Jugendkonten verschiedener Anbieter haben mitunter kreative Namen. Das ursprünglich von den beiden Österreichern Valentin Stalf und Maximilian Tayenthal gegründete Berliner Unicorn N26 gibt sich dagegen gelinde gesagt konservativ: „N26 für unter 18-Jährige“ lautet der für sich selbst sprechende Name eines neuen Produkts in Deutschland und Österreich.

Tatsächlich handelt es sich dabei auch nicht um ein Jugendkonto im eigentlichen Sinn. „N26 für unter 18-jährige“ ist ein Space am Elternkonto mit eigener IBAN. Kinder und Jugendliche zwischen sieben und 17 Jahren bekommen eine eigene Mastercard-Debitkarte.

„Finanzielle Unabhängigkeit“ trifft „volle Kontrolle“

Während das Produktversprechen in Bezug auf die Minderjährigen lautet, „erste Erfahrungen mit finanzieller Unabhängigkeit zu sammeln“, ist das Verkaufsargument gegenüber den Eltern „volle Kontrolle“, quasi Totalüberwachung. Sie können nämlich nicht nur Ausgabenlimits beim ohnehin nicht überziehbaren Konto einrichten und jederzeit die Karte sperren und entsperren. Neben voller Einsicht in die Kontobewegungen gibt es optional auch Echtzeit-Benachrichtigungen.

Im N26-Marketing sieht man darin freilich lieber „die Möglichkeit [für Eltern], die ersten Schritte ihrer Kinder im Umgang mit Geld in einem bargeldlosen Alltag in einer vollständig sicheren Umgebung zu begleiten“. Kinder würden durch „N26 für unter 18-Jährige“ schon früh mit digitalem Banking und strukturierter Finanzverwaltung in Kontakt gebracht werden, heißt es von N26. Damit ermögliche man es Familien, „Finanzwissen aufzubauen, das sich im Laufe der Zeit zu Sparen, Investieren und langfristigem Vermögensaufbau weiterentwickelt“.

N26-Co-CEO Marcus Mosen kommentiert den Produktlaunch ähnlich: „Mit N26 für unter 18-Jährige können Eltern Kinder in einer zunehmend bargeldlosen Welt stärken und ihnen frühzeitig moderne Kompetenzen im Umgang mit Geld vermitteln.“

Zurück zu den Wiener Wurzeln

Ein spannendes Detail: Für N26 bedeutet der Produktlaunch einen Schritt zurück zu den Wurzeln. Das Vorgänger-Startup der Neobank, Papayer, das Stalf und Tayenthal damals noch in Wien gründeten, fokussierte auf ein Produkt, das erstaunliche Ähnlichkeiten zu „N26 für unter 18-Jährige“ aufweist. Damals wollten die beiden Gründer mit einer Prepaid-Kreditkarte für Kinder mit voller App-Überwachung durch die Eltern durchstarten. Nach den Erfahrungen der Beta-Phase folgte der Schritt zur Neobank mit erheblich größerer Zielgruppe.