkrete Maßnahmen für das „1,5 Grad-Ziel“ festzulegen.

„Artikel 6“ mit wenig Implementierung

Konkret hätte man sich bei Helioz Maßnahmen zum „Artikel 6“ des Klimaabkommens gewünscht – dem Handel mit Emissionen bzw. Emissionseinsparungen. Aber auch hier sei wenig „Implementierung“ auf der Klimakonferenz passiert, die sich die Umsetzung dieser Maßnahmen zum Ziel gemacht hat.

Brandaktuelle Themen wie Bestimmungen zur Einhaltung von Menschrechten bei der benötigten Klimasenkung mussten auf nächstes Jahr vertagt werden. Damit gehe wichtige Zeit verloren, um zu handeln.

Helioz-Gründer: „CO₂-Zertifikate zu Dumpingpreisen“

„Am CO₂-Markt wird dringender denn je ein globales Regelwerk benötigt. Aber gerade das gibt es noch immer nicht. Es liegt nach wie vor an den beteiligen Staaten und Unternehmen, nach ihren Werten und Vorstellungen zu handeln – dass das oft nicht im Sinne einer nachhaltigen und impactstarken Kompensation abläuft, liegt auf der Hand“, so Schmiedmaier. „Das führt dazu, dass CO₂-Zertifikate aus alten Jahrgängen, zu Dumpingpreisen gekauft, oder Waldschutzgutschriften, die bereits aus geschützten Waldgebieten stammen, erworben werden können. Hier ist vor allem eine Marktaufsicht wünschenswert, die dazu beiträgt, die Integrität und Nachhaltigkeit des freiwilligen CO₂-Markts zu wahren.“

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signteq-Gründer Simon Schnabl | © Daniel Willinger | dwphoto.at
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Digitale Identifikation, regulatorische Prüfungen (u.a. KYC und KYB) und rechtsgültige digitale Verträge – damit überzeugte das 2019 gegründete Wiener RegTech-Unternehmen schon bislang Banken wie die Raiffeisen Bankengruppe und die Bawag, Versicherungen wie Wüstenrot, Fintechs wie froots und Conda, Krypto-Unternehmen wie Cryptonow und WhiteBIT und öffentliche Institutionen wie Wiener Wohnen. Neben Österreich ist man etwa auch in Deutschland, der Schweiz und mehreren Ländern in Südost- und Osteuropa aktiv.

„Know Your Agent“ als zusätzliches Geschäftsfeld

Eine zentrale Rolle in der Weiterentwicklung des Angebots soll nicht nur die European Digital Identity Wallet (EUDI Wallet) spielen, die bis Ende dieses Jahrs von allen EU-Staaten bereitgestellt werden muss. Mit „Know Your Agent“ (KYA) will signteq auch ein zusätzliches Geschäftsfeld aufbauen, das den Boom-Bereich Agentic AI aus RegTech-Perspektive adressiert. „Heute müssen Unternehmen wissen, wer ihr Kunde ist. Morgen müssen sie zusätzlich wissen, welcher KI-Agent für wen handelt, wozu er berechtigt ist und wer dafür verantwortlich ist“, erläutert Simon Schnabl, Gründer und Geschäftsführer von signteq.

Steinberger, Giretzlehner, Compass-Verlag u.a. investieren

Für diese Pläne und die weitere internationale Expansion holte sich signteq nun eine nicht genau bezifferte siebenstellige Kapitalspritze. Mit OpenClaw-Entwickler Peter Steinberger gewann das Unternehmen dabei nicht nur einen denkbar prominenten Investor, sondern auch eine der international zentralen Figuren im neuen Zielmarkt Agentic AI. Hinzu kommen in der aktuellen Runde der bereits seit 2024 beteiligte Compass-Verlag, Runtastic-Mitgründer René Giretzlehner, die Franz-MayrMelnhof-Saurau Beteiligungs GmbH und weitere nicht genannte Investor:innen.

Steinberger kommentiert in einem Statement: „KI-Agenten werden schon bald eigenständig für Menschen und Unternehmen handeln. Damit wird Vertrauen zur Schlüsselfrage: Wer steckt hinter einem Agenten – und was darf er? signteq baut dafür heute schon die Infrastruktur und denkt digitale Identität konsequent weiter: von Know Your Customer zu Know Your Agent. Diese Kombination aus starkem Kerngeschäft und klarer Zukunftsvision hat mich überzeugt.“

„Was wir in Österreich aufgebaut haben, skalieren wir jetzt international“

„Digitale Identität ist längst zu einer zentralen Infrastruktur für digitale Geschäftsmodelle geworden. Was wir in Österreich gemeinsam mit Banken, Versicherungen, Technologieunternehmen und der öffentlichen Hand aufgebaut haben, skalieren wir jetzt international – mit Europa als starkem Ausgangspunkt“, kommentiert Gründer Simon Schnabl. Zugute kommen sollen dem Unternehmen neben der erwähnten EUDI-Wallet, die Teil der eIDAS 2.0-Verordnung ist, noch weitere Regulierungen aus diesem Gesetzespaket sowie die kommendes Jahr anwendbare europäische Geldwäscheverordnung AMLR.

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