12.05.2025
NACHHALTIGKEIT

Mehrweggeschirr von Wiener Startup And-less „rechnet sich nach wenigen Monaten“

Mit dem Mehrweggeschirr vom Wiener Startup And-less kann Einiges an Müll gespart werden. Das Team aus Produktdesigner:innen entwirft Mehrweggeschirr für verschiedene Firmen – und passt sich jeweils an die individuellen Bedürfnisse an.
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Victoria Berger ist CEO & Founderin von And-less (c) and-less GmbH
Victoria Berger ist CEO & Founderin von And-less (c) and-less GmbH

Pro Jahr fallen rund 330.000 Tonnen Müll an Take-Away-Verpackungen an. Ein Szenegastronom, der circa 2.000 Speisen pro Tag verpackt, spare mit dem Mehrweggeschirr von And-less rund 55 Tonnen CO2 pro Jahr ein, rechnet Victoria Berger, Gründerin von And-less vor.

Die Gastronomie sei auch das Kerngeschäft, erzählt Berger. Die Resonanzen waren aber durchaus unterschiedlich: Einige Gastronom:innen seien gleich sehr interessiert – bei anderen habe es etwas mehr Überzeugungsarbeit gebraucht. Viele Gastronom:innen wissen aber auch: Es wird bald eine neue EU-Regelung geben, die genau das einfordert. Bis 2027 müssen in Österreich alle Take-Away-Verpackungen Mehrweg sein.

Rentabel für Kund:innen

Für seine Kund:innen hat sich das Team von And-less ein praktisches Modell einfallen lassen, das erst seit Kurzem angeboten und sehr gut angenommen wird: „Wir haben ein Abomodell. Wir verkaufen unsere Verpackungen nicht, wir verleihen sie gegen einen fixen Betrag im Monat.

Das kommt für die Kund:innen günstiger und es ist ein sehr attraktives Modell, weil man an nichts gebunden ist“, so Berger. Ein passendes Modell zu finden, stellte sich allerdings als schwierig heraus: Denn die Herausforderung war, einen Preis festzulegen, der mit dem Preis eines Einweggeschirrs konkurrieren kann – was defacto unmöglich ist. Vor allem, wenn das Geschirr – wie im Fall von And-less – in Österreich und Deutschland produziert wird.

Victoria Berger rechnet erneut vor: „Wenn du aber das Geschirr verleihst, dann zahlt es sich schon nach wenigen Monaten aus. Sagen wir, ein Einweggeschirr kostet 40 Cent. Dann bezahlst du als Gastronom:in 40 Cent und siehst das Geschirr dann nie wieder, weil du’s wegschmeißen musst. Zahlst du 40 Cent für das Mehrweggeschirr und verwendest es dann, sagen wir, drei mal wieder, zahlst du pro Benutzung nur noch ein Drittel. Und so rechnet sich das mit unserem Abomodell bereits nach wenigen Monaten“. Dazugesagt werden muss auch, dass die Mehrwegschalen bis zu 500 Mal wiederverwendet werden können. Zudem sei der PBT-Kunststoff, aus dem die Gefäße sind, sowohl hitze- als auch kältebeständig und natürlich mikrowellenfest, so Berger.

In der Anfangsphase hatte And-less kein Abomodell, sondern ein Usesystem, erklärt Berger: „Da ging es sehr stark um die Nutzung, damit wir auch nachmessen konnten, wie oft das letztendlich wiederverwendet wird“. Man habe aber an der Kund:innenzufriedenheit sehr stark gemerkt, dass das nicht das Richtige gewesen sei. Einerseits habe man hier den gleichen Preis wie für Einweg bezahlt – also habe sich das nicht gerechnet. Und andererseits gibt es beim Abomodell auch eine Garantie auf die Produkte: Das heißt, wenn ein Gefäß beispielsweise kaputt geht, bekomme man automatisch ein Neues.

Geplante Expansion über Österreich hinaus

Das Startup hat bereits mehrere Förderungen erhalten – darunter auch zuletzt die AWS Innovative Solutions – jetzt kommt die Überlegung ins Spiel, einen Investor an Bord zu holen. Im Juli soll ein neues Produkt gelauncht werden – da kommt ein Kapitalbedarf von rund 100.000 Euro auf And-less zu. Aber Victoria Berger ist nicht zwingend an Kapitalinvestment interessiert. „Kapitalmäßig sind wir eigentlich recht stabil, aber wir sind immer interessiert an strategischen Investoren – insbesondere aus der Lebensmittelbranche“, so Berger. „Wir wollen einen Investor, der mit uns wachsen möchte. Es geht darum, wie wir in Österreich und auch über Österreich hinaus wachsen und uns am Markt etablieren können“. Das sei der jungen Gründerin im Moment wichtiger als Kapitelinvestments: Denn durch strategische Investor:innen würden auch Kund:innen und damit auch das Kapital kommen, so Berger.

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Nina Smidt, geschäftsführende Vorständin der Siemens Stiftung, bei den Impact Days 2026 im Wiener Rathaus | (c) brutkasten

Wenn über Social Entrepreneurship gesprochen wird, geht es oft um Europa und darum, was der Kontinent in den Globalen Süden tragen kann. Nina Smidt dreht die Perspektive um. Die geschäftsführende Vorständin und Sprecherin des Vorstands der Siemens Stiftung leitet die gemeinnützige Stiftung seit 2020 und plädiert für Co-Konstruktion auf Augenhöhe: Was kann Europa umgekehrt von Sozialunternehmen in Subsahara-Afrika oder Lateinamerika lernen?

Die 2008 von der Siemens AG gegründete Stiftung arbeitet operativ und international und entwickelt Programme gemeinsam mit lokalen Partner:innen. 2019 hat sie mit WeTu in Kenia ein eigenes Sozialunternehmen gegründet, das am Viktoriasee an inzwischen 16 solarbetriebenen Hubs sauberes Trinkwasser, Solarenergie und E-Mobilität anbietet.

brutkasten hat Smidt im Rahmen der ViennaUP bei den Impact Days 2026 im Wiener Rathaus getroffen. Im Gespräch geht es um Wirkungsmessung, die Rolle von KI für Sozialunternehmen und darum, was österreichische Gründer:innen im Impact-Bereich von Initiativen aus dem Globalen Süden mitnehmen können.


brutkasten: Frau Smidt, die Siemens Stiftung ist seit 2008 aktiv, Sie führen sie seit 2020. Warum gibt es diese Stiftung – und worin unterscheidet sie sich von anderen großen Stiftungen?

Die Siemens Stiftung wurde 2008 von der Siemens AG als gemeinnützige Stiftung gegründet. Von Beginn an war sie international und operativ ausgerichtet. Als Stiftung arbeiten wir heute in Deutschland, in Afrika, Lateinamerika und seit knapp drei Jahren auch in Indien. Und wir sind eine operative Stiftung. Wir vergeben also nicht nur Mittel, sondern entwickeln Programme gemeinsam mit lokalen Partnern, evaluieren sie und passen sie an. Diese Co-Konstruktion ist für uns zentral.

Sie arbeiten in den Handlungsfeldern Grundversorgung, Digitalität und Klima. Wo kommt Social Entrepreneurship ins Spiel?

Wir fokussieren auf drei Handlungsfelder – Digitalität, Grundversorgung und Klima und setzen unser Portfolio mit den Kompetenzzentren Bildung, Sozialunternehmertum und Kultur um. Im sozialunternehmerischen Bereich konzentrieren wir uns auf Subsahara-Afrika, konkret auf Kenia, Uganda, Tansania, Ghana und Nigeria. In der Bildung sind wir vor allem in Lateinamerika, Deutschland und Indien aktiv.

Wie definieren Sie ein Sozialunternehmen? In Österreich entsteht gerade ein eigenes Label, der Diskurs ist in Bewegung.

Für uns steht der Mehrwert für die lokale Community im Vordergrund: Zugang zu sauberem Trinkwasser, Hygieneprodukten, Mobilitätslösungen. Diese Unternehmen sind profitorientiert – das ist Teil unternehmerischer Verantwortung – aber mit klarem Fokus auf Social Impact. Wir setzen ganz bewusst nicht bei der Ideation an, da gibt es schon viel. Und wir gehen auch nicht in die große Skalierung, dafür sind eher Entwicklungsbanken sowie Impact und Angel Investoren da. Wir sind in dem, was wir oft Missing Middle nennen: Unternehmen, die schon Umsatz generieren, aber noch nicht aus eigener Kraft finanziell unabhängig existieren können. Wir fördern philanthropisch, also über Grants.

Sie haben 2019 mit WeTu in Kenia ein eigenes Sozialunternehmen gegründet – wie läuft das?

WeTu heißt auf Swahili „unseres“. Wir betreiben am Lake Victoria inzwischen 16 Solar and Hubs, direkt in den Fischer-Communities. Wir stellen sauberes Trinkwasser bereit, betreiben solarbasierte Ice Rooms (sog. WeIce solar driven cold room model), vermieten Solarlaternen und stellen elektrische Lastenfahrräder, die den Fang vom See zu den Märkten transportieren. Mittlerweile arbeiten dort fast 200 Menschen lokal. Zwei der drei Geschäftsfelder tragen sich finanziell, nur der Wasserbereich muss noch subventioniert werden. Damit haben wir uns auch selbst bewiesen: Der sozialunternehmerische Ansatz funktioniert. Wir reden nicht nur darüber, wir machen es.

Impact-Messung ist ein Dauerthema. Wie weisen Sie tatsächlich Wirkung nach?

Wir haben vor zwei Jahren ein neues MEAL-System aufgesetzt: Monitoring, Evaluation, Administration und Learning. Jedes Projekt im aktuellen Drei-Jahres-Zyklus wird darauf unterlegt. Wichtig ist die Kombination: Quantitative Zahlen – wie viele Lernende, wie viele Sozialunternehmen unterstützt – haben begrenzte Aussagekraft. Bei Bildung und Social Entrepreneurship greift die Veränderung systemisch und braucht Zeit, oft Jahre. Deshalb arbeiten wir auch mit Vergleichsstudien. Die Kernfrage ist immer: Was hat sich für die Zielgruppe tatsächlich zum Besseren verändert?

Sie diskutieren beim Deutschen Stiftungstag öffentlich über KI. Was bedeutet das für Sozialunternehmen?

Zwei Anwendungen sehe ich konkret. Erstens im Bildungsbereich im Bereich der Anwendung von KI-Tools für kontextegebundenes Lernen und Lehren. Zweitens im Bereich Fundraising: KI kann helfen, gezielter im Konsortium mit anderen Stiftungen und Partnern lokale Initiativen zu finanzieren. Bei vielen unserer Sozialunternehmen vor Ort – etwa im Wasserbereich – ist KI dagegen noch nicht der Hauptfokus. In E-Mobility und Circularity sehe ich es eher.

Was möchten Sie Gründer:innen in Österreich mitgeben, die im Impact-Bereich arbeiten?

Wir reden oft darüber, was Europa nach Afrika oder Lateinamerika tragen kann. Die viel spannendere Frage ist die andere Richtung: Was können wir aus diesen Regionen lernen? Ein Bildungs-Sozialunternehmer in Österreich kann sehr genau hinschauen, wie Initiativen in Subsahara-Afrika oder Lateinamerika konkret laufen, welche Lösungen dort entstehen. Co-Konstruktion heißt für mich nicht Einbahnstraße. Wo können wir voneinander lernen, wo gemeinsam etwas bewegen? Genau dafür sind wir bei der Vienna UP – um Erfahrungen zu teilen und Partner kennenzulernen. Mit österreichischen Akteur:innen sind wir bisher noch in keiner formalen Kooperation, aber das Interesse ist groß.

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