27.11.2019

Monkee: Tiroler Spar-App schafft Einzug in Amsterdamer FinTech Accelerator

Das Tiroler FinTech Monkee hat es als eines von acht Startups in den Amsterdamer FinTech Accelerator "Think Forward Initiative" von der ING, Deloitte, IBM, Dell, AWS & CEPR geschafft. Gründer Martin Granig erzählt dem brutkasten im Gespräch, was das für sein Unternehmen bedeutet und warum der Mensch bei Finanzfragen zwischen Mr. Spock und Homer Simpson hin und her schwankt.
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Monkee, Sparen, FinTech, Amsterdam, martin Granig
(c) Monkee - Monkee-Gründer Christian Schneider, Martin Granig und Jean-Yves Bitterlich nun in einem holländischen FinTech Accelerator.

Das Tiroler Startup Monkee hat eine App entwickelt, die Usern beim Sparen helfen soll. Das Unternehmen von Christian Schneider, Jean-Yves Bitterlich und Martin Granig möchte jedoch mehr als ein „digitales Sparschwein“ sein und den Begriff „Financial Health“ in die Mitte der Gesellschaft tragen, wie der brutkasten im Mai berichtete. Nun lässt das Unternehmen mit gleich mehreren Erfolgsmeldungen aufhorchen. Darunter die Aufnahme als eines von acht Startups bei insgesamt 20 Bewerbungen für den FinTech Accelerator in Amsterdam.

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Monatlich in Amsterdam

„Der FinTech Accelerator, der in der Zusammenarbeit von ING, Deloitte, Dell, IBM, CEPR (Center for Economic Policy Research) und AWS durchgeführt wird, hat die Mission, Menschen dabei zu helfen bessere finanzielle Entscheidungen zu treffen. Aufgrund der Berichterstattung ist das Scouting-Team des Accelerators auf uns aufmerksam geworden und hat uns über deren Programm informiert. Wir haben uns dann ganz normal darauf beworben, wurden zum Selection Day eingeladen und haben es schließlich in den Accelerator geschafft“, sagt Co-Founder Martin Granig.

Im nächsten Halbjahr werden Monkee folglich Mentoren und Experten aus dem Netzwerk der Partner zur Verfügung gestellt. Zudem wird wird in monatlichen Treffen in Amsterdam an Themen wie Strategie, Positionierung, Monetarisierung und Wachstum/Sales gearbeitet.

Insights im Sparverhalten

„Wir haben durch das Programm auch Zugriff auf jede Menge Research von ING und CEPR  im Bereich Financial Health/Literacy und versuchen in weiterer Folge auch direkt gemeinsam an einem Research Projekt in dem Thema zu arbeiten. Diese Insights sollen alle in die Produktverbesserung von Monkee mit einfließen und generell neue Insights im Bereich des Sparverhaltens von Menschen generieren“, so Granig weiter.

Brücke zwischen ‚Business‘ und ‚Impact‘

Das Programm läuft über sechs Monate und endet im April mit dem Demo Day, bei dem sich alle teilnehmenden Startups noch einmal den verschiedenen Partnern vorstellen können. „Welche weitere Kollaborationsmöglichkeiten es in weiterer Folge auch nach dem Programm noch geben könnte, ist derzeit natürlich noch offen. Für uns ist die Aufnahme in dem Programm dahingehend auch noch toll, da es eine Bestätigung ist, dass wir mit Monkee einen richtigen Weg eingeschlagen haben, um die Brücke zwischen ‚Business‘ und ‚Impact‘ zu bauen“, sagt Granig: „Der Austausch mit anderen Unternehmen, die alle dieselbe Mission haben ist wertvoll und wir können auch untereinander extrem viel von einander lernen und profitieren.“

66 Prozent aller Europäer können nicht sparen

Monkee sieht seine Aufgabe darin, das Sparverhalten der Menschen zu verbessern. Laut einer Studie der ING geben 66 Prozent aller Europäer an, sie hätten zu wenig Geld um zu sparen. „Leider gibt es viel zu viele Menschen, die gerne mehr zur Seite legen möchten und müssten, jedoch am Ende des Monats nicht genügend Geld am Konto haben. Eine Analyse des Sparverhaltens zeigt aber, dass gleichzeitig oft signifikante Beträge für Impulskäufe oder Käufe von nicht wirklich notwendigen Dingen ausgegeben werden“, erklärt der Gründer.

One click, two clicks…

Dies sei nicht verwunderlich, da Geld auszugeben heute einfacher wäre als jemals zuvor, meint Granig: „Wir können Dinge mit einem Klick kaufen, unsere Daten werden dazu verwendet, um uns mit einer noch nie dagewesenen Präzision zu ‚targeten‘ und wenn wir uns etwas nicht leisten können, dann kann es mit zwei Klicks einfach finanziert werden. Innovation im Spar-Bereich ist der Innovation im Konsum-Bereich um Jahre hinterher“.

Kampf der Systeme 1 und 2

Der Founder schreibt diesen Verhaltensweisen psychologische Gründe zu. Jeder Entscheidung des Menschen gehe, so Granig, ein Kampf zwischen zwei Systemen im Gehirn voraus, wie Nobelpreisträger Daniel Kahnemann in seinem Buch „Thinking, Fast and Slow“ ausarbeitet.

Das „System 2“ sei dabei für einen logischen und rationalen Entscheidungsprozess verantwortlich. „Entscheidungen werden fast wie von Mister Spock aus Star Trek getroffen. Ökonomen stellen sich hierbei Entscheidungsprozesse von Menschen oft vereinfacht so vor – Homo Economicus“, sagt Granig.

Das „System 1“ hingegen fällt Entscheidungen schnell, auf Basis einer vereinfachten Darstellung der Welt und meist unterbewusst: „Etwa so wie Homer Simpson“, vergleicht der Gründer, der weiß, dass dieses System weniger Energie benötigt, um Entscheidungen zu treffen. „Und das führt oftmals zu schlechteren Auswirkungen für unsere generelle und finanzielle Gesundheit. Viele Mechanismen der Konsumindustrie sind auch darauf abgezielt, um ‚System 1′ bei der Entscheidung einen Vorteil zu verschaffen. Etwa Angebote und Reizworte wie ’sale‘ oder ‚kaufe jetzt und zahle später‘ auszuwerfen“.

Digitale Lösung als Counterpart zum Intention-Chasm

Menschen würden wissen, dass sie sich finanzielle Puffer aufbauen sollten, jedoch liege zwischen dieser Erkenntnis und der Umsetzung dessen ein Blockade-Faktor, den Granig als ‚Intention-Chasm‘ bezeichnet. „Das heißt, um finanzielle Entscheidungsfindungen zu verbessern, benötigt es natürlich in einem ersten Schritt Wissen. Um finanzielle Gewohnheiten aber zu beeinflussen, ist das alleine nicht ausreichend. Genau hier können digitale Lösungen ansetzen“, glaubt Granig, der auf das Incentive-System seiner App hinweist.

In Talk bei der FinTech Week Vienna hat Granig Möglichkeiten vorgestellt, wie durch „nudging“, ein Begriff von Richard Thaler, dieser „Intention Chasm“ überbrückt und finanzielle Gewohnheiten beeinflusst werden können.

Unter „nudge““ werden sanfte „Stöße“ verstanden, durch die man Gewohnheiten in einer gesündere Richtung lenken möchte. Nudges können Erinnerungen, Fragen oder Feedback sein. Sie sind vor allem effektiv, wenn man heute den Vorteil genießt und erst in der Zukunft die Kosten dafür tragen muss: Etwa ungesundes Essen oder Impulskäufe, um sich heute zu belohnen.

Social Proof und Framing

„Nudges machen sich verschiedene psychologische Biases zur Nutze, um Gewohnheiten zu verändern. Monkee nutzt sie, um Menschen dabei zu helfen, mehr Geld für die Zukunft zu sparen. Wir stellen Ziele auf, die auch andere Menschen haben (Social Proof) und definieren die Art und Weise wie das langfristige Ziel in kleinere Zwischenziele heruntergebrochen  wird (Framing)“, geht Granig ins Detail: „Sparbeiträge werden dabei in Relation zu alltäglichen Konsumentscheidungen gestellt, wie etwa: ‚Das Sparziel entspricht drei ‚coffee to-go‘ pro Woche. Zudem erhöht das Sparen auf konkrete Ziele die Motivation (Mental Accounting)“, sagt er.

Monkee: Das System das zum Sparen pusht

Kern von Monkee sind Push Nachrichten, die den Nutzer immer wieder an sein Sparziel erinnern, Feedback zum aktuellen Fortschritt gibt und konkret zum Sparen auffordern sollen. Beispiel: „Hey Martin, du brauchst nur noch sechs Euro, um dein Wochenziel zu erreichen. Sollen die sechs Euro gleich gespart werden?“.

Durch diese Interaktion lerne das System im Hintergrund, wann und wie Nutzer individuell angesprochen werden müssen, um die Wahrscheinlichkeit für einen Sparbeitrag zu erhöhen. Und damit als die digitale Sparhilfe für jene gelten soll, die gerne mehr sparen und ihre „financial health“ verbessern würden, so Granig.

Digital Heroes 2019 & Update

Eine Meinung, die auch die Standortagentur Tirol teilt. Sie wählte das Startup im November zu Tirols Digital Heroes 2019. Mittlerweile wird über die App, wie Granig angibt, auf Ziele mit einem Gesamtwert von über 16 Millionen Euro gespart.

Granig: „Nachdem wir Monkee im Juli für iOS und August für Android lanciert haben, wurde die App jetzt schon mehr als 12.000 mal heruntergeladen. Und derzeit arbeiten wir gerade an einem größeren Update, welches viele neue und tolle Features bringen wird“. Nähere Infos dazu sollen bald folgen.


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Die Entrahmungsanlage und Michael Altrichter | (c) 2nd Cycle

Anfang 2024 ist 2nd Cycle mit dem Ziel gestartet, gebrauchte Photovoltaikmodule automatisiert zu prüfen und wiederzuverwerten. Nun meldet das Amstettner Startup den ersten Verkauf einer Anlage: Die DAKA Entsorgungsunternehmen GmbH & Co. KG hat als erster Kunde eine vollautomatische Entrahmungsanlage für PV-Module erworben. Die Anlage ist laut Aussendung bereits in Betrieb.

Die Anlage erkennt unterschiedliche Modulformate und entfernt die Aluminiumrahmen automatisch. Sowohl intakte als auch bereits gebrochene, gerahmte Module können ohne mechanische Umrüstung verarbeitet werden. Das Unternehmen betont, dass die Anlage besonders materialschonend arbeite. Das soll zu einer hohen Reinheit der verwertbaren Rohstoffe Glas und Aluminium führen und damit den Wert der recycelten Materialien steigern. Nach eigenen Angaben handelt es sich um die erste vollautomatische Entrahmungsanlage für PV-Module am Markt.

Baustein einer vollautomatischen Recyclingstraße

Die Entrahmungsanlage ist eine zentrale Komponente einer von 2nd Cycle entwickelten vollautomatischen Recyclingstraße für gebrauchte PV-Module. Die Prozesskette ist auf Zero-Touch-Betrieb, hochreine Wertstofffraktionen und einen Durchsatz von bis zu 90 Modulen pro Stunde ausgelegt. Weitere Module für Reinigung, Entfernung der Anschlussdose und Delamination seien teilweise bereits entwickelt oder stünden kurz vor dem Abschluss, heißt es in der Aussendung. DAKA kann die Entrahmungsanlage eigenständig betreiben und später um weitere Komponenten ergänzen.

(c) 2nd Cycle

„Mit der ersten Kundenanlage zeigen wir, dass sich die automatisierte Aufbereitung von PV-Modulen in den industriellen Betrieb eines Entsorgungsunternehmens integrieren lässt. Entscheidend sind ein stabiler Prozess, definierte Fraktionen und ein planbarer Durchsatz“, sagt Simon Prüller, CEO und Co-Founder von 2nd Cycle.

Als Argument für den Bedarf verweist das Startup auf Zahlen des Joint Research Centre der Europäischen Kommission. Dieses erwartet für die EU-27 ein kumuliertes Aufkommen von sechs bis 13 Millionen Tonnen PV-Abfall bis 2040 und 21 bis 35 Millionen Tonnen bis 2050.

Altrichter: „Dieser Stein ist ein massives Gebirge“

2nd Cycle wurde im Jänner 2024 von einem fünfköpfigen Team um Simon Prüller als FlexCo gegründet. Bereits bei der Gründung sollen Business Angel Michael Altrichter und die Amstettner Müller Gutenbrunn Group mit jeweils sechsstelligen Beträgen eingestiegen sein. Im Oktober 2025 folgte eine Finanzierungsrunde über rund eine Million Euro, unter anderem mit eQventure, Angels United und Buzzard Energy. Damals erwirtschaftete das Startup bereits erste Umsätze mit der automatisierten Prüfung von PV-Modulen, etwa mit einem Auftrag der EVN zum Test des beim Hochwasser 2024 überfluteten Photovoltaik-Kraftwerks Dürnrohr.

Altrichter ordnet den ersten Verkauf entsprechend ein: „Das erste verkaufte Produkt ist für jedes Startup ein Meilenstein. Im Falle von 2nd Cycle ist dieser Stein ein massives Gebirge: Das Produkt ist riesig, der Sales-Prozess komplex, der Markt entwickelt sich dynamisch. Umso beeindruckender ist dieser Erfolg!“

Zuletzt wurde 2nd Cycle auch mehrfach ausgezeichnet. Im September gewann das Startup beim Generali SME EnterPRIZE 2026 die Startup-Kategorie, die mit 10.000 Euro dotiert ist. Beim Riz up Genius Ideen- und Gründerpreis hatte das Projekt schon vor der Gründung den zweiten Platz in der Kategorie ökologisch genial belegt, bei der heurigen Jubiläumsverleihung war 2nd Cycle als Alumni vertreten.

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Monkee: Tiroler Spar-App schafft Einzug in Amsterdamer FinTech Accelerator

Das Tiroler Startup Monkee hat eine App entwickelt, die Usern beim Sparen helfen soll. Das Unternehmen von Christian Schneider, Jean-Yves Bitterlich und Martin Granig möchte jedoch mehr als ein „digitales Sparschwein“ sein und den Begriff „Financial Health“ in die Mitte der Gesellschaft tragen, wie der brutkasten im Mai berichtete. Darunter die Aufnahme als eines von acht Startups bei insgesamt 20 Bewerbungen für den FinTech Accelerator in Amsterdam. Monkee sieht seine Aufgabe darin, das Sparverhalten der Menschen zu verbessern. Eine Meinung, die auch die Standortagentur Tirol teilt. Sie wählte das Startup im November zu Tirols Digital Heroes 2019.

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