29.07.2025
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Nach Fusion mit deutschem Mitbewerber: Vorarlberger Startup Tree.ly wird zu Pina Earth

Das Vorarlberger ClimateTech-Startup verkündet seinen nächsten Wachstumsschritt: Tree.ly fusioniert mit dem deutschen Mitbewerber Pina Earth. Das Unternehmen wird künftig unter der Marke Pina Earth auftreten, aber von den Tree.ly-Gründern geleitet.
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l.n.r.: Christian Lutz (Gründer von Tree.ly), Gesa Biermann (Gründerin von Pina Earth), Florian Fincke (Gründer von Pina Earth), Jodok Batlogg (Gründer von Tree.ly). | © Pina Earth

Seit der Gründung im Jahr 2021 hat sich Tree.ly, gegründet von Jodok Batlogg und Christian Lutz, einen Namen im Bereich des Waldschutzes gemacht. Das Geschäftsmodell: Unternehmen erhalten Zugang zu TÜV-geprüften CO2-Gutschriften und können so direkt in zertifizierte Klimaschutzprojekte in Wäldern investieren. 2024 war für Tree.ly nach eigenen Angaben ein erfolgreiches Jahr. Der Umsatz habe sich demnach im Vergleich zum Vorjahr verdreifacht (brutkasten berichtete).

Mit dem Zusammenschluss mit dem deutschen Mitbewerber Pina Earth will das Vorarlberger Startup Europas führende Plattform für Wald-Klimaschutzprojekte aufbauen. 

Tree.ly-Gründer übernehmen Leitung

Das fusionierte Unternehmen wird künftig unter der Marke Pina Earth auftreten, geleitet von den bisherigen Tree.ly-Gründern Batlogg und Lutz. Auf Anfrage von brutkasten sagt Batlogg: „Wir übernehmen die Marke Pina Earth, weil die Marke stärker ist. Nachdem wir eine kundenzentrierte Präsenz aufbauen wollen, haben wir uns entschieden auch auf den Kernmarkt Deutschland und somit auf die Marke Pina Earth zu setzen“. Damit möchte man die eigene Position am Markt weiter stärken. Zu den genauen Konditionen der Fusion wollte Batlogg gegenüber brutkasten keine weiteren Details verraten – man habe sich aber „auf Augenhöhe getroffen“.

Vertreten ist das neue Unternehmen an den bestehenden Standorten München, Berlin und Dornbirn. In den kommenden Monaten liegt der Fokus auf der Integration der beiden Teams, dem Ausbau der Vertriebsaktivitäten sowie der technologischen Weiterentwicklung.

Nach eigenen Angaben wurden alle Mitarbeitende in das neu fusionierende Unternehmen übernommen. „Wir super happy, dass wir jetzt über ein größeres Team verfügen. Wir sind jetzt fast doppelt doppelt so groß wie vorher“, sagt Batlogg.

Integration der Software

Die Wald-Simulationssoftware von Pina Earth wird künftig in Tree.lys Technologieplattform integriert. Dieser Schritt soll die Umsetzung von Projekten effizienter, transparenter und vielfältiger machen. Ziel ist es, Waldbesitzer:innen aller Größenordnungen, unabhängig vom Standort, den Zugang zu zertifizierten Klimaschutzprojekten zu erleichtern.

„Ich freue mich sehr darüber, mit Tree.ly gemeinsam unseren Impact nun noch schneller zu skalieren – und Unternehmen die regionalen, hochwertigen Klimaschutzprojekte zu bieten, nach denen sie suchen“, sagt Gesa Biermann, Co-Founderin von Pina Earth. Sie und ihr Co-Founder Florian Fincke wechseln ab sofort in strategische Beraterrollen.

Vorteile für Unternehmen und Waldbesitzer:innen

Mit dem Zusammenschluss der beiden Unternehmen schaffe man “Europas erste Full-Stack-Plattform für Wald-Klimaschutzprojekte”, formuliert das Startup seinen eigenen Anspruch. Für die Kund:innen bedeute das ein erweitertes Projektportfolio, mehr Transparenz in der Umsetzung und ein starker Fokus auf Biodiversität und Regionalität. Waldbesitzer:innen wiederum profitieren von einem größeren Netzwerk an CO2-Käufer:innen.

„Gemeinsam vereinen wir über 80.000 Hektar Waldfläche, mehr als 500.000 Tonnen CO₂ in regional zertifizierten Projekten und ein Käufernetzwerk von über 100 Unternehmen im gesamten DACH-Raum“, so Batlogg gegenüber brutkasten. Das Projektportfolio umfasst inzwischen Standorte in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Tschechien, Ungarn und Italien. Von der Fusion erhofft man sich ein fünffaches Umsatzwachstum pro Jahr.

Waldschutz und Biodiversität

Für Batlogg ist klar: „Technologie ist der einzige Weg, um Klimaziele im notwendigen Maßstab zu erreichen. Mit dem Zusammenschluss vereinen wir die besten Technologien und Teams im Markt, um Wald-Klimaschutzprojekte schneller, einfacher und verlässlicher umzusetzen – für Waldbesitzer und für Käufer.“

Im Fokus steht die gemeinsame Mission beider Unternehmen: Die Finanzierungslücke im Waldschutz und in der Biodiversität zu schließen und Unternehmen den Zugang zu zertifizierten, regionalen Klimaschutzprojekten zu ermöglichen.

Series-A geplant

Das neu fusionierte Unternehmen bereitet sich gleichzeitig auf eine Series-A-Finanzierungsrunde für Anfang 2026 vor. Bereits im Juli 2024 konnte sich Tree.ly in einer Seed-Runde fünf Millionen Euro sichern. Zu den Investoren zählen unter anderem PortfoLion, der aws Gründungsfonds, SymbiaVC und das Tyrolean Business Angel-Netzwerk (brutkasten berichtete).

Mit einem frischen Kapital will das Unternehmen sein Angebot an „regionalen, hochwertigen Klimaschutzprojekten in ganz Europa skalieren“, wie es in der Aussendung heißt.

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Defence statt Climate: Wie die TechBBQ in Kopenhagen zeigt, wohin Europas Startup-Szene steuert

Tech-Unternehmerin Mariebeth Aquino arbeitet an der Erkennung von Desinformations- und Einflusskampagnen (FIMI) in Europa. Auf der größten Startup-Konferenz Skandinaviens war sie vor Ort. In ihrem Gastbeitrag für brutkasten schildert sie, warum das meistgehörte Wort heuer „Defence" war und was Österreich davon lernen könnte.
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Gastautorin Mariebeth Aquino war auf der TechBBQ in Kopenhagen vor Ort | Foto: Mariebeth Aquino | (c) Kasia Sosulski

Tag zwei der TechBBQ in Kopenhagen, kurz vor acht Uhr morgens. Die Nacht davor war lang: Side-Events, Netzwerken, Gespräche bis weit nach Mitternacht. Ich schaffe es zwei Minuten vor Beginn zur Royal Reception, durch die Tür fast gleichzeitig mit Prinz Joachim von Dänemark. Ich setze mich an einen Tisch. Er auch. An denselben. Cooler Zufall.

So beginnt für mich der Defence & Dual-Use Summit: mit dem dänischen Königshaus am Tisch einer Startup-Konferenz. Prinz Joachim, der auch Verteidigungsindustrie-Attaché ist, sagt: Die Grenzen zwischen Tech, Wirtschaft und nationaler Sicherheit verschwimmen. Die interessantesten Lösungen kämen nicht mehr aus klassischen Rüstungskonzernen, sondern aus Startups, Uni-Labs und von Leuten, die mit Defence nie zu tun hatten. Und dieses Bild zieht sich durch die gesamte Konferenz: Grenzen verschwimmen.

Die TechBBQ ist mit über 10.000 Teilnehmer:innen Ende August die größte Startup-Konferenz Skandinaviens, und das meistgehörte Wort war heuer „Defence“. Wer regelmäßig auf europäischen Startup- und Tech-Konferenzen unterwegs ist, hat die Verschiebung bemerkt: 2022 sah man noch viele Impact- und Sustainability-Sessions auf den Bühnen. Heuer dominieren Resilienz und Sicherheit. Im Juni, auf der VivaTech in Paris, war das meistgehörte Wort „Sovereignty“ (Souveränität).

Defence Tech boomt

2025 gingen 13 Prozent des gesamten europäischen Venture Capitals in Verteidigung, Sicherheit und Resilienz, dreimal so viel wie drei Jahre zuvor (Dealroom und NATO Innovation Fund, Februar 2026). Auch Atomicos „State of European Tech 2025″ bestätigt den Boom bei Defence Tech. Das Kapital für Climate Tech wird dagegen seit 2022 mit jedem Jahr weniger (Atomico, „State of European Tech“ 2022 bis 2025).

Es braucht heute keinen militärischen oder nachrichtendienstlichen Hintergrund, um in diesem Feld etwas beizutragen. Man braucht technische Tiefe, die Bereitschaft, sich in eine fremde Domäne einzuarbeiten, und ein Umfeld, das einen dabei nicht ausbremst, sondern fördert. Wie in Dänemark.

Die TechBBQ fand am 26. und 27. August 2026 im Bella Center Kopenhagen statt | Foto: Mariebeth Aquino

2005 habe ich bei der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) in Wien ein Tool mitentwickelt, das aufdecken sollte, wer gerade versucht, eine Atombombe zu bauen. Im selben Jahr bekam die IAEA den Friedensnobelpreis. Zwanzig Jahre später jage ich mit derselben Logik organisierte Desinformationskampagnen, diesmal als Startup. Denn hybride Bedrohungen sind längst Alltag, auch in neutralen Ländern. Hochriskant, Ausgang offen. Ich versuche es trotzdem.

„Your idea is never too crazy for us. We want to see it. We want to hear it. We want revolutionary, not evolutionary ideas“, sagt Lindsay Heil, Chief of International Cooperation bei DARPA, auf der Bühne. DARPA will Antworten auf schwierige Probleme, und die kommen aus ihrer Erfahrung meistens von Startups. Dieser Aufruf hat mich besonders angesprochen.

Aus Überzeugung in Defence

Verteidigung hat die Verteidigungsblase verlassen. Auf der TechBBQ waren laut Veranstalter über 2.000 Investor:innen vor Ort. Ich habe rund ein Dutzend von ihnen gefragt, ob sie in Defence investieren. Keine einzige Absage. Aber auf einer Konferenz mit eigenem Defence-Summit ist das wohl erwartbar. Spannend war, dass die allerwenigsten einen militärischen oder sicherheitspolitischen Hintergrund haben. Sie tun es aus Überzeugung und lernen die Domäne unterwegs.

Wie sehr sich die Stimmung gedreht hat, bringt Philipp Schröder, CEO und Mitgründer des Hamburger Climate-Tech-Unicorns 1Komma5°, auf den Punkt, als ich ihn nach seinem Talk treffe: Den Shift Richtung Defence und Security spüre man klar. 2022 sei der Peak für Impact- und Energie-Themen gewesen, der sei vorbei. Sterben werde der Sektor aber nicht.

Wer ein europäisches Defence- oder Dual-Use-Startup baut, war auf der TechBBQ am richtigen Ort: Top-Management von Rheinmetall und Terma, DARPA, hochrangige Militärs, Leute vom skandinavischen Nachrichtendienst. Auf deren Badges standen nur der Vorname und der Geheimdienst, während alle anderen sämtliche Details preisgaben. Vor denen hatte ich Respekt.

Keine Minderheit mehr

Wer die Revolutionär:innen sucht, muss allerdings auch jene einladen, die bisher nicht mitgemeint waren. Auf männerdominierten Tech-Events ist Unconscious Bias mein ständiger Begleiter. Ich bin darauf sensibilisiert und nehme die Mikroexpressionen wahr: den kurzen Blick, der einordnet und weiterwandert. Ich bin eine kleine Frau mit Migrationsgeschichte. Das Stereotyp sagt: Die steht sicher in keiner Position mit Macht. Also werde ich übersehen, weil ich nicht dem Bild des erfolgreichen weißen Mannes entspreche.

Über 2.000 Investor:innen waren laut Veranstalter auf der TechBBQ in Kopenhagen vor Ort | Foto: Mariebeth Aquino

Nicht in Kopenhagen. Auf der TechBBQ wurden Frauen, Minderheiten und die Crazy Ones, die Misfits, die Rebels willkommen geheißen. Sogar von den alteingesessenen älteren Herren, die auf solchen Konferenzen sonst die Deutungshoheit haben, kam dieses Gefühl kein einziges Mal auf.

Und Frauen waren auf der TechBBQ keine Minderheit. Ich schätze, ein Drittel der Gäste waren Frauen, dazu eine große, durchgehend volle Women-in-Tech-Lounge. Die Organisationsforschung kennt den Effekt als kritische Masse: Unter etwa 15 Prozent ist man die Ausnahme und steht stellvertretend für die ganze Kategorie, ab rund einem Drittel wird man wieder als Individuum gesehen (Rosabeth Moss Kanter). In Kopenhagen war dieser Punkt überschritten, und das war spürbar. Ich fand es befreiend.

Ich gehe seit 2009 auf Tech-Konferenzen und weiß, wie ungewöhnlich das ist. In Kopenhagen wurde auf den Bühnen gefeiert, wofür man sonst schiefe Blicke erntet, oft ohne dass es den Blickenden bewusst ist: Frau sein, Neurodivergenz, Migrationsgeschichte, untypische Lebensläufe. Wenn die interessantesten Defence-Lösungen von Quereinsteiger:innen kommen, wie Prinz Joachim sagt, dann entscheidet genau diese Offenheit, wie groß der Talentpool ist.

Dänemark macht es vor

Dänemark hat seine Verteidigungsausgaben seit 2022 real um rund 180 Prozent erhöht, der stärkste Zuwachs aller NATO-Staaten (NATO, Juli 2026). Hier ist der Ukraine-Krieg geografisch näher an der Bevölkerung und die Gesellschaft hat ein anderes Mindset gegenüber Verteidigung. Und die Industrie hat gelernt, wie Tempo geht: Getestet wird vom ersten Tag an in der Ukraine, am Boden, nah an den Nutzern. Die Anforderungen kommen nicht aus einem Ministerium, sondern aus dem Schützengraben. Was sich dort bewährt, kommt in den Einsatz. Und skaliert wird über Dänemark hinaus, denn, so Terma-CEO Henriette Hallberg Thygesen auf der Bühne, Dänemark allein sei für eine Verteidigungsindustrie zu klein, und Innovation ohne Skalierung werde selten eine echte Fähigkeit im Einsatz.

Und Österreich?

Das Land der Seligen. Wir setzen halt auf die Neutralität. Nur fragen Desinformationskampagnen nicht nach Bündnissen, sie laufen längst, auch bei uns. Auf dem Summit habe ich zwei Tage lang zugehört, wie Dänemark laut die eigenen Schwächen seziert: zu wenig Dringlichkeit, keine Lizenz zum Scheitern. Österreich stellt diese Fragen nicht einmal. „Eure Idee ist uns nie zu verrückt.“ Ich hätte diesen Satz gerne einmal hier gehört.


Über die Autorin: Mariebeth Aquino ist Tech-Unternehmerin. Sie arbeitet an der Erkennung von Desinformations- und Einflusskampagnen (FIMI) in Europa und bildet Security-Software-Engineers aus. www.heldin.eu

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