08.04.2025
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Nach 625-Millionen-Dollar-Deal: TTTech Auto erhält einen neuen CEO

Stefan Poledna übernimmt mit April 2025 die CEO-Rolle – mitten in der strategisch entscheidenden Phase rund um den 625-Millionen-Dollar-Deal mit NXP.
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Stefan Poledna | (c) TTTech Auto AG

Das Wiener Technologieunternehmen TTTech Auto hat einen neuen CEO: Mit 1. April 2025 hat Co-Founder und CTO Stefan Poledna die Geschäftsführung übernommen. Er folgt auf Dirk Linzmeier, der das Unternehmen mit Ende März verlassen hat. Poledna wird seine Funktion als CTO weiterhin ausüben und bleibt damit in technischer Führungsverantwortung.

Mit dem Wechsel an der Spitze bereitet sich TTTech Auto auf die nächste Phase vor – unter anderem im Hinblick auf die geplante Integration in den Halbleiterkonzern NXP. Anfang Januar 2025 wurde bekannt, dass der niederländische Chip-Hersteller NXP das Wiener Unternehmen für 625 Millionen US-Dollar übernimmt. Diese Akquisition zielt darauf ab, NXPs Position im Bereich sicherheitskritischer Software für softwaredefinierte Fahrzeuge zu stärken. TTTech Auto soll dabei künftig seine Expertise in der Entwicklung von Sicherheits-Middleware einbringen, die für die Integration und Aktualisierung von Fahrzeugsystemen unerlässlich ist. (brutkasten berichtete über die Hintergründe des Deals).

Stefan Polednas Background

Poledna ist seit über drei Jahrzehnten in der Entwicklung sicherheitskritischer Automotive-Systeme tätig. Er gilt als treibende Kraft hinter der Positionierung von TTTech Auto als Anbieter von Schlüsseltechnologien für softwaredefinierte Fahrzeuge (SDVs). Mehr darüber könnt ihr auch in einem brutkasten-Interview mit Poledna nachlesen. Unter seiner Leitung entstand unter anderem eine Sicherheits-Middleware für den ersten ADAS-Domain-Controller. Dabei handelt es sich um ein zentrales Steuergerät im Fahrzeug, das verschiedene Assistenzsysteme wie Notbremsassistent, Spurhalteassistent, Abstandsregeltempomat oder automatisiertes Einparken koordiniert und verarbeitet.

Der Informatiker ist Autor von über 80 Patenten, vielfach publiziert und lehrt an der TU Wien über zuverlässige Computersysteme. Als CEO und CTO soll er TTTech Auto nun gemeinsam mit NXP in eine neue Innovations- und Wachstumsphase führen – mit Fokus auf Sicherheit und Security im Automobilbereich.


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Vlnr: Mag. Markus Manz (CEO SCCH Innovations GmbH) und die Gründer*innen von LUML, Nikita Gonchar, Oleh Kostromin und Iryna Kondrashchenko | (c) SCCH

Das Software Competence Center Hagenberg forscht als COMET-Zentrum seit Jahren für Industriepartner wie Siemens, Bosch oder Fronius. Mit der SCCH Innovations GmbH will das oberösterreichische Forschungszentrum seine Ergebnisse zusätzlich auch selbst in Unternehmen überführen, statt sie ausschließlich an Auftraggeber weiterzugeben. „Es war mir immer ein besonderes Anliegen, dass die Ergebnisse unserer Forschung nicht mit dem Abschluss eines Forschungsprojekts enden, sondern ihren Weg in die wirtschaftliche Anwendung finden“, sagt Markus Manz, CEO der SCCH Innovations GmbH.

Rund 30 Unternehmen als Ziel

Im Gespräch mit brutkasten formuliert Manz ein ambitioniertes Zielbild: Rund 30 Beteiligungen sollen bis 2030 und darüber hinaus realisiert bzw. aufgebaut  werden. Die Vision beschreibt er als Unendlichsymbol (∞), welches das Forschungs- und das Gründerökosystem iterativ verbindet. Tiefe Technologien aus der angewandten Forschung sollen in Unternehmensgründungen überführt werden, die Rückflüsse daraus wiederum die Forschung speisen. Es gehe dabei nicht darum, eine App zu entwickeln, betont Manz, sondern darum, tiefe Technologien aus der eigenen Forschung mit Industriepartnern und Universitäten in Unternehmensgründungen zu bringen. Ein vergleichbares Modell, bei dem ein angewandtes Forschungszentrum eine eigene Beteiligungsgesellschaft betreibt, kenne er aus seiner Recherche nicht.

Die Gesellschaft soll zu Beginn mit rund 500.000 Euro kapitalisiert werden. Große Einzelinvestments sind damit nicht geplant: Die Ticketgröße für Erstinvestments liegt laut Manz bei maximal 100.000 Euro. Das Startkapital soll Gründer:innen helfen, die erste Phase zu überbrücken, Förderungen einzureichen und das Produkt weiterzuentwickeln. Noch heuer sind drei weitere Beteiligungen geplant, zwei davon im Deep-Tech-Bereich und eine im Dienstleistungsbereich, um schneller rekapitalisieren zu können.

Die Wege in den Markt

Die SCCH Innovations GmbH verfolgt mehrere Beteiligungsmodelle. Bei klassischen Spinoffs aus Forschungsprojekten setzt das Forschungszentrum bewusst auf externe, erfahrene Gründer:innen statt auf die eigenen Forscher:innen. Diese erhalten die Mehrheit der Anteile, während sich das SCCH einen bis zu einem vereinbarten Unternehmenswert nicht verwässerbaren Minderheitsanteil sichert. Dazu kommen Joint Ventures mit Unternehmenspartnern, etwa die gemeinsam mit TÜV AUSTRIA gegründete TRUSTIFAI, der österreichische Prüf- und Zertifizierungshub für KI-Systeme, sowie strategische Beteiligungen ohne Kapitalfluss.

Das vierte Modell heißt Research for Equity: Das SCCH bringt Forschungs- und Entwicklungsleistungen in ein Startup ein und erhält dafür, ganz oder teilweise anstelle einer klassischen Vergütung, Unternehmensanteile. „Mit diesen unterschiedlichen Modellen schafft die SCCH Innovations GmbH neue Möglichkeiten für den Transfer von Forschungsergebnissen in die Wirtschaft“, so Manz.

Erste Beteiligungen

Wie das in der Praxis aussieht, zeigt die erste Beteiligung der neuen Gesellschaft. Oleh Kostromin, Data Scientist am SCCH, hat gemeinsam mit Iryna Kondrashchenko und Nikita Gonchar die LUML FlexCo gegründet. Die entwickelte Plattform soll Data Scientists helfen, Machine-Learning-Modelle schneller in die Praxis zu bringen, und ist von Anfang an darauf ausgelegt, dass Menschen und KI-Agenten gemeinsam an ML-Projekten arbeiten. „LUML läuft auf der Infrastruktur des jeweiligen Unternehmens. Die Daten und Modelle verlassen die Unternehmensumgebung nicht“, sagt Kostromin.

An LUML hält die SCCH Innovations GmbH auf brutkasten-Nachfrage fünf Prozent, als reine strategische Beteiligung ohne Kapitalfluss. Laut Manz bringt das SCCH dafür vor allem Zugang zu seinem Industrienetzwerk, eine gemeinsame Vermarktungskampagne und Mitarbeiterstunden ein und setzt die Plattform in eigenen Forschungsprojekten ein. Zusätzliches Kapital habe das Startup nicht benötigt, weil das Produkt bereits fertig entwickelt war. Der bewusst niedrige Anteil soll LUML für spätere Investoren attraktiv halten. Das Wachstum soll vorerst gebootstrapped erfolgen, je nach Entwicklung sind laut SCCH aber auch eigene Finanzierungsrunden denkbar.

Das SCCH gehört als Mitglied des UAR Innovation Network zu den Beteiligungsgesellschaften der Upper Austrian Research GmbH und beschäftigt derzeit rund 130 Mitarbeiter:innen. Bereits im Jänner hatte sich das Forschungszentrum am KI-Spin-off Responsible Annotation Services beteiligt (brutkasten berichtete) und hält weitere Beteiligungen, die zukünftig auf die SCCH Innovations GmbH übertragen werden sollen.

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