05.03.2025
ÜBERNAHME

Nach Insolvenz: Grazer Startup wird von 94-jährigem Betrieb übernommen

Das Unternehmen Lieb Bau Weiz erweitert mit der Integration von Technologie, Patenten und dem Gründerteam von Strohboid sein Portfolio im Bereich ressourcenschonender Holzbau-Lösungen.
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Strohboid
© Strohboid - Max Schade (l) und Fritz Walter von Strohboid.

Strohboid ist ein steirisches Startup, das Luxus-Zelte und Gastro-Pavillons baute. Es musste im September des Vorjahres Insolvenz anmelden. Verzögerte Aufträge und Rezessions-Folgen waren die Gründe dafür. Nun wurde es vom 94-jährigen Unternehmen Lieb Bau Weiz übernommen.

Strohboid wird zur Unternehmenstochter

„Nachhaltiges Bauen benötigt neben guten Ideen auch eine tragfähige Umsetzung. Bei Lieb Bau Weiz erhalten diese Konzepte nun die optimale und stabile Umgebung, um weiterentwickelt zu werden, zu wachsen und neue Märkte zu erschließen. Gemeinsam treiben wir nachhaltige Architektur konsequent voran“, erklärt Martin Timischl, Geschäftsführer von Lieb Bau Weiz die Übernahme.

Um die innovativen Holzbau-Konzepte gezielt weiterzuentwickeln und nachhaltig zu skalieren, hat der 1.200-köpfige oststeirische Traditionsbetrieb die Unternehmenstochter LTS Strohboid gegründet. In dieser übernimmt Philipp Gasser – gemeinsam mit Timischl – die Geschäftsführung. „Mit dieser Integration stärken wir unsere Vorreiterrolle im ökologischen Bauen und treiben Innovationen voran, die den Markt für nachhaltige Architektur maßgeblich prägen werden“, sagt Gasser.

Strohboid-Gründer bleiben an Bord

Das Kernteam um die Gründer von Strohboid, Max Schade und Fritz Walter, bleibt an Bord: „Ihre Innovationskraft und ihr Know-how in der Entwicklung von Leichtbaukonstruktionen sind eine maßgebliche Bereicherung für unser Unternehmen. Diese Expertise wollen wir nutzen, um gemeinsam die nachhaltigen Baukonzepte auch auf internationaler Bühne weiter zu skalieren. Damit bleiben die beiden Architekten – technisch wie auch wirtschaftlich – maßgeblich an der Weiterentwicklung beteiligt“, präzisiert Gasser die Rollen der Gründer im Unternehmensverbund.

Damit bleibe auch das patentierte Bausystem in steirischer Hand und wachse mit einem „starken Partner“ weiter: „Gemeinsam halten wir an unserer Vision von nachhaltiger Architektur und CO2-neutralen Bauten fest“, sagt das Gründer-Duo. „Mit dem Rückhalt durch Lieb ist die Marke Strohboid bestens aufgestellt, um international als Innovationsführer für nachhaltige Architektur zu wachsen.“

Produktion in Theresienfeld, Arndorf und Hartberg

Die Produktion erfolgt auch künftig im niederösterreichischen Theresienfeld. Zusätzlich werden auch an den Lieb-Produktionsstandorten in Arndorf und Hartberg ausgewählte Komponenten gefertigt.

Strohboid
(c) Lieb Bau Weiz – Martin Timischl (l.) und Philipp Gasser von Lieb Bau Weiz.

„Die neuen Rahmenbedingungen ermöglichen nicht nur eine nachhaltige Skalierung der Fertigung, sondern auch eine langfristige Weiterentwicklung der Strohboid-Technologie. Der Fokus auf höchste Qualität und ökologische Bauweise bleibt bestehen“, so Gasser weiter. Parallel dazu soll die Internationalisierung weiter forciert werden, um die „innovative Leichtbauweise aus der Steiermark“ auf neuen Märkten zu etablieren. Insbesondere in den USA und Kanada sei die Nachfrage nach nachhaltigen, hochwertigen Architekturkonzepten zuletzt rasant gewachsen, erklärt Gasser: „Dieses Potenzial wollen wir nutzen.“

Für bestehende und neue Kunden soll sich mit der Integration des Startups nichts ändern: Die Auslieferung der Outdoor-Lösungen werde planmäßig fortgesetzt. Die ersten Aufträge seien bereits gesichert: „Im Frühjahr 2025 werden Chalets, Pavillons und Lounges aus nachhaltiger Produktion an exklusive Hotelanlagen, Gastronomiebetriebe und touristische Destinationen geliefert“, sagen Gasser und Timischl. „Mit unserem starken Produktionsnetzwerk und einem klaren Fokus auf sicheres Wachstum setzen wir gezielt auf die zukunftssichere Weiterentwicklung der neuen Lieb-Marke Strohboid.“

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Junior Developer
(c) True Agency via Unsplash

„Wer glaubt, mit Künstlicher Intelligenz ließen sich Einstiegspositionen einfach streichen, verwechselt das Werkzeug mit der Person, die es sinnvoll einsetzt“, warnt André Holhozinskyj, CEO der europäischen Cloudflight Group. Die Warnung des Branchenexperten stützt sich auf eine aktuelle Befragung, die das Unternehmen durchgeführt hat. Unter den 1.119 Teilnehmenden – mehrheitlich Studierende und Berufseinsteiger:innen aus Deutschland, Österreich und Rumänien – zeigt sich eine weite Verbreitung, aber auch eine spürbare Reglementierung von KI-Tools im Arbeitsalltag.

Während 99 Prozent der befragten Nachwuchskräfte angeben, KI-Werkzeuge regelmäßig zu nutzen, stoßen sie in der Praxis häufig an organisatorische Grenzen. Rund zwei Drittel der Befragten berichten von Einschränkungen bei der Nutzung, die überwiegend organisatorischer Natur sind. Als Haupthindernis nennen 46 Prozent regulatorische Vorgaben wie Richtlinien von Schulen, Universitäten oder Unternehmen. Weit dahinter folgen Kosten und Lizenzgebühren mit 24 Prozent sowie ethische, rechtliche und datenschutzrechtliche Bedenken mit 23 Prozent. Mangelndes Interesse spielt mit nur zwei Prozent praktisch keine Rolle.

Risiko durch Schatten-IT und Compliance-Verstöße

Die restriktive Haltung in vielen Organisationen birgt nach Einschätzung der Studienautor:innen jedoch Risiken: Wird die Nutzung im Unternehmen untersagt oder komplett eingeschränkt, weichen Mitarbeiter:innen häufig auf private Geräte und nicht freigegebene Consumer-Tools aus – ohne Wissen oder Zustimmung der IT-Abteilung.

Gernot Molin, CTO der Cloudflight Group, warnt vor den unmittelbaren Gefahren für die Datensicherheit: „Tools wie ChatGPT, Gemini oder Claude sind nicht für Unternehmenssicherheit oder Compliance konzipiert, sondern für einfachen Zugang, und das schafft unmittelbare Risiken.“ So könnten etwa proprietäre Algorithmen durch das Einfügen von Code-Schnipseln abfließen, oder Entwickler:innen könnten unbeabsichtigt Kundendaten bei der Analyse von Log-Dateien offenlegen. Unternehmen, die an Richtlinien wie DSGVO, HIPAA oder SOC 2 gebunden sind, riskieren laut Molin bei der Verwendung nicht autorisierter Dienste empfindliche Verstöße. Er plädiert daher für eine kontrollierte Freigabe von KI-Werkzeugen, die direkt in bestehende Entwicklungsumgebungen integriert und durch Sicherheitskontrollen sowie Audit-Trails abgesichert sind.

Vielseitige Nutzung abseits von reinem Code

Die Befragung räumt zudem mit dem Vorurteil auf, KI diene primär dem Schreiben von neuem Programmcode. Der Einsatz zur reinen Code-Generierung liegt bei 18 Prozent und ist damit fast gleichauf mit dem Debugging und Code-Reviews (19 Prozent), administrativen und organisatorischen Aufgaben wie Recherche (19 Prozent) sowie der Code-Optimierung (17 Prozent). Dokumentation (12 Prozent) und Testautomatisierung (10 Prozent) folgen mit etwas Abstand.

Den größten Nutzen sehen die Befragten in der Entlastung bei Routinearbeiten. Fast jede:r Zweite (48 Prozent) nutzt KI vor allem zur Bewältigung repetitiver, zeitaufwändiger Aufgaben wie dem Erstellen von Boilerplate-Code oder dem automatisierten Organisieren von Daten. Ziel sei es, so heißt es aus den offenen Antworten der Teilnehmenden, sich dank der KI auf die interessanten Teile der Arbeit konzentrieren zu können. Zudem schätzen 42 Prozent die Tools als eine Art rund um die Uhr verfügbaren Tutor, der komplexe Konzepte erklären kann. Dieser Effekt könnte nach Einschätzung der Studienautoren vor allem in Regionen mit schwächerer Bildungsinfrastruktur den Zugang zu hochwertiger Programmierausbildung demokratisieren.

Zukunftssorgen und die Rolle der Nachwuchskräfte

Trotz der intensiven Nutzung blickt die junge Generation keineswegs sorgenfrei in die Zukunft. Lediglich 12 Prozent der Befragten geben an, keinerlei Sorge hinsichtlich der Auswirkungen von KI auf ihre eigene Karriere zu haben. Die überwiegende Mehrheit von 88 Prozent äußert leichte bis extreme Besorgnis. Neben der allgemeinen Karriereentwicklung sorgt sich ein Teil der Entwickler:innen auch um den eigenen Lernfortschritt: Es besteht die Befürchtung, durch eine zu starke Abhängigkeit von der KI das eigene Weiterkommen zu bremsen und durch die automatisierten Lösungen „dümmer“ zu werden. Viele wünschen sich daher Erklärungen anstelle von fertigen Antworten.

Für Cloudflight-CEO Holhozinskyj zeigt die Untersuchung, dass Unternehmen umdenken müssen. Künstliche Intelligenz müsse wie eine „virtuelle Mitarbeiterin“ verstanden werden, die ein geregeltes Onboarding benötigt. Wer Juniorstellen aus Gründen der kurzfristigen Kostenersparnis streicht, begehe laut Holhozinskyj einen strategischen Fehler: „Urteilsvermögen entsteht nicht am Reißbrett, sondern über Jahre praktischer Erfahrung, auch aus eigenen Fehlern, und genau diese Erfahrung bauen Unternehmen gerade systematisch ab, wenn sie ihre Juniorstellen kürzen.“ Langfristig drohe den Unternehmen dadurch der Verlust der „Senior-Kompetenz von morgen“ an die Konkurrenz, was sich schnell zum mittelfristigen Wettbewerbsnachteil entwickeln könne.

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