28.02.2023

Darum stoppen Mastercard und Visa ihre geplanten Krypto-Projekte vorerst

Mit Mastercard und Visa wollen gleich zwei der größten Namen der US-Finanzbranche vorerst keine weiteren Krypto-Projekte mehr starten, berichtete Reuters unter Verweis auf Insider. Der Start von geplanten Krypto-Angeboten wird demnach vorerst aufgeschoben.
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Visa, Visa Electron, Master Card - bank, credit cards closeup
Foto: Adobe Stock

In großen Krypto-Bullenmärkten wie 2017 oder 2021 gehört es mitunter auch für große Finanzkonzerne zum guten Ton, sich mit der Thematik zu beschäftigen – und eigene Krypto-Projekte zu starten. Wenn dann jedoch die Kurse monatelang fallen und auch Skandale für Schlagzeilen sorgen, wie im aktuellen Kryptowinter geschehen, dann hinterfragen viele Unternehmen ihr Engagement wieder. So nun auch zwei der größten Namen der US-Finanzbranche: Visa und Mastercard.

Beide Kreditkarten-Unternehmen haben beschlossen, vorerst keine weitere Krypto-Projekte mehr zu starten, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Verweis auf Insider. Demnach werde man den Start von Krypto-Produkten oder Dienstleistungen verschieben, bis sich das Marktumfeld und auch die regulatorischen Rahmenbedingungen wieder verbessert haben.

Was damit gemeint ist, liegt auf der Hand: Die Kurse der wichtigsten Kryptowährungen sind im vergangenen Jahr teils massiv eingebrochen. 2023 ist es für die Kurse von Bitcoin, Ethereum und anderen Coins zwar wieder nach oben gegangen – von den mehrheitlich Ende 2021 erreichten Höchstständen sind sie aber noch weit entfernt.

Zuletzt starker regulatorischer Gegenwind für Krypto in den USA

Regulatorisch gab es für die Krypto-Branche zuletzt auch alles andere als erfreuliche Nachrichten: Die US-Börsenaufsicht geht mittlerweile auch gegen einige der größten Namen der Branche vor. So schloss sie erst kürzlich einen Vergleich mit der US-Kryptobörse Kraken ab, in dem sich diese zu einer Zahlung von 30 Mio. Dollar und dem Einstellen seines Staking-Angebots am US-Markt verpflichtete.

Hintergrund: Nach Ansicht der Börsenaufsicht ist das Angebot nach US-Recht als Wertpapiergeschäft einzustufen – und hätte damit einen entsprechenden Registrierungsprozess durchlaufen müssen. Der Chef der Börsenaufsicht, Gary Gensler, scheint überhaupt am Standpunkt zu stehen, dass dies für sämtliche Kryptowährungen – abgesehen von Bitcoin – gelte.

Dass die US-Behörde jetzt so aktiv ist, dürfte auch mit den zwei prominenten Krypto-Pleiten des Vorjahres zusammenhängen: Mit Terra/Luna brach im Frühjahr ein komplettes Krypto-Ökosystem vollständig zusammen. Im Herbst schlitterte dann mit FTX eine der größten Kryptobörsen in die Pleite. Diese hatte ihren Sitz zwar auf den Bahamas. Gründer und CEO Sam Bankman-Fried ist jedoch US-Staatsbürger und galt für die US-Politik als eines der Gesichter der Branche.

Visa: Krypto-Strategie hat sich nicht geändert

Auf die FTX-Pleite spielt nun wohl auch Visa in einer aktuellen Stellungnahme an: „Die jüngsten aufsehenerregenden Pleiten im Krypto-Sektor sind eine wichtige Erinnerung, dass wir noch einen weiten Weg vor uns haben, bevor Krypto ein Teil von Mainstream-Angeboten für Zahlungen und Finanzen wird“, zitierte Reuters einen Visa-Sprecher. Die Strategie und Ausrichtung des Unternehmens zu Krypto ändere sich dadurch aber nicht, hieß es weiter.

Visa hatte erst im Oktober 2022 eine umfassende Partnschaft mit FTX verkündet. Im Zuge derer wäre geplant gewesen, Visa-Karten von FTX in 40 weiteren Ländern auszugeben. Wenige Wochen später war die Kryptobörse pleite – und Visa beendete die Zusammenarbeit.

Mastercard: Konzentrieren uns auf Blockchain-Technologie

Mastercard wiederum teilte gegenüber der Nachrichtenagentur mit: „Unsere Bemühungen konzentrieren sich weiter auf die darunterliegende Blockchain-Technologie und wie diese genutzt werden kann, um aktuelle Schwachstellen anzugehen und effizientere Systeme zu bauen“.

Der Finanzkonzern hatte in den vergangenen Jahren unterschiedliche Krypto-Projekte gestartet. Erst im April 2022 war beispielsweise ein Zusammenarbeit mit dem Krypto-Lending-Unternehmen Nexo kommunizert worden. Im Zuge dessen haben die beiden Unternehmen eine Kreditkarte herausgegeben, mit der direkte Krypto-Zahlungen ermöglicht wurden – ohne dass die Krypto-Assets des Kunden im Hintergrund verkauft werden.

Wenige Monate zuvor hatte das Unternehmen außerdem eine Partnerschaft mit dem auf Bitcoin-Futures spezialisierten Handelsplatz Bakkt angekündigt. Mit dieser bekamen Firmen im Mastercard-Netzwerk die Option, ihren Kunden das Kaufen, Verkaufen oder Halten von Kryptoassets zu ermöglichen.

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(v.l.) Antonia Riva-Frizberg, Theresa Kohl, Johanna Marie Reinedahl und Sara Kapeller sind für den Bierlein-Preis 2026 nominiert.

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Unter den Nominierten sind auch mehrere Startup-Gründerinnen:

Antonia Riva-Frizberg (Lumetry): Lungenmonitoring für zu Hause

Riva-Frizberg gründete im März 2022 gemeinsam mit Christian Neubauer das Grazer Medtech Lumetry Diagnostics. Das Startup entwickelt Geräte, mit denen Patient:innen mit chronisch obstruktiven Lungenerkrankungen oder Asthma ihre Lungenvitalität zu Hause messen können. Langfristig will man auch Menschen mit Lungenentzündungen oder Long Covid helfen. 2023 sammelte das Team ein sechsstelliges Investment „weit über eine halbe Million“ ein. Prototypen gibt es bereits, gelauncht soll das Produkt laut Website noch 2026 werden.

Vor der Gründung war Riva-Frizberg unter anderem bei der Innovations-Beratung Pioneers als auch beim Zyklustracker-Startup breathe ilo beschäftigt, das 2023 Konkurs anmeldete.

Das Produkt soll noch 2026 gelauncht werden. © Lumetry

Theresa Kohl (DiLT Analytics): Energie sparen mit Gebäude-Software

Kohl ist Mitgründerin und CEO von DiLT Analytics, einem 2021 gegründeten Spin-off der TU Graz. Die Software soll Ineffizienzen in Gebäuden sowie in Heizungs-, Lüftungs- und Klimaanlagen erkennen und den Energieverbrauch senken. Aktuell entwickelt das Team sein neues Produkt „FaciliMind“, eine KI-basierte Softwareplattform zur datenbasierten Optimierung von Energieeffizienz und Betriebskosten in Gebäuden. Das System benötigt laut eigenen Angaben keine neuen Sensoren, sondern dockt an bestehende Leitsysteme an und deckt dort Fehlsteuerungen auf.

Unterstützt wurde das Startup unter anderem durch FFG-Förderungen und konnte bereits Pilotprojekte mit Partnern wie der Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) umsetzen. Vor der Gründung war Kohl unter anderem bei AEE – Institut für Nachhaltige Technologien und als Projekt- und Innovationsmanagerin bei der Energie Agentur Steiermark tätig.

Johanna Marie Reinedahl (WeGait): Exoskelett für die Reha

Reinedahl ist Gründerin und Geschäftsführerin der WeGait FlexCo. Das Robotik-Startup entwickelt ein Exoskelett für die Gangrehabilitation nach Schlaganfall oder Rückenmarksverletzung, das Abläufe in Rehazentren effizienter machen soll. Unter dem ehemaligen Namen Nexo Skeleton wurde das Startup als eine der ersten beiden Beteiligungen von WU Ignite Ventures aufgenommen.

Im Juli 2026 benannte man sich in WeGait um. Reinedahl war vor der Gründung außerdem ein Jahr als Venture Capital Investment Analyst bei Arax Capital Partners tätig.

Sara Kapeller (twistor): Schneeräumung per System

Kapeller gründete 2025 die twistor GmbH im Vorarlberger Bludenz. Den Anstoß dazu gab eine persönliche Erfahrung: Eine tonnenschwere Dachlawine ging direkt von dem Haus ihres Großvaters ab. Daraufhin entwickelte sie ein automatisiertes Schneeräumungssystem für Gebäude und Photovoltaikanlagen, das laut Unternehmensangaben seit 2024 patentiert ist.

Die Lösung richtet sich vor allem an Eigentümer:innen von PV-Anlagen in schneereichen Regionen. Der doppelte Vorteil: Die kontrollierte Räumung beugt nicht nur gefährlichen Personen- und Sachschäden vor, sondern sichert auch in den Wintermonaten den Stromertrag der Solarmodule. Das System ist nach Firmenangaben bereits serienreif und unter anderem auf dem Dach der Aletsch Arena auf der Schweizer Riederalp im Einsatz.

Der twistor befreit Dächer und PV-Anlagen von Schneemassen. © twistor

Die Preisverleihung findet am 7. Dezember 2026 statt.

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