06.07.2017

Nach dem Investment: Adverity im Interview

Am Donnerstag wurde bekannt, dass die Investmentgesellschaft Speedinvest gemeinsam mit dem aws und 42cap siebenstellig in das Wiener Data-Marketing-Startup Adverity eingestiegen ist. Mit dem Brutkasten sprach das Startup über das Investment.
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adverity igelsböck Datenstrategie
(c) Adverity: Die Co-Founder Martin-Brunthaler und Alexander Igelsböck

Speedinvest war ja bereits mit acht Prozent an Adverity beteiligt. Wieso wurde diese Beteiligung ausgebaut?

Speedinvest hat großes Vertrauen in das Tool und begleitet uns auch schon länger. Sie haben einfach gesehen, dass wir super erfolgreich sind. Wir arbeiten in Österreich mit fast jeder großen Mediaagentur zusammen. Auch die internationale Expansion entwickelt sich sehr gut.

Wie kamen die anderen beiden Investoren neben Speedinvest an Bord?

42cap und Speedinvest sind zeitgleich und AWS kurz danach zu dieser Runde hinzugestoßen. Es gibt für diesen Prozess keinen genauen Ablauf, es finden an sich laufend Gespräche statt und irgendwann einigt man sich auf eine Investition.

Redaktionstipps

Wer besitzt nun wie viele Anteile?

Der größte Anteilseigner und Mehrheitsgesellschafter bleibt das operative Team rund um die Gründer. Uns war von Anfang an wichtig, dass wir die Kontrolle über das operative Business behalten und bislang lagen wir mit allen wegweisenden Entscheidungen goldrichtig.

Was passiert mit dem frischen Kapital?

Wir wollen in die Expansion und das Wachstum investieren. Es gibt ja schon Büros in Paris, London und Frankfurt. Jetzt sind außerdem Investitionen in die Software geplant, um das Tool weiterzuentwickeln und an die Kundenbedürfnisse anzupassen. Außerdem wollen wir in Marketing investieren, um auch in den anderen Ländern präsent zu sein und die Kunden zu überzeugen.

Wie wird die Zusammenarbeit mit den Investoren in Zukunft aussehen?

Das Gründerteam an sich kann beachtliche Erfahrungen im Bereich Startup, Gründung und Kapitalisierung vorweisen. Alexander Igelsböck stand als i5invest CEO bereits auf der Investorenseite und gemeinsam mit Martin Brunthaler konnten sie auch bereits erfolgreiche Exits aufweisen (zB Ciuvo) – somit sollte klar sein, dass es hier eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe stattfindet. Mit 42cap wurde ein Partner gefunden der sehr viel Erfahrung im Bereich SaaS (Software as a Service) sowie im Vermarktungsbereich mitbringt. Die beiden 42cap-Gründer Alexander Meyer und Thomas Wilke können auf eine lange Erfahrung als Mitbegründer von eCircle bzw. auf ihre Mitarbeit bei Teradata nach dem Verkauf zurückblicken.

Wird die Bedeutung von Data-Marketing weiter steigen?

Ja. Sie hat noch lange nicht ihren Höhepunkt erreicht. In der heutigen Zeit sind Marketing-Aktivitäten immer unübersichtlicher werden, weil es auch immer mehr Kanäle gibt, wird es immer wichtiger, zu analysieren, welche Reichweiten man hat und ob das Sinn macht, was man betreibt.
Es ist sowohl für die Agenturen als auch für die werbetreibenden Unternehmen sehr schwierig, den Überblick zu behalten. Weil also auch die Tools und die Marketingmöglichkeiten immer vielfältiger werden, werden auch alle Unternehmen in Tools dieser Art investieren müssen?

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Jonas Finck und Philip Pauer, Vorstände der Reploid Group AG | (c) Reploid / Stefan Beiganz
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Schon seit mehr als einem Jahr ist Reploid nun an der Wiener Börse (und plant bereits den Wechsel in den prime market, wie brutkasten berichtete). Eine große Aktienemission gab es bislang aber nicht. Stattdessen nutzte das Welser Insektenzucht-Scaleup auch nach dem Listing andere Finanzierungsformen, wie eine umsatzbasierte Finanzierung, Crowdinvesting und einen großen Wachstumskredit.

Darlehen werden 2027 verpflichtend in Aktien umgewandelt

Nun kündigte Reploid in einer verpflichtenden Meldung an, bis 31. 12. bis zu 30 Millionen Euro aufnehmen zu wollen und macht dies abermals nicht via Aktienemission, aber mit einem Instrument, das dieser schon recht nahe kommt: Das Scaleup emittiert eine Wandelschuldverschreibung. Dabei wird das nun aufgenommene Kapital verpflichtend zwischen 15. August und 9. September 2027 in Aktien umgewandelt.

Das passiert zum dann aktuellen Aktienkurs bzw. zu einem Durchschnittskurs, allerdings mit einem Discount von 20 Prozent. Bis dahin bekommen die Zeichner:innen auf das formell unbesicherte und nachrangige Darlehen zudem einen Zinssatz von 2,5 Prozent p.a.. Das Angebot richtet sich allerdings nur an einen geschlossenen Kreis. Die Mindestzeichnungssumme beträgt 100.000 Euro.

Vorteile im Vergleich zu Aktienemission

Die Vorteile für Reploid bei dieser Vorgehensweise liegen indessen auf der Hand. Erstens ist die Wandelschuldverschreibung, im geschlossenen Kreis platziert, regulatorisch deutlich einfacher handzuhaben als eine Aktienemission. So muss etwa kein öffentlicher Prospekt erstellt werden und es gibt keinen aufwändigen Zulassungsprozess. Zweitens hat das Scaleup die Chance, die Unternehmensbewertung bis zur Wandlung so weit zu steigern, dass das aufgenommene Kapital vergleichsweise günstiger wird.

Zweiteres könnte wiederum durch die erfolgreiche Aufnahme des Kapitals als Erfolgsmeldung begünstigt werden. Generell muss sich Reploid nach wie vor beweisen: Der zuletzt veröffentlichte Jahresabschluss 2025 weist zwar an der Oberfläche beachtliche Gewinne aus, bei genauerer Betrachtung zeigt sich aber eine durchaus komplexe Situation, wie brutkasten analysierte.

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