19.05.2026
SYMPHONY OF SENSES

Music Traveler-Founder startet mit neuem Kunstformat neues Geschäftsmodell- Ekaterina Shelehova als Stargast

Der Co-Founder des Wiener Startups Music Traveler, Dominik Joelsohn, hat mit „Symphony of Senses“ ein skalierbares, multisensorisches Kunstformat gestartet, das klassische Konzertlogiken aufbricht. Als Stargast trat die Opernsängerin Ekaterina Shelehova auf und stand exemplarisch für das immersive Konzept, das Musik, Raum und Publikum bewusst verschmelzen lässt. brutkasten war vor Ort.
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Symphony of Senses, Ekatetina Shehelova, Music Traveler, Dominik Joelsohn
© brutkasten - Ekaterina Shehelova mit Gitarrist Alexios Anest.

Ein kleines Podest in der Mitte eines hohen Saales in einem Wiener Außenbezirk. Es wird von drei Seiten von Sitzgelegenheiten umringt und lässt kaum Platz zwischen Performerin und Betrachter. Man könnte aus der ersten Reihe die Arme ausstrecken und die Künstlerin berühren. „Ich war sehr aufgeregt“, sollte Ekaterina Shelehova nach ihrem Auftritt im Backstage-Bereich einer Mit-Künstlerin gestehen. Es war „diese Nähe“, die im Vorfeld für Aufregung bei den Teilnehmer:innen des „Symphony of Senses“-Events gesorgt hatte.

Symphony of Senses als intimes Event

„Ich konnte den Atem hinter mir spüren“, meinte gar eine Klavierspielerin zum neuen Format von Kunsterlebnis nach ihrem Auftritt. „Was wäre gewesen, wenn es ihnen nicht gefällt?“ – war die Frage, die die Künstler:innen an diesem Abend beschäftigt hielt.

Doch diese Sorge war unbegründet, wie der Applaus zwischendurch und nach dem Konzert zeigen sollte. Für Shehelova gab es sogar stehende Ovationen.

„Ich sah jeden Abend, wie Carmen getötet wurde“

Die Sängerin begann ihre Kunst als Dreijährige. In einem Volkschor, der sie bis heute mit seinem Folk-Einfluss prägen sollte. Drei Jahre danach zog sie nach Kanada und begann ihr klassisches Repertoire zu erweitern, mit Liedern von Mozart und Schubert.

„Mit etwa zwölf Jahren begann ich mich für die Oper zu interessieren und sang im Kinderchor der Opern. Ich war das Kind, das jeden Abend zusah, wie Carmen getötet wurde, weil ich es liebte, mir die ganze Show anzusehen. Von da an wuchs meine Leidenschaft“, erinnert sie sich.

Nach dem Master in Operngesang beschloss sie, eigene Wege zu gehen und ihre eigene Musik zu schreiben. Es war eine Reise durch viele verschiedene Genres, von Folk über Musical bis hin zur Oper und sogar mit einer Zeit als eine der Leadsängerinnen der Band ERA. Heute hat sie 1,7 Millionen Follower auf Instagram und tourt mit ihrer mystischen Musik durch die Welt – inspiriert von Herr der Ringe, Hans Zimmer und John Williams.

Symphony of Senses bricht mit „eine Bühne, eine Publikum, eine Zielgruppe“

Ihr Auftritt bei „Symphony of Senses“ war einer der außergewöhnlichen, wie man aus ihrer und den Reaktionen ihrer Kolleg:innen herauslesen konnte. Das Event möchte mit dem klassischen Format „eine Bühne, eine Publikum, eine Zielgruppe“ brechen und ließ die Besucher:innen – statt fixiert auf Sitzplätzen – frei durchs ganze Areal laufen und diverse Künstler und Künstlerinnen in drei Räumen erleben. Darunter etwa „Piano & Sand“, die Klaviermusik mit Sandkunst verbanden, dem Geiger Yury Revich, der in einem gewaltigen Ei musizierte und dann daraus schlüpfte oder Multi-Percussionistin Lucy Landymore.

Dominik Joelsohn, Co-Founder von Music Traveler, hat dieses neue Event-Format erschaffen, um Kunst mit ökonomischer Logik zu verbinden. In der kollektiven Vorstellung muss Kunst frei von finanziellen Interessen sein, doch in der Realität prallen kreativer Ausdruck und wirtschaftliche Notwendigkeit oft hart aufeinander.

Während klassische Konzerthallen mit einem alternden Publikum kämpfen, versuchen Startups und Entrepreneure, die Kulturbranche mit neuen Konzepten zu beleben – daher das neue Event-Format.

Für Joelsohn, einen gelernten Architekten, der mit Music Traveler Erfahrungen an der Schnittstelle von Business und Musik gesammelt hat, war seine Vision für „Symphony of Senses“ eine Abkehr vom monotonen Standard-Konzert. Das Event geht dabei weit über das rein Auditive und Visuelle hinaus und integriert auch Geschmacks-, Geruchs- und Tastsinn. Um dies zu realisieren, wurde auf branchenübergreifende Partnerschaften gesetzt. Darunter: Kulinarik, Fashion und Tanz.

© Nafissa Harvoire – Dominik Joelsohn, Co-Founder Music Traveler.

„Für Marken bietet dieses Setup eine völlig neue Marketing-Komponente“, sagt Joelsohn. „Anstatt klassischer Print-Werbung assoziieren sich große Brands direkt mit einem innovativen Event und Künstlern, die teilweise über eine Million Follower auf sich vereinen. Gleichzeitig entsteht ein Raum, in dem junge Menschen, Kulturschaffende und Leute aus der Wirtschaft ins Gespräch kommen und sich vernetzen können.“

Kunst und Business inkompatibel?

Dass diese Vermischung nicht immer reibungslos abläuft, zeigt aber auch die Perspektive der Künstler:innen. Shehelova reagierte auf das Wort „Business“ anfänglich allergisch, war aber dem Konzept des „Entrepreneurships“ offener gegenüber eingestellt, wie sie sagt.

„Es braucht viele Leute, um diesen Betrieb am Laufen zu halten. Bei Musikern fängt es noch früher an. Wenn die Eltern einen zu den Proben fahren. Wenn es um die Organisation von Konzerten geht, braucht es ein ganzes Dorf, um alles auf die Beine zu stellen, von Veranstaltern über die Backstage-Crew bis hin zu den Musikern“, sagt sie. „Ich versuche mich immer auf den musikalischen Aspekt zu konzentrieren, denn wenn ich darüber hinausgehe, verliere ich den Faden. Wenn der Begriff ‚Business‘ fällt‘, bin ich blank.“

Unternehmertum sei jedoch eine andere Sache. „Ich denke, Künstler müssen heutzutage tausende Hüte tragen. Wir machen unsere eigene Promotion, soziale Medien, Inhalte, Ticketverkäufe. Manche haben nicht einmal mehr Promoter. Unternehmertum und Kunst gehen heute Hand in Hand, aber es nimmt einem so viel Zeit, die man braucht, um kreativ und inspiriert zu sein. Man trägt so viele Business-Hüte, dass man nicht genug Zeit für den Hut hat, der eigentlich zählt“, sagt sie.

Joelsohn kennt diesen Schmerzpunkt. Seine Lösung: absolute künstlerische Freiheit gepaart mit einer soliden ökonomischen Struktur im Hintergrund. Bei „Symphony of Senses“ ließ er den Künstlern für ihre Slots völlig freie Hand und konzentrierte sich rein darauf, das Event wirtschaftlich so auszurichten, dass Musiker bezahlt werden, Partner profitieren und die Gäste den Ticketpreis als gerechtfertigt empfinden.

Symphony of Senses-Founder: „Diversität schützt vor alten Mustern“

Dass er dabei etablierte Konzert-Regeln bricht, führt er auf seinen architektonischen Hintergrund zurück. Er hat nie ein Instrument gelernt und umgibt sich in seinem Team bewusst mit Menschen, die nicht aus dem Musikbereich, sondern etwa aus dem Marketing oder der Forschung kommen. Diese Diversität schütze davor, in alte Muster zu verfallen, wie es klassische Musikmanager oft tun. Nur durch dieses „Outside the Box“-Denken ließen sich jüngere Zielgruppen – wie die TikTok-Generation, die völlig anders stimuliert werden müsse – wieder für Konzertformate begeistern.

Nach dem Pilotprojekt in Wien wird aktuell das Feedback ausgewertet. Doch die Ambitionen von Joelsohn bleiben global: Er führt bereits Gespräche mit Städten auf drei verschiedenen Kontinenten, darunter Interessenten aus dem Nahen Osten, Asien sowie Nord- und Südamerika, um das Format zu exportieren. Für Wien ist zudem ein jährlich wiederkehrendes Festival-Format angedacht, wofür man auf Förderungen der Stadt hofft.

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Elias und Matthias Bohun von Traivelling bei der Prämierung der besten Geschäftsidee Niederösterreichs 2019
Elias und Matthias Bohun von Traivelling bei der Prämierung der besten Geschäftsidee Niederösterreichs 2019 (c) Daniela Matejschek

Interkontinentale Zugreisen einfach und nachhaltig zu ermöglichen, dafür wurde Traivelling vor gut fünf Jahren gegründet. Ursprünglich war das Unternehmen im B2C-Bereich tätig. Privatpersonen sollten ohne großartige Recherche weite Strecken mit dem Zug zurücklegen können. Zuletzt wollte man sich im B2B-Bereich verstärken, doch nun ist das Unternehmen insolvent. Ein Konkursverfahren am Handelsgericht Wien wurde eröffnet.

„Wir arbeiten in einem knappen Margenbereich“

Zuletzt arbeitete Traivelling daran, eine Softwareschnittstelle im B2B-Bereich anzubieten, über die Tickets weitervermittelt werden sollten. Das Wiener Startup hätte dafür monatliche Fees von B2B-Partnern und eine Provision von Bahnfirmen erhalten. Aus einer Aussendung des Kreditschutzverbands KSV1870 geht hervor, dass Traivelling dadurch Umsätze in einer Größenordnung generieren wollte, die für einen langfristigen Unternehmenserfolg entscheidend sein sollten. Im Endeffekt war laut KSV 1870 eben diese Softwareschnittstelle für die Nutzung durch Unternehmenskunden, also der B2B-Bereich, die Ursache für die Insolvenz.

Die Entwicklung dieser Schnittstelle konnte nämlich bis dato nicht fertiggestellt werden. Auch ein Rettungsversuch durch Verhandlungen mit Investoren scheiterte. „Es waren unüberbrückbare vertragliche Differenzen zwischen den Investoren und uns“, erklärt Geschäftsführer Elias Bohun, der die Namen der Investoren nicht nennen möchte.

„Wir arbeiten in einem knappen Margenbereich. Am Ende ist uns leider das Geld ausgegangen, obwohl wir jeden Tag Buchungen hatten. Wir hätten aber ein Vielfaches gebraucht“, sagt Bohun. Bereits gebuchte Tickets würden ihre Gültigkeit behalten. Das Unternehmen hatte zwei Mitarbeiter.

Die Verbindlichkeiten betragen laut Kreditschutzverband 435.000 Euro, rund 200 Gläubiger seien betroffen. Die Zahl der Gläubiger sei so groß, weil Traivelling sich unter anderem mittels Crowdfunding finanzierte.

Crowdfunding und FFG-Förderung

Das Startup konnte im Jahr 2025 über eine Crowdfunding-Aktion 200.000 Euro einsammeln (brutkasten berichtete). Um diese Summe zu erreichen, habe es laut Geschäftsführer Elias Bohun nur zehn Tage gebraucht. Zusätzlich erhielt das Wiener Startup eine FFG-Basisförderung. Insgesamt konnten man eine Finanzierung in Höhe von rund 600.000 Euro aufstellen.

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