31.10.2023

Gewessler & Microsoft stellen neue „Cloudregion“ vor – auch Startups sollen profitieren

Microsoft errichtet momentan eine Cloudregion aus mehreren Rechenzentren in Österreich. Künftig sollen auch Startups von der Investition in die Infrastruktur profitieren, wie Klimaschutzminsterin Gewessler und der IT-Riese am Dienstag in einem der Rechenzentren betonten.
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Microsoft Österreich/APA-Fotoservice/Schedl

Unter einer sogenannten „Cloudregion“ versteht man im Fachjargon einen Verbund von Rechenzentren in einem bestimmten geographischen Gebiet. Die Cloudinfrastruktur ermöglicht Unternehmen, dass sie ihre Daten und IT-Anwendungen in unmittelbarer Nähe zu ihren Standorten, aber dennoch redundant verfügbar hosten können. Lokale Cloudregionen haben dabei insbesondere den Vorteil, dass geringere Latenzzeiten ermöglicht werden – also die Dauer der Datenübertragung zwischen Nutzer:innen und der Cloud sinkt.

Microsoft baut neue Cloudregion

Um diese Vorteile künftig verstärkt nutzen zu können, arbeitet auch Microsoft an einer eigenen lokalen Cloudregion in Österreich, die sich derzeit in Bau befindet. Grundsätzlich werden Microsofts Cloudregionen, so auch die österreichische, aus Sicherheits- und Verfügbarkeitsgründen zu Beginn an drei Standorten betrieben, wie der IT-Riese am Dienstag anlässlich einer Präsentation der neuen Cloudinfrastruktur betonte.

Die genauen Standorte werden allerdings aus Sicherheitsgründen nicht öffentlich gemacht. Auch zum Umfang der Investitionen äußerte sich Microsoft nicht. Fest steht nur, dass sich die Rechenzentren im Raum Wien befinden.

„Die Investition in die lokale Infrastruktur Österreichs ist eine Antwort auf die wachsende Kundennachfrage nach unseren Cloudprodukten Azure, Microsoft 365, Dynamics 365 und Power Platform Services in Österreich“, so Microsoft Österreich.

Vorteile für Unternehmen

Welche konkreten Vorteile ergeben sich durch die lokale Cloudregion nun für Nutzer:innen? Künftig werden Microsofts kommerzielle Kund:innen – darunter auch Startups – die Möglichkeit haben, die Microsoft-Cloud-Produkte, wie Azure, Microsoft365, Dynamics365 oder PowerPlatform mit lokaler Datenspeicherung und Verarbeitung in österreichischer Cloud-Infrastruktur zu nutzen. Dadurch wird es Unternehmen ermöglicht, eine lokale Datenhaltung in Österreich zu erhalten. Darüber hinaus sollen niedrige Zugriffszeiten zur Cloud neue IoT-Szenarien ermöglichen, wie es weiters heißt.

Auch die Ausfallsicherheit durch fehlerisolierte Standorte innerhalb der Region mit unabhängigen Netzwerk-, Strom- und Kühlmöglichkeiten, soll gewährleistet werden. Zudem sollen die Zentren zu 100 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden.

Derzeit ist die Cloudregion in Österreich noch nicht verfügbar. Wann sie schlussendlich ihren Betrieb aufnehmen wird, wollte Microsoft am Dienstag nicht mitteilen. Dazu heißt es lediglich: „Viele unserer Kunden, wie Erste Bank oder Bawag, aber auch in anderen Branchen und im KMU-Markt, haben bereits ihr großes Interesse an einer zukünftigen Nutzung der Region bekundet“.


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Mathias Lipp-Rosenthal, Gründer der KI Schmiede | Foto: Lipp-Rosenthal

Das im August veröffentlichte Gesamtstaatliche Lagebild 2026 des Krisensicherheitsberaters im Bundeskanzleramt enthält einen Satz, der bislang wenig Beachtung fand: Angesichts der Cyberbedrohung rücke digitale Souveränität weiter in den Fokus der nationalen Sicherheit. Daraus leitet es eine unbequeme Handlungsoption ab, nämlich die Förderung von EU-Anbietern und den Verzicht auf externe Anbieter bei künftigen Beschaffungen. Im (ersten) Lagebild 2025 kam der Begriff nicht vor. Aus einem Standortthema wurde binnen eines Jahres eine Sicherheitsfrage.

Der Ist-Zustand ist bekannt. Verwaltung und Wirtschaft in Österreich laufen weitgehend auf Infrastruktur dreier US-Konzerne. Der CLOUD Act erlaubt US-Behörden den Zugriff auf Daten, die diese Unternehmen verarbeiten, unabhängig vom Standort des Rechenzentrums. Als Microsoft im Frühjahr 2025 plötzlich das Konto des Chefanklägers des Internationalen Strafgerichtshofs sperrte, wurde sichtbar, dass die Verfügbarkeit einer digitalen Grundleistung an einer Entscheidung außerhalb Europas hängen kann. Die Leistungsfähigkeit der Hyperscaler steht außer Streit. Zu klären ist, welche Funktionen ein Staat in fremder Hand belassen kann.

Vorbilder im öffentlichen Sektor

Das Österreichische Bundesheer hat mit der Umstellung auf LibreOffice die Kontrolle über einen zentralen Arbeitsplatzbaustein zurückgeholt, die Schweizer Armee migriert ihr Kommando Cyber auf openDesk.

Am weitesten gehen die Niederlande. Dort stellt die Regierung die gesamte Bundesverwaltung auf digitale Souveränität um. Seit Juli 2026 ist von US-Clouds für E-Mail und Dokumente abzuraten, Daten müssen in Europa bleiben und für jeden Dienst muss ein Ausstiegsplan vorliegen.

Sicherheit als Grundbedürfnis der Wirtschaft

Die Frage stellen sich zunehmend auch heimische Unternehmen. Sie wollen wissen, ob ihre Daten in Europa liegen, wer darauf zugreifen kann und ob der Dienst, auf dem ihr Tagesgeschäft läuft, morgen noch verfügbar ist. Souverän zu arbeiten heißt für sie vor allem, Sicherheit zu haben: dass Daten nicht von Drittstaaten abgegriffen werden können und dass sie sich auf die Infrastruktur, die ihr Geschäft trägt, tatsächlich verlassen können.

Anbieter, die diesen Wechsel möglich machen, gibt es in Österreich und Europa bereits. Sie stellen Rechenleistung, Plattformdienste und KI-Modelle bereit, die europäischem Recht unterliegen und deren Betrieb nachvollziehbar bleibt. Was ihnen fehlt, ist nicht die Kompetenz, sondern die Nachfrage, die sie in jene Größe trägt, in der sie für den Mittelstand zur echten Option werden.

Mehr als ein Hackathon

Im Mai 2026 haben das Bundeskanzleramt und die TU Austria dazu einen Public AI Hackathon veranstaltet. In 48 Stunden entwickelten 25 Talente Prototypen für die öffentliche Verwaltung, präsentiert vor Staatssekretär Alexander Pröll und einer Jury aus Verwaltung, Politik und Forschung. Das Format zeigt, dass der Wille zur Zusammenarbeit zwischen Staat und Nachwuchs vorhanden ist. Es zeigt auch, wo die Grenze liegt. Zwei Tage Hackathon ersetzen keine Strategie, mit der die Startup-Szene dauerhaft in den Aufbau souveräner Infrastruktur eingebunden wird. Auf einen Prototyp sollte eine Beschaffung folgen, auf eine Veranstaltung ein Förderprogramm, auf ein Teilnahmezertifikat ein zahlender Kunde.

Der Hebel heißt öffentliche Nachfrage

Genau hier liegt der Hebel für Österreich. Öffentliche Nachfrage entscheidet, ob heimische Anbieter jene Größe erreichen, die sie brauchen, um für die Wirtschaft eine echte Option zu sein. Wenn Bund, Länder und Förderstellen gezielt bei europäischen und österreichischen Anbietern beschaffen, stärkt das deren Marktposition und signalisiert der gesamten Startup-Branche, dass sich Investitionen in souveräne Technologie lohnen. Souveränität und Innovation stehen dabei nicht im Widerspruch, sie bedingen einander: Wer die Kontrolle über seine Infrastruktur behält, kann auf ihr aufbauen, statt sie nur zu mieten.

Für Österreich heißt das, die Empfehlung des Lagebilds über einzelne Prototypen hinaus zu denken. Jede Ausschreibung, jedes Förderprogramm und jede Anschlussfinanzierung entscheidet mit darüber, ob die österreichische Startup-Branche zu jenem Anbieter heranwächst, von dem Verwaltung, Sicherheitsbehörden und Mittelstand in zehn Jahren abhängen können. Wer Gründerinnen und Gründer heute mit mehr als einem Zertifikat ausstattet, entscheidet mit über die technologische Souveränität von morgen.


Über den Gastautor:

Mathias Lipp-Rosenthal ist Gründer der KI Schmiede, einer im Juni 2026 gestarteten Beratung, die Unternehmen im DACH-Raum bei der Einführung und Schulung von KI begleitet. Zuvor war er stellvertretender Klubdirektor der Neos und Mitgründer von Voter AI; die Gründung der KI Schmiede hat brutkasten hier bereits vorgestellt.

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