19.11.2021

2,1 Mio. Euro für Mavoco aus Eisenstadt: „Gewinnen 2 von 3 Ausschreibungen“

In seinem Markt hat Mavoco mit seiner IoT Connectivity Management-Lösung weltweit nur sechs Mitbewerber, darunter Cisco und Ericsson.
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Mavoco: CEO Phat Huynh (m.) mit den beiden Gründern Anton Cabrespina (l.) und Helmut Lehner (r.)
© Mavoco - CEO Phat Huynh (m.) mit den beiden Gründern Anton Cabrespina (l.) und Helmut Lehner (r.)

Die Geschichte von Mavoco begann bereits im Jahr 2010 in Eisenstadt, wo Helmut Lehner und Anton Cabrespina beide von Nokia kommend, das Unternehmen gründete. Nach einigen Jahren im IoT-Consulting-Bereich ging man 2015 mit einer eigenen Connectivity-Software-Lösung im auf den Markt. „Bereits jede vierte SIM-Karte weltweit ist in einem IoT-Device – insgesamt etwa 2,4 Milliarden. Unsere Software steuert die Netze, die diese Geräte verbinden“, erklärt Phat Huynh, früher unter anderem Managing Director von A1 Digital (damals Telekom Austria Group M2M) und seit diesem Jahr CEO von Mavoco.

Lösung für komplexe IoT-Netzwerke

Im Gegensatz zur Handy-Nutzung durch Endkunden sei der Mobilfunk im IoT-Bereich deutlich komplexer, erklärt der CEO. „Bei Smartphones gibt es üblicherweise einen Kunden pro Gerät, der einen Tarif hat, den er sich selbst aussucht. In einem IoT-Device wie einem Connected Car kann es mehr als 100 Nutzer mit sehr unterschiedlichen Berechtigungen und Anforderungen geben“, so Huynh. Darunter seien etwa Hersteller, Händler, Werkstätten, Car-Sharing-Anbieter und Endkunden. „Unsere Software managt die Geschäftsbedingungen zwischen all diesen Usern“.

Dabei löse man auch ein zweites großes Problem für die Kunden, unter denen viele Netzbetreiber sind. „Die Netzbetreiber agieren lokal, die IoT-Service-Provider aber global. Wir unterscheiden uns zum Mitbewerb dadurch, dass wir Kunden ein globales Interface bieten“, erklärt Huynh. Davon würden all jene Mobilfunk-Unternehmen stark profitieren, die Gesellschaften in mehreren Ländern betreiben. „Sie ersparen sich massive Kosten, weil sie dadurch viele Prozesse nicht mehr personell lokal abbilden müssen“, sagt der CEO.

Starkes Wachstum für Mavoco im Wettbewerb mit großen Namen

Deswegen habe man als verhältnismäßig kleinerer Player, mit rund 6,3 Milionen Euro Umsatz im vergangenen Jahr, derzeit sehr gute Karten. „Wir gewinnen heute zwei von drei Ausschreibungen gegen die großen Player. Das überzeugt uns, dass wir auf dem richtigen Kurs sind“, sagt Huynh. Tatsächlich sind weltweit nur sechs andere Unternehmen direkt in dem Feld tätig, darunter die Cisco-Tochter Jasper, Ericsson, Huawei und Nokia. „Allerdings nutzt Nokia unsere Software, ist also inzwischen ein wichtiger Vertriebspartner und die chinesischen Anbieter haben derzeit ein geopolitisches Problem, weswegen wir sie nicht als Mitbewerb in unseren Märkten wahrnehmen“, erklärt der Mavoco CEO. Zuletzt kam das Unternehmen im wichtigsten Branchen-Ranking auf Platz 3 in einer erheblich größeren Auswahl von 27 Anbietern aus dem Bereich.

Nach 2,1 Mio. Euro: Nächste Kapitalrunde soll bald folgen

Zuletzt verzeichnete Mavoco wieder ein starkes Wachstum. 2022 will es seine Belegschaft auf 120 verdoppeln. In Eisenstadt sitzt dabei nur mehr die Administration. Operativ geführt wird Mavoco von Wien aus, Development-Teams gibt es zudem in Barcelona und an zwei Standorten in Polen. Um das weitere Wachstum zu finanzieren holte sich das Scaleup nun ein Investment über 2,1 Millionen Euro von Bestandsinvestor Red Stars aus Wien gemeinsam mit Familiy Offices und privaten Investoren. Schon in den kommenden Monaten sollen weitere fünf Millionen Euro Kapital aufgestellt werden. Einen Investment-Fokus wolle man auf den Ausbau von Vertriebspersonal in verschiedensten Regionen legen, erzählt Huynh: „Während der Pandemie konnten wir teilweise Deals mit achtstelligem Volumen remote abschließen, aber das wendet sich derzeit wieder“.

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RNAnalytics, tecnet
© equity - (v.l.) Christian Laurer, Adriana González Palomo, Viktoria Enkmann, Hannes Burgstaller und Natalija Rajicic.

Mit einem SAFE (Simple Agreement for Future Equity) beteiligt sich tecnet equity am niederösterreichischen TechBio-Startup RNAnalytics. Das von Viktoria Enkmann und Hannes-Oliver Burgstaller gegründete Unternehmen ist im accent Makerspace in Tulln angesiedelt und entwickelt dort Lösungen für die Analyse von Lipid-Nanopartikeln – winzigen Transporthüllen, die Wirkstoffe wie RNA sicher in menschliche Zellen bringen sollen. Mit dem Investment möchte RNAnalytics die Weiterentwicklung seiner modularen Analyse-Toolkits sowie den Ausbau seiner integrierten Softwareplattform vorantreiben. Über die Höhe der Beteiligung wurde Stillschweigen vereinbart. Doch wie brutkasten erfahren hat, handelt es sich inklusive Förderungen um eine Summe im „höheren sechsstelligen Bereich“.

RNAnalytics: Analysen sehr aufwendig

RNA-basierte Medikamente haben durch neue Impfstoffe und Therapieansätze stark an Bedeutung gewonnen. Damit RNA im Körper überhaupt dort ankommt, wo sie wirken soll, braucht sie eine schützende Transporthülle. Dafür werden häufig sogenannte Lipid-Nanopartikel, kurz LNPs, eingesetzt.

Ob diese winzigen Partikel richtig funktionieren, muss während der Entwicklung eines Medikaments immer wieder überprüft werden. Entscheidend sei dabei, die Eigenschaften der Partikel genau zu verstehen, von ihrer Größe und Stabilität über die tatsächlich eingeschlossene RNA-Menge bis hin zu ihrem Verhalten in unterschiedlichen Zellen.

Diese Analysen seien heute oft aufwendig, erfordern teilweise teure Spezialgeräte und würden mangels einheitlicher Methoden nur eingeschränkt vergleichbare Ergebnisse liefern. „Das kostet Zeit und erschwert insbesondere kleineren BioTech-Unternehmen und Forschungslabors den Zugang zu einer Technologie, die für die Entwicklung neuer RNA-Therapien immer wichtiger wird“, liest man in der Aussendung.

Modulare Toolkits

RNAnalytics hat es sich daher zum Ziel gesetzt, diese Analysen einfacher und standardisierter zu machen. Dafür entwickelt das Unternehmen modulare Toolkits, die auf bereits vorhandener Laborausstattung eingesetzt werden können. Sie kombinieren validierte Messmethoden, Reagenzien und Referenzmaterialien und wollen Laboren damit einen „klar definierten Ablauf für die Untersuchung von Lipid-Nanopartikeln“ ermöglichen.

„Die SAFE-Finanzierung gibt uns in dieser frühen Phase die Möglichkeit, unsere Toolkits konsequent weiterzuentwickeln und parallel den Ausbau unserer Softwareplattform voranzutreiben. Mit tecnet equity haben wir dabei einen Partner an unserer Seite, der die Herausforderungen technologieintensiver Gründungen versteht“, sagt Enkmann, CEO von RNAnalytics.

RNAnalytics: Plattform in Entwicklung

Der Ansatz des Tullner Startups geht jedoch über einzelne Labortests hinaus, wie man mitteilt: Parallel zu den Toolkits entwickelt das Unternehmen eine Softwareplattform, in der die bei den Analysen entstehenden Daten zusammengeführt und automatisch ausgewertet werden können.

So entstehe ein umfassendes Bild der relevanten Qualitätsmerkmale eines RNA-Therapeutikums. Statt Messergebnisse aus unterschiedlichen Geräten und Tests einzeln auszuwerten, könnten Labore ihre Daten zentral verarbeiten, verschiedene Qualitätsparameter miteinander vergleichen und standardisierte Berichte erstellen. Die Kombination aus physischen Toolkits und Software soll damit einen bislang stark fragmentierten Analyseprozess in einen durchgängigen Workflow überführen.

„RNAnalytics setzt an einem sehr konkreten Problem in einem technologisch anspruchsvollen und stark wachsenden Bereich der Biotechnologie an. Besonders überzeugt uns der Ansatz, komplexe Laboranalytik durch standardisierte Toolkits zugänglicher zu machen und diese gleichzeitig in einer skalierbaren Softwareplattform zusammenzuführen“, erklärt Christian Laurer, Senior Investment Manager bei tecnet equity. „Die beiden Gründer:innen verbinden fundiertes wissenschaftliches Know-how mit einem klaren Verständnis für die Herausforderungen in der LNP-Analytik und einer überzeugenden Produktvision. Diese Kombination war für uns eine wesentliche Grundlage für das Investment in dieser frühen Phase.“

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