25.07.2025
PERSONALIE

Mitgründer von Wiener KI-Pionier Cortical.io kehrt als CEO zurück

Mitgründer Francisco Webber übernimmt erneut die Leitung bei Cortical.io. Der bisherige CEO Rainer Kegel – ehemaliger CIO der Wiener Stadtwerke – verlängert seinen Vertrag nicht.
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Francisco Webber | (c) Cortical.io

Führungswechsel und strategische Neuausrichtung beim Wiener KI-Unternehmen Cortical.io: Mitgründer Francisco Webber kehrte mit 1. Juli als CEO zurück, wie das Unternehmen am Donnerstag bekannt gab. Webber hatte Cortical.io bereits 2011 gegründet.

Cortical.io entwickelte eine KI‑Software, die Firmen dabei hilft, Ordnung in unstrukturierte Daten zu bringen. Das Hauptprodukt heißt SemanticPro. Es liest Dokumente, versteht den Inhalt und holt automatisch die wichtigen Infos heraus. Die Technologie bildet die Basis für die Automatisierung von Dokumenten-Workflows. Neben Wien verfügt das Unternehmen auch über Niederlassungen in New York und San Francisco. Zu den Kunden zählen laut Cortical.io auch Fortune-500-Unternehmen.

Neue strategische Ausrichtung

Die Rückkehr Webbers erfolgt nach dem Abgang von Rainer Kegel, der erst Anfang 2023 die Geschäftsführung übernommen hatte (brutkasten berichtete). Der ehemalige CIO der Wiener Stadtwerke verlängerte seinen Vertrag nach zweieinhalb Jahren nicht, wie das Unternehmen auf brutkasten-Anfrage bestätigte. Über die Gründe wollte Cortical.io keine Auskunft geben.

Webber bringt mit seinem Comeback auch eine neue Produktausrichtung: Aufbauend auf der bewährten Dokumentenanalyse-Plattform SemanticPro, die unstrukturierte Daten etwa aus Versicherungsdokumenten oder E-Mails effizient verarbeitet, will Cortical.io künftig auch Sensordaten in Echtzeit analysieren – und zwar direkt an der Quelle. Möglich machen soll das die neue Plattform SF2 – Semantic Folding for Sensor Fusion, die noch 2025 in einer ersten Version erscheinen soll.

Anwendungen in der Industrie

SF2 kombiniert semantische Analyse mit Edge-Computing-Hardware und kann unterschiedlichste Sensordatenströme interpretieren, um etwa Anomalien in Industrieanlagen frühzeitig zu erkennen. „Mit seiner Fähigkeit, riesige, disparate Sensordatenströme in Echtzeit zu interpretieren – selbst in abgelegenen und instabilen Umgebungen – hat SF2 das Potenzial, die Überwachung von Betriebssystemen und die Erkennung von Ausfällen zu revolutionieren“, erklärt Webber.

Cortical.io sieht Anwendungsmöglichkeiten insbesondere in kritischen Infrastrukturen wie Energie- und Versorgungsunternehmen. Dort könnten laut dem Unternehmen durch schnellere Fehlererkennung potenziell Milliarden eingespart werden. Die breite Verfügbarkeit wird für Anfang 2026 erwartet.

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Lebensstimmen
Der Fabertar | © Lebensstimmen/Screenshot

Vor rund einem Monat gab das Grazer Startup Lebensstimmen den Einstieg von Motorsportlegende Helmut Marko als Investor bekannt – brutkasten berichtete. Nun präsentierte man seine KI-basierte Plattform und hat dabei weitere prominente Unterstützung.

Lebensstimmen als Vorsorge

Das von Markus Pinter, Philipp Berkessy und Lukas Stern gegründete Startup versteht sich als ein Vorsorgeprodukt, das zu Lebzeiten abgeschlossen wird und für den Tod und darüber hinaus wirkt. Menschen können zu Lebzeiten ihre eigene Grußbotschaft oder „letzte Rede“ gestalten, in eigener Stimme, mit eigenen Inhalten, Musik und Bildern. Angehörige sollen nach einem Todesfall zudem eine digitale Trauerrede erstellen können.

Insgesamt umfasst das Angebot vier Produkte: die „Grußbotschaft“, „Meine letzte Rede“, einen neutralen „KI-Trauerredner“ sowie das Format „Aus Sicht der Familie“.

Vertrieben werden soll über Bestattungsunternehmen, Vorsorgeversicherer, Institutionen und Medienpartner im Lizenz- und White-Label-Modell. Die rechtliche Architektur der Plattform wurde gemeinsam mit Scherbaum Seebacher Rechtsanwälte entwickelt. Technologiepartner ist BLCKs AI.

Fabertar schenkt Worte her

Neben Marko unterstützt nun auch Dompfarrer von St. Stephan, Toni Faber, Lebensstimmen in Fragen von Trauer und Abschied mit einem neuartigen Angebot. Mit dem „Fabertar“ präsentiert das Startup einen gemeinsam mit ihm entwickelten und klar als KI gekennzeichneten Trauerredner. Dieser soll keine Seelsorge ersetzen, sondern Worte schenken, wo sie gewünscht werden oder wo kein Redner verfügbar ist.

„Ich begleite viele Menschen im Abschied. Oft ist das, was ungesagt bleibt, am schwersten. Wenn Technik hilft, liebevolle Worte zu bewahren, dient sie dem Menschen und dem Trost. Genau das ist der Gedanke hinter dem ‚Fabertar‘. Er soll niemanden ersetzen“, sagt Faber.

Marktstart Anfang 2027

Und Lebensstimmen-Geschäftsführer Berkessy ergänzt: „Jeder Mensch hat Worte, die bleiben sollen. Mit Lebensstimmen machen wir Vorsorge erstmals persönlich, digital und rechtssicher. Heute beginnt eine neue Abschiedskultur, und sie beginnt in Österreich.“

Nach der offiziellen Vorstellung der Plattform, der dazugehörigen Lebensstimmen-Produkte und dem aktuellen Launch der Website erfolgt in einem nächsten Schritt. Der Marktstart ist für Q1 2027 geplant und soll sowohl österreichweit als auch global erfolgen.

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