09.06.2021

Maresi Austria: „Wir freuen uns jederzeit über neue Markenpartner“

Maresi Austria-Geschäftsführer Andreas Nentwich sprach im brutkasten-Talk über die Zusammenarbeit mit Startups sowie internationalen Konzernen und die Leidenschaft des Unternehmens für innovative Brands.
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Andreas Nentwich Maresi
Andreas Nentwich, Geschäftsführer Maresi Austria im brutkasten-Talk

Eine der größten Hürden für Startups ist es, mit dem eigenen Produkt am Markt Fuß zu fassen. Insbesondere dann, wenn man vielleicht gar nicht vor Ort ist und die Bedürfnisse der Konsumentinnen und Konsumenten nicht im Detail kennt. Fragen angefangen von „was ist der beste Vertriebskanal“ über „wie komme ich an die richtigen Kontakte“ bis hin zu „wie überzeuge ich beim entscheidenden Pitch“, sind dann nur einige wenige, die sich stellen. Welche Möglichkeiten es gibt, den Vertrieb anzukurbeln und welche Rolle Distributionspartner dabei spielen können, das war Thema im brutkasten-Talk mit Andreas Nentwich, dem Geschäftsführer von Maresi Austria. Das Unternehmen, das den meisten Menschen hauptsächlich durch die Maresi Kaffeemilch bekannt ist, hat nämlich eine Vielzahl von Dienstleistungen zu bieten, um die Hürden beim Markteintritt zu minimieren. Das im Jahr 1949 gegründete Unternehmen ist eine Tochter der Vivatis Holding und hat sich über die Jahre zu einer vielseitigen Markenschmiede und einem verlässlichen Partner des österreichischen Handels entwickelt.

Andreas, kannst du zu Beginn einmal kurz schildern, wer Maresi Austria ist und was das Unternehmen genau macht?

Die Maresi Austria GmbH ist einer der führenden österreichischen Markenartikel-Anbieter mit heimischen Wurzeln und internationaler Ausrichtung. Wir managen ein vielfältiges Marken-Portfolio bestehend aus eigenen Marken wie die Maresi Alpenmilch, Knabber Nossi, Inzersdorfer und Partnermarken wie Ovomaltine, Lays Snacks, Santa Maria Tex Mex oder Isostar. Viele unserer Marken sind sogenannte Category Champions – also Marktführer in ihrer Warengruppe – und zeichnen sich durch hohe Qualität und Innovation aus. Neben Österreich decken wir mit eigenen Länderorganisationen Ungarn, Tschechien, Slowakei und Rumänien ab, so erreichen wir insgesamt mehr als 50 Mio. Konsument*innen. Wir sind ein zertifizierter Foodbroker und beliefern den Lebensmittel- und Drogeriehandel.

Euer Fokus liegt also neben den eigenen Marken auch auf der Unterstützung von Partnermarken, denen ihr eure Vertriebs- und Marketing-Expertise zur Verfügung stellt. Seit kurzem arbeitet ihr mit Cycle auch mit einem Startup zusammen, das sich auf die Herstellung von nachhaltigen Reinigungsmitteln aus Abwasser spezialisiert hat. Wie ist es zu dieser Zusammenarbeit gekommen?

Es gehört zu unseren Aufgaben, neue Marken für den Vertrieb bei Maresi zu gewinnen. Dementsprechend aufmerksam beobachten wir innovative Konzepte. Der Kontakt mit potenziellen Markenpartnern erfolgt entweder direkt oder durch Vermittlung in unserem Netzwerk. Sehr viele Unternehmen wenden sich auch direkt an uns, um uns ihre Marke anzubieten. Bei Cycle kam die Vermittlung aus unserem Partner-Netzwerk. Ich war persönlich von der Geschichte des Produktes ebenso fasziniert wie vom geschäftsführenden Markeninhaber selbst, ein typischer Entrepreneur.

Entrepreneure ticken ja bekanntlich anders als zum Beispiel internationale Konzerne. Was ist diesbezüglich der größte Unterschied für Maresi in der Zusammenarbeit?

Wir behandeln jede Marke, egal ob Startup oder internationaler Konzern, wie unsere eigene, begegnen unseren Markenpartnern immer auf Augenhöhe. Wir gestalten einen Business Case und arbeiten mit Leidenschaft an dessen Umsetzung. Bei etablierten Marken geht es sehr oft darum, ein bestehendes Konzept für den heimischen Markt zu „customizen“. Wir wollen sicher gehen, dass wir unsere heimischen Konsumenten mit einer internationalen Marke bestmöglich ansprechen. Bei Startups mit tollen, innovativen Ideen geht es oft darum, sicherzustellen, dass die Spielregeln der Branche verstanden und eingehalten werden. Neben der Vermarktung
selbst ist hier Coaching eine wichtige Aufgabe.

Beratungsresistenz wird vom Handel als einer der größten Scheiterungsgründe von Startups angeführt. Ortest du diese in deinen Gesprächen?

Nein, das kann ich nicht bestätigen. Im Gegenteil. Gerade bei Yogi Tea und Cycle wurden wir schon in der Anfangsphase eingeladen bei Prozessen mitzuentscheiden – das bin ich bei globalen Playern gar nicht gewohnt. Da ging es zum Beispiel auch um Packungsgestaltung oder Promotionevaluierung. Hier nimmt man dankbar unsere Expertise an und wir haben als Distributeur – und das ist vielleicht etwas überraschend – auch ein sehr großes Marketingteam und die eigenen Marken und die Partnermarken sind getrennt voneinander, um sicherzustellen, dass die Partnermarken auch wirklich die Aufmerksamkeit bekommen, die sie brauchen.

Ich möchte noch einmal auf Cycle zu sprechen kommen. Was ist denn – abgesehen vom Gründer – für dich das besondere an dieser Marke?

Wir bieten der Fangemeinde der umweltbewussten Konsumenten eine neue Dimension. Bei Cycle ist die Einzigartigkeit des Konzepts schnell erklärt. Man muss verstehen, dass die Hauptzutat bei allen flüssigen Reinigern Wasser ist. Bisher verarbeiten alle Hersteller, egal ob Bio oder nicht, Quellwasser. Cycle ist die erste Marke, die mit innovativen Technologien Nutzwasser aufbereitet und in Kombination mit biologischen Stoffen wie Bio-Essig zu wirksamen Reinigern verarbeitet. Damit wird vereinfacht gesagt Trinkwasser gespart. Die Marke impliziert einen lupenreinen Recyclingprozess. Das ist die stärkste Ansage, die es aktuell in der Kategorie gibt.

Cycle ist im Vergleich zu anderen Reinigern etwas hochpreisiger. In Krisenzeiten sind die Menschen prinzipiell sparsamer – könnte das zu einem Problem für Cycle werden?

Das glaube ich nicht, denn die umweltbewussten Konsumentinnen sind bereit einen aktiven Beitrag zu leisten. Sie investieren dort, wo sie überzeugende Lösungen vorfinden. Die Sparsamkeit besteht zunehmend im Verzicht auf alte, traditionelle und umweltbelastende Produkte.

Mit Cycle öffnet ihr euer Portfolio in Österreich für Non Food Brands. Bisher habt ihr euch ja stark auf den Vertrieb von Food-Produkten konzentriert. Wieso dieser Strategiewandel?

Wir betreuen als Foodbroker mit unseren Tochtergesellschaften in Osteuropa bereits prominente Non-Food-Marken wie Dr. Beckmann, Duracell und Salvequick. Die Aufnahme von Cycle in Österreich ist für Maresi ein logischer und konsequenter Schritt. Wir decken mit dem Drogeriehandel und den Verbrauchermärkten auch jene Einkaufsstätten ab, in denen die Kategorie Reiniger hauptsächlich angeboten wird.

Wie groß ist euer Portfolio derzeit? Also wie viele Marken betreut ihr und wo soll die Reise in Bezug auf die Anzahl noch hingehen?

Aktuell betreuen wir allein in Österreich 20 Marken, in Osteuropa insgesamt 50 Marken. Das Wichtigste dabei – wie schon vorhin gesagt: Wir betreuen jede Marke, als wäre sie unsere eigene. Wir haben große Businessteams, deren Kapazität wir an die aktuellen Betreuungserfordernisse anpassen. Solange wir die optimale Betreuung garantieren können und unsere Markenpartner mit uns zufrieden sind, gibt es kein Limit.

Falls jetzt jemand aus der Community darüber nachdenkt, den Vertrieb in die Hände von Maresi zu legen, was muss die Marke mitbringen? Muss sie sich in einem bestimmten Stadium befinden und gewisses Umsatzpotenzial mitbringen?

Am Allerwichtigsten ist ein überzeugendes Konzept und eine ausreichend große Nachfrage. In einem ersten Schritt evaluieren wir den aktuellen Markt bzw. das Marktpotential. Bei der Evaluierung führen wir im Vorfeld auch Gespräche mit unseren wichtigsten Kunden aus dem Handel. Sie sind die erste Prüfung für eine Marke. Eine Übernahme ist in jedem Stadium möglich. Wir übernehmen ein bestehendes Geschäft ebenso wie einen kompletten Neustarter. Es kommt auch öfters vor, dass wir eine Marke gemeinsam mit dem Markenpartner betreuen, indem wir uns die Kunden oder Aufgaben so aufteilen, dass daraus eine optimale Marktbearbeitung entsteht.

Wenn ihr den Vertrieb für Marken übernehmt, dann entstehen natürlich auch Kosten. Kannst du einen Einblick geben, was diesbezüglich auf eure Kooperationspartner zukommt?

Das lässt sich nicht generell beantworten. Wir erarbeiten stets ein maßgeschneidertes Betreuungskonzept für unseren Markenpartner. Generell gilt für unsere Markenpartner, dass wir mehr bringen, als wir kosten bzw. aufgrund von Synergien in der Regel weniger kosten als eine eigene Organisation in vergleichbarer Qualität.

Warum sollte man dieses Geld deiner Ansicht nach auf jeden Fall in die Hand nehmen? Welche Hürden sind vielleicht im Zuge einer Partnerschaft leichter zu meistern?

Das beginnt bei unserem Netzwerk – wir kennen aufgrund unseres Markenportfolios nahezu alle Einkäufer im Handel persönlich und können damit von Anfang an eine qualifizierte Kundenansprache garantieren. Wir haben mit allen Lebensmittel- und Drogeriehändlern eine bestehende, intensive Geschäftsbeziehung und kennen damit bestens Abläufe und Strukturen. Mit der Bündelung erhalten unsere Markenpartner bessere Preise – z.B. in der Logistik – und mehr Betreuungskapazität – z.B. im Außendienst. Zusammengefasst genießen unsere Markenpartner die Vorteile eines eingespielten Teams zu vergleichbar günstigeren Konditionen.

Du kennst ja beide Seiten, denn du warst sowohl bei großen Markenartiklern wie Nestlé oder Mars tätig, hast aber auch im Handel als Geschäftsführer der Markant Österreich gearbeitet. Was sind generell die größten Challenges, wenn es um eine Listung im Handel geht?

Der Handel erwartet ein überzeugendes Konzept, sowohl was das Produkt selbst betrifft als auch die Aktivierung der Marke zur Unterstützung des Hinausverkaufs an die Konsumenten. Das richtige Preis-Leistungsverhältnis mit zufriedenstellender Handelsspanne ist eine notwendige und verständliche Rahmenbedingung aber allein noch keine Begründung für eine Listung.

Viele Start-ups haben das Ziel, ihre Produkte zu exportieren. Maresi ist, wie du vorhin gesagt hast, auch im Ausland aktiv. Was muss man bedenken, wenn man einen Markteintritt im Ausland anstrebt?

Wir haben in jedem Land eine eigenständige lokal verankerte Mannschaft. Und das aus gutem Grund. Man muss in jedem Land die Bedürfnisse von Kunden und Konsumenten verstehen und auch mit den rechtlichen Anforderungen vertraut sein. In den seltensten Fällen kann man ein einheitliches Konzept über alle Länder stülpen.

Lass uns noch kurz über das vergangene und auch das heurige Jahr sprechen – eine Ausnahmezeit für nahezu alle Unternehmen in allen Branchen. Wie ist denn Maresi bisher durch die Krise gekommen und was hat euch als Unternehmen dabei am meisten gefordert?

Mit der Schließung der Gastronomie, eingeschränkter Bewegungsfreiheit, Home Office und Distance Learning hat sich der Lebensmittelpunkt auf die eigenen vier Wände konzentriert. Die Mahlzeiten wurden zu Hause zubereitet und verzehrt. Als Anbieter von Lebensmitteln haben wir von dieser Situation sehr profitiert und 2020 ein zweistelliges Umsatzwachstum erzielt. Mit Marken wie Inzersdorfer, Santa Maria und Shan’shi bieten wir drei führende Marken im Bereich Kochen und Genießen, perfekt für jede Situation.

Und wart ihr in Zeiten steigender Nachfrage immer lieferfähig?

Ja, und in diesem Zusammenhang möchte ich mich sehr bei unseren heimischen Produktionspartnern bedanken, die mit Extraschichten und Herzblut dafür gesorgt haben, dass wir nahezu immer liefern konnten. Wir waren sowohl mit unseren Lieferanten als auch unseren Handelskunden im täglichen Austausch, um die Warenverfügbarkeit auch in dieser Ausnahmesituation sicherzustellen.

Wie geht’s Maresi aktuell bzw. was habt ihr euch für 2021 noch vorgenommen?

Wir konnten das COVID-Momentum sehr gut nutzen, um daraus nachhaltiges Geschäft zu generieren. Wir haben im letzten Jahr viele neue Konsumentinnen gewonnen und zu Fans unserer Marken gemacht. Die bevorstehenden Sport-Events werden unsere Snack-Umsätze befeuern und mit den Lockerungsmaßnahmen werden auch unsere Impulsmarken, allen voran Knabber Nossi, wieder Fahrt aufnehmen. Damit erwarten wir auch heuer ein Wachstum aus dem bestehenden Geschäft. Und natürlich freuen wir uns jederzeit über neue Markenpartner.

Vielen Dank für dieses Gespräch.

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(c) Verena Nageler

Mit vierundzwanzig habe ich einen großen Teil meines Ersparten in ein Wiener Mobility-Startup gesteckt. Verrückt, ich weiß, aber ich habe verdammt viel gelernt, als ich am Tisch mit namhaften Business Angels aus Österreich und VCs wie Elevator Ventures, Uniqa Ventures und dem aws Gründerfonds sitzen durfte. Die Firma hieß goUrban, eine Plattform für Car- und Micro-Mobility-Sharing und für die Digitalisierung von Firmenflotten. Im September 2024 wurde goUrban von Wunder Mobility übernommen.

Geblieben ist mir aus dieser Zeit vor allem eine Lektion. Sie kommt in der aktuellen Debatte über autonomes Fahren fast nie vor: Ein Fahrzeug ist noch kein Geschäftsmodell.

Beim Sharing entscheidet nämlich nicht die App. Fahrzeuge wollen geladen, gereinigt, gewartet und umverteilt werden. Sie müssen dort stehen, wo in zwanzig Minuten jemand sucht. Stehen sie falsch, kosten sie Geld. Sind sie defekt, ist die Kund:in weg. Bleibt die Auslastung aus, hilft die beste Technologie nichts.

Beim autonomen Fahren ist und wird das nicht anders sein. Die Person am Steuer kann verschwinden. Der Betrieb bleibt ja trotzdem.

Die USA und China machen es logisch, aber anders

Die USA und China skalieren autonome Mobilität dort, wo Dichte, große Flotten und zahlungsbereite Kund:innen zusammenkommen. Das Robotaxi ist als individuelles Produkt gedacht und fährt zuerst in den Gebieten, in denen sich der Betrieb rechnet. Das ist logisch und funktioniert dort auch.

Bei uns sind die Voraussetzungen andere. Wir haben ein dichtes öffentliches Netz, starke Verkehrsverbünde und die politische Erwartung, dass Mobilität auch dort funktioniert, wo sie sich betriebswirtschaftlich nicht ausgeht.

Ein europäisches Waymo zu bauen, löst diese Frage nicht. Der Bahnhof im Seitental, der Weiler am Dienstagabend, der Tourismusort im November: Da fehlt kein weiteres einzelnes Fahrzeug. Da fehlt das System, das dieses Fahrzeug in den öffentlichen Verkehr einhängt.

Die spannendste europäische Position liegt für mich deshalb nicht im Technologie-Layer. Sie liegt bei denen, die Flotten betreiben, Nachfrage bündeln, Fahrten disponieren, Fahrzeuge laden und warten, Schnittstellen zu den Verbünden bauen und Gemeinden, Betriebe und Behörden an einen Tisch bekommen. Also bei der unglamourösen Arbeit.

Ohne Nachfrage keine Skalierung

Autonome Fahrzeuge rechnen sich erst, wenn sie regelmäßig fahren. Und genau hier wird der Tourismus unterschätzt.

Eine Destination bündelt Nachfrage räumlich und zeitlich. Samstagvormittag kommen die Gäste an denselben zwei, drei Bahnhöfen an. Sie fahren zu einer überschaubaren Zahl an Unterkünften, Bergbahnen, Veranstaltungsorten und Ausflugszielen. Diese Wege sind planbarer als die einer beliebigen Stadtbevölkerung. Wir sehen das in unseren Daten immer wieder.

Ein einzelnes Hotel wird trotzdem nie eine autonome Flotte aufbauen. Eine Region kann es. Sie kann die Nachfrage aus Beherbergung, Freizeitwirtschaft, Bevölkerung und öffentlichem Verkehr zusammenlegen. Aus einzelnen Fahrten wird ein Bediengebiet, aus dem Pilotprojekt ein Angebot, das bleibt. Und die Einheimischen fahren mit. Das ist der Punkt, an dem Konnektivität das Leben am Land wieder attraktiver macht.

Nur: Irgendwer muss diese Struktur aufsetzen. Wer übernimmt die Buchung? Wer garantiert den Anschluss, wenn der Zug 18 Minuten Verspätung hat? Wer zahlt die schwachen Zeiten? Wem gehören die Daten? Wer haftet, wenn eine Fahrt ausfällt? Und wer entscheidet, ob das Fahrzeug zum gut ausgelasteten Bahnhof fährt oder zum Betrieb am Ende des Tals?

Das klingt weniger nach Zukunft als Sensorik und Fahrzeugmodelle. Wirtschaftlich entscheidet es mehr.

Menschen steigen nicht wegen der Technik um

Das beste Angebot scheitert, wenn es niemand nutzt. Und die Rolle des Klimabewusstseins wird dabei gehörig überschätzt.

Der Gast lässt das Auto nicht stehen, um ein guter Mensch zu sein. Er lässt es stehen, wenn die Alternative bequemer ist und er sich darauf verlassen kann. Wenn sie günstiger ist, umso besser.

Der Urlaub ist dafür ein guter Moment. Menschen sind aus ihren Routinen raus, probieren Sachen aus, organisieren ihre Wege ohnehin neu. Ob das zuhause nachwirkt, ist noch nicht ausreichend belegt, da würde ich mich nicht zu weit hinauslehnen. Für eine Destination reicht der Urlaub trotzdem: Hier lässt sich zeigen, dass es ohne eigenes Auto geht, ohne dass sich jemand einschränken muss.

Die Technologie macht es möglich. Genutzt wird sie erst, wenn sie im Alltag der Gäste die bequemere Variante ist.

Wer das System organisiert, dem gehört der Markt

Europa pilotiert viel und skaliert wenig. Das liegt nicht nur an Regulierung und technischer Vorsicht. Meistens fehlt jemand, der aus Fahrzeug, öffentlichem Verkehr, touristischer Nachfrage und regionaler Verantwortung ein Produkt macht.

Waymo wird uns das nicht bauen. Und auch kein europäischer Fahrzeughersteller wird entscheiden, wie der Gast vom Bahnhof in ein österreichisches Seitental kommt.

Die unternehmerische Chance liegt zwischen den Zuständigkeiten. Sie gehört denen, die Betreiber, Verkehrsverbünde, Destinationen, Gemeinden und Betriebe koordinieren und daraus ein Angebot machen, das an einem Dienstag im November genauso funktioniert wie am Anreisesamstag im Winter.

Wer damit anfangen will, braucht dafür übrigens kein autonomes Fahrzeug. Es reicht, in einer Region die Fragen von oben zu beantworten: Buchung, Anschluss, Finanzierung der schwachen Zeiten, Daten, Haftung. Wer das geklärt hat, ist bereit, wenn die Fahrzeuge kommen. Die anderen pilotieren dann noch.

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