12.06.2018

N26 eröffnet Standort in Barcelona

Das Berliner FinTech mit Wiener Wurzeln N26 eröffnet damit seinen dritten Standort. Neben der Zentrale in Berlin gibt es seit einigen Monaten einen Standort in New York.
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N26 eröffnet Standort in Barcelona
(c) fotolia.com - marchello74

Wie N26 heute auf der FinTech-Konferenz MoneyConf in Dublin ankündigte, will man am 1. September diesen Jahres ein weiteres Büro eröffnen. Als Standort wurde die katalonische Hauptstadt Barcelona gewählt. „Barcelona ist als gut entwickeltes europäisches Technologiezentrum bekannt und verfügt über ein ausgezeichnetes Ökosystem sowohl im Hinblick auf Technologie als auch Unternehmertum“, heißt es von N26. Man erwartet sich, entsprechend viele Fachkräfte vor Ort zu finden. „Bis Ende 2019 plant N26 ein Team von über 100 Technologie- und Produktexperten vor Ort in Barcelona zu haben“, so N26. Momentan beschäftigt das Unternehmen insgesamt 430 Mitarbeiter.

+++ N26: 1 Mio.-User und 1 Mrd. Euro monatliches Transaktionsvolumen +++

„Primär Produkt- und Technologieentwicklung“ in Barcelona

Das neue Büro in Barcelona ist der dritte Standort des FinTechs. Neben der zentrale in Berlin, wurde vor einigen Monaten ein Büro in New York eröffnet, um mit mit einer eigenen Gesellschaft (N26 Inc.) die US-Expansion zu ermöglichen. Das Barcelona-Büro werde sich primär auf die Produkt- und Technologieentwicklung fokussieren, heißt es von der „mobilen Bank“. Der Bewerbungsprozess sei bereits gestartet. Die lokalen Teams in Barcelona sollen in den nächsten Jahren kontinuierlich ausgebaut werden. „Die Eröffnung eines weiteren europäischen Büros an einem attraktiven Standort, neben Berlin, gibt N26 und ihren Mitarbeitern mehr Flexibilität und ist ein wichtiger Schritt ein globaler Arbeitgeber zu werden“, heißt es in einer Aussendung. „Wir erreichen mehr Talente und bieten internationale Möglichkeiten für ein hoch diverses Team“, wird dort Co-Founder und CEO Valentin Stalf zitiert.

N26 CEO Valentin Stalf und Georg Hauer, General Manager Österreich, im Video-Interview

Spanien als Kernmarkt für N26

Ausschlaggebend für die Wahl des neuen Standorts seien neben dem dortigen Tech-Ökosystem auch die hohe Lebensqualität und die Bedeutung Spaniens als einer der europäischen Kernmärkte für N26 gewesen. Man habe Anfang des Jahres ein Team für den spanischen Markt aufgebaut und vertiefe durch die Eröffnung des neuen Standorts die Verbindung nach Spanien, so N26. Erst im März hatte N26 eine 160 Millionen US-Dollar-Finanzierung bekannt gegeben. Kürzlich wurde nach eigenen Angaben die eine Million Kunden-Marke überschritten sowie ein monatlichen Transaktionsvolumen von einer Milliarde Euro erreicht.

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Oliver Hamedinger und Jade Bailey, Gründungsduo von Joyh © Joyh Design OG

Ein Spaziergang durch die Wiener Innenstadt oder den Gürtel genügt: Stuckfassaden, hohe Fenster, verzierte Erker – jene Gründerzeithäuser, wegen derer jährlich Millionen Tourist:innen nach Wien kommen. Fast alle sind heute begehrte Wohnadressen. Dasselbe Bild findet sich auch in vielen anderen europäischen Städten wieder, von Paris bis Berlin.

Doch während die Gebäude nach außen mit ihrer Schönheit glänzen verbirgt sich im Inneren ein Energieeffizienz-Alptraum. Rund 80 Prozent der österreichischen Gebäude stammen aus der Zeit vor der ersten OIB-Wärmeschutzrichtlinie, und liegen großteils in einer der schlechtesten Energieklassen. Die Sanierungsrate lag zuletzt bei 1,2 Prozent, denn aufgrund der Fassadenerhaltung scheitert es meist an der Genehmigung. Genau hier will das Wiener Startup Joyh ansetzen. Mit Sandfassaden aus dem 3D-Drucker will man die Gründerzeithäuser energietechnisch in die Neuzeit holen.

Designideen der dämmenden, 3D-gedruckten Fassaden © Joyh Design OG

Ideenfindung auf der Dubai Design Week

Die Idee dazu entstand zufällig: 2023 druckten und gestalteten die beiden Gründer:innen eine Sandskulptur für die Dubai Design Week. Tagelang stand sie in praller Sonne im Freien. „Wir haben gemerkt, dass sie sich beim Anfassen gar nicht aufgeheizt hat“, erzählt Mitgründer Oliver Hamedinger.

Der Grund liegt in der Porosität des Materials: „Der beste Wärmedämmstoff ist Luft“, erklärt Hamedinger – und 3D-gedruckter Sand enthält davon mehr als Beton oder Ton. Mit dieser Erkenntnis in der Tasche gründeten Oliver Hamedinger und Jade Bailey 2024 ihr Sanierungsstartup mit einer klaren Haltung: „Die Gebäude von 2050 stehen schon. Wir müssen nur einen neuen Weg finden, sie zu sanieren“, sagt Co-Founderin Bailey.

Die 3D-gedruckte Skulptur aus Sand auf der Dubai Design Week © Joyh Design OG

Ein Bauteil statt vieler Schichten

Joyh setzt hier mit seinem System „Brian“ an: mineralische Bauteile, gedruckt per Binder-Jetting aus Sand – demselben Verfahren, mit dem sonst Formen für den Stahlguss entstehen. Aktuell arbeitet man für den Druck der einzelnen Fassadenteile mit der voestalpine Foundry Group zusammen, die über die nötigen Maschinen verfügt.

Für die Sanierung wird die Fassade zuvor digital gescannt. So entsteht auch ein digitaler Zwilling, der vor allem bei Reparaturen interessant wird. Die einzelnen Fassadenelemente sind laut Hamedinger rund 12 bis 15 Kilogramm schwer“ die Größe, die ein Bauarbeiter allein auf der Baustelle handhaben darf“ und werden ohne Kleber ineinandergesteckt. Das ermöglicht laut Gründerduo nicht, nur eine simple Anbringung sondern auch einen separaten Austausch.

Eine vollständige thermische Sanierung kostet aktuell 600 bis 800 Euro pro Quadratmeter. Das ist zwar mehr als klassisches WDVS (Wärmedämmverbundsystem), eine mehrschichtige Konstruktion an der Außenseite von Gebäuden, die zur effektiven Wärmedämmung dient, für Gründerzeitfassaden, durch die ganzheitlich benötigte Abtragung allerdings ungeeignet. „Ein großer Teil des Wiener Altbestands fällt aus der Sanierungslogik heraus, weil die üblichen Systeme dort nicht infrage kommen. Genau diese Gebäude wollen wir erreichen“, sagt Mitgründerin Jade Bailey.

Erster Prototyp beim Ars Electronica Festival 2025: Die größte selbsttragende Wand aus 3D-gedrucktem Sand. © Joyh Design OG

Software soll skalieren

Die operative Sanierung soll allerdings nicht bei Joyh bleiben. Skalieren will man hingegen über die dazugehörige Plattform „D2P“, die aktuell aus den Gebäudedaten die fertigungsfertige Druckdateien erzeugt. Diese soll langfristig als Abo-Modell an Architekt:innen und Fertigungspartner:innen weltweit lizenziert werden. „Ein Produkt kann man kopieren. Ein System, das mit jedem Projekt dazulernt, nicht“, sagt Hamedinger.

Von Architektur und Technik zum Startup

Hamedinger bringt technisches Know-how mit, unter anderem aus seiner Zeit bei Siemens, Bailey ist ausgebildete Architektin mit Erfahrung in Österreich, Deutschland, Großbritannien und den USA. Finanziert haben die beiden ihr Startup bislang aus mehreren Quellen: Rund 30.000 Euro brachten sie privat ein, dazu kam eine FFG-Patentförderung. Zuletzt sicherte sich das Team 202.000 Euro aws-PreSeed-Deep-Tech-Förderung und gewann das nationale Finale des ClimateLaunchpad Austria.

Bevor ihr System auf reale Fassaden kommt, muss es sich noch durch Brandschutz-, Statik- und Frost-Tau-Prüfungen beweisen, erste Pilotprojekte sind für Anfang 2027 geplant. „Der eigentliche Test kommt erst, wenn wir es auf echte Fassaden bringen“, sagt Bailey. Ab Mitte desselben Jahres will das Gründerduo zusätzlich strategische Investor:innen an Bord holen.

Erster Prototyp-Scan eines Ornaments an einem Wiener Altbau © Joyh Design OG
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