15.03.2017

meisterlabs: 7 Millionen User und ein ambitionierter Hiring-Plan

Die Wiener Firma Meisterlabs, die mit ihrem Online-Mindmapping-Tool mindmeister weltweit groß geworden ist, hat die sieben Millionen User-Marke geknackt. Dieses Jahr soll das Team am Wiener Standort mehr als verdoppelt werden.
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(c) meisterlabs: Die beiden Founder Michael Hollauf (l) und Till Vollmer (r)

2006 gegründet konnte sich die Software-Firma meisterlabs mit Sitz in Wien und München in den vergangenen Jahren einen beachtlichen Kundenstock aufbauen. Mit dem ersten Produkt, dem Mindmapping-Tool mindmeister, hat man es inzwischen auf etwa sechs Millionen User gebracht. Eine weitere Million Kunden hat man mit dem vor eineinhalb Jahren gelaunchten Task-Managing-Tool meistertask gewonnen. Beide Tools stehen als Browser-Version und als App zur Verfügung. Allein vergangenes Jahr kamen insgesamt rund eine Million User dazu, nachdem sich die Firma von einem verhängnisvollen Rückschlag 2014 erhohlt hatte.

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Drittel der User in den USA

Der österreichische Markt war dabei, trotz Sitz der operativen Abteilung in Wien, zu keiner Zeit allzu interessant für die Gründer Michael Hollauf und Till Vollmer. „Österreich ist global gesehen ein sehr kleiner Markt. Wir haben uns von Anfang an international orientiert“, erzählt Hollauf. Tatsächlich kommt etwa ein Drittel der User aus den USA und ein weiteres aus ganz Europa, wobei hier Deutschland und das Vereinigte Königreich überwiegen. Das dritte Drittel teile sich vorwiegend auf Südamerika, Russland und Japan auf. Das „Meister“ im Namen sei eine bewusste Referenz auf die Herkunft der Firma und werde international gut angenommen, erzählt Hollauf. Im englischsprachigen Raum kenne man das Wort ohnehin.

Standort Wien: ca. 25 neue Mitarbeiter für 2017 geplant

Dass das Unternehmen nun erstmals doch in Österreich PR betreibt, hat einen anderen Grund: Man will bei meisterlabs attraktiver für hiesige Fachkräfte werden. Denn es ist geplant, das Team am Wiener Standort dieses Jahr stark zu erweitern. „Wir wollen uns in den kommenden Monaten mehr als verdoppeln. Das heißt, wir werden hier etwa 25 neue Mitarbeiter einstellen“, sagt Hollauf. Gerade erst hat die Firma zusätzlich zu den Standorten in Wien und München ein Büro in San Francisco eröffnet, das auch schon bald von einem Mitarbeiter auf zwei, und später noch weiter wachsen soll.

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Electronic Arts, SAP, Oracle, Philips und CNN als Kunden

(c) meisterlabs: Mindmaps mit mindmeister

Meisterlabs arbeitet mit seinen Tools mit einem Freemium-Modell. Im Moment stehe man bei etwa 40.000 zahlenden Kunden, unter denen aber einige größere Teams seien, erzählt Hollauf. Damit käme man auf rund 150.000 zahlende User. Gerade die Konversion von Free- zu Premium-Usern sei im vergangenen Jahr stark nach oben gegangen. Inzwischen zählt meisterlabs mehrere namhafte Konzerne zu seinen Kunden. So nutzen etwa Electronic Arts, SAP, Oracle, Philips und CNN die Tools des Unternehmens. Auch an international rennomierten Universitäten ist vor allem das Mindmapping-Tool mindmeister beliebt.

„Hatten bislang kein Vertriebsteam“

Die Konzerne und Unis seien ganz von alleine gekommen und deren Mitarbeiter hätten sich mit der Standard-Prozedur online registriert, erzählt Hollauf: „Wir hatten bislang im Unternehmen nie ein Vertriebs-Team. Wir bauen gerade erst eine Mannschaft auf. Als wir gesehen haben, dass sich immer mehr Mitarbeiter bestimmter Konzerne registrieren, haben wir dann schon nachtelefoniert und den Unternehmen spezielle Deals angeboten.“ Mit der Erweiterung des Teams soll nun auch die Kundenakquise gezielter betrieben werden.

Erholung nach ungerechtfertigter Google-Rückstufung

2014 hatte meisterlabs einen großen Rückschlag erlebt. Google hatte fälschlicherweise in den Unternehmensrichtlinien untersagte Methoden vermutet und die Firma in den Suchergebnissen von Platz drei auf Seite drei zurückgestuft. Meisterlabs hatte nämlich ermöglicht, die mindmeister-Mindmaps auf Websites einzubetten. Die Daten blieben dabei auf dem meisterlabs-Server, wodurch jede Mindmap einen Backlink zur Seite der Wiener Firma hatte. Ein Google-Bot vermutete automatisch generierte Links, was zu der Rückstufung führte. „Es hat insgesamt ein halbes Jahr gedauert, bis endgültig geklärt war, dass diese Links tatsächlich von menschlichen Usern gesetzt wurden und Google ihre penalty wieder aufhob“, erzählt Hollauf. Wirklich von dem Rückschlag erholt hätte man sich erst vergangenes Jahr.

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Elisabeth Zehetner (Staatssekretärin für Energie, Startups und Tourismus) | Foto: Martin Pacher / brutkasten

Dass sich die aktuell noch laufenden Verhandlungen zur EU Inc. auf Ratsebene nicht so entwickeln, wie es sich die Initiator:innen der gleichnamigen Initiative wünschen würden, ist allgemein bekannt. Übte man nach der Veröffentlichung des Kommissionsentwurfs im März noch deutliche Kritik an diesem, würde man ihn inzwischen wohl gerne so annehmen. Denn der aktuell noch in Ausarbeitung befindliche Vorschlag des Rats der EU-Justizminister:innen dürfte letztlich, wenn man mit den Verhandlungen vertrauten Personen Glauben schenken darf, kaum noch etwas mit dem ursprünglichen Vorschlag der Initiative zu tun haben. Die absoluten Kern-Forderungen seien darin de facto zur Gänze gestrichen, was überbleibe sei „nicht mehr als ein Label und vielleicht etwas schnellere Gründung“, hört man.

Österreich als EU-Inc.-Antagonist

Das offizielle Österreich spielt dabei dem Vernehmen nach eher die Rolle des Antagonisten. Das SPÖ-geführte Justizministerium zähle in den Verhandlungen zu den Verhinderern. Rot-weiß-roter Gegenwind zur EU Inc. komme aber auch von anderer Seite, nicht nur, wie allgemein bekannt, von Notariatskammer und Arbeiterkammer, sondern auch von einflussreichen Personen in der Wirtschaftskammer.

Zehetner: deutliche Positionierung pro EU Inc.

In dieser durchaus komplexen Gemengelage von Interessen aus ganz unterschiedlicher Richtung, mag es fast verwundern, dass sich Startup-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner nun öffentlich durchaus deutlich positionierte. „Ich bin unzufrieden damit, wohin sich die Diskussion zur EU Inc. momentan entwickelt – sowohl auf EU- als auch auf nationaler Ebene“, sagte sie heute bei einer Keynote im Rahmen des Verbund Venture Day 2026 an der WU Wien. Auf diese Weise werde die EU Inc. nicht zur Alternative zur amerikanischen Delaware Inc., die auch sie sich wünsche.

Mitarbeiter:innenbeteiligung via FlexCo „noch nicht attraktiv genug“

Auch sonst gab sich Zehetner in ihrer Rede, die sich auf europäische Souveränität im Startup-Bereich fokussierte, kritisch. Die FlexCo etwa bezeichnete sie in Sachen Mitarbeiter:innen-Beteiligung als „ersten Schritt“, aber „noch nicht attraktiv genug“. Es brauche neue Steuerregeln, die Mitarbeiter:innenbeteiligung praktikabel machen. Auch ihre bereits einmal dezidiert geäußerte Forderung nach Steuererleichterungen bei Startup-Beteiligungen – vulgo Beteiligungsfreibetrag – wiederholte sie bei der Gelegenheit. Auf europäischer Ebene sieht sie Handlungsbedarf u.a. in Sachen Kapitalmarktunion. Lob gab es von Zehetner dafür für den European Scaleup Funds – ergänzt mit Eigenlob für den geplanten österreichischen Dachfonds.

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