MLReef: NÖ-KI-Startup kooperiert mit Rüstungskonzern Saab
Das niederösterreichische Machine Learning-Startup und der schwedische Konzern arbeiten gemeinsam an Open-Source Entwicklungsplattformen für Maschinelles Lernen.
Stattgefunden hat die Startup-Woche Vienna UP’20 zwar nicht – für Mai 2020 geplant, wurde sie coronabedingt auf dieses Jahr verschoben. Für das niederösterreichische Startup MLReef hat sich daraus dennoch eine Kooperation ergeben, wie das Unternehmen nun in einer Aussendung mitteilte. Und zwar mit dem schwedischen Flugzeugbau- und Rüstungskonzern Saab, der dort als Kooperationspartner engagiert war.
Machine Learning: MLReef baut für Saab Offline-Lösung
Konkret gehe es um eine Kooperation im Bereich von Open-Source Entwicklungsplattformen für Maschinelles Lernen. Dabei geht das Startup im Zuge der Zusammenarbeit von einem Kernelement seines Produkts ab: die Cross-User- und Cross-Project-Zusammenarbeit, die es Nutzern der Plattform ermöglicht, Machine Learning-Elemente andere zu nutzen und vice versa. Stattdessen wurde für Saab vor dem Hintergrund strikter Data-Security-Parameter lokal installierte (On-Premises) Software entwickelt, heißt es von MLReef. Der schwedische Konzern baut unter anderem Kampfflugzeuge, U-Boote und HighTech-Infanterie-Kampfsysteme.
(c) Saab AB: Die brasilianische Luftwaffe setzte auf das Saab Kampfflugzeug Gripen E
„Unter dem Namen ‚Nautilus‘ werden wir unsere Wissens-Datenbank erstmals als abgekapselte Version zur Verfügung stellen, die in die Offline-Serverumgebung von Saab integriert wird, um die besonderen Sicherheitsstandards der Rüstungsindustrie zu berücksichtigen. Eine besondere Herausforderung, da ML-Skripte üblicherweise auf externe Bibliotheken angewiesen sind, die über das Internet abgerufen werden“, erklärt Camillo Pachmann, Gründer und Geschäftsführer des 2019 gegründeten Startups.
Karl Eldebo, verantwortlich für Startup-Kollaboration und Innovation bei Saab, erklärt, warum man genau dadurch überzeugt wurde: „Im Gegensatz zu etablierten, großen Anbietern im Bereich ML, die ihre Services nur cloudbasiert zur Verfügung stellen, konnte uns MLReef als Vorreiter im Bereich lokal installierter MLOps-Software die besonderen Anforderungen an Sicherheit und On-Premises Software optimal erfüllen“.
Mehr Laborflächen für Spinoffs: XISTA Science Park eröffnet weiteren Bauteil
Der XISTA Science Park in Klosterneuburg wurde um einen neuen Bauteil erweitert. Auf 3.000 Quadratmetern entstehen neue Labore, in denen das Biotech-Spinoff Solgate als erstes Unternehmen einzieht.
Mehr Laborflächen für Spinoffs: XISTA Science Park eröffnet weiteren Bauteil
Der XISTA Science Park in Klosterneuburg wurde um einen neuen Bauteil erweitert. Auf 3.000 Quadratmetern entstehen neue Labore, in denen das Biotech-Spinoff Solgate als erstes Unternehmen einzieht.
Mit dem extra eingerichteten Shuttlebus kommt man von Wien recht gemütlich bis nach Maria Gugging, dem Teil von Klosterneuburg, in dem der Campus des Institute of Science and Technology Austria (ISTA) zu Hause ist. Wo sich sonst Wohnhäuser und landwirtschaftliche Flächen abwechseln, ist ein moderner Science-Hub gewachsen, der 2024 auch von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen besucht wurde. Nun wurde der dazugehörige XISTA Science Park offiziell um einen neuen Bauteil erweitert.
Der von der Wirtschaftsagentur ecoplus unter der Leitung von Bernadette Schabbauer „on time und in budget“ errichtete Neubau erweitert die vermietbare Fläche um rund 3.000 Quadratmeter für Biotech- und Deep-Tech-Unternehmen. Rund 22 Millionen Euro soll die Errichtung des neuen Bauteils gekostet haben, wie auf Nachfrage von Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner erwähnt wird. Damit möchte der Standort auf die steigende Nachfrage nach spezialisierten Chemie-, Zellkultur- und Mikrobiologielabors reagieren. Ein Großteil der neuen Flächen wird vorerst vom ISTA selbst beansprucht, mit dem Ziel, dort künftig bis zu vier Spinoffs unterzubringen.
„Im Kern steht die Entwicklung neuer Unternehmen aus der Forschung heraus“, erklärte Markus Wanko, Geschäftsführer von XISTA. Während das ISTA die naturwissenschaftliche Grundlagenforschung mit rund 90 Forschungsgruppen und 1.400 Mitarbeitenden abdeckt, übersetzt XISTA diese Erkenntnisse über den Science Park und den Venture-Arm XISTA Science Ventures in die Praxis.
Biotech-Startup Solgate zieht ein
Als erstes Unternehmen nutzt das Biotech-Startup Solgate die neu geschaffenen Laborflächen. Die Ausgründung des ISTA und des CeMM (Forschungszentrum für Molekulare Medizin) fokussiert sich auf die Entwicklung neuartiger Therapeutika, die gezielt auf Membran-Transportproteine wirken. Mit der Laborinfrastruktur vor Ort möchte das internationale Team unter der wissenschaftlichen Leitung von Enrico Girardi, der durch die neu bezogenen Räumlichkeiten führte, seine Pharma-Forschung direkt am Standort fortsetzen.
Die Erweiterung fällt mit Fortschritten auf der Finanzierungsseite zusammen. Erst vor wenigen Tagen besiegelte der XISTA-Science-Venture-Fonds sein mittlerweile 30. Investment, wie Geschäftsführer Markus Wanko verrät. Genauere Details über den Deal möchte man aktuell noch nicht verraten.
Was man hingegen deutlich hervorheben möchte, ist der wirtschaftliche Hebel des Standorts. Bisher wurden laut eigenen Angaben über XISTA etwas mehr als 30 Millionen Euro in Startups investiert. „Die Unternehmen selbst haben das genutzt, um 300 Millionen Euro selbst einzuwerben. Also ich glaube, wir haben es geschafft, da ein System aufzubauen. Das funktioniert“, so Wanko über den Hebeleffekt von 1:10.
Die europäische Komponente
Unterstützt wird das Modell auch von europäischer Seite. Uli Grabenwarter vom European Investment Fund (EIF), der als Ankerinvestor bei XISTA Science Ventures Funds II fungiert, betonte: „Das Engagement des EIF spiegelt unser Vertrauen in die enge Anbindung von XISTA an führende Forschungseinrichtungen sowie in seinen langfristigen Ansatz im Deep-Tech-Bereich wider. Genau das, was Europas Innovationsökosystem braucht“.
Für das ISTA ist der Neubau ein zentraler Baustein der eigenen Translation. „Dieses Gebäude ist ein ganz essentieller Teil, dass wir eine Wirkung, die über die Forschung und die Labors hinausgeht, in die Gesellschaft hineinbringen“, hielt ISTA-Präsident Martin Hetzer fest.
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