09.06.2017

Chatbot von Elite-Uni soll Mental Health Probleme therapieren

Über 350 Millionen Menschen sollen weltweit an psychischen Problemen leiden. Kann eine Künstliche Intelligenz Menschen mit Angstzuständen therapieren? Und wenn dies möglich wäre, was passiert, wenn die Entwicklung eines solchen Bots in die falschen Hände gerät?
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Ein Chatbot von Experten der Stanford-Universität soll Mental Health Probleme therapieren können.

Chatbots kommen in vielen Bereichen bereits zum Einsatz. Vor allem als Marketingtool erfreuen sie sich wachsender Beliebtheit. Der Woebot, der diese Woche vorgestellt wurde, verfolgt einen komplett anderen Ansatz. Von Psychologen der US-amerikanischen Universität Stanford entwickelt, soll er Menschen mit mentalen Problemen, wie Angstzuständen oder Depressionen, bei der Heilung unterstützen.

In Kontakt mit dem Woebot tritt man, indem man ihn ganz einfach im Facebook Messenger anschreibt. Auf eine charmante Art und Weise wird man an die Funktionalität des Bots herangeführt. (Siehe Screenshot) Er operiert dabei mit einfachen Buttons, die einen im Erzählstrang weiterführen.

Ab dem ersten Kontakt, wird der Bot den User täglich nach seinem Gefühlszustand fragen, diesen analysieren und Muster erkennen lernen.

Was hilft mehr: Selbsthilfe-Buch oder Chatbot?

Rund ein Jahr sollen Psychologen und Experten an dem Bot gearbeitet und geforscht haben. Im Rahmen einer Studie, bei der 70 Studenten teilgenommen haben, soll die Wirksamkeit des Chatbots bestätigt worden sein. Die Teilnehmer wurden dafür in zwei Gruppen geteilt: Ein Teil der Studenten musste täglich mit dem Bot interagieren, während die andere Gruppe zu einem Selbsthilfe-E-Book gegriffen hat.

Jenen Studenten, die mit dem Woebot gearbeitet haben, soll es am Ende der Versuchszeit besser gegangen sein. Der Bot selbst weist kurz nach dem Start darauf hin, dass „Versuchspersonen bereits nach zwei Wochen“ geholfen worden sei. Trotzdem soll er den Gang zum „echten“ Therapeuten nicht ersetzen.

Kein Wort übers Kindheitstrauma

„Der Woebot ist ein Roboter, dem du alles erzählen kannst. Er ist keine Künstliche Intelligenz, die dir wie durch ein Wunder Sachen erzählen wird, die dir nicht einmal bewusst waren“, erklärt Woebot-CEO Alison Darcy im Rahmen eines Interviews dem Wired Magazin. Der Bot möchte also einen nicht dazu bringen, das tiefliegende Kindheitstrauma niederzuschreiben, sondern Schritt für Schritt die generelle Gemütsstimmung anheben. 

Laut WHO leiden mindestens 350 Millionen Menschen an psychischen Problemen und mindestens die Hälfte aller schweren Depressionen wird nicht behandelt. Kann ein Chatbot hier tatsächlich helfen oder zumindest Mauern brechen?

Was wäre allerdings, wenn..

Sollte der Woebot und andere Lösungen tatsächlich zum mentalen „Herlferlein“ des Menschen werden und Besserung bieten, muss auch die andere Seite der Medaille beleuchtet werden. Denn im Umkehrschluss könnte ein negativ programmierter Bot viel Unheil anrichten. Für Menschen, die bereits mit mentalen Problemen kämpfen und täglich mit negativen Nachrichten überhäuft werden, könnten ein solcher Missbrauch eine große Gefahr darstellen.

Österreichisches Startup mit Mental Health Lösung

„Das ist nicht nur möglich, das passiert auch jetzt schon“, meint Christoph Schnedlitz von HiMoment. „Erst vor kurzem wurde Instagram als soziales Netzwerk mit der größten Gefahr für Mental Health evaluiert.“ Ein soziales Netzwerk, das viele Menschen täglich benutzen. Als Prävention vor mentalen Problemen soll wiederum HiMoment dienen. 

Therapie durch positivie Erinnerungen

Das Startup aus Österreich trainiert seine Nutzer glücklicher zu werden. Positive Momente, an die man sich gerne erinnert, werden in der HiMoment App dokumentiert. Schlechte Momente sollen mit guten Erinnerungen quasi ausgetauscht werden. Trotzdem: „Happiness is an inside job“, meint Schnedlitz. „Depressionen können nicht digital geheilt werden, nur verhindert. Unser Hirn lernt durch Wiederholung. Um glücklich zu sein, muss man sich auf die guten Dinge konzentrieren. Da sind sich die Studien einig.“ 

Ob auch HiMoment an einem Chatbot arbeitet? „Wir arbeiten momentan an keinem Chatbot. Unser „HiMo“ wird in unserer App sein. Wir wollen schon einmal einen Chatbot machen. Allerdings sehen wir das eher als Growth-Kanal, nicht als eigenes Produkt.“ Übrigens: HiMoment ist kostenlos, der Woebot nur die ersten zwei Wochen, danach muss man ein Abo abschließen.

Quellen: Wired, WHO, HiMoment im iTunes und Google Play-Store

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(c) Ruiz Cruz
(c) Ruiz Cruz

Zwei Tage lang haben die Entrepreneurship-Verantwortlichen der österreichischen Hochschulen am 13. und 14. Oktober an der Universität Wien und der WU Wien darüber beraten, wie Ausgründungen aus der Wissenschaft leichter gelingen können. Das Entrepreneurship Center Network (ECN), das inzwischen 36 Universitäten, Fachhochschulen und Forschungseinrichtungen verbindet, hat rund um seine sechste Konferenz auch neue Zahlen veröffentlicht: 2025 wurden 530 studentische Startups und akademische Spinoffs an den Partnerhochschulen betreut, ein Jahr davor waren es 457.

Strategiearbeit im Fokus

Auch die Konferenz selbst ist gewachsen. „Als wir 2021 die erste ECN-Konferenz hier in Wien organisiert haben, hatten wir so 25 bis 30 Teilnehmer, und heuer waren über 80 Teilnehmende dabei”, sagt Rudolf Dömötör, Direktor des WU Entrepreneurship Center und Gründer des Netzwerks, im brutkasten-Talk. Statt Keynotes und Workshops gab es heuer Strategiearbeit: In Kleingruppen wurden zuerst die größten Probleme bei Ausgründungen gesammelt, dann ein Wunschzustand formuliert und daraus Maßnahmen abgeleitet.

(c) Ruiz Cruz

Mehr Role Models?

Diskutiert wurde dabei auch, wen das Thema überhaupt erreicht. Sara Matt, Leiterin der Transferstelle Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft der Universität Innsbruck, sieht die bisherigen Role Models fast ausschließlich im MINT-Bereich. „Ganz viele helle Köpfe kommen nicht aus der Technik, sondern aus den Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften. Die muss man auch abholen.“ Und nicht jede Person mit unternehmerischen Fähigkeiten müsse ein eigenes Unternehmen gründen: „Die könnten zum Beispiel Betriebsnachfolgen übernehmen oder in bestehenden Unternehmen Innovation vorantreiben.”

Im Rahmen der Konferenz wurde – in Anwesenheit von Sektionschef Elmar Pichl aus dem BMFWF – auch der neue Ausgründungsrahmen für diese sog. SHAPE-Disziplinen vorgestellt. SHAPE steht für Social Sciences, Humanities and the Arts for People and the Economy, also für Sozial-, Geistes- und Kulturwissenschaften sowie die Künste. Dieser Rahmen ergänzt den 2024 erarbeiteten Ausgründungsrahmen für den technischen und naturwissenschaftlichen Bereich.

Die Frage des Budgets?

Die Ergebnisse der Konferenz treffen auf einen schwierigen Moment. Wie sich das Universitätsbudget in den nächsten Jahren entwickelt, ist offen, mehr Geld wird es nach Einschätzung von Dömötör wohl nicht geben. Die Frage sei, wo gespart werde: bei etablierten Bereichen oder im Transfer, „der noch nicht so etabliert ist und auch keine starke Lobby in Budgetdiskussionen hat”. Das Budget sei deshalb ein Leitmotiv der Konferenz gewesen: „Was können wir tun, um dieses weiterhin zwar größer werdende, aber immer noch zarte Pflänzlein, das in den letzten fünf bis zehn Jahren entstanden ist, zu schützen?”

(c) Ruiz Cruz

Matt beobachtet die Folgen bereits. An einigen Universitäten sei das Personal im Transferbereich zurückgefahren worden. „Das finde ich einen falschen Ansatz, weil gerade jetzt müssen wir darauf achten, Innovation voranzutreiben.” Dass überall gespart werden müsse, sehe sie ein, „aber für die langfristige Sicht eines Wirtschaftsstandortes ist es nicht die richtige Entscheidung, an der Innovation zu sparen”.

Konkret bedauert Matt, dass es im Herbst keine Fellowship-Ausschreibung gab. Eine Handvoll Forscher:innen an ihrer Universität hätte gerne eingereicht. Wenn man in dieser Situation doch die akademische Karriere wähle, sei das nachvollziehbar, weil man es sich auf dem Weg dorthin kaum leisten könne, ein paar Jahre für einen unternehmerischen Versuch liegen zu lassen. Eine bei der Konferenz diskutierte Maßnahme sei deshalb ein Forschungsfreisemester, „damit diese Entscheidung nicht so früh fallen muss: Unternehmertum oder Forscherkarriere”.

Gründen soll in der akademischen Laufbahn zählen

Genau an diesem Punkt setzt der Maßnahmenplan an, den das ECN aus der Konferenz ableitet und Ende des Jahres veröffentlichen will. Gründen soll ein gleichwertiger Karriereweg werden, der auch in der akademischen Laufbahn anerkannt wird. „Kulturwandel bedarf auch der entsprechenden Incentives”, sagt Dömötör. „Wie wird es von meiner Uni gewürdigt, wenn ich gründe? Werde ich nur für die traditionellen Kernaufgaben einer Universität belohnt, Forschung und Lehre, oder wird auch die Third Mission stärker berücksichtigt?” In den letzten Jahren habe es eine positive Entwicklung gegeben, „aber da ist immer noch Luft”.

Der zweite Kernpunkt richtet sich an den Gesetzgeber: Das ECN fordert einen klaren Rechtsrahmen für Ausgründungen im Universitätsgesetz (UG) und im Fachhochschulgesetz (FHG). Dazu kommen österreichweite Standards für IP und Beteiligungen sowie Entrepreneurship Education für alle Studierenden. Die Details sollen im Plan Ende des Jahres folgen.

Verbündete in der Politik?

Unterstützung erhofft sich das ECN aus der Politik. Elisabeth Zehetner, Staatssekretärin für Energie, Startups und Tourismus im Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus, stellte sich bei einem Kamingespräch den Fragen der Community. Für Dömötör „ein sehr wertschätzendes Signal”. Man nehme aus dem Gespräch mit, „in ihr eine Verbündete zu haben”. Für die Änderungen an UG und FHG, die das ECN anstrebt, ist allerdings nicht ihr Ressort zuständig, sondern das Bundesministerium für Frauen, Wissenschaft und Forschung.

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