16.08.2022

Mega-Investment für Gründer nach milliardenschwerem Misserfolg

Erst im Jahr 2019 schied Adam Neumann aus seinem Co-Working-Space-Startup WeWork wegen Ungereimtheiten aus. Nun hat der Seriengründer das Vertrauen des Silicon Valley Risikokapitalgebers, Andreessen Horowitz, gewonnen. Mit frischem 350 Mio. US-Dollar Investment wird das Startup "Flow" vor dem offiziellen Launch schon mit über eine Milliarde US-Dollar bewertet.
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WeWork-Gründer Adam Neumann
(c) Noam Galai/TechCrunch (Wikimedia Commons): WeWork-Gründer Adam Neumann 2015

Ehemaliger WeWork Gründer Adam Neumann gab kürzlich ein Early-Stage-Investment für sein neues Startup Flow in der Höhe von 350 Mio. US-Dollar bekannt. Mit seinem Ziel, den Mietwohnungsmarkt durch eine Marke und einheitlichem Service neu zu überdenken, habe Neumann die prominente Risikokapitalfirma a16z rund um Andreessen Horowitz von sich überzeugt, so die New York Times.

350 Mrd. US-Dollar für Adam Neumanns neue Geschäftsidee

Sowohl Neumanns Rückkehr in die Immobilien-Industrie, als auch die Unterstützung seitens der Venture Capital Gesellschaft a16z traf in der Branche auf viel Resonanz. Zumal, weil der ehemalige WeWork-Co-Founder und CEO erst im Jahr 2019 nach Bekanntwerden massiver Ungereimtheiten im Vorfeld eines geplanten und dann abgesagten Börsengangs einen beispiellosen Absturz erlebte. Grund dafür: Es wurden massive Missverhältnisse im Unternehmen, allem Voran Vorgänge um Gründer Adam Neumann, publik. So zeigte der im August 2019 vorgelegte Börsenprospekt etwa umfassende Geschäfte zwischen WeWork und weiteren Unternehmen Neumanns sowie ihm als Privatperson, die sichtlich vorwiegend der Bereicherung des Gründers dienten. Kurz darauf schied Neumann aus dem Co-Working-Space-Unternehmen mit einem 1,7 Mrd. US-Dollar schweren Deal aus – der brutkasten berichtete.

Das Vertrauen von Horowitz in Neumanns neues Startup schockiert zudem die Industrie, da diese Investition der größte Einzelcheck sei, den der Risikokapitalgeber jemals in einer Finanzierungsrunde für ein Unternehmen ausgestellt habe. Mit Frühphasen-Investitionen in Facebook und Airbnb scheint der VC aus dem Silicon Valley jedoch schon mehrmals sein Gespür für Potential bewiesen zu haben. Mit dem neuesten Risikokapital wird Flow noch vor dem voraussichtlichen Launch in 2023 mit mehr als eine Milliarde US-Dollar bewertet. Zudem soll Neumann eine persönliche Investition in Form von Bargeld und Immobilien in Flow tätigen. Dazu habe der Gründer bereits 3.000 Wohneinheiten in Miami, Fort Lauderdale, Atlanta und Nashville gekauft. Diese sollen von Flow im Rahmen des milliardenschweren Projektes für eine Disruption im Mietimmobilienmarkt sorgen.

“Neumann hat viele Lektionen und Erfolge hinter sich”

“Wir es lieben, wenn Wiederholungs-Gründer auf vergangenen Erfolgen aufbauen, indem sie aus den gewonnenen Erkenntnissen wachsen”, erklärt Horowitz gegenüber der New York Times. Neumann habe viele Lektionen und Erfolge hinter sich, weshalb er seine Vision unterstütze. Das Investment scheint auch als eine Zurechtweisung für Neumanns Kritiker zu dienen. Denn nach einem potentiellen Börsengang mit einer Bewertung von rund 47 Mrd. US-Dollar hat es WeWork nach Neumanns skandalösen Ausschied den IPO mit nur neun Milliarden US-Dollar geschafft. Der Marktwert von WeWork beträgt heute nur noch vier Milliarden US-Dollar.

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Lebensstimmen
Der Fabertar | © Lebensstimmen/Screenshot

Vor rund einem Monat gab das Grazer Startup Lebensstimmen den Einstieg von Motorsportlegende Helmut Marko als Investor bekannt – brutkasten berichtete. Nun präsentierte man seine KI-basierte Plattform und hat dabei weitere prominente Unterstützung.

Lebensstimmen als Vorsorge

Das von Markus Pinter, Philipp Berkessy und Lukas Stern gegründete Startup versteht sich als ein Vorsorgeprodukt, das zu Lebzeiten abgeschlossen wird und für den Tod und darüber hinaus wirkt. Menschen können zu Lebzeiten ihre eigene Grußbotschaft oder „letzte Rede“ gestalten, in eigener Stimme, mit eigenen Inhalten, Musik und Bildern. Angehörige sollen nach einem Todesfall zudem eine digitale Trauerrede erstellen können.

Insgesamt umfasst das Angebot vier Produkte: die „Grußbotschaft“, „Meine letzte Rede“, einen neutralen „KI-Trauerredner“ sowie das Format „Aus Sicht der Familie“.

Vertrieben werden soll über Bestattungsunternehmen, Vorsorgeversicherer, Institutionen und Medienpartner im Lizenz- und White-Label-Modell. Die rechtliche Architektur der Plattform wurde gemeinsam mit Scherbaum Seebacher Rechtsanwälte entwickelt. Technologiepartner ist BLCKs AI.

Fabertar schenkt Worte her

Neben Marko unterstützt nun auch Dompfarrer von St. Stephan, Toni Faber, Lebensstimmen in Fragen von Trauer und Abschied mit einem neuartigen Angebot. Mit dem „Fabertar“ präsentiert das Startup einen gemeinsam mit ihm entwickelten und klar als KI gekennzeichneten Trauerredner. Dieser soll keine Seelsorge ersetzen, sondern Worte schenken, wo sie gewünscht werden oder wo kein Redner verfügbar ist.

„Ich begleite viele Menschen im Abschied. Oft ist das, was ungesagt bleibt, am schwersten. Wenn Technik hilft, liebevolle Worte zu bewahren, dient sie dem Menschen und dem Trost. Genau das ist der Gedanke hinter dem ‚Fabertar‘. Er soll niemanden ersetzen“, sagt Faber.

Marktstart Anfang 2027

Und Lebensstimmen-Geschäftsführer Berkessy ergänzt: „Jeder Mensch hat Worte, die bleiben sollen. Mit Lebensstimmen machen wir Vorsorge erstmals persönlich, digital und rechtssicher. Heute beginnt eine neue Abschiedskultur, und sie beginnt in Österreich.“

Nach der offiziellen Vorstellung der Plattform, der dazugehörigen Lebensstimmen-Produkte und dem aktuellen Launch der Website erfolgt in einem nächsten Schritt. Der Marktstart ist für Q1 2027 geplant und soll sowohl österreichweit als auch global erfolgen.

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