16.02.2016

5 Tipps, wie man die Meinung anderer ändert

Andere Menschen von seiner eigenen Meinung zu überzeugen, ist oft gar nicht so einfach. Wissenschaftler der Cornell University haben Online-Debatten analysiert und jene Faktoren identifiziert, die dabei helfen können.
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Was in der Studie nicht analysiert werden konnte: Mimik und Gestik sind ein wesentlicher Faktor für ein überzeugendes Auftreten.

Als Startup-Gründer muss man oft überzeugend sein. Die Meinung anderer zu beeinflussen, ist aber gar nicht so einfach. Die gute Nachricht: ein Nein muss kein Nein bleiben. Und: Forscher haben sich damit beschäftigt, welche Faktoren dazu beitragen, dass Menschen ihre Meinung ändern. Mit anderen Worten: Es gibt eine wissenschaftlich belegte Anleitung, wie man aus einem Nein ein Ja machen kann.

Meinungs-Forum „ChangeMyView“ analysiert

Wissenschaftler von der Cornell University haben dazu das Online-Forum ChangeMyView, das ein Teil von reddit ist, untersucht. Dort posten Nutzer ihren Standpunkt und andere Nutzer argumentieren dagegen. Gelingt es einem User, die Meinung des Erst-Posters zu ändern, erhält er ein Delta-Symbol dafür. Anders als in oft emotional aufgeladenen Diskussionen auf Facebook, wird auf ChangeMyView in der Regel sachlich und ausführlich argumentiert.

+++ Auch interessant: 4 Tipps für ein überzeugendes Auftreten +++

Die Wissenschaftler haben erkannt, dass in dem Forum bestimmte formale Faktoren Einfluss auf die Meinungsänderung haben. Zum Beispiel hat man eher eine Chance, die Meinung des Posters zu ändern, wenn man zu den ersten Antwort-Schreibern gehört. Während solche Faktoren im Gründer-Alltag wenig hilfreich sind, hat die Studie aber auch ein paar tatsächlich praxistaugliche Tipps für Diskussionen auf Lager.

5 Tipps, wie man die Meinung anderer ändert:

  • Tipp 1: Das Für und Wider sollte höchstens 4 Mal Hin und Her gehen. Die Wissenschaftler haben herausgefunden, dass es sehr hilfreich ist, wenn der Schlagabtausch in einer Diskussion etwa drei bis viermal erfolgt. Muss man ein fünftes Mal die Argumente seines Gegenübers entkräftigen sinkt die Chance, seine Meinung zu ändern allerdings rasant ab. In ChangeMyView ist es in diesem Fall sogar niemandem mehr gelungen, die Meinung des ersten Posters zu ändern.
  • Tipp 2: Neue Aspekte einzubringen, steigert die Chance auf eine Meinungsänderung. Die Wissenschaftler haben die Postings auf ChangeMyView auch sprachlich analysiert und sind zu dem Schluss gekommen, dass Antworten mit möglichst vielen anderen Wörtern als das Erst-Posting erfolgreicher waren. Auch die Länge der Beiträge war ein Erfolgsfaktor.
  • Tipp 3: Ruhig bleiben. Es sollte eigentlich klar sein, die Cornell-Studie untermauert es zusätzlich: wer ruhig und in der Wortwahl gemäßigt argumentiert, hat bessere Chancen sein Gegenüber zu überzeugen.
  • Tipp 4: Konkrete Beispiele anführen. In der Studie ist sehr deutlich geworden, dass Argumente mit konkreten Beispielen wesentlich überzeugender sind. Argumentiert man schriftlich, helfen Links zur Untermauerung.
  • Tipp 5: Konjunktiv verwenden. Der Konjunktiv schwächt die eigenen Argumente sprachlich etwas ab und hilft dem Gegenüber dabei, die Meinungsänderung leichter akzeptieren zu können. Sind die Positionen besonders gegensätzlich kann es also helfen Phasen wie „es könnte der Fall sein, …“ einzubauen.

Zur Studie der Cornell University

 

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V.l.n.r.: Peter Llewellyn-Davies (Präsident BIOTECH AUSTRIA), Lejla Pock (CEO Human.technology Styria), Marcus Hofer (CEO Standortagentur Tirol) © BIOTECH AUSTRIA

Rund 250 Teilnehmer:innen aus zwölf Ländern, zwei Tage in Innsbruck, ein Motto: „Start up, Scale up, Step up!“ Mit vielen neuen Kontakten und einem guten Gefühl bin ich nach Hause gefahren und mit einer offenen Frage: Die österreichische Biotech-Branche ist so gut vernetzt wie nie, aber woher kommt  künftig das Geld, damit aus exzellenter Forschung Unternehmen werden, die in Europa groß werden?

Am Wissen fehlt es nicht. Ob Europa in der Biotechnologie mitspielt, entscheidet sich an der Finanzierung der Wachstumsphase.

Europa zwischen den USA, Golfstaaten und China

Der Schwerpunkt des Summits lag auf dem Scaleup, also auf dem Schritt vom Startup zum international wachsenden Unternehmen.

Ein Bild für die Zukunft der Pharmatrends zeichnete Claudio Albrecht, ehemaliger CEO der Stada AG. Er sprach darüber, wie Geopolitik, neue Technologien und sich wandelnde Gesundheitssysteme die Pharmaindustrie bis 2035 prägen könnten. Besonders hervorgehoben hat er dabei die Transformation Chinas von einer Service-Industrie zu einem Innovationsmotor sowie die Dynamik in den Golfstaaten. Europa widmete er keine eigene Folie in seiner Präsentation, was vom Publikum hinterfragt wurde. Es wirft die Frage auf, welchen Stellenwert Europa künftig im globalen Wettbewerb überhaupt noch spielen wird.

(c) Hofelich – Claudio Albrecht gab einen Ausblick in die Zukunft.

 Ein Champion, der nicht auswandern muss

Den Gegenentwurf lieferte Karl Nehammer, Vizepräsident der Europäischen Investitionsbank (EIB) und ehemaliger Bundeskanzler. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir vor allem ein Satz: „The next champion should not need to leave Europe in order to become a global champion.“ 

(c) Hofelich – Karl Nehammer, Vizepräsident der Europäischen Investitionsbank (EIB).

Das Ziel ist ambitioniert und gerade in der Biotechnologie bislang schwer erreichbar. Entwicklungszyklen dauern hier i. d. R. mehr als ein Jahrzehnt. 

Der Startup- & Scaleup-Dachfonds: eine gute Nachricht mit Fragezeichen

Für die Branche besonders interessant war die Diskussion über den geplanten österreichischen Dachfonds. Stefan Haubner, Founding Partner bei APEX Ventures, widmete sich der Frage, ob Europa ein eigenes Modell für Venture Capital braucht. Dabei ging es auch um den österreichischen Fund-of-Funds. 

Der Dachfonds soll Anfang 2027 starten. Der Staat steuert 100 Mio. Euro bei, institutionelle Investoren sollen weitere 400 Mio. Euro bringen. Das ist ein wichtiges Signal. Weil es ein Dachfonds ist, investiert er aber nicht direkt in Unternehmen, sondern in andere Fonds.

Wie viel von diesem Geld tatsächlich bei Biotech-Unternehmen ankommt, ist derzeit offen.

Life Sciences brauchen Investoren mit Fachwissen und langem Atem. Davon gibt es in Österreich nur wenige. Wenn der Dachfonds vor allem in Generalisten-Fonds fließt, könnte die Biotechnologie leer ausgehen.

Tirol zeigt, wie Standortarbeit aussieht

Auch organisatorisch war der Summit ein Vorzeigeprojekt. Veranstaltet wurde der Summit von BIOTECH AUSTRIA, Human.technology Styria und der Standortagentur Tirol. Vor Ort vertreten waren Peter Llewellyn-Davies, Präsident von BIOTECH AUSTRIA, Marcus Hofer, CEO der Standortagentur Tirol, und Lejla Pock, CEO von Human.technology Styria. Äußerst charmant moderiert hat Damita Pressl.

Die Villa Blanka hoch über Innsbruck bot eine außergewöhnliche Kulisse; ebenso das Gala-Dinner am Abend in der Rooftop-Bar des Hotels aDLERs. Begeistert zeigten sich auch die Teilnehmer:innen, die am Vortag im Rahmenprogramm die Skisprungschanze Bergisel besichtigt hatten. Ich selbst habe mir am Dienstagmorgen den Health Hub Tirol angesehen. Das Technologiezentrum ist seit knapp einem Jahr in Betrieb und bietet noch freie Flächen. Das ist die Art Standortpolitik, die wirkt: Infrastruktur, Netzwerk und ein Treffpunkt, an dem Forschung, Investor:innen und Politik tatsächlich ins Gespräch kommen.

Was es jetzt braucht

Der Summit hat gezeigt, dass die Branche sich der Herausforderungen bewusst ist und weiß, was zu tun ist.

Der nächste Champion muss nicht auswandern. Aber dafür muss das Kapital vor Ort stärker mobilisiert werden. 

Der fünfte Biotech Summit Austria findet am 21. und 22. Oktober 2027 in Graz statt. Bis dahin wissen wir mehr darüber, ob der Dachfonds auch der Biotechnologie hilft.


Disclaimer: Karin Hofelich ist Life Science Lead beim brutkasten-Schwestermagazin VentureCapital. Das VC Magazin war Medienpartner des Summits.

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