25.03.2026
KI-TOOL

Minimist: Wiener Secondhand-Startup sammelt 1 Mio. Euro Investment ein

Das Wiener KI-Startup Minimist holt sich ein Investment von einer Millionen Euro, um sein Tool für den Secondhand-Markt weiter zu skalieren.
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Das C-Level von Minimist: Robert Andrei Damian (CTO), Anna Greil (COO) und Stephan Hofmann (CEO). | © Minimist

Das Wiener Startup Minimist setzt auf Künstliche Intelligenz, um den Online-Verkauf von Gebrauchtwaren zu automatisieren. Die Software des Unternehmens erstellt aus einem einzelnen Produktfoto ein vollständiges Inserat – inklusive Angaben zu Größe, Preis, Zustand und Beschreibung. Secondhand-Händler sollen laut Minimist ihre Waren damit bis zu zehnmal schneller auf Plattformen wie eBay, Shopify oder Ricardo veröffentlichen können als bei manueller Eingabe. Kern des Produkts ist ein KI-gestützter „Co-Pilot für den Verkauf“, der es professionellen Händler:innen ermöglichen soll, Einzelstücke zu digitalisieren.

Im Jänner 2025 schloss das Unternehmen bereits eine Finanzierungsrunde in Höhe von 350.000 Euro ab. Zu den Investoren zählten unter anderem Hanno Lippitsch, Gründer von Eversports, sowie Michael Pötscher, ehemaliger CMO von Bitpanda (brutkasten berichtete).

Finanzierung für weiteres Wachstum

Die aktuelle Finanzierungsrunde wurde von Tilia Impact Ventures mit Unterstützung von InvestEU angeführt. Weitere Mittel kamen von Business Angels und Family Offices sowie über den Fördercall „Wien Lebensqualität“ der Wirtschaftsagentur Wien. Insgesamt wurde eine Million Euro eingesammelt.

„Wir haben investiert, weil Minimist ein echtes ‚Bottleneck‘ im Wiederverkauf adressiert: die Umwandlung großer Mengen einzigartiger Gebrauchtwaren in verkaufsfähiges Online-Inventar“, sagt Andrew Gray, General Partner bei Tilia VC. „Heute erreicht eine riesige Menge an Kleidung nie den Markt, weil der Prozess zu manuell ist. Indem Minimist diese Hürden mittels KI beseitigt, verlängern sie die Lebensdauer von Textilien (und mehr Kategorien) und reduzieren Abfall in einem Sektor, der jährlich über 100 Milliarden Artikel produziert.“

„Die Modernisierung des Secondhand-Bestandsmanagements und E-Commerce für eine Kreislaufwirtschaft ist absolut notwendig, um unsere Klimaziele zu erreichen. Wir freuen uns riesig über die finanzielle Unterstützung und haben nun die Ressourcen, um für unsere Kunden weltweit noch mehr Wert zu schöpfen“, sagt Stephan Hofmann, CEO von Minimist.

Fokus auf Effizienz im Wiederverkauf

Die sogenannte „Listing Engine“ des Startups soll ein einzelnes Produktfoto in weniger als 30 Sekunden in ein fertiges Marktplatz-Inserat verwandeln. Ziel ist es, große Mengen hochwertiger Gebrauchtwaren schneller verfügbar zu machen und so neue Absatzmöglichkeiten zu schaffen.

Langfristig verfolgt Minimist die Vision, den Kauf von Secondhand-Produkten so einfach zu gestalten wie den Erwerb von Neuware. Die Technologie soll dabei als Infrastruktur für den globalen Wiederverkauf dienen und Prozesse ähnlich schnell und zuverlässig machen wie im klassischen E-Commerce.

Kunden und Anwendungsfälle

Gegründet wurde das Unternehmen 2024 von Stephan Hofmann (CEO), Henrik Feldt (ehemaliger CTO) und Anna Greil (COO). Laut LinkedIn hat Robert Andrei Damian Ende letzten Jahres die Rolle des CTO von Feldt übernommen.

„Da unsere operativen Abläufe gewachsen sind, hat sich die Rolle des CTO bei Minimist erheblich weiterentwickelt. Aufgrund von Veränderungen in Henrik’s Privatleben sind er und das Führungsteam gemeinsam zu dem Schluss gekommen, dass nun der richtige Zeitpunkt für einen Wechsel ist. Wir sind dankbar für das technische Fundament, das er mit aufgebaut hat. Robert, einer unserer „Founding Engineers“ mit früherer CTO-Erfahrung und einem Verständnis unserer Abläufe, Kultur und Architektur der ersten Stunde, war die natürliche Wahl, um diese nächste Phase zu leiten“, kommentiert Minimist den Wechsel auf Führungsebene.

Mittlerweile zählt Minimist nach eigenen Angaben mehr als 15 namhafte Kunden. Dazu gehören unter anderem Helen & Douglas House aus dem Vereinigten Königreich, ein Charity-Händler, der laut eigenen Angaben seinen Online-Umsatz mit der Software vervierfachen konnte. Auch Vinokilo, ein Veranstalter von Vintage-Events in Deutschland und der Schweiz, nutzt die Technologie für den Ausbau seines Online-Geschäfts.

Mit Diakonia setzt zudem einer der großen Wohlfahrtsverbände in Deutschland auf die Lösung und konnte laut Angaben des Startups seinen Online-Umsatz bereits im ersten Monat nach Einführung vervierfachen.

Aus dem Archiv: Studio-Talk mit Minimist-COO Anna Greil

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Marie Pierer, Designerin und Mitgründerin von Studio Furore, und Nino Groß, Head of Brand & Communications bei Instahelp | © Niki Pommer
Marie Pierer, Designerin und Mitgründerin von Studio Furore, und Nino Groß, Head of Brand & Communications bei Instahelp | © Niki Pommer

Bunt, warm, lebendig und offen: So beschreibt Instahelp seinen neuen Auftritt. Die 2015 gegründete Plattform für Online-Therapie und psychologische Beratung hat gemeinsam mit Studio Furore Logo, Typografie, Farbwelt, Fotografie und Illustration neu entwickelt. Entstanden ist laut Aussendung alles in Graz.

Der Auftritt soll laut Aussendung ein Gegenentwurf zur häufig cleanen und zurückhaltenden Ästhetik des Gesundheitsbereichs sein. Das in der Aussendung als „schnell“ beschriebene Logo rückt ein Kernattribut der Plattform ins Zentrum: den garantierten Erstkontakt mit Psycholog:innen binnen 24 Stunden.

Nino Groß, seit Jänner Head of Brand & Communications bei Instahelp, formulierte laut Aussendung den Markenauftrag, das Thema in die Mitte der Gesellschaft zu tragen.

Über sein Netzwerk kam er laut Aussendung mit Marie Pierer in Kontakt, Designerin und Mitgründerin von Studio Furore. brutkasten hat bei beiden nachgefragt, was Gründer:innen und Marketingverantwortliche aus dem Projekt lernen können.

1. Die Marke laufend hinterfragen

„Man sollte wohl nie damit aufhören, seine Marke kritisch zu betrachten. Auch, wenn man etwas Ikonisches geschaffen hat“, sagt Groß. Spätestens wenn Markenelemente nicht mehr praktikabel oder im Kontext des Zeitgeists nicht mehr zielführend seien, sei es an der Zeit, etwas zu verändern.

Bei Instahelp sei die Ausgangssituation ideal gewesen: ein starkes Fundament und zehnjähriges Bestehen. „Die Grundidee war von Beginn weg, auf dem Bestehenden aufzubauen und es in die Zukunft zu tragen“, so Groß. Die Marke solle Strahlkraft über den Health-Bereich hinaus bekommen.

„Sei mutig.“: Der neue Auftritt von Instahelp soll laut Aussendung nicht klinisch oder distanziert wirken, sondern nahbar und selbstbewusst | © Studio Furore / Instahelp

2. Mit den W-Fragen beginnen

Als erste Best Practice nennt Groß die strategische Annäherung mit den wichtigsten W-Fragen: „Wozu machen wir das, wo wollen wir damit hin, welche Ziele soll die Marke erreichen, die sie bislang noch nicht erreicht hat?“

Pierer beschreibt den Ausgangspunkt ihrer Arbeit so: „Am Anfang steht für uns immer die Frage: Was wollen wir eigentlich vermitteln, wen wollen wir erreichen und was sollen Menschen fühlen, wenn sie mit der Marke in Berührung kommen?“

Darauf aufbauend entwickle Studio Furore ein Konzept mit einer klaren Herleitung. Daraus entstehe Schritt für Schritt die Brand Identity, von Logo, Farben, Typografie und Bildwelt bis hin zu Layoutsystem, Gestaltungselementen und Tonalität. Ziel sei ein Aha-Moment, „bei dem man versteht, warum etwas genau so gestaltet ist“.

3. Innen- und Außenperspektive zusammenbringen

Groß steuerte das Projekt in Abstimmung mit der Geschäftsführung und entwickelte das markenstrategische Konzept. Eingebunden waren außerdem die internen Design-Verantwortlichen, die den bisherigen Markenauftritt verantwortet hatten, sowie der CTO.

Diesen Mix zählt Groß zu den Best Practices des Projekts. Es gehe darum, jene, die den Markenkern gebaut haben, mit jenen zusammenzubringen, die ihn weiterentwickeln werden. „Diesen Wissenstransfer braucht es.“ Ebenso wichtig sei, offen und ohne Tabus zu diskutieren, was bleiben darf und was gehen muss. „Greift man die gesamte Identität an, ist das ein schmaler Grat.“

Dass die Entscheidungen im Unternehmen schnell fielen, hat Groß nach eigenen Angaben beeindruckt. Die Marke habe in ihrer Erscheinungsform seit zehn Jahren bestanden. „Von daher ist das keine kleine Intervention, wenn man an die gesamte Identität geht.“

4. Bei der Agentursuche das eigene Netzwerk nutzen

„Wir haben mehrere Angebote eingeholt, das sollte man immer“, sagt Groß. Ausschlaggebend sei im Endeffekt der persönliche Kontakt gewesen. Er kenne die Köpfe hinter Studio Furore schon lange und habe von ihnen nie etwas gesehen, das ästhetisch und handwerklich nicht auf sehr hohem Niveau gewesen sei.

Bei einem Mittagessen mit Pierer und Fotograf Kurt Bauer, der für die Bildwelt verantwortlich zeichnete, sei ihm nach ein paar Sätzen klar gewesen: „Die spüren die Marke.“

Startups und kleineren Unternehmen rät Groß, nach Möglichkeit persönliche Kontakte anzuzapfen, also Personen mit Erfahrung und guten Drähten in die Kreativwirtschaft. „Das spart einerseits Zeit und schützt vor Leerläufen. Andererseits ist es enorm wichtig für die qualitative Einschätzung.“

Der neue Markenauftritt von Instahelp: Die Bildwelt stammt von Fotograf Kurt Bauer | © Studio Furore / Instahelp

5. Konventionen brechen, wenn sie dem Ziel im Weg stehen

Die neue Marke tritt bunt und warm statt klinisch auf. „Ich sehe das eigentlich weniger als Mut, sondern vielmehr als Notwendigkeit“, sagt Pierer dazu. Psychische Themen seien gesellschaftlich schon stark mit Schwere und Unsicherheit behaftet. „Wie soll man Hoffnung vermitteln oder ein Gefühl des Aufatmens schaffen, wenn die Gestaltung genau diese Schwere noch verstärkt?“

Verharmlosen dürfe man das Thema dadurch nicht. „Aber ernst zu nehmen bedeutet nicht automatisch, dass etwas klinisch, kühl oder schwer aussehen muss.“ Dabei müsse jedes Element eine klare Bedeutung haben. „Es geht nicht einfach darum, ein schönes Logo oder eine bestimmte Farbe zu wählen. Die Gestaltung muss in sich stimmig sein und eine Geschichte erzählen.“

Für Pierer hat das Projekt auch eine persönliche Seite. In der Aussendung schildert sie, nach der Geburt ihres ersten Kindes selbst schwierige psychische Phasen erlebt zu haben. „Wenn ich damals von einem Angebot wie Instahelp gewusst hätte, wäre mir der Weg zur Unterstützung mit Sicherheit leichter gefallen.“

6. Mit kleinem Budget: wenige Dinge richtig machen

Startups mit kleinem Budget rät Pierer, sich am Anfang klar darüber zu werden, wofür man steht und was man vermitteln möchte. „Man braucht nicht sofort ein riesiges Branding oder unzählige Gestaltungselemente. Man braucht ein gutes Konzept.“

Ein durchdachtes Logo, eine passende Farb- und Typografiewelt und eine konsistente Bildsprache könnten schon viel bewirken. Pierer rät davon ab, Trends oder andere Marken zu kopieren, nur weil sie gerade gut funktionieren. Man solle herausfinden, was einen selbst besonders macht, und das konsequent sichtbar machen.

Außerdem solle das Erscheinungsbild flexibel bleiben und mit dem Unternehmen wachsen können. „Eine gute Markenidentität muss nicht von Anfang an riesig sein. Sie muss vor allem eine klare Idee haben.“

Die neue Markenidentität von Instahelp ist laut Aussendung inzwischen vollständig ausgerollt. Die Plattform arbeitet nach eigenen Angaben mit mehr als 400 Psycholog:innen und hat bis dato rund 450.000 Beratungen durchgeführt.

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