11.02.2026
RECRUITING

Mobile-first-Recruiting: Wiener Startup nurdu startet am Markt

Mit Video- und Audio-Bewerbungen will das Wiener Startup nurdu den Zugang zum Arbeitsmarkt vereinfachen.
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Das Founder-Team von © nurdu.

Anschreiben formulieren, Lebenslauf hochladen, warten. Für viele junge Bewerber:innen wirkt der klassische Recruiting-Prozess wie ein Relikt aus einer anderen Zeit. Das Wiener Startup nurdu will diesen Ablauf verkürzen und verlagert die Bewerbung ins Smartphone-Format.

Gegründet wurde das Unternehmen im Mai 2025 von Jan-Peter Ruhso (CEO), Davor Basta (CTO) und Michael Gross. Seit Oktober 2025 ist die Plattform offiziell am Markt. Der Ansatz: Statt Anschreiben bewerben sich Kandidat:innen mit einem 60-Sekunden-Selfie-Video oder einer Audioaufnahme.

Smartphone-first

In kurzen Reels zeigen Talente, wer sie sind und wie sie arbeiten. Recruiter:innen erhalten damit einen unmittelbaren Eindruck, der über formale Qualifikationen hinausgeht. Gleichzeitig sehen Bewerber:innen den Status ihrer Bewerbung in Echtzeit. Laut Startup verkürzt sich für Unternehmen der Weg zur Shortlist um rund 80 Prozent. Auch die Zahl der No-Shows soll sinken, weil Bewerbungen bewusster erfolgen.

Nurdu positioniert sich als Mobile-first-Plattform und richtet sich insbesondere an eine jüngere Zielgruppe. Bewerbung und Kommunikation laufen direkt über das Smartphone. “Wir sind dein neuer Zugang zu einer Generation, die anders denkt und sich nicht mehr durch Lebenslauf-Pingpong und Formularwüsten kämpfen will. Die junge Generation erwartet Direktheit, Einfachheit und das Gefühl, wirklich gesehen zu werden”, so die Gründer.

Für diese Geschäftsidee holte sich das Startup zum Start eine aws-PreSeed-Förderung. Der erste offizielle Kunde von nurdu ist der ORF.

Inklusion

“So geben wir auch Menschen mit nicht-linearen Lebensläufen die Chance, sich persönlich zu zeigen. Denn am Ende ist oft die Persönlichkeit der entscheidende Faktor – nicht nur der Lebenslauf”, sagen die Gründer.

Neben Tempo und Nutzerführung betont das Startup auch den Aspekt der Inklusion. Menschen mit untypischem Werdegang oder Migrationshintergrund könnten über Video unmittelbarer Eindruck machen, ohne frühzeitig an formalen Auswahlfiltern zu scheitern.

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TikTok
Mit „Sell Across Europe" sollen heimische KMU künftig EU-weit verkaufen können | (c) AdobeStock

Nach Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, Irland und Großbritannien folgt die nächste Ausbaustufe: Am 15. Juni geht TikTok Shop in Österreich, Belgien, den Niederlanden und Polen live. Bemerkenswert: In den Vorab-Berichten internationaler E-Commerce-Medien tauchte Österreich bislang gar nicht auf – die Branche hatte primär Polen, Benelux und Skandinavien als nächste Märkte erwartet.

Laut TikTok nutzen über 2,7 Millionen Menschen in Österreich die Plattform monatlich. Sie sollen künftig direkt in der App über Shoppable Videos, Live-Shopping-Formate und einen eigenen Shop-Tab einkaufen können, ohne TikTok zu verlassen. Für österreichische Unternehmen öffnet sich die Registrierung bereits zwei Wochen früher, am 1. Juni.

Was den österreichischen Markt aus TikTok-Sicht auszeichne?

„Wir expandieren schrittweise. Dieses Jahr ist der richtige Zeitpunkt für Österreich“, erklärt Ningxin Wu, die TikTok Shop in Österreich, den Niederlanden, Belgien und Polen verantwortet. Man wolle „Learnings aus Deutschland, Italien und anderen Märkten direkt einsetzen“.

Was den österreichischen Markt aus TikTok-Sicht auszeichne? Wu nennt drei Punkte: digital affine Kund:innen, eine Vorliebe für lokale und hochwertige Produkte – ein Muster, das man auch in Deutschland beobachtet habe – und Live-Shopping bzw. -Selling, das in dieser Form bisher keinen breiten Player in Österreich habe.

Ein österreichisches Scaleup als Anker

Zum Start setzt TikTok auf ein Einladungsmodell. Als einziger österreichischer Launch-Partner ist das Wiener Scaleup Neoh unter den ersten Marken – bekannt für zuckerreduzierte Riegel und Süßwaren-Innovationen. Das 2016 gegründete Unternehmen hat seine Discovery-E-Commerce-Strategie zuvor bereits in Deutschland erfolgreich erprobt.

„TikTok Shop ist für uns mehr als ein neuer Kanal – es ist eine andere Art zu verkaufen“, sagt Lisa Krapinger-Rüther, SVP Digital bei Neoh. „Das Einkaufserlebnis entsteht direkt im Content, organisch und authentisch. Wir haben in Deutschland gesehen, wie gut das funktioniert: Produkte, die sich über echte Community-Empfehlungen verkaufen, ohne sich wie klassische Werbung anzufühlen.“

Neben Neoh werden zum Start unter anderem deutsche Marken wie Hitschies, Judith Williams, More Nutrition und Svenja Walberg auf dem österreichischen Markt verfügbar sein. Der Roll-out ist schrittweise geplant, User:innen sollen mehr und mehr Marken und Produkte finden können.

„Sell Across Europe“: Die Chance für heimische KMU

Strategisch relevant für die heimische Startup- und KMU-Landschaft dürfte vor allem die Funktion „Sell Across Europe“ werden, die kurz nach dem Launch freigeschaltet wird: Mit einer einzigen Registrierung können Händler:innen in alle EU-Märkte verkaufen, in denen TikTok Shop verfügbar ist. Produktbeschreibungen lassen sich pro Markt lokalisieren, der Versand erfolgt direkt oder über TikTok-Logistikpartner.

„Österreichische Mittelständler haben durch TikTok Shop jetzt eine Plattform, ihre Produkte europaweit zu verkaufen“, sagt Wu. Lokale Produkte – sie nennt Ski-Sportartikel und Delikatessen – seien bisher häufig nur im Inland entdeckbar gewesen.

Eine Größenordnung liefert Christian Blum, Communications Lead bei TikTok Shop: Nach einem Jahr TikTok Shop in Deutschland habe man laut NielsenIQ 15 Prozent Penetration bei den Online-Shopper:innen erreicht. EU-weit – ohne UK – verzeichne man laut Unternehmensangaben dreistelliges Wachstum beim täglichen Umsatzvolumen seit dem Launch, mit über 100.000 lokalen Verkäufer:innen.

Die Temu-Frage: Wie grenzt man sich ab?

Während TikTok Shop wirbt, geraten Plattformen wie Temu und Shein wegen Billigimporten und Produktsicherheit zunehmend unter Druck. Wie grenzt sich TikTok ab? Wu verweist auf “Discovery-E-Commerce” als neue Art des Online-Shoppings, das vorläufige Einladungsmodell und generell eine strenge Listing Policy auf TikTok Shop, die EU-Compliance-Anforderungen wie der seit Dezember 2024 geltenden General Product Safety Regulation (GPSR) entsprechen müsse.

Konkrete Zahl: Laut TikTok seien 2025 weltweit 700 Millionen Produkte präventiv geblockt worden, bevor sie überhaupt gelistet werden konnten. Zusätzlich verifiziere man Identität, Mehrwertsteuernummer und Bankdaten der Händler:innen; neue Verkäufer:innen durchlaufen eine Probezeit.

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