23.03.2021

Microsoft will Discord für über 10 Mrd. Dollar kaufen

Der Softwareriese soll sich laut Insidern in Verhandlungen mit der vor allem auf Gamer spezialiserten Chat-Plattform befinden.
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Discord führt neue Funktionen ein.
Microsoft interessiert sich für Discord. | Foto: FellowNeko - stock.adobe.com

Microsoft will sich im Gaming-Bereich offenbar weiter verstärken: Der Softwareriese aus Redmond soll sich in Gesprächen mit der auf Gamer spezialisierten Chat-Plattform Discord befinden, berichtete Bloomberg unter Verweis auf Insider. Dazu wäre das Unternehmen auch bereit, ordentlich in die Tasche greifen: Mehr als 10 Mrd. US-Dollar soll Microsoft dem Bericht zufolge bieten.

Deal steht nicht umittelbar bevor

Ob sich Discord allerdings darauf einlassen wird, ist aber offenbar noch völlig unklar: Ein Deal stehe jedenfalls nicht unmittelbar bevor, sagten die zitierten Insider. Discord befinde sich aber in Gesprächen mit möglichen Käufern und Microsoft sei im Rennen.

Einer der Insider sagte allerdings auch, dass ein eigener Börsengang von Discord wahrscheinlicher sei als ein Verkauf des Unternehmens. Offiziell äußern wollten sich bisher beide Unternehmen nicht.

Über 100 Millionen monatlich aktive Discord-Nutzer

Discord hat nach eigenen Angaben mehr als 100 Millionen monatliche aktive Nutzer. Die Plattform ermöglicht Kommunikation über Video, Audio und Text. Genutzt wird sie vor allem von Gamern – in den vergangenen Jahren erweiterte sich der Nutzerkreis jedoch über diese Kern-Zielgruppe hinaus. Speziell seit der Corona-Pandemie intensivierte sich die Nutzung abseits des Gamings als herkömmliche Videochat-Plattform noch einmal. Discord bezeichnet sich selbst als „dein Ort zum reden“.

Microsoft zahlte 7,5 Mrd. Dollar für Bethesda

Microsoft hatte bereits im Vorjahr einen größeren Zukauf im Gaming-Bereich getätigt. Der Softwarekonzern übernahm Zenimax, das Mutterunternehmen des Spieleherstellers Bethesda, für 7,5 Mrd. Dollar. Damit gehören Spieleserien wie Fallout, The Elder Scrolls und Dishonored nun zu Microsoft. Diesen März gaben die EU-Behörden nun ihre Zustimmung für den Zukauf.

Eine andere Übernahme scheiterte dagegen: Microsoft hatte sich im Vorjahr für das US-Geschäft der vor allem bei Jugendlichen populären chinesischen Social-Media-App TikTok interessiert. Zum Zug kam jedoch Oracle. Nach dem Regierungswechsel in den USA liegt jedoch auch dieser Deal derzeit auf Eis.

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Michael Dobersberger ist der "Startup-Wingman" im Silicon Valley. | © brutkasten

Das Silicon Valley ist nach wie vor das unangefochtene Epizentrum der globalen Tech-Welt. Ein Großteil des weltweiten Risikokapitals ist in der Region rund um San Francisco gebündelt. Für europäische Startups birgt der Markteintritt in den US-amerikanischen Raum jedoch erhebliche kulturelle wie strukturelle Hürden. Genau an dieser Schnittstelle setzt die Arbeit von Michael Dobersberger an. Brutkasten hat ihm einen Tag lang in San Francisco über die Schulter geschaut.

Michael Dobersberger im Gespräch mit brutkasten-Redakteurin Ann-Kathrin Salmen vor der Bay Bridge in San Francisco. © brutkasten

Ein Ökosystem für den Aufstieg

Als Co-Direktor der Initiative Open Austria, einem Joint Venture der Wirtschaftskammer Österreich und des Außenministeriums, fungiert Dobersberger als strategischer Sparring-Partner vor Ort. Während die WKÖ-AußenwirtschaftsCenter in New York und Los Angeles das operative Tagesgeschäft im Exportgeschäft abwickeln, konzentriert sich das AußenwirtschaftsCenter in San Francisco unter seiner Leitung auf spezialisierte Formate.

„Ich sehe meine Aufgabe darin, Startups ready für das Silicon Valley zu machen, damit sie einen gewissen Startvorteil gegenüber anderen europäischen Startups haben“, erklärt Dobersberger im Gespräch. Sein Aufgabengebiet umfasst gezieltes Startup-Coaching für den US-Markteintritt sowie Innovation Scouting für etablierte Großunternehmen. Die Nachfrage ist hoch: „Allein heuer habe ich schon über 260 Unternehmen in einem meiner Programme gehabt.“

Die Teilnehmer:innen des GOUSA Kickoffs im Silicon Valley. © Michael Dobersberger

Das Mindset: Ja, wenn … statt Nein, weil …

Die kulturellen Gräben zwischen europäischen und US-amerikanischen Entrepreneurship-Zugängen erlebt Dobersberger täglich. Während hierzulande Risiken oft im Vordergrund stehen, herrscht in Kalifornien eine ausgeprägte Optimierungskultur.

Den zentralen Unterschied im Denkansatz bringt Dobersberger pragmatisch auf den Punkt: „In den USA heißt es: ‚Es kann funktionieren, wenn …‘, während in Europa oft gesagt wird: ‚Das funktioniert nicht, weil …‘“. Es gehe keineswegs darum, kritische Einwände zu ignorieren, sondern Geschäftsideen konstruktiv zu bewerten und Chancen in den Mittelpunkt zu rücken.

Schnelligkeit und ein realistischer Blick auf Fehler

Ein entscheidender Erfolgsfaktor am US-Markt sei die Umsetzungsgeschwindigkeit. „Du musst nicht besser sein, du musst schneller sein“, betont Dobersberger. Wer rasch am Markt testet, gewinnt wertvolles Feedback und kann Mitbewerber überholen.

Ergänzt wird dieses Tempo durch den vielzitierten Umgang mit dem Scheitern, der jedoch häufig missverstanden werde. Fehler seien zwar Teil der Lernkurve, dürften das Unternehmen jedoch nicht ruinieren. „Fail fast, fail often – and keep the price to a minimum“, bringt es Dobersberger auf den Punkt. Das bedeutet übersetzt so viel wie: „Scheitere schnell, oft und halte die Kosten dabei auf einem Minimum.“

Präzision fordert der Experte auch beim Markenauftritt und Produktstart. Zu langes Perfektionieren im Stillen sei gefährlich: „Wenn du nicht irgendwann sagst: ‚Mein erstes Produkt war so peinlich‘, dann bist du zu spät an den Markt gegangen“, veranschaulicht er eindrücklich.

Ein Großteil von Dobersbergers Arbeit besteht darin, Menschen miteinander zu vernetzen. © brutkasten

Die Matrjoschka-Logik beim Pitchen

Auch in der Kommunikation rät Dobersberger zu einer radikalen Vereinfachung. Statt technischer Details müsse in den ersten Sekunden das zugrundeliegende Problem im Fokus stehen. Dobersberger nutzt dafür das Bild einer umgekehrten Matrjoschka-Puppe.

„Die erste Matrjoschka ist die wichtigste – das ist dein Why“, erklärt er. Ziel der ersten 40 Sekunden sei es nicht, das gesamte Produkt zu erklären, sondern Neugier zu wecken und Folgetermine zu sichern. Wer zu tief ins Technische abgleite, verliere das Gegenüber rasch.

Menschen investieren in Menschen

Zudem entscheide die Persönlichkeit des Gründerteams oft mehr als die Technologie selbst. Das Feedback internationaler Investor:innen zeichne hier ein klares Bild: „Die Investoren investieren zu 90 Prozent ins Team und zu zehn Prozent in die Technologie.“ Starken Gründerpersönlichkeiten traue man eher zu, Märkte zu erschließen und Geschäftsmodelle bei Bedarf anzupassen.

Mit diesem ganzheitlichen Ansatz, von der Schärfung der Story bis hin zur Vernetzung vor Ort, unterstützt Dobersberger heimische Gründer:innen dabei, im Silicon Valley nachhaltig Fuß zu fassen.

Dobersberger mit seinem ehemaligen indonesischen Diplomaten-Kennzeichen. Vor seiner Zeit in Amerika war er in Indonesien, Serbien und England tätig. © brutkasten
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