30.03.2023

N26-Gründer Stalf: „Sicher gäbe es das Unternehmen morgen auch ohne mich“

Im brutkasten-Talk sprach Valentin Stalf über den Status Quo bei N26, ging auf Kritik ein und gab einen Ausblick auf neue Produkte.
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N26-Gründer Valentin Stalf (c) brutkasten
N26-Gründer Valentin Stalf (c) brutkasten

In der aktuellen Krise kamen zuletzt auch zahlreiche große Fintechs nicht ungeschoren davon und führten Kündigungswellen durch. Zur Berliner Neobank N26 der Wiener Gründer Valentin Stalf und Maximilian Tayenthal sucht man derartige Negativ-Schlagzeilen aber vergebens (es gibt dafür andere – siehe unten). Im Gegenteil: Das FinTech wächst bei Umsätzen und Personal weiter.

N26 profitiert von EZB-Zinspolitik

Wie wurde das geschafft? „Als Company geht es uns sehr, sehr gut. Wir sind aus der Coronakrise mit einem großen Plus herausgegangen, weil die Menschen in unseren Kernmärkten Deutschland und Österreich noch mehr mit Karte und online zahlen“, erklärt Co-Founder und CEO Valentin Stalf im brutkasten-Talk (Video unten). Auch von der inflationsbedingten EZB-Zinspolitik profitiert das Unicorn. „Wir verdienen an den Einlagen der Kund:innen heute deutlich mehr Geld. Wir haben bis vor eineinhalb Jahren von der Zentralbank Null Prozent auf die Einlagen bekommen und teilweise sogar Negativzinsen bezahlt. Heute ist das Zinsniveau im Bereich von drei Prozent Plus. Wir verdienen etwas an den Einlagen und das ist wichtig für unser Geschäftsmodell“, so Stalf.

Noch keine schwarzen Zahlen

Schwarze Zahlen schreibt N26 trotzdem noch nicht. Das liege an weiterhin hohen Ausgaben für Marketing und Co, erklärt der Gründer. Auch in die Erfüllung regulatorischer Auflagen habe man in den vergangenen zwei Jahren sehr viel Geld investiert und sei mittlerweile ganz anders aufgestellt. Doch: „Wir sind heute pro Kunde schon sehr gut profitabel“. Sprich: Der Deckungsbeitrag ist positiv.

Konkrete Umsatzahlen will Stalf wenig überraschend nicht nennen. Aber so viel: Rund ein Drittel komme von Premium-Konten, ein weiteres aus Kartenumsätzen [Anm. von Händlern entrichtete Gebühren] und das dritte aus dem klassischen Bankgeschäft, etwa durch Überziehungszinsen. Dieser dritte Bereich werde immer wichtiger. Dennoch mache man pro Kund:in etwas niedrigere Umsätze als traditionelle Banken. „Wir bieten das Konto günstiger an und haben auch noch nicht ganz die Produktpalette“, erklärt Stalf.

„Aber unsere Kostenbasis ist ein Zwanzigstel bis Zehntel von der einer traditionellen Bank. Das macht uns auf Dauer stark. Und ein Kunde, der bei uns nicht aktiv ist, kostet uns nichts“. Alles, was noch fehle, um insgesamt profitabel zu werden, seien mehr Kund:innen, dann werde es zu einem Wendepunkt kommen, ab dem die Profite rasch steigen, meint der N26-Gründer.

Großteil der 700 Millionen Euro „noch heute am Konto“

Hilfreich ist in dieser Wachstumsphase natürlich auch ein finanzieller Puffer aus der letzten großen Finanzierungsrunde im Oktober 2021. „Der Großteil der 700 Millionen Euro ist noch heute am Konto“, sagt Stalf dazu. „Wir haben am Höhepunkt der Hype-Phase Eigenkapital aufgenommen und sind mit dem Geld sehr, sehr gut finanziert. Wir sind dadurch relativ zu anderen Scaleups finanziell sehr stabil aufgestellt. Wir haben auch das Ziel, mit dem Kapital profitabel zu werden und nicht unbedingt noch weiteres externes Kapital aufzunehmen“.

„Die machen die Arbeit“

Der nächste Schritt könnte also der Börsengang sein. Der Gründer bleibt dazu vage: „Das sollte sicher ein Ziel für uns in den nächsten zehn Jahren sein. Aber es ist ganz schwer vorherzusagen, ob das in drei oder fünf Jahren ist“. Dann stellt sich für die Gründer freilich auch irgendwann die Frage, aus dem operativen Geschäft auszusteigen. Daran denke er momentan noch nicht, meint der Gründer. Auf seine Person angewiesen sei N26 aber nicht mehr: „Sicher gäbe es das Unternehmen morgen auch ohne mich“.

„Als Gründer bin ich mehr in der Öffentlichkeit und bin für viele Themen letztverantwortlich. Wir haben aber viele Hundert Mitarbeiter und ein gutes Führungsteam und die machen die Arbeit. Ich muss viel kommunizieren und in der Öffentlichkeit stehen, aber am Ende müssen die das Schiff bewegen“, so Stalf.

Vorwürfe gegen N26-Führung: „Für Mitarbeiter:innen enttäuschend, das in der Presse zu lesen“

Gerade zu diesem Team-Aspekt gab es zuletzt aber Negativ-Schlagzeilen. Es herrsche eine „Kultur der Angst und Schuldzuweisungen“ im Unternehmen, zitierten zahlreiche Medien aus einer geleakten Mail einer Gruppe von Führungskräften aus dem Februar 2022 [Anm. rund die Hälfte der Unterzeichnenden ist heute nicht mehr im Unternehmen]. Direkt geht Stalf nicht auf die Vorwürfe ein, meint aber: „Es war auch für die Mitarbeiter:innen, die bei uns arbeiten, enttäuschend, das in der Presse zu lesen“. Im Unternehmen herrsche ein ganz anderer Eindruck und man setze auch laufend Maßnahmen.

So nutze man etwa ein Mitarbeiter:innen-Feedback-Tool im zwei Wochen-Rythmus. Mit den Scores dort sei er sehr zufrieden, sehe aber auch Verbesserungspotenzial, meint der Gründer. Die Mitarbeiter:innen-Fluktuation sei mit zehn bis 15 Prozent unter dem Branchenschnitt von über 30 Prozent. Und die Mitglieder des Führungsteams seien im Durchschnitt länger als fünf Jahre im Unternehmen. „Für uns ist es ganz wichtig, eine offene Unternehmenskultur zu haben“, beteuert der N26-Gründer.

Aktien-Trading und Sparguthaben mit Zinsen sollen bald kommen

Zudem gab Stalf im brutkasten-Talk auch einen Einblick in den Produkt-Bereich. Mit der Entwicklung des in Kooperation mit Bitpanda gestarteten Krypto-Features sei man „sehr zufrieden“. „Das Produkt ist für unser Team über Krypto hinaus sehr wichtig. Wir lernen daraus für ein geplantes Aktien- und Share-Trading-Produkt“, so der Gründer. Auch dort denke man eine White-Label-Lösung an.

Die Endkund:innen-Produktpalette werde man zudem bald – zunächst in einem kleinen Testmarkt – um ein „zinszahlendes Sparprodukt“ erweitern. „In den Spaces [Anm. Sparguthaben bei N26] haben die Leute heute schon einige Milliarden Euro liegen, obwohl wir da keine Zinsen bezahlen. Es gibt also ein riesiges Potenzial“, sagt Stalf. Viele weitere Entwicklungen – etwa im Bereich Sicherheit und Betrugsbekämpfung – liefen vor allem im Hintergrund ab.

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(c) Sasun Bughdaryan via Unsplash

In der Gründungsphase steht das operative Geschäft an erster Stelle: Produkte werden entwickelt, Marketingkampagnen gestartet und erste Kund:innen akquiriert. Rechtliche Rahmenbedingungen und eine nachhaltige Absicherung rücken dabei mitunter in den Hintergrund. Dabei können nicht nur unbedachte Versäumnisse, sondern sogar unverschuldete Konflikte junge Unternehmen rasch in finanzielle Schieflagen bringen.

“Ich mache ja nichts falsch”

„Ein häufiger Satz von Gründerinnen und Gründern lautet: Was soll schon passieren? Ich mache ja nichts falsch“, sagt Rechtsschutz-Experte Gerd Plank von der ERGO Versicherung. Doch im Unternehmensalltag geraten Firmen keineswegs nur durch eigenes Fehlverhalten in juristische Auseinandersetzungen. Plank verdeutlicht das an einem Praxisbeispiel aus dem Strafrechtsschutz: „Auch wenn ein Geschäftspartner etwas falsch macht, etwa bei der Verrechnung, kann ein Unternehmen ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten.“ In Österreich gebe es jährlich rund 540.000 Ermittlungsverfahren bei den Staatsanwaltschaften, denen lediglich 28.000 Verurteilungen gegenüberstehen. „Das bedeutet, dass 95 Prozent der Verfahren eingestellt werden oder mit einem Freispruch enden – die immensen Anwalts- und Verteidigungskosten von oft 10.000 bis 20.000 Euro muss man ohne Rechtsschutzversicherung dennoch selbst tragen“, so Plank.

Rechtsschutz-Experte Gerd Plank | (c) ERGO Versicherung

Auch bei zivilrechtlichen Auseinandersetzungen würden Gründer:innen das finanzielle Risiko unterschätzen. „Schon wenn man einen vermeintlich kleinen Streitwert von 500 Euro einklagt, liegen die Gesamtkosten in der ersten Instanz bereits bei rund 1.600 Euro. Kommen weitere Verhandlungen hinzu, ist man rasch bei 6.000 Euro“, führt Plank aus. Da ein Großteil der Gerichtsverfahren mit einem Vergleich enden würden, blieben beide Parteien häufig auf ihren eigenen Anwaltskosten sitzen. „In Österreich liegt der häufigste bestrittene Wert bei 10.000 Euro. Die Gesamtkosten bei diesem Streitwert erreichen schnell 20.000 Euro“, so der Experte. Ohne Absicherung verzichten Startups daher oft auf berechtigte Forderungen, um Prozesskosten zu vermeiden – was im Einzelfall existenzbedrohende finanzielle Auswirkungen haben kann.

Die 6 häufigsten Rechtsfallen

Um solche Szenarien zu verhindern, sollten Gründer:innen die typischen Stolpersteine der ersten Monate kennen. Gerd Plank fasst im Gespräch mit brutkasten die sechs häufigsten Rechtsfallen zusammen – und zeigt auf, wie sich Startups mit dem passenden Rechtsschutz davor schützen können.

1. Mündliche Vereinbarungen und undokumentierte Vertragsänderungen

In der Startphase regiert oft das Prinzip Vertrauen. Verträge werden mündlich geschlossen oder vereinbarte Leistungen nachträglich per Handschlag abgeändert. „Einer der wichtigsten Punkte, bei denen es später zu Streitigkeiten kommt, sind undokumentierte Änderungen an Verträgen“, warnt Plank. Kommt es zu Uneinigkeiten über den Leistungsumfang oder Zahlungen, stehe Aussage gegen Aussage. Der Kunde bestreite etwa Zusatzleistungen, und das Startup bleibe auf den Kosten sitzen.

Wie der Rechtsschutz hilft: Der D.A.S. Firmen-Rechtsschutz der ERGO Versicherung unterstützt Gründer:innen durch juristische Erstberatung und Vorab-Vertragsprüfungen zu günstigen Konditionen. Zudem bietet ERGO für Jungunternehmer:innen einen besonderen Vorteil: Den Entfall der üblichen Wartefristen. „Kommt ein Unternehmen nach Abschluss eines größeren Auftrags zu uns, besteht im Premium-Rechtsschutz für Streitigkeiten aus dem Vertrag sofort Versicherungsschutz“, hebt Plank hervor.

2. Offene Rechnungen nicht konsequent eintreiben

Zahlen Kunden ihre Rechnungen nicht, zögern junge Firmen oft, rechtliche Schritte einzuleiten – aus Sorge um die Kundenbeziehung oder aus Angst vor hohen Prozesskosten. Dies führt rasch zu massiven Liquiditätsengpässen. „Laut KSV1870-Statistik kommen 30 bis 40 Prozent der Insolvenzen in Österreich dadurch zustande, dass Kund:innen Rechnungen nicht bezahlen und die Unternehmer nicht die finanziellen Mittel haben, um ihre Forderungen gerichtlich durchzusetzen“, erläutert Plank.

Wie der Rechtsschutz hilft: Das Forderungsmanagement der ERGO Versicherung übernimmt den Inkassoprozess. „Durch unser Know-how erreichen wir eine Eintreibungsquote von rund 80 Prozent“, führt der Experte aus. Ein Netzwerk aus 600 spezialisierten Partneranwält:innen vertritt Betroffene an allen 115 Bezirksgerichten in Österreich und in weiteren Instanzen. „Außergerichtliche Lösungswege dauern im Schnitt ein halbes Jahr, während ein Gerichtsprozess im Schnitt bis zu dreieinhalb Jahre in Anspruch nehmen kann“, betont Plank.

3. Fehler bei der Mitarbeiterbeschäftigung

Bei der Einstellung des ersten Personals passieren häufig Fehler. Ein Klassiker ist die fehlerhafte Einstufung von Arbeitskräften. „Der typische Fall ist, dass eine Person als freier Dienstnehmer oder Selbstständiger bezeichnet wird, obwohl die tatsächlichen Arbeitsbedingungen für ein Angestelltenverhältnis sprechen“, so Plank. Stellt die Sozialversicherung bei einer Nachprüfung eine Scheinselbstständigkeit oder Fehler bei Kollektivvertragsgehältern fest, drohen Nachzahlungen im fünfstelligen Bereich.

Wie der Rechtsschutz hilft: Gründer:innen werden präventiv bei Dienstverträgen beraten, im Streitfall übernimmt der Firmen-Rechtsschutz im Rahmen des vereinbarten Versicherungsschutzes die Vertretungs- und Prozesskosten. „Mit fachkundiger juristischer Beratung lassen sich Kollektivvertragsentlohnungen, Arbeitszeiten und Sonderzahlungen von Anfang an korrekt regeln“, erklärt Plank.

4. Vernachlässigter Schutz von Marken, Software und IP

Viele Startups bringen innovative Produkte, Softwarelösungen oder Marken auf den Markt, ohne ihr geistiges Eigentum ausreichend abzusichern oder finanziell verteidigen zu können. „Wenn etwa ein Vertragspartner Daten weitergibt oder Ideen kopiert, werden Prozesse nach dem Immaterialgüterrecht extrem teuer“, gibt Plank zu bedenken. Ohne Rechtsbeistand fehlen jungen Firmen meist die Mittel, sich gegen finanzstarke Nachahmer zur Wehr zu setzen.

Wie der Rechtsschutz hilft: Der Premium-Rechtsschutz deckt komplexe Auseinandersetzungen im Immaterialgüterrecht ab. „Diese Streitigkeiten abzusichern ist entscheidend, da Rechtsstreitigkeiten um das geistige Eigentum hohe Streitwerte aufweisen“, betont der ERGO-Experte. ERGO stellt spezialisierte Partneranwält:innen bereit und übernimmt im Rahmen des vereinbarten Versicherungsschutzes die anfallenden Kosten.

5. Mangelhafte AGB und unzulässige Klauseln

Insbesondere im E-Commerce und beim Vertrieb an Endverbraucher greifen Gründer:innen häufig auf fehlerhafte oder ungeprüfte Allgemeine Geschäftsbedingungen (AGB) zurück. Werden Informationspflichten, Rücktrittsrechte oder Gewährleistungsbestimmungen missachtet, hat das teure Konsequenzen. „Wenn AGB unzulässige Klauseln enthalten, können sich Kunden darauf berufen und Zahlungen verweigern“, erklärt Plank.

Wie der Rechtsschutz hilft: Der D.A.S. Firmen-Rechtsschutz von ERGO bietet Unternehmern die Möglichkeit, Vertragswerke und AGB von spezialisierten Anwält:innen zu günstigen Konditionen prüfen zu lassen. „Es ist essenziell, sich von Anwält:innen im Vorfeld beraten zu lassen, ob die erstellten Klauseln rechtlich gültig sind, bevor man Angebote am Markt platziert“, rät Plank.

6. Überschreitung der Gewerbeberechtigung

In der Praxis bieten Startups nicht selten Leistungen an, die über den Umfang ihres eingetragenen Gewerbescheins hinausgehen. „Man muss wirklich darauf achten, dass man nur innerhalb jener Gewerbeberechtigungen arbeitet, die tatsächlich eingetragen sind“, mahnt Plank. Wird die Gewerbeberechtigung überschritten, drohen Verwaltungsstrafverfahren, die im schlimmsten Fall mit einem Gewerbeentzugsverfahren einhergehen.

Wie der Rechtsschutz hilft: Der Rechtsschutz für Gewerbeentzugsverfahren schützt Unternehmer vor den finanziellen Folgen von Verwaltungsstrafverfahren. „Auch bei drohendem Gewerbeentzug bieten wir die entsprechende rechtliche Absicherung und Vertretung“, führt Plank aus.


Aktionsangebot: ERGO Blue Weeks 

Aktuell bietet die ERGO Versicherung im Rahmen der „Blue Weeks“-Aktion besondere Konditionen für den D.A.S. Firmen-Rechtsschutz. Bei einem Vertragsabschluss bis 31. Jänner 2027 sparen Unternehmen bis zu fünf Monatsprämien.

Zusätzlich profitieren Jungunternehmer:innen im ersten Geschäftsjahr von einem Bonus – bis zu 20 Prozent auf die Prämienhöhe. Nähere Informationen erhalten Sie bei einer persönlichen Beratung mit den Rechtsschutzexperten der ERGO Versicherung.

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