11.10.2022

N26: 80 Mrd. Euro Transaktionsvolumen, aber weiter neunstellige Verluste

Die Berliner Neobank N26 veröffentlichte nun ihr Konzernergebnis für das Jahr 2021. Nicht nur die Umsätze stiegen, sondern auch der Verlust.
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N26-Cofounder Maximilian Tayenthal und Valentin Stalf
N26-Cofounder Maximilian Tayenthal und Valentin Stalf (c) N26

Ein Zuwachs von rund einer Million Kund:innen auf acht Millionen (davon 3,7 Millionen „ertragsrelevant“) zum Jahresende, dazu ein Anwachsen des Transaktionsvolumens um 59 Prozent auf rund 80 Milliarden Euro. Das sind zwei Wachstums-Zahlen, die aus dem nun veröffentlichten Konzernergebnis 2021 der Berliner Challenger-Bank N26 hervorgehen, die von den Wienern Valentin Stalf und Maximilian Tayenthal gegründet wurde. Das starke Wachstum schlägt sich auch im Umsatz nieder. Die Bruttoerträge sind um rund 50 Prozent von 121 Millionen Euro im Jahr 2020 auf 182 Millionen Euro im Jahr 2021 angewachsen. Der Zins- und Provisionsüberschuss, der nun etwa zwei Drittel des Bruttoertrags ausmacht, stieg um 67 Prozent auf 120,3 Millionen Euro.

„Mobile Bank mit den aktivsten Kund:innen in Europa“

„2021 haben wir den Weg zu nachhaltigem Wachstum geebnet. Sowohl unser Umsatz als auch die Zahl unserer Premium-Kund:innen sind stark gestiegen. Das Volumen unserer Kundeneinlagen ist um 52 Prozent auf 6,1 Milliarden Euro gewachsen, was uns weitere Einnahmequellen erschließen lässt und unser Geschäft für die Zukunft noch belastbarer macht“, kommentiert N26-Managing Director und CFO Jan Kemper in einer Aussendung. CEO Valentin Stalf ergänzt: „Unsere Kund:innen öffnen unsere App im Durchschnitt dreimal pro Woche. Das macht uns zur mobilen Bank mit den aktivsten Kund:innen in Europa und spiegelt sich auch in einer deutlichen Steigerung des Transaktionsvolumens um ca. 60 Prozent auf über 80 Milliarden Euro wieder“.

Übersichtstabelle aus dem N26-Konzernergebnis 2021
Übersichtstabelle aus dem N26-Konzernergebnis 2021 | (c) N26

Auch Verluste wuchsen bei N26 vergangenes Jahr deutlich an

Doch nicht nur Kund:innenzahl, Transaktionsvolumen und Umsätze wuchsen – auch die Verluste stiegen um rund 14 Prozent auf ein Minus von 172 Millionen Euro. Zu beachten ist dabei, dass die Verluste außerhalb der EU deutlich verringert werden konnten (um 31 Prozent) – gewiss im Zusammenhang mit dem Rückzug aus dem Vereinigten Königreich 2020 und aus den USA im Jahr darauf. Gleichzeitig erhöhte die Challenger-Bank das Minus innerhalb der EU aber um mehr als 30 Prozent auf 144 Millionen Euro. Größter Kostenpunkt waren „Marketing und andere Verwaltungsaufwendungen“ die mit 167,7 Millionen Euro beziffert sind – ein Zuwachs von 47 Prozent verglichen mit 2020. Für Personal gab N26 laut Konzernergebnis 2021 rund 102 Millionen Euro aus – um 11 Prozent mehr als im Vorjahr.

Große Investitionen durch Mega-Finanzierungsrunde gedeckt

„Wir haben weiter in unser Produkt und unser Team sowie in die Skalierbarkeit unserer Plattform investiert“, sagt Valentin Stalf über die Ausgaben. In der Aussendung heißt es zudem: N26 investierte zudem erheblich in seine regulatorischen Kapazitäten. So baute das Unternehmen Systeme und Prozesse aus und stellte zusätzliches Personal ein, um seine Geschäftsbereiche organisatorisch zu stärken. Im Ergebnis nahmen die Verwaltungsausgaben im Vergleich zum Vorjahr zu“. Im Oktober 2021 hatte die Challenger-Bank eine Finanzierungsrunde über 775 Millionen Euro verkündet, mit der dieser Wachstumskurs finanziert wird. Wie sich das Krisenjahr 2022 auf das Geschäft auswirkt, bleibt freilich abzuwarten.

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(v.l.) Antonia Riva-Frizberg, Theresa Kohl, Johanna Marie Reinedahl und Sara Kapeller sind für den Bierlein-Preis 2026 nominiert.

Der Brigitte-Bierlein-Frauenpreis geht 2026 in die zweite Runde. Er zeichnet Frauen unter 35 für unternehmerische oder innovative Leistungen mit Österreichbezug aus. Aus rund 100 Bewerbungen haben das Wirtschaftsministerium (BMWET) und die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) 35 junge Frauen in die Shortlist aufgenommen, darunter Gründerinnen, Forscherinnen und Führungskräfte.

Die Preisträgerinnen werden mit je 5.000 Euro in drei Kategorien prämiert: „Entrepreneurship, Führungskräfte & Nachfolge“, „Forschung, Innovation & Transfer“ sowie mit dem „Maria-Rauch-Kallat-Ehrenpreis für gesellschaftlichen Impact & Role Model“. Beim Ehrenpreis kommt zusätzlich ein Mentoring-Platz im „WoMentoring“-Programm des club alpha hinzu.

Unter den Nominierten sind auch mehrere Startup-Gründerinnen:

Antonia Riva-Frizberg (Lumetry): Lungenmonitoring für zu Hause

Riva-Frizberg gründete im März 2022 gemeinsam mit Christian Neubauer das Grazer Medtech Lumetry Diagnostics. Das Startup entwickelt Geräte, mit denen Patient:innen mit chronisch obstruktiven Lungenerkrankungen oder Asthma ihre Lungenvitalität zu Hause messen können. Langfristig will man auch Menschen mit Lungenentzündungen oder Long Covid helfen. 2023 sammelte das Team ein sechsstelliges Investment „weit über eine halbe Million“ ein. Prototypen gibt es bereits, gelauncht soll das Produkt laut Website noch 2026 werden.

Vor der Gründung war Riva-Frizberg unter anderem bei der Innovations-Beratung Pioneers als auch beim Zyklustracker-Startup breathe ilo beschäftigt, das 2023 Konkurs anmeldete.

Das Produkt soll noch 2026 gelauncht werden. © Lumetry

Theresa Kohl (DiLT Analytics): Energie sparen mit Gebäude-Software

Kohl ist Mitgründerin und CEO von DiLT Analytics, einem 2021 gegründeten Spin-off der TU Graz. Die Software soll Ineffizienzen in Gebäuden sowie in Heizungs-, Lüftungs- und Klimaanlagen erkennen und den Energieverbrauch senken. Aktuell entwickelt das Team sein neues Produkt „FaciliMind“, eine KI-basierte Softwareplattform zur datenbasierten Optimierung von Energieeffizienz und Betriebskosten in Gebäuden. Das System benötigt laut eigenen Angaben keine neuen Sensoren, sondern dockt an bestehende Leitsysteme an und deckt dort Fehlsteuerungen auf.

Unterstützt wurde das Startup unter anderem durch FFG-Förderungen und konnte bereits Pilotprojekte mit Partnern wie der Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) umsetzen. Vor der Gründung war Kohl unter anderem bei AEE – Institut für Nachhaltige Technologien und als Projekt- und Innovationsmanagerin bei der Energie Agentur Steiermark tätig.

Johanna Marie Reinedahl (WeGait): Exoskelett für die Reha

Reinedahl ist Gründerin und Geschäftsführerin der WeGait FlexCo. Das Robotik-Startup entwickelt ein Exoskelett für die Gangrehabilitation nach Schlaganfall oder Rückenmarksverletzung, das Abläufe in Rehazentren effizienter machen soll. Unter dem ehemaligen Namen Nexo Skeleton wurde das Startup als eine der ersten beiden Beteiligungen von WU Ignite Ventures aufgenommen.

Im Juli 2026 benannte man sich in WeGait um. Reinedahl war vor der Gründung außerdem ein Jahr als Venture Capital Investment Analyst bei Arax Capital Partners tätig.

Sara Kapeller (twistor): Schneeräumung per System

Kapeller gründete 2025 die twistor GmbH im Vorarlberger Bludenz. Den Anstoß dazu gab eine persönliche Erfahrung: Eine tonnenschwere Dachlawine ging direkt von dem Haus ihres Großvaters ab. Daraufhin entwickelte sie ein automatisiertes Schneeräumungssystem für Gebäude und Photovoltaikanlagen, das laut Unternehmensangaben seit 2024 patentiert ist.

Die Lösung richtet sich vor allem an Eigentümer:innen von PV-Anlagen in schneereichen Regionen. Der doppelte Vorteil: Die kontrollierte Räumung beugt nicht nur gefährlichen Personen- und Sachschäden vor, sondern sichert auch in den Wintermonaten den Stromertrag der Solarmodule. Das System ist nach Firmenangaben bereits serienreif und unter anderem auf dem Dach der Aletsch Arena auf der Schweizer Riederalp im Einsatz.

Der twistor befreit Dächer und PV-Anlagen von Schneemassen. © twistor

Die Preisverleihung findet am 7. Dezember 2026 statt.

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