23.05.2022

Wie das Metaverse schon jetzt den Arbeitsplatz verändert

Das Metaverse hat das Zeug dazu, einige der Herausforderungen von New Work zu lösen. Vor allem internationale Teams könnten davon profitieren.
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Willkommen im Enterprise Metaverse von Accenture © Accenture
Willkommen im Enterprise Metaverse von Accenture © Accenture

Wie ganz genau das Metaverse der Zukunft aussehen wird, ist noch nicht sicher. Aber schon die einzelnen Bausteine schaffen als Trends spannende Chancen und Challenges. Menschen investieren in ihre digitalen Identitäten und digitale Erlebnisse und Player wie Roblox oder das Blockchain-basierte Decentraland geben eine erste Idee, wie die Zukunft aussehen könnte.

Wenn technische Herausforderungen bewältigt werden, eine ausreichende Skalierung möglich wird und digitale Welten breite Zielgruppen erreichen, könnte das Metaverse zu einem Billionen-Markt werden, schätzen Analysten von CB Insights. Auch Meta (Facebook) rechnet damit, dass das Metaverse bis zum Ende des Jahrzehnts mehr als 3 Billionen Dollar zur Weltwirtschaft beisteuern wird. Andere Metaverse-Anhänger sind noch optimistischer und rechnen mit einer Größenordnung von bis zu 30 Billionen Dollar bis 2030.

Arbeitsplatz Metaverse

Ein erster Bereich, in dem das Metaverse in der Praxis ankommt, ist der Arbeitsplatz. Beschleuniger dieses Trends sind die Umwälzungen, die die Pandemie mit sich gebracht hat: Unternehmen sind flexibler geworden, was Ort und Zeit angeht, an denen Mitarbeiter:innen zu Zielen, Produkten und Services beitragen. Und das erweitert auch den Talente-Pool, aus dem geschöpft werden kann. Der Beratungs-Riese Accenture hat aus dieser Situation bereits während der Pandemie begonnen, Tausende neue Mitarbeiter:innen in einem eigenen Metaverse mit dem Unternehmen und ihren Aufgaben vertraut zu machen.

In dem Onboarding-Metaverse treffen neue Accenture-Mitarbeiter:innen auf auf Comic-Avatare ihrer Kolleg:innen und absolvieren an bestimmten Orten virtuelle Trainings – etwa zum Thema Cybersecurity. 60.000 Mitarbeiter:innen an Standorten weltweit wurden während der Pandemie mit virtuellen Headsets ausgestattet, um das volle Potenzial virtueller Welten ausschöpfen zu können. Es gibt virtuelle Zwillinge der Büros und den Trainingscampus One Accenture Park in dem Enterprise Metaverse Nth Floor. 2022 will Accenture 150.000 neue Mitarbeiter:innen über Nth Floor im Unternehmen willkommen heißen.

Es ist nicht nur das Onboarding und Trainings internationaler Teams, die durch eine gut gemachte virtuelle Welt leichter werden können. Ein Metaverse könnte auch einige der Hürden hybrider Arbeitsplätze bewältigen – etwa die Herausforderungen bei Meetings von Mitarbeiter:innen die im Büro sind mit Mitarbeiter:innen, die im Home Office oder remote arbeiten. Derzeit rittern vor allem zwei Big Player um diesen Bereich: Meta und Microsoft.

2 große Metaverse-Workspace-Anbieter

Meta ermöglicht Unternehmen mit Horizon Workrooms seit August 2021 virtuelle Meetings mit Oculus-Quest-2-VR-Headsets. Dort können Mitarbeiter:innen ihre Bildschirme gemeinsam nutzen, Notizen machen und ein virtuelles Whiteboard verwenden. Teammitglieder, die keinen Zugang zu einem Headset haben, können per Video an Besprechungen teilnehmen.

Microsoft hat seine Teams-Plattform ebenfalls um eine Metaverse-Komponente erweitert. Mesh ist ein Mixed-Reality-Feature, das virtuelle Meetings von Avataren ermöglicht. Ziel von Microsoft ist es, Künstliche Intelligenz zu nutzen, um Mundbewegungen, Mimik und Gestik auf die Avatare zu übertragen. In Zukunft sind auch Möglichkeiten geplant, Büroräumlichkeiten realistisch virtuell nachzubilden oder gänzlich neue zu schaffen. Auch Accenture setzt auf die Microsoft-Technologie.

Dort sollen dann nicht nur Trainings und Meetings stattfinden, auch Networking und Afterwork-Events für internationale Teams und Partner könnten künftig teilweise im Metaverse stattfinden. Gleichzeitig könnte diese realitätsnahe Technologie helfen, Bedenken von Führungskräften in Bezug auf Remote Work abzubauen – etwa hinsichtlich der Unternehmenskultur und spontaner Zusammenarbeit.

Realistischere Abbilder von Kolleg:innen

Es gibt aber auch Kritiker und nicht jede:r ist davon überzeugt, dass sich Mitarbeiter:innen in verspielten Welten, die derzeit noch stark an Games erinnern, wohlfühlen. Eine Lösung dafür könnten vielleicht Hologramme sein, die realistischer Abbilder von Menschen ermöglichen – einer der Anbieter ist Imverse.

Skeptiker sehen auch eine Herausforderung in der Interoperabilität zwischen verschiedenen Plattformen. Gerade Early Adopters, die sich für eine Plattform entscheiden, könnten riskieren, an einem anderen virtuellen Arbeitsplatz von vorne beginnen müssen, wenn die Plattform der Wahl ausfällt. Microsoft und Meta haben das erkannt und Ende 2021 eine Integration von Teams in Workplace von Meta angekündigt – eine Partnerschaft, die sich im Metaverse vielleicht fortsetzen könnte.

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GoStudent, USA, Ohswald, Müller,
(c) Felix Hohagen - Felix Ohswald und Gregor Müller.

GoStudent-Gründer Felix Ohswald machte vor Kurzem auf sich aufmerksam, als sein Unternehmen die Berlitz Deutschland GmbH übernahm – brutkasten berichtete. Damit setzte er einen weiteren Schritt in die Offline-Strategie des Wiener Unicorns. Nichtsdestotrotz macht er sich weiterhin Gedanken um die Zukunft der Bildung in Bezug auf Künstliche Intelligenz, wie er in seinem gestrigen Gastbeitrag darlegte.

Nun jedoch meldet sich Ohswald per LinkedIn-Post und ruft „smarte Gründer:innen“ dazu auf, sich bei der Initiative „GoStudent Builders“ zu bewerben.

75 zu 25

GoStudent sucht mit dem Programm Gründer:innen, die neue Geschäftsmodelle auf Basis der GoStudent-Infrastruktur aufbauen möchten. Laut Website stehen 14 vorab definierte Problemstellungen zur Auswahl, etwa Abitur und Mittlere Reife in Deutschland bzw. Matura in Österreich für externe Kandidat:innen, Ausschreibungen im öffentlichen Bildungsbereich, Ferienlager oder ein KI-Agent für Lead-Follow-up. Alternativ können Teams eigene Ideen einbringen, sofern diese Umsatz erzielen und auf dem Netzwerk von GoStudent laufen.

Die Teilnehmer:innen halten 75 Prozent an der von ihnen aufgebauten Gesellschaft, GoStudent erhält 25 Prozent. Ein Gehalt gibt es am Anfang nicht, das Einkommen speist sich aus dem Gewinn des Unternehmens und soll als Motivation dienen („build to earn fast“). „Wenn dein Vorhaben funktioniert, gehören dir 75 % des Unternehmens. Wenn es nicht funktioniert, sagen wir dir frühzeitig Bescheid“, schreibt Ohswald per LinkedIn-Post.

Mehrheits-Klausel

GoStudent erhält eine Gebühr auf jene Umsätze, die über seine Kund:innen, Standorte und sein Vertriebsteam laufen. Ab dem dritten Jahr kann das Unicorn laut eigenen Angaben die Mehrheit zu einem vorab vereinbarten EBITDA-Multiple übernehmen, bezahlt in GoStudent-Anteilen statt in bar.

Im Gegenzug stellt GoStudent nach eigenen Angaben Zugang zu mehr als 200.000 Kund:innen und mehr als 850 Standorten bereit, darunter Studienkreis, Lernquadrat und Berlitz. Dazu kommen Lizenzen wie die BAMF-Zulassung sowie Gesellschaften in fünf Ländern. Alle 90 Tage werden Ziele vereinbart, bei wiederholtem Verfehlen endet der Zugang zu Kund:innen und Standorten.

Bewerbungen per Mail

Gesucht werden KI-native Einzelpersonen und Teams mit bis zu drei Personen, bewerben kann man sich per E-Mail an die Co-Founder Felix Ohswald (CEO) und Gregor Müller (COO). Die erste Runde endet am 15. Dezember 2026, Entscheidungen sollen vor Weihnachten fallen, der Start ist für Jänner 2027 geplant.

„Wir haben mehr validierte Geschäftsmöglichkeiten als Menschen, die sie umsetzen können“, erklären Ohswald und sein Co-Founder Gregor Müller ihre Beweggründe für diesen Schritt. „Anstatt für jede einzelne Idee Mitarbeiter:innen einzustellen oder ein Unternehmen aufzukaufen, übertragen wir diese Möglichkeiten an Macher:innen, die etwas Eigenes aufbauen und besitzen wollen. Die meisten Startups scheitern an drei Dingen: daran, die ersten Kund:innen zu gewinnen, die notwendige Infrastruktur und die erforderlichen Lizenzen aufzubauen und Kapital zu beschaffen. Wir nehmen dir alle drei Hürden ab. Du startest mit unseren bestehenden Kund:innen, unseren Standorten, unseren Lizenzen und unseren Daten. Du musst keinen einzigen Cent an Investorengeldern aufbringen.“

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