19.11.2021

N26-Rückzug aus den USA: Niederlage oder smarte Entscheidung?

Laut Insidern waren Schwierigkeiten im "War for Talents" ausschlaggebend für den N26-Rückzug aus den USA. Wie ist der Schritt zu bewerten?
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Tamás Künsztler: Die N26-Gründer Maximilian Tayenthal und Valentin Stalf - Swarovski steigt ein N26-Rückzug aus den USA
© Tamás Künsztler: Die N26-Gründer Maximilian Tayenthal und Valentin Stalf

In seiner offiziellen Aussendung dazu, hielt sich die Berliner Neobank N26 der Wiener Gründer Valentin Stalf und Maximilian Tayenthal erwartungsgemäß bedeckt zu den genauen Gründen. Die blanken Zahlen zum Wettbewerb, wie sie etwa die FAZ hier darlegte, liefern aber schon deutliche Hinweise zu den Ursachen für den N26-Rückzug aus den USA, der auch nicht allzu überraschend kommt. Herausstechend sind dabei zwei direkte Konkurrenten, die das FinTech zumindest in Sachen verfügbares Kapital klar ausstechen: Die Neobanken Chime aus den USA und Revolut aus dem Vereinigten Königreich, die zuletzt jeweils etwa drei mal so hoch bewertet wurden. Und das, obwohl N26 nach einer 900 Millionen-US-Dollar-Kapitalrunde zu neun Milliarden US-Dollar Bewertung im Oktober keineswegs schlecht dasteht.

US-Rückzug trotz 500.000 User:innen – War for Talents als eigentlicher Grund?

Dennoch: N26 hatte zuletzt nach eigenen Angaben rund 500.000 User:innen in den USA. Das ist absolut gesehen eine gar nicht so kleine Zahl und entspricht bei insgesamt etwa sieben Millionen Kund:innen des FinTechs einem Anteil von ca. sieben Prozent. War es also nur das Marktumfeld, das den N26-Rückzug aus den USA hervorrief?

Video-Tipp: brutkasten backstage u.a. über den N26-Rückzug aus den USA

Insider sprechen gegenüber dem brutkasten von einem anderen ausschlaggebenden Grund: N26 sei es nicht gelungen, in den USA die besten Leute im Bereich anzuwerben. Die Neobank habe als Newcomer am stark umkämpften US-Markt gleichsam den „War for Talents“ verloren. N26 bestätigt das auf Anfrage gegenüber dem brutkasten nicht. „Das zeigt die Tragweite des Hiring-Themas“, analysiert brutkasten-Gründer Dejan Jovicevic bei „brutkasten backstage“, der den Schritt als „extrem mutige, konsequente und smarte unternehmerische Entscheidung“ sieht. „Wenn man nicht die Top-Leute bekommt, kann das in letzter Konsequenz dazu führen, dass man einen Markt schließt“.

Jovicevic: „in keinster Weise eine Niederlage“

Eine Niederlage sei der Rückzug „in keinster Wiese“, meint Jovicevic. „Das gehört zum Geschäft. Du musst probieren, die Märkte anzugehen und lernst dort“. Insgesamt sei die unternehmerische Leistung von Valentin Stalf und Maximilian Tayenthal in den vergangenen Jahren „unfassbar wertvoll“. Und letztlich werde der Rückzug der Challenger-Bank noch mehr Kraft für den europäischen Markt geben, glaubt der brutkasten CEO. Das Unternehmen werde sein starkes Wachstum auch weiterhin fortsetzen können.

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fixed: Erste Doku von refurbed zeigt die Vielschichtigkeit von E-Waste

Im April 2026 machte sich refurbed Co-Founder Kilian Kaminski mit einem Team auf, um den Umgang mit E-Waste in Ghana in einer Dokumentation festzuhalten. Der bislang erste Film des Wiener Scaleups hinterfragt außerdem Europas Verständnis von globalem Elektroschrott. Gestern präsentierte Kaminski die Dokumentation in den Breitenseer Lichtspielen, wo brutkasten vor Ort war.
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Ein Mann in Accra sitzt in einer Garage und repariert einen alten Computer (c) refurbed
Schrotthändler Fuseini Yakubu arbeitet im informellen Sektor von Accra. (c) refurbed

Ein Blick auf Ghanas Hauptstadt Accra. Im sogenannten „informellen Sektor“ der E-Waste-Verarbeitung liegt Agbogbloshie, eine der größten Elektromüllhalden der Welt. Hier werden Berge an Elektroteilen gesammelt, sortiert, repariert und weiterverarbeitet. Das ist die Einstiegszene der neuen refurbed-Doku „fixed“.

Brennende Müllberge im globalen Süden sind Bilder, die uns in Europa bekannt sind und unser Narrativ über Elektroschrott prägen. Während kaputte Geräte in Europa sehr schnell als Müll betrachtet werden, was die Wegwerfgesellschaft ankurbelt, hat sich in Ghana durch den E-Müll eine formelle wie auch informelle Reparatur- und Recyclingwirtschaft entwickelt.

Um die unterschiedliche Wahrnehmung von E-Waste aufzuzeigen, hat ein Team rund um refurbed-Co-Founder Kilian Kaminski im April die erste eigene Doku „fixed – Accras Antwort auf Europas Elektroschrott“ vor Ort in Ghana gedreht.

Elektroschrott als Krise, aber auch als Ressource

„In den letzten Jahren drehten sich Gespräche rund um Nachhaltigkeit oft um CO2-Emissionen, und das ist auch wichtig. Aber im Hintergrund brodelt eine weitere Krise, die ständig wächst: der Elektroschrott. Dazu gehören Berge von ausrangiertem Elektroschrott, giftige Umgebungen und Gemeinschaften, die für Konsumgewohnheiten bezahlen müssen, die sie selbst gar nicht verursacht haben“, hält Kaminski in seinen Begrüßungsworten bei der Präsentation der Dokumentation fest.

Gleichzeitig hat der E-Schrott eine innovative Reparaturkultur in Ghana entwickelt. Dr. Michael Osei Asibey, Experte für Umweltpolitik an der ghanaischen KNUST-Universität, forscht seit Jahren intensiv zum Recyclingsektor und plädiert im Film für ein radikales Umdenken. Seine prägnante Formel „Waste is a resource in the wrong place“ (Abfall ist eine Ressource am falschen Ort) bringt das Kernanliegen der Dokumentation auf den Punkt: Elektronik darf kein kurzlebiges Wegwerfprodukt sein. Vielmehr müssen wir ausgediente Geräte als wertvolle Materiallager begreifen, die dauerhaft in einem Kreislaufsystem gehalten werden.

Co-Founder von refurbed Kilian Kaminski (r.) bei den Dreharbeiten in Ghana. (c) refurbed

Vielschichtige Blockaden der Kreislaufwirtschaft

Politische, wirtschaftliche, aber auch gesellschaftliche Blockaden verhindern in Europa die Umsetzung von flächendeckenden Kreislaufwirtschaften. Kaminski sieht Blockaden in der Politik vor allem darin, dass der Fokus meist auf kurzfristigen Themen liegt. „Man konnte das gut im März 2020 beobachten, als Covid kam. Plötzlich waren Nachhaltigkeit und die Kreislaufwirtschaft nicht mehr die wichtigen Themen. Das Thema Nachhaltigkeit wird immer als ein Zukunftsproblem behandelt, obwohl es eigentlich ein aktuelles Problem ist, weil wir jetzt dagegen vorgehen müssen“, so der Co-Founder von refurbed.

Unternehmen seien gefragt, auf langlebige Produkte zu setzen. Die Praxis der künstlichen Obsoleszenz – also das bewusste Kaputtgehen von Geräten für schnellere Upgrades – sollte nicht weiter gefördert werden.

„Und als Privatpersonen sollten wir wirklich überdenken: Was und wie konsumieren wir? Behalten wir vielleicht ein Produkt länger? Geben wir alte Produkte weiter? Also einfach ein Verständnis zu entwickeln, dass der Wert des Gerätes viel höher ist, als wir eigentlich denken. Es geht nicht nur um den finanziellen Wert. Die Rohstoffe, die in den Produkten sind, haben einen sehr langen Lebenszyklus und kommen oftmals aus der gesamten Welt zurück zu einem Ort.“

Durch die Dokumentation soll ein differenzierteres Bild von E-Waste geschaffen werden. (c) refurbed

Kreislaufwirtschaft als Thema für Startups

Im Thema Kreislaufwirtschaft stecke für Startups und Jungunternehmen laut Kaminski gerade sehr viel Potenzial. Es sei nur eine Frage der Zeit, wann die Wirtschaft den Fokus auf diese Themen lege. „Wir stehen mit der Kreislaufwirtschaft ganz am Anfang. Und ich glaube, jetzt kann man vor allem die großen Unternehmen speziell mit Geschäftsmodellen, die die Kreislaufwirtschaft im Herzen haben, viel mehr challengen, als mit Geschäftsmodellen, die einfach dasselbe machen, wie es seit 100 Jahren gemacht wurde. Und das beinhaltet ja am Ende des Tages ganz viele Nachhaltigkeitsthemen, egal ob es Energie oder Rohstoffe sind.“

Auf die Frage, welches Problem Kaminski heute als Startup lösen würde, antwortet er: „Ich würde nach wie vor den E-Waste bekämpfen.“

Über refurbed

Ziel des 2017 von Peter Windischhofer, Kilian Kaminski und Jürgen Riedl in Wien gegründeten Unternehmens refurbed ist es, den Konsum in ganz Europa dauerhaft zu verändern. Mittlerweile ist das Scaleup in 24 europäischen Ländern aktiv und zählt zu den führenden Online-Marktplätzen für generalüberholte Produkte.

Die ganze Dokumentation von refurbed wurde gestern auf YouTube veröffentlicht und vorab präsentiert.

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