Megasus-Konkurs: Steht ein Comeback der „Pferde-Sneaker“ bevor?
Bereits Ende vergangenen Jahres musste das steirische Startup Megasus Horsetech, das mit seinen "Pferde-Sneakers" eine Kunststoff-Alternative zum Hufeisen lieferte, Insolvenz anmelden. Masseverwalter Friedrich Filzmaier glaubt nach wie vor an ein Comeback des Produkts.
„Es steht zwar auf der Homepage, dass die Reise zu Ende ist. Das ist aber nicht so“, sagt Friedrich Filzmaier gegenüber dem brutkasten. Der Grazer Rechtsanwalt ist seit dem Insolvenzantrag im Dezember 2018 Masseverwalter in der Causa Megasus Horsetech. Das Fürstenfelder Startup hatte mit seiner Kunststoff-Alternative zu Hufeisen weltweit für Aufsehen gesorgt. Doch voriges Jahr ging das Geld aus. Die Investorensuche blieb erfolglos. Auch ein Investment, das Hans Peter Haselsteiner in der Show 2 Minuten 2 Millionen zusagte, kam niemals zustande.
Auch mehr als ein halbes Jahr nach dem Insolvenzantrag ist der Fall für Friedrich Filzmaier noch immer nicht abgeschlossen. „Ich suche nach wie vor einen Käufer für die Konkursmasse und ich glaube nach wie vor daran, dass man das Unternehmen weiterführen kann und sollte“, sagt der Grazer Anwalt. Er sei voll und ganz vom Produkt und seinen Erfolgschancen überzeugt. Die Suche nach einem Käufer gestalte sich aber schwieriger als erhofft. „Ich habe inzwischen einige sehr konkrete Interessenten gehabt. Manche haben kalte Füße bekommen. Mit anderen bin ich beim Preis noch nicht einig geworden. Es gibt aber derzeit auf mehreren Seiten sehr ernsthafte Überlegungen“.
Megasus-Konkursmasse für 500.000 Euro zu haben
Es sind 500.000 Euro, die – geht es nach Filzmaier – zumindest zur Verwertung für die Megasus-Gläubiger hereinkommen sollen. „Von der Erfindung und dem darin steckenden Know-how gar nicht zu sprechen, sind alleine die Maschinen und das gesamte Sachkapital deutlich mehr wert, als diese halbe Million Euro. Es würde erheblich mehr kosten, die Idee aufzugreifen und sich selber alles neu zu bauen. Schließlich hatte Megasus ja insgesamt zwei Millionen Euro aufgestellt und investiert“, sagt der Anwalt.
„Gute Chancen, dass wir das noch dieses Jahr schaffen“
Doch mit dem Aufkauf der Konkursmasse allein sei es nicht getan, räumt er ein. „Ich schätze, dass man zusätzlich zumindest eine bis eineinhalb Millionen Euro braucht, um dann tatsächlich auch die Marktdurchdringung zu schaffen“, sagt Filzmaier. Die damals von Megasus gewählte Strategie des Online-Direktvertriebs hält er dabei für „eventuell nicht die nachhaltigste Variante“. Wie das ein potenzieller Käufer löse, sei aber derzeit die kleinere Frage. Zunächst muss einmal ein Abschluss gelingen. „Ich sehe gute Chancen, dass wir das noch dieses Jahr schaffen“, sagt Filzmaier. Dann könnten die „Pferde-Sneaker“ schon bald ihr Comeback erleben.
Fünf Jahre Polestar in Österreich: Warum die schwedische Marke nicht laut sein muss, um gehört zu werden
Drei weiße Polestar vor der schwedischen Botschaft in Wien-Alsergrund, drinnen die schwedische Fahne: Polestar Österreich hat sein fünfjähriges Bestehen im Schwedenhaus gefeiert. Managing Director Matthias Schabetsberger erklärte im Gespräch mit brutkasten, warum sich die Marke als Challenger der Autoindustrie versteht, was skandinavischer Minimalismus mit “Quiet Luxury” zu tun hat und wie Polestar mit Startups zusammenarbeitet.
Fünf Jahre Polestar in Österreich: Warum die schwedische Marke nicht laut sein muss, um gehört zu werden
Drei weiße Polestar vor der schwedischen Botschaft in Wien-Alsergrund, drinnen die schwedische Fahne: Polestar Österreich hat sein fünfjähriges Bestehen im Schwedenhaus gefeiert. Managing Director Matthias Schabetsberger erklärte im Gespräch mit brutkasten, warum sich die Marke als Challenger der Autoindustrie versteht, was skandinavischer Minimalismus mit “Quiet Luxury” zu tun hat und wie Polestar mit Startups zusammenarbeitet.
Der Ort war kein Zufall. „Wir sind eine schwedische Marke”, sagte Schabetsberger vor den Gästen in der schwedischen Botschaft, wo Polestar in Kooperation mit der schwedischen Handelskammer seit Jahren regelmäßig zu Gast ist. Neben Design, Performance und Nachhaltigkeit zahlten die Markenwerte stark auf gesellschaftliche Werte ein, die in Skandinavien hoch gelebt würden: Inklusion, Vielfalt, Gender Equality.
Wie schwedisch das Unternehmen ist, machte er an Zahlen fest: Von den etwas mehr als 2.000 Mitarbeitern arbeiten mehr als zwei Drittel in Schweden. Entwickelt, abgestimmt und designt wird in Schweden, wo die Verbindung zur Schwestermarke Volvo nach wie vor eng ist. Entstanden ist Polestar vor rund zehn Jahren aus einem schwedischen Rennteam, mit einem klaren Bekenntnis zum reinen Elektroantrieb. “So wollen wir als kleine schwedische reine Elektroauto-Marke der Challenger sein für die große Automobilindustrie”, so Schabetsberger.
Der stellvertretende schwedische Botschafter Anders Lindgren nannte Polestar ein gutes Beispiel dafür, wie Innovation den Übergang zur Elektromobilität in praktische Lösungen übersetzt. Die Erfahrung Schwedens zeige, dass Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit einander verstärken.
“Wir waren ein Startup und sind jetzt ein Scaleup”
Im Gespräch mit brutkasten zog Schabetsberger eine Parallele zur Gründerszene. Polestar sei ein junges Unternehmen: “Wir waren ein Startup und sind jetzt ein Scaleup.” Diese Dynamik habe man bewusst gewählt, ebenso den Anspruch, Dinge anders zu denken als klassische Mitbewerber. Einen typischen Polestar-Fahrer gebe es nicht, die Marke sei über alle Altersklassen hinweg beliebt, mit einem relativ ausgeglichenen Anteil männlicher und weiblicher Kunden. Was sie verbinde: die Einstellung zur Elektromobilität und zu gesellschaftlichen Werten. Als skandinavische Marke sei Polestar Europas einzige rein elektrische Automarke.
Polestar ist darüber hinaus eng mit dem schwedischen Innovationsökosystem verbunden. In Göteborg ist Polestar Partner von MobilityXlab, einem Innovationshub am Lindholmen Science Park, der Tech-Startups mit Unternehmen wie Ericsson, Volvo Group und Zenseact zusammenbringt. Ursprünglich auf Mobilität und Konnektivität fokussiert, öffnet sich die Plattform seit September 2026 auch für weitere Industrien. Ausgewählte Startups arbeiten eng mit Polestar an Proofs of Concept, etwa für digitale Customer Journeys und das Erlebnis im Fahrzeug.
Quiet Luxury statt noch mehr Touchscreens
Auf die Frage nach dem Design antwortete Schabetsberger mit einem Begriff aus der Mode: Quiet Luxury. Für Polestar heiße das: “wir brauchen aus unserer Sicht nicht mehr, sondern besser”. Während viele Premiumhersteller im Innenraum mit Holz, Alu, Leder, vielen Lichtvarianten und immer mehr Bildschirmen arbeiten, gehe Polestar einen anderen Weg: klare Linien, reduziertes, funktionales Design. “Wir finden immer mehr Kunden, die in einer aufgeregten Welt mit ständig neuen Produkten und ständiger Veränderung genau dieses reduzierte Design, diesen Quiet Luxury schätzen.” Das Prinzip gelte auch für den Auftritt der Marke: “Man muss jetzt nicht unbedingt immer laut schreien, um gehört zu werden.”
Weniger Bildschirme heißt dabei nicht weniger Technologie. Beim neuen Polestar 4 SUV zieht mit Google built-in der KI-Assistent Google Gemini ins Auto ein. Dank der engen Partnerschaft mit Google ist dieser sukzessive auch in weiteren Modellen verfügbar. Funktionen wie Vehicle-to-Load und ein Camping Mode kommen per Software-Update. Die Transparenz, die Schabetsberger betont, hat eine Zahl: Für den Polestar 4 SUV weist Polestar den CO2-Fußabdruck bis zum Werkstor aus, 20,2 Tonnen CO2-Äquivalent bei der Rear-Motor-Variante. Bis 2030 will Polestar die Treibhausgasemissionen pro verkauftem Fahrzeug halbieren, bis 2040 in der gesamten Wertschöpfungskette klimaneutral sein. Und Polestar Charge bündelt mehr als 1,25 Millionen Ladepunkte in Europa über ein Konto, inklusive Tesla Supercharger.
Von drei auf 13 Standorte
Gestartet ist Polestar in Österreich mit einem Direct-to-Consumer-Modell und einem Polestar Space in der Wiener Herrengasse, später kamen Graz und Linz dazu. Im Vorjahr wurde das Modell erweitert: Online bestellen geht weiterhin, zusätzlich können Kunden bei regionalen Partnern in einem Agentursystem Probe fahren, kaufen und das Fahrzeug ausgeliefert bekommen. Die Zahl der Standorte wuchs von drei auf 13, von Dornbirn bis Wien.
Dahinter steht eine Marktbeobachtung: Traditionell seien Flottenkunden die Early Adopter gewesen, in den vergangenen zwölf bis 24 Monaten komme das Wachstum aber vor allem von Privatkunden und Kleinunternehmen. Um sie in Vorarlberg, Tirol oder Salzburg zu erreichen, brauche es regionale Partner. Fünf Jahre nach dem ersten Polestar Space blickt Schabetsberger nach vorne, auf “weitere Jahrzehnte in enger Kooperation”.
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