Nach 200 Mio. Series C: B2B-Expense-Lösung Pleo kommt nach Österreich
Nachdem Pleo im Juli 2021 Einhorn-Status erreicht hat, steigert das Unternehmen seine Bewertung auf 4,7 Milliarden US-Dollar. Das ist fast eine Verdreifachung der Unternehmensbewertung binnen fünf Monaten. Nun geriet unter anderem Österreich in den Fokus des Fintechs.
Das dänische Fintech sammelte in einer Erweiterung der Series-C 200 Millionen US-Dollar weiteres Kapital ein. Pleo steigert damit die Finanzierungsrunde auf insgesamt 350 Millionen US-Dollar. Und hat bei seinen Expansionsplänen nun 15 europäische Märkte im Sinn. Darunter auch Österreich.
Im Juli 2021 hat das Unternehmen Unicorn-Status erreicht und ist aktuell 4,7 Milliarden US-Dollar wert. Das stellt beinahe eine Verdreifachung der Unternehmensbewertung binnen fünf Monaten dar. Angeführt wird die Erweiterung der Series-C durch den technologieorientierten Investor „Coatue Management“. Weiters beteiligt: „Alkeon Capital“, „Bain Capital Ventures“, „Thrive Capital“, sowie die Alt-Investoren „Creandum“, „Kinnevik“, „Founders“, „Stripes“ und „Seedcamp“.
Team verdoppeln
„Wir wollen die Art und Weise verändern, wie Unternehmen mit ihren Ausgaben umgehen“, erklärt Jeppe Rindom, der Pleo gemeinsam mit Niccolo Perra gegründet hat. „Tatsache ist, dass wir in diesem Jahr keine weitere Kapitalerhöhung brauchten. Aber wir haben große Ambitionen, wollen in ganz Europa wachsen und noch mehr Unternehmen bei ihrem Ausgabenmanagement unterstützen. Wir sprechen also von 15 neuen europäischen Märkten. Wir wollen und müssen bis Ende 2022 unser 400-köpfiges Team verdoppeln, sowie unser Produkt optimieren, weitere Features und Funktionen entwickeln, das Produktangebot ausweiten. Von der Rechnungsverwaltung und Rückerstattung für Mitarbeiter:innen auf die Vergabe von Unternehmenskrediten und darüber hinaus.“
Das Fintech bietet konkret ein Tool für das Ausgabenmanagement sowie, in Kooperation mit Mastercard und J.P. Morgan, smarte Firmenkarten an. Das Angebot richtet sich vornehmlich an kleine und mittelständische Unternehmen sowie Startups.
Pleo setzt in Österreich auf lokale Features
Pleo setzt für den Start in Österreich auf lokalisierte Produkt-Features. Die Plattform des Unternehmens fängt Belege unterwegs ab, kategorisiert Ausgaben automatisch auf Basis des bisherigen Nutzerverhaltens und möchte somit die manuelle Spesenabrechnung überflüssig gestalten.
„Wir wollen alle Unternehmen mit dem Handwerkszeug ausstatten, um Unternehmensausgaben schnell, unkompliziert und einfach zu digitalisieren. Denn machen wir uns nichts vor: das Handling von Unternehmensausgaben ist in vielen österreichischen Betrieben noch Handarbeit“, meint Arun Mani, Chief Revenue Officer von Pleo. „Buchhalter:innen sitzen vor Bergen an Belegen und müssen diese individuell bearbeiten. Das ist ressourcenaufwendig und fehleranfällig“.
Ziel: Eine Million aktive User
Im letzten Halbjahr konnte Pleo monatlich bis zu 1.000 neue Unternehmenskunden gewinnen. Das Ziel des Fintechs ist es bis Ende 2025 insgesamt eine Million aktive Nutzer von sich überzeugen. Gewachsen sei man vor allem durch die Einführung eines Freemium-Modells im Herbst dieses Jahres und konnte damit einen größeren Kundenkreis lukrieren. Der Launch des Produkts in Österreich soll bald erfolgen.
Instahelp-Rebranding: Sechs Learnings für die eigene Marke
Die Plattform für psychologische Online-Beratung Instahelp hat sich eine neue Markenidentität gegeben. Gegenüber brutkasten erklären Projektleiter Nino Groß und Designerin Marie Pierer von Studio Furore, wie der Prozess ablief und was andere Unternehmen daraus mitnehmen können.
Instahelp-Rebranding: Sechs Learnings für die eigene Marke
Die Plattform für psychologische Online-Beratung Instahelp hat sich eine neue Markenidentität gegeben. Gegenüber brutkasten erklären Projektleiter Nino Groß und Designerin Marie Pierer von Studio Furore, wie der Prozess ablief und was andere Unternehmen daraus mitnehmen können.
Bunt, warm, lebendig und offen: So beschreibt Instahelp seinen neuen Auftritt. Die 2015 gegründete Plattform für Online-Therapie und psychologische Beratung hat gemeinsam mit Studio Furore Logo, Typografie, Farbwelt, Fotografie und Illustration neu entwickelt. Entstanden ist laut Aussendung alles in Graz.
Der Auftritt soll laut Aussendung ein Gegenentwurf zur häufig cleanen und zurückhaltenden Ästhetik des Gesundheitsbereichs sein. Das in der Aussendung als „schnell“ beschriebene Logo rückt ein Kernattribut der Plattform ins Zentrum: den garantierten Erstkontakt mit Psycholog:innen binnen 24 Stunden.
Nino Groß, seit Jänner Head of Brand & Communications bei Instahelp, formulierte laut Aussendung den Markenauftrag, das Thema in die Mitte der Gesellschaft zu tragen.
Über sein Netzwerk kam er laut Aussendung mit Marie Pierer in Kontakt, Designerin und Mitgründerin von Studio Furore. brutkasten hat bei beiden nachgefragt, was Gründer:innen und Marketingverantwortliche aus dem Projekt lernen können.
1. Die Marke laufend hinterfragen
„Man sollte wohl nie damit aufhören, seine Marke kritisch zu betrachten. Auch, wenn man etwas Ikonisches geschaffen hat“, sagt Groß. Spätestens wenn Markenelemente nicht mehr praktikabel oder im Kontext des Zeitgeists nicht mehr zielführend seien, sei es an der Zeit, etwas zu verändern.
Bei Instahelp sei die Ausgangssituation ideal gewesen: ein starkes Fundament und zehnjähriges Bestehen. „Die Grundidee war von Beginn weg, auf dem Bestehenden aufzubauen und es in die Zukunft zu tragen“, so Groß. Die Marke solle Strahlkraft über den Health-Bereich hinaus bekommen.
Als erste Best Practice nennt Groß die strategische Annäherung mit den wichtigsten W-Fragen: „Wozu machen wir das, wo wollen wir damit hin, welche Ziele soll die Marke erreichen, die sie bislang noch nicht erreicht hat?“
Pierer beschreibt den Ausgangspunkt ihrer Arbeit so: „Am Anfang steht für uns immer die Frage: Was wollen wir eigentlich vermitteln, wen wollen wir erreichen und was sollen Menschen fühlen, wenn sie mit der Marke in Berührung kommen?“
Darauf aufbauend entwickle Studio Furore ein Konzept mit einer klaren Herleitung. Daraus entstehe Schritt für Schritt die Brand Identity, von Logo, Farben, Typografie und Bildwelt bis hin zu Layoutsystem, Gestaltungselementen und Tonalität. Ziel sei ein Aha-Moment, „bei dem man versteht, warum etwas genau so gestaltet ist“.
3. Innen- und Außenperspektive zusammenbringen
Groß steuerte das Projekt in Abstimmung mit der Geschäftsführung und entwickelte das markenstrategische Konzept. Eingebunden waren außerdem die internen Design-Verantwortlichen, die den bisherigen Markenauftritt verantwortet hatten, sowie der CTO.
Diesen Mix zählt Groß zu den Best Practices des Projekts. Es gehe darum, jene, die den Markenkern gebaut haben, mit jenen zusammenzubringen, die ihn weiterentwickeln werden. „Diesen Wissenstransfer braucht es.“ Ebenso wichtig sei, offen und ohne Tabus zu diskutieren, was bleiben darf und was gehen muss. „Greift man die gesamte Identität an, ist das ein schmaler Grat.“
Dass die Entscheidungen im Unternehmen schnell fielen, hat Groß nach eigenen Angaben beeindruckt. Die Marke habe in ihrer Erscheinungsform seit zehn Jahren bestanden. „Von daher ist das keine kleine Intervention, wenn man an die gesamte Identität geht.“
4. Bei der Agentursuche das eigene Netzwerk nutzen
„Wir haben mehrere Angebote eingeholt, das sollte man immer“, sagt Groß. Ausschlaggebend sei im Endeffekt der persönliche Kontakt gewesen. Er kenne die Köpfe hinter Studio Furore schon lange und habe von ihnen nie etwas gesehen, das ästhetisch und handwerklich nicht auf sehr hohem Niveau gewesen sei.
Bei einem Mittagessen mit Pierer und Fotograf Kurt Bauer, der für die Bildwelt verantwortlich zeichnete, sei ihm nach ein paar Sätzen klar gewesen: „Die spüren die Marke.“
Startups und kleineren Unternehmen rät Groß, nach Möglichkeit persönliche Kontakte anzuzapfen, also Personen mit Erfahrung und guten Drähten in die Kreativwirtschaft. „Das spart einerseits Zeit und schützt vor Leerläufen. Andererseits ist es enorm wichtig für die qualitative Einschätzung.“
5. Konventionen brechen, wenn sie dem Ziel im Weg stehen
Die neue Marke tritt bunt und warm statt klinisch auf. „Ich sehe das eigentlich weniger als Mut, sondern vielmehr als Notwendigkeit“, sagt Pierer dazu. Psychische Themen seien gesellschaftlich schon stark mit Schwere und Unsicherheit behaftet. „Wie soll man Hoffnung vermitteln oder ein Gefühl des Aufatmens schaffen, wenn die Gestaltung genau diese Schwere noch verstärkt?“
Verharmlosen dürfe man das Thema dadurch nicht. „Aber ernst zu nehmen bedeutet nicht automatisch, dass etwas klinisch, kühl oder schwer aussehen muss.“ Dabei müsse jedes Element eine klare Bedeutung haben. „Es geht nicht einfach darum, ein schönes Logo oder eine bestimmte Farbe zu wählen. Die Gestaltung muss in sich stimmig sein und eine Geschichte erzählen.“
Für Pierer hat das Projekt auch eine persönliche Seite. In der Aussendung schildert sie, nach der Geburt ihres ersten Kindes selbst schwierige psychische Phasen erlebt zu haben. „Wenn ich damals von einem Angebot wie Instahelp gewusst hätte, wäre mir der Weg zur Unterstützung mit Sicherheit leichter gefallen.“
6. Mit kleinem Budget: wenige Dinge richtig machen
Startups mit kleinem Budget rät Pierer, sich am Anfang klar darüber zu werden, wofür man steht und was man vermitteln möchte. „Man braucht nicht sofort ein riesiges Branding oder unzählige Gestaltungselemente. Man braucht ein gutes Konzept.“
Ein durchdachtes Logo, eine passende Farb- und Typografiewelt und eine konsistente Bildsprache könnten schon viel bewirken. Pierer rät davon ab, Trends oder andere Marken zu kopieren, nur weil sie gerade gut funktionieren. Man solle herausfinden, was einen selbst besonders macht, und das konsequent sichtbar machen.
Außerdem solle das Erscheinungsbild flexibel bleiben und mit dem Unternehmen wachsen können. „Eine gute Markenidentität muss nicht von Anfang an riesig sein. Sie muss vor allem eine klare Idee haben.“
Die neue Markenidentität von Instahelp ist laut Aussendung inzwischen vollständig ausgerollt. Die Plattform arbeitet nach eigenen Angaben mit mehr als 400 Psycholog:innen und hat bis dato rund 450.000 Beratungen durchgeführt.
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