18.03.2026
3,2 MIO. EURO

Med Uni Graz und Boehringer Ingelheim eröffnen Forschungslabor für Lungenkrebs

In der Med Uni Graz wird das Christian-Doppler-Labor eröffnet, um neue Therapieansätze für Lungenkrebs zu erforschen. Das BMWET und Boehringer Ingelheim investieren 3,2 Millionen Euro in das Labor.
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Symbolbild via © Unsplash

In Österreich erkranken laut Wiener Gesundheitsverband jährlich rund 4.800 Menschen neu an Lungenkrebs, etwa 4.000 sterben daran. Damit ist die Erkrankung für rund ein Viertel aller Krebstodesfälle verantwortlich. Vor diesem Hintergrund haben das Pharmaunternehmen Boehringer Ingelheim und die Medizinische Universität Graz ein gemeinsames Forschungslabor eröffnet.

Das neue Christian-Doppler-Labor widmet sich der Entwicklung innovativer Therapieansätze gegen Lungenkrebs. Es ist am Campus der Med Uni Graz in der Medical Science City angesiedelt und nutzt dort vorhandene Infrastruktur sowie den Zugang zu klinischen Proben aus der Biobank Graz.

„Durch die Partnerschaft mit Boehringer Ingelheim stärken wir unsere Fähigkeit, neue wissenschaftliche Erkenntnisse in transformative therapeutische Ansätze für Patient:innen zu überführen“, sagt Rektorin Andrea Kurz. „Das Christian-Doppler-Labor schafft einen hervorragenden Rahmen, um Grundlagenforschung und klinische Anwendung miteinander zu verbinden und Innovation dort zu beschleunigen, wo sie am dringendsten benötigt wird.“

Fokus auf Immunmechanismen

Das auf sieben Jahre angelegte Forschungsprogramm konzentriert sich auf das nicht-kleinzellige Lungenkarzinom (NSCLC), die häufigste Form von Lungenkrebs. Im Zentrum steht die Frage, wie sich der sogenannte immunogene Zelltod auslösen lässt – ein Prozess, der es dem Immunsystem ermöglicht, Tumorzellen besser zu erkennen und gezielt zu bekämpfen.

Normalerweise verfügen Zellen über ein programmiertes „Selbstzerstörungssystem“, das bei Schäden aktiviert wird. „Beim nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom (NSCLC) sind diese Mechanismen häufig ausgeschaltet. Dadurch kann der Tumor unbemerkt vom Immunsystem wachsen“, erklärt der Onkologe Philipp Jost. „Ziel der Forschung ist es daher, Krebszellen so zu beeinflussen, dass sie vom Immunsystem leichter erkannt und bekämpft werden können. Gelingt dies, könnten bestehende Krebstherapien deutlich wirksamer werden“, ergänzt der Molekularbiologe Michael Dengler.

Langfristig soll die Forschung dazu beitragen, neue Behandlungsansätze zu entwickeln, die sowohl die Überlebenschancen als auch die Lebensqualität von Patient:innen verbessern.

3,2 Mio. Euro für das neue Labor

Für das Labor stellen das Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus (BMWET) und Boehringer Ingelheim gemeinsam 3,2 Millionen Euro bereit. Geleitet wird die Einrichtung von Michael Dengler und Philipp Jost.

Bundesminister Wolfgang Hattmannsdorfer zur Bedeutung solcher Kooperationen: „Das Christian-Doppler-Labor zeigt beispielhaft, wie erfolgreiche Standortpolitik funktioniert: Wenn Wissenschaft und Industrie eng zusammenarbeiten, entstehen Innovation, Wertschöpfung und hochwertige Arbeitsplätze. Gerade in Schlüsseltechnologien wie Life Sciences und Biopharma zählt Österreich zur europäischen Spitze. Mit unserer Industriestrategie stärken wir gezielt solche Zukunftsfelder, fördern strategische Partnerschaften zwischen Forschung und Unternehmen und schaffen die Rahmenbedingungen, damit medizinische Innovationen in Österreich entwickelt und auch hier in wirtschaftliche Wertschöpfung übersetzt werden.“

Auch seitens des Unternehmens wird die Zusammenarbeit hervorgehoben. „Diese Partnerschaft vereint komplementäre Stärken: die wissenschaftliche Exzellenz und klinische Integration der Med Uni Graz sowie unsere Expertise in der Erforschung und Entwicklung neuer Krebsbehandlungsansätze. Gemeinsam wollen wir die Entwicklung von Therapien beschleunigen, die das Potenzial haben, den Krankheitsverlauf nachhaltig zu verändern“, sagt Mark Paul Petronczki, Head of Oncology Research bei Boehringer Ingelheim.

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Mit ihrer Reverse-Mentoring-Agentur forciert Ines Hanusch Zukunftssicherheit in Wirtschaft und Politik. © brutkasten

Dieser Text ist zuerst im brutkasten-Printmagazin von August 2026 „Aufbrechen“ erschienen. Eine Download-Möglichkeit des gesamten Magazins findet sich am Ende dieses Artikels.


Wir leben in einer paradoxen Arbeitswelt: Führungskräfte werden für ihr über Jahrzehnte angesammeltes Wissen bezahlt doch exakt dieses Erfahrungswissen kann angesichts rasanter technologischer und kultureller Umbrüche zum blinden Fleck werden. Genau hier setzt eine Methodik an, die traditionelle Rollenbilder auf den Kopf stellt: Reverse Mentoring.

Ines Hanusch, Gründerin der Reverse-Mentoring-Agentur bond & grow, begleitet Unternehmen und Politik bei diesem Paradigmenwechsel. Für sie ist der Kerngedanke simpel, aber radikal: „Beim klassischen Mentoring lernt die Jüngere von der Erfahreneren. Beim Reverse Mentoring ist es umgekehrt: Die Führungskraft sitzt in der Lernenden-Position gezielt, strukturiert und vor allem nicht nebenbei.“

Kein Kaffeetratsch und keine Therapie

Doch was genau ist Reverse Mentoring in der Praxis? Hanusch wird nicht müde zu betonen, was es nicht ist: Es sei kein lockeres Kaffeegespräch, kein Coaching mit einer einzigen Zielvorgabe und schon gar keine Therapie. Auch der oft gehörte Einwand, man könne sich doch einfach mit den eigenen Kindern austauschen, greift für die Expertin ins Leere: „Mit den eigenen Kindern teile ich eine Sozialisation, ein Machtgefälle, ob ich will oder nicht.

Das Kind wird mir vieles nicht sagen, und ich werde vieles nicht hören wollen.“ Wahre Wirkung entstehe erst durch psychologische Sicherheit ohne persönliche Verstrickung eine Atmosphäre, in der ein junger Mensch kein Interesse daran hat, zu gefallen, sondern ehrlich zu sein.

Der Blick von innen: Reibung als Chance

In klassischen Organisationen verhindert die Hierarchie oft genau jenen Raum der psychologischen Sicherheit, in dem ungefiltert und ohne Angst vor Konsequenzen gesprochen werden kann. Ines Hanusch beschreibt das systematische Dilemma eindrücklich: Je weiter Führungskräfte auf der Karriereleiter nach oben klettern, desto mehr manifestiert sich die Angst vor Inkompetenz und Statusverlust. „Wenn Top-Entscheider:innen plötzlich von jemandem lernen, der dreißig Jahre jünger ist, entsteht unweigerlich intensive Emotion, Irritation und Reibung“ – doch exakt in diesen Momenten verankert sich laut Hanusch der größte Lerneffekt.

Wie sich dieser Rollentausch in der Realität anfühlt, schildert eine 21-jährige Mentorin, die im Rahmen von bond & grow Top-Entscheider:innen begleitet. Kristin Barnowsky sieht in ihrer Aufgabe eine enorme Verantwortung: Für sie bedeutet Reverse Mentoring, erfahrenen Führungskräften neue Perspektiven mit auf den Weg zu geben und dabei auch hin und wieder Reibung zu erzeugen“. Nervosität vor dem ersten Aufeinandertreffen ist keine Seltenheit, wie sie verrät. Ihr persönlicher mentaler Trick für das erste Meeting? „Ich stelle mir einfach vor, dass die Person mich bereits mag und ich sie auch. Dadurch gehe ich wesentlich natürlicher, authentischer und positiver in das Gespräch.“

Die größte Herausforderung im laufenden Prozess ist für sie das Gespür dafür, wie tief man in die Glaubenssätze des Mentees eindringen darf. Wenn auf Mentee-Seite Widerstand entsteht, stecke dahinter oft eine unbewusste Angst; etwa das Gefühl, nicht gehört oder gesehen zu werden. Es erfordere Empathie und präzises Timing, unangenehme Themen anzusprechen, ohne die Führungskraft emotional zu überfordern, erklärt die 21-Jährige.

Für wen das Konzept geeignet ist – und wann es scheitert

Die Zahlen sprechen für sich, doch Reverse Mentoring ist kein Selbstläufer. Laut Hanusch eignet es sich primär für Führungskräfte, die Nichtwissen als Startpunkt und nicht als Schwäche betrachten. In hierarchisch geprägten Unternehmen erfordere das immense Größe. „Statusverlust berührt das Selbstbild direkt, und das ist unbequem“, analysiert Hanusch. Viele Führungskräfte fürchten den Moment, in dem sie erkennen müssen, dass jemand, der viele Jahre jünger ist, über entscheidendes Know-how verfügt – sei es über moderne Arbeitskulturen, neue Konsumgewohnheiten oder schlicht den Umgang mit Unsicherheit in Krisenzeiten.

Wann also scheitert Reverse Mentoring? Die Expertin zieht eine klare Grenze: „Ich rate ab, wenn Unternehmen Reverse Mentoring als Imagemaßnahme einsetzen wollen, ohne wirkliche Bereitschaft, etwas zu verändern.“ Ohne intrinsische Motivation beider Seiten, einen geschützten Rahmen und professionelles Matching wird das Format zur reinen Simulation.

Innovation durch unbefangenes Denken

Wenn die Rahmenbedingungen jedoch stimmen, entpuppt sich Reverse Mentoring als machtvoller Innovationsmotor. In vielen Branchen sind junge Menschen näher an der Zielgruppe oder stellen diese gar selbst dar. Sie spüren kulturelle Trends früher und besitzen den Mut, Unbequemes auszusprechen. Kristin Barnowsky erlebt das regelmäßig in ihren Mentoring-Sessions, etwa wenn es um künstliche Intelligenz, Automatisierung von Workflows oder den Einsatz von Social Media geht. Doch der tiefere Wert liegt oft jenseits der Technologie: Es geht um das Hinterfragen erstarrter Prozesse. „Oft sehen die Dinge, die uns Sorgen machen, nur für uns so aus; aus einer anderen Perspektive sind sie plötzlich Chancen für innovative Veränderungen“, resümiert die Mentorin.

Letztlich profitiert nicht nur die Führungskraft auch die jungen Mentor:innen wachsen, bauen sich ein Netzwerk auf und erleben direkte Selbstwirksamkeit. Die wichtigste Frage für Ines Hanusch: „Was, wenn du von denen lernst, die bisher nicht gefragt wurden? Es tut manchmal weh, sich spiegeln zu lassen. Aber nur so entsteht Fortschritt.“ In einer Wirtschaft, die händeringend nach Fachkräften und neuen Wegen sucht, könnte die Bereitschaft, vom Nachwuchs zu lernen, bald über die Existenz von Unternehmen entscheiden. Oder wie Ines Hanusch sagt: „Wer heute keine Kultur des gegenseitigen Lernens etabliert, verliert morgen den Anschluss bei existenziellen Themen wie Mitarbeiterbindung und Innovation.“

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