13.01.2026
CLIMATETECH-INVESTMENTS

Markus Linder: „Man kann nicht mehr darauf wetten, dass Gesetze kommen und bleiben“

Mit seinem Family Office Triple Impact Ventures investiert Markus Linder in frühe Climate- und Impact-Startups. Im Gespräch erklärt er, wie sich Markt, Regulierung und Investmentlogiken im ClimateTech-Bereich aktuell verändern.
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Markus Linder, Gründer von Triple Impact Ventures (TIV) | (c) TIV

Bereits 2022 ging der österreichische Investor und inoqo-Gründer Markus Linder mit seinem Family Office Triple Impact Ventures (TIV) an den Start. Das Investmentvehikel mit Sitz in Wien positioniert sich seither als Frühphasen-Investor für Gründer:innen, die mit technologischen Lösungen an den großen ökologischen Herausforderungen arbeiten. Neben der Klimakrise adressiert TIV dabei gezielt auch Biodiversitätsverlust und Umweltverschmutzung. So gab Linder im November 2024 den Einstieg von TIV in das Münchner Startup Hula Earth bekannt, das sich auf Biodiversitätsüberwachung spezialisiert hat. Damals investierten unter anderem auch der führende Frühphasen-Investor Point Nine und refurbed-Gründer Kilian Kaminski in das Startup (brutkasten berichtete).

Neues Investment: A&B Smart Materials

Auch 2025 tätigte Triple Impact Ventures neue Investments. Das jüngste Beispiel ist der Einstieg in das Oxforder Deep-Tech-Startup A&B Smart Materials. Das Unternehmen entwickelt biologisch abbaubare Alternativen zu fossilen Superabsorbern (SAPs), die etwa in Hygieneartikeln wie Windeln eingesetzt werden. SAPs sind Kunststoffe, die ein Vielfaches ihres Eigengewichts an Flüssigkeit aufnehmen können.

Das Problem: Herkömmliche SAPs sind synthetisch, basieren auf fossilen Rohstoffen und sind nicht biologisch abbaubar. Sie gelangen als persistentes Mikroplastik in die Umwelt und verschmutzen Böden und Gewässer. A&B Smart Materials adressiert dieses Problem in einem Milliardenmarkt. Mitte Dezember schloss das Unternehmen eine Pre-Seed-Runde über 1,5 Millionen Pfund ab.

„Wir haben in A&B Smart Materials investiert, weil sie ein riesiges Umweltproblem in einer Multi-Milliarden-Dollar-Industrie mit einer skalierbaren Lösung angehen“, sagt Linder. Entscheidend sei dabei nicht nur der ökologische Effekt, sondern auch die wirtschaftliche Perspektive.

Frühe Wetten und internationale Validierung

Gleichzeitig zeigte sich 2025 laut Linder auch im bestehenden Portfolio eine positive Entwicklung. Mehrere Beteiligungen konnten erfolgreiche Follow-on-Runden mit internationalen Top-Tier-Investoren abschließen und dabei deutliche Uprounds erzielen.

Besonders hervorzuheben ist Atmen, wo Project A Ventures eingestiegen ist. Das Investment gilt als Bestätigung der These von Triple Impact Ventures, dass Climate-Tech-Lösungen für industrielle Anwendungen in Europa stark an Relevanz gewinnen. Auch Emidat konnte mit einer von General Catalyst angeführten Runde ein starkes Signal setzen. Der Einstieg eines der weltweit führenden Venture-Capital-Fonds unterstreicht das Potenzial im Bereich Construction-Tech und Emissionsmanagement.

Abschreibungen und strukturelle Grenzen

Trotz positiver Entwicklungen im internationalen Bestandsportfolio blieb 2025 nicht ohne Rückschläge. Triple Impact Ventures musste im vergangenen Jahr auch Abschreibungen vornehmen. Dazu zählte auch das österreichische Food-Startup Arkeon, das im Mai 2025 in den Konkurs rutschte (brutkasten berichtete).

„DeepTech ist hart, und Hardware- sowie Infrastructure-Themen sind im aktuellen Marktumfeld extrem riskant“, sagt Markus Linder. Insbesondere hohe Kapitalbedarfe, lange Entwicklungszyklen und begrenzte Anschlussfinanzierungen stellten viele Modelle vor strukturelle Herausforderungen. Das gehöre zur Investorenrealität, mache aber auch deutlich, dass das heimische Ökosystem bei kapitalintensiven Climate-Themen weiterhin Aufholbedarf habe – vor allem in der Phase der Skalierung.

Markteinschätzung & Strategiewechsel: „The Regulatory Headwind“

Die Erfahrungen des vergangenen Jahres haben bei Triple Impact Ventures laut Linder zu einer “geschärften Markteinschätzung” geführt. 2025 wirkten dabei zwei gegensätzliche Kräfte besonders stark. Auf der einen Seite beschleunigt Technologie – allen voran Künstliche Intelligenz – Innovationszyklen und Skalierungsmöglichkeiten erheblich. Auf der anderen Seite wächst die politische Unsicherheit.

Dabei geraten selbst langfristige Klimaziele zunehmend unter Druck. Zwar hält die EU offiziell an ihren Zielen fest – etwa der Klimaneutralität bis 2050 und der Reduktion der Emissionen um mindestens 55 Prozent bis 2030 –, doch in der Umsetzung wurden regulatorische Vorgaben zuletzt mehrfach abgeschwächt oder verzögert. Für Investoren sinkt damit die Planbarkeit.

„Wir spüren massive Regulatory Headwinds“, sagt Linder. Die Unzuverlässigkeit des Regulators auf EU-Ebene mache Investments, die primär auf regulatorischen Vorgaben oder Compliance beruhen, zunehmend schwierig. „Man kann nicht mehr darauf wetten, dass Gesetze kommen und bleiben.“ Gerade für Climate- und Impact-Startups verändere das die Spielregeln grundlegend.

Ausblick 2026: Der „Climate-Denier-Test“

Aus dieser Einschätzung zieht Triple Impact Ventures klare Konsequenzen für 2026. Das Family Office verabschiedet sich von Investments in reine „Compliance-Plays“, die vor allem deshalb existieren, weil regulatorische Vorgaben sie erzwingen sollen. Stattdessen rücken Lösungen in den Fokus, die auch unabhängig von politischen Zielsetzungen einen klaren ökonomischen Mehrwert liefern.

Gesucht werden Geschäftsmodelle, die messbar Kosten senken oder Umsätze steigern. Der Impact – ob Klima, Biodiversität oder Umweltverschmutzung – bleibt das Ziel, doch der Kaufentscheid soll aus wirtschaftlichen Gründen fallen. Intern spricht das Team von TIV vom „Climate-Denier-Test“.

„Die Lösung muss so viel Business-Value liefern, dass sie selbst ein Klimawandelleugner kaufen würde – einfach, weil es sich rechnet“, formuliert Linder die neue Maxime. Impact bleibe zentral, aber ohne ökonomische Tragfähigkeit nicht skalierbar. Genau darin sieht Triple Impact Ventures die nächste Entwicklungsstufe des Impact Investings.

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Festivalgelände bei der ViennaUP, sehr viele Menschen tummeln sich herum.
Die Homebase der ViennaUP beim Karlsplatz in Wien (c) Philipp Lipiarski

Das internationale Startup-Festival, die ViennaUP, konnte heuer auf über 14.000 Teilnehmende in fünf Tagen zurückblicken: Es gab über 65 Veranstaltungen in 43 unterschiedlichen Locations. Ein Großteil der Events war restlos ausgebucht. Das ist die erste Bilanz der Wirtschaftsagentur Wien, die das Startup-Festival initiiert hat und gemeinsam mit 45 Programmpartner:innen aus dem Startup-Bereich umsetzt.

ViennaUP mit über 1.000 CEOs

Zur Eröffnungsfeier waren über 1.000 CEOs, Gründer:innen, Investor:innen und Startup-Begeisterte aus der ganzen Welt ins Wiener Rathaus geströmt, um die Eröffnung der ViennaUP zu feiern und erste Kontakte zu knüpfen. Außerdem waren 28 internationale Delegationen in Wien zu Gast – etwa aus Indien, Korea sowie den CEE-Ländern.

Sie nutzten das Festival für Networking, um neue Märkte zu sondieren und Partnerschaften zu etablieren. Über das Startup Package Vienna der Wirtschaftsagentur Wien kam außerdem das Startup CheckEye aus der Ukraine nach Wien: Es nutzt KI, um Augenhintergrundbilder zu analysieren und Erkrankungen wie diabetische Retinopathie frühzeitig zu erkennen.

If you’re going to…

Zudem wurde für zwei Gründerinnen ein Traum wahr: Julia Reisinger und Maria Zahlbruckner vom Wiener Deep-Tech-Startup factorymaker sicherten sich beim Startup World Cup ein Ticket ins Silicon Valley. Mit einer KI-gestützten Planungsplattform für die Industrie überzeugten sie die Jury. Die Gründerinnen werden nun Österreich beim globalen Finale in San Francisco vertreten und um den Hauptgewinn pitchen: Es winkt ein Investment von einer Million US-Dollar.

„Mehr als 14.000 Wirtschaftstreibende aus aller Welt haben die ViennaUP genutzt, um Wien als möglichen Standort zu erkunden und Kooperationen anzustoßen. Und wir sehen, das funktioniert: Allein 7,6 Millionen Euro an ausgelösten Investitionen durch angesiedelte Unternehmen im Vorjahr sind direkt auf die ViennaUP zurückzuführen“, sagt Barbara Novak, Vizebürgermeisterin und Wirtschaftsstadträtin. „Gleichzeitig zeigt die ViennaUP, worum es bei moderner Wirtschaftspolitik gehen muss: um Innovationen, die wirtschaftliche Stärke schaffen und gleichzeitig den Menschen dienen. Viele der Startups, die heuer teilgenommen haben, arbeiten genau an solchen Lösungen mit gesellschaftlichem Nutzen.“

ViennaUP mit Fokus auf Skalierung und Growth

Die ViennaUP setzte heuer einen Schwerpunkt auf Skalierung und Wachstum. Im Mittelpunkt standen Zukunftstechnologien wie KI und Healthtech, Impact- und Finanzierungsthemen. Formate wie der Connect Day, die Impact Days und die Female Founders Experience brachten Gründer:innen, Investor:innen, Unternehmen sowie Expert:innen unterschiedlicher Branchen zusammen.

Das Festival rückte heuer auch das Thema der digitalen Souveränität in den Fokus: Beim World Summit Awards Global Congress wurden digitale Lösungen präsentiert, die gesellschaftlichen Mehrwert schaffen und zeigen, wie Europa unabhängiger von großen globalen Plattformen werden kann. Mit dem KI-Startup mytalents schaffte es auch eine Wiener Innovation unter die weltweit 40 ausgezeichneten Projekte des World Summit Awards.

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