01.03.2019

China: Mäuse können nach Nanopartikel-Injektion Infrarot sehen

Die Forschungsleistung dahinter ist komplex - der tatsächliche Vorgang ist dann relativ simpel. Forscher einer chinesischen Universität haben eine Nanopartikel-Lösung entwickelt, die nur in die Netzhaut einer Maus injiziert werden muss, damit diese Infrarot sehen kann. Der Zweck der Sache geht aber weiter.
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Labormäuse sehen Infrarot
(c) fotolia.com - Holger

Der Mensch kann Licht bekanntermaßen nur in einem bestimmten Wellenlängenbereich sehen (ca. zwischen 430 und 770 Nanometern). Die genaue Wellenlänge entscheidet dabei darüber, welche Farbe wahrgenommen wird. Die kürzeste Wellenlänge hat dabei die Farbe Rot (ganz oben im Regenbogen), die längste Violett (ganz unten). Entsprechend wird die Strahlung im gerade nicht mehr sichtbaren Bereich als Infrarot (kürzere Wellenlängen) bzw. Ultraviolett (längere) bezeichnet. Soviel zur Physik.

Für die Wahrnehmung des Lichts beim Menschen (und bei Tieren) sind verschiedene Rezeptortypen in der Netzhaut verantwortlich, die jeweils für bestimmte Bereiche des Lichtspektrums empfindlich sind. Bei Menschen mit Farbenfehlsichtigkeit (Farbenblindheit) fehlen die Rezeptoren für bestimmte Wellenlängen. Soviel zur Biologie.

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Farbenfehlsichtigkeit: Therapie mit Umweg über Infrarot sehende Mäuse

Wissenschaftler einer chinesischen Universität sind nun einer möglichen Therapie für die Farbenfehlsichtigkeit auf der Spur, wie sie in einem im Wissenschaftsmagazin „Cell“ veröffentlichten Paper beschreiben. Sie begaben sich in der Forschung aber auf einen Umweg. Denn statt direkt an der Farbenblindheit anzusetzen, beschäftigten sie sich mit dem nicht sichtbaren infraroten Licht.

Nanoantennen umhüllen Zellen

Dazu entwickelten sie sogenannte „Nanoantennen“. In Form einer Lösung wurden die Nanopartikel in die Netzhäute von Versuchsmäusen injiziert. Diese waren nachher dazu in der Lage, infrarotes Licht zu sehen. Konkret umhüllen die injizierten Infrarot-Strahlung absorbierenden Moleküle Rezeptorzellen, die üblicherweise grünes Licht wahrnehmen, wodurch diese adaptiert werden. Die Mäuse hätten nach der Injektion augenblicklich Infrarot sehen können, berichten die Wissenschaftler.

Ob sich für Menschen auch ein Usecase daraus ergibt, Infrarot sehen zu können, sei an dieser Stelle dahingestellt. Neben einer Behandlung der Farbenfehlsichtigkeit könnten sich allerdings weitere Möglichkeiten in der Behandlung von Augenerkrankungen ergeben, sagen die Wissenschaftler.

⇒ Zum Paper

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Öklo-Geschäftsführer und Gründer Niko Bogianzidis mit
Öklo-Geschäftsführer und Gründer Niko Bogianzidis mit "Golden Shower" | (c) Öklo

Die britische Times, die deutsche Bild-Zeitung und die französische Nachrichtenagentur AFP griffen die Story im Frühling 2025 auf: Das Wolkersdorfer (NÖ) Startup Öklo, nach eigenen Angaben Europa-Marktführer bei Komposttoiletten, kündigte ein Bier aus recyceltem Urin an. Eineinhalb Jahre später setzte das Unternehmen rund um Gründer Niko Bogianzidis das Vorhaben nun in die Tat um.

„Aufs Patriarchat pinkeln“

Gerade einmal 2.500 Flaschen zu je 0,33 Liter umfasst die erste und möglicherweise einzige Charge des Biers mit dem Namen „Golden Shower“. Diese sollen nur im Rahmen spezieller Aktionen verkauft werden und sonst von Öklo selbst in seinem Netzwerk genutzt werden. Mit der stilisierten Abbildung einer Transgender-Person und dem Slogan „aufs Patriarchat pinkeln“ auf dem Etikett sorgt das Bier gewiss für zusätzliche Aufmerksamkeit.

Auch das Etikett von „Golden Shower“ sorgt für Aufmerksamkeit | (c) Öklo

Bewusstsein für Wasserverschwendung als Hauptziel

Wer hinter all dem eine Marketing-Aktion vermutet, hat freilich Recht. Noch mehr als die erwähnte politische Message auf dem Etikett betont Gründer Bogianzidis ein anderes Ziel: „Mein Ziel mit Öklo und eben auch unserem nun produzierten Urin-Bier ‚Golden Shower‘ war und ist es, Bewusstsein für Wasserverschwendung zu schaffen und dieser im Sinne der Kreislaufwirtschaft entgegenzuwirken. Wasserknappheit ist auch bereits vor unserer Haustür und in ganz Europa ein Riesenthema, wie dieser Sommer zeigt, und wird noch an Bedeutung gewinnen“, sagt er.

Zudem sei es ein Anliegen des Projekts, Urin als Wertstoff anzuerkennen, etwa wiederverwertet als Brauchwasser oder als hochwertige Phosphorquelle. „Anstatt ihn in Phosphorminen in Afrika & Co. teuer als Langzeitdünger auszugraben, wäre es auch möglich, einen Gutteil des Bedarfs über diesen Weg direkt vor Ort zu decken. Es war und ist viel möglich, wenn Entscheidungsträger nur wollen“, so Bogianzidis.

Nur destilliertes Wasser aus Urin im „Urin-Bier“

Auch für „Golden Shower“ wird nur ein einzelner Bestandteil des aufbereiteten Urins genutzt, nämlich destilliertes Wasser. „Wir haben zuerst den Nährstoff Struvit, der als hochwertiger Langzeitdünger verwendet wird und dann Stickstoff aus dem Urin gefiltert. Anschließend wurde das Wasser mittels des Prozesses der Umkehrosmose und anschließender Destillation final bearbeitet und nutzbar gemacht“, erklärt der Gründer. Das gereinigte Wasser sei dann von einem offiziellen Ziviltechnikerbüro in Prüftests als gesundheitlich unbedenklich und für den Brauvorgang geeignet abgesegnet worden.

Diesen übernahm dann die Mostviertler Bio-Brauerei Erzbräu mit Braumeister Benjamin Bruckner. Den Kontakt habe Öklo-Kooperationspartner Muschikraft, eine feministische Craftbier-Marke, hergestellt. „Wir haben uns für die Produktion eines hochwertigen, nicht gefilterten Märzen, zu Englisch Lager, entschieden. Da destilliertes Wasser nicht wirklich lebt, haben wir die 1.000 Liter Wasser von Öklo sicherheitshalber mit zehn Prozent frischem Quellwasser im Tank angereichert, damit die Hefe als lebender Zellorganismus jedenfalls gut reagieren und arbeiten kann“, erklärt Bruckner.

Erzbräu-Braumeister Benjamin Bruckner | (c) oliacreations

Auch er betont die Zielsetzung der Aktion: „Wir leben in einer sehr ressourcenraubenden, verschwenderischen Gesellschaft. Gerade auch beim knappen Gut Wasser, wie wir selbst in Europa diesen Rekordsommer gesehen haben. Es gibt aber effiziente Wege, dem zu begegnen und gegenzuwirken und darauf wollen wir mit diesem Projekt hinweisen.“

Weitere Chargen laut Öklo „nicht ausgeschlossen“

Ob es bei den 2.500 Flaschen bleibt, ist aktuell noch unklar. Weitere Chargen seien „nicht ausgeschlossen“, heißt es von Öklo dazu lediglich. Indessen treibe man weiterhin das Leuchtturm-Projekt „Öklo-Land“ voran – Gründer Bogianzidis sprach dazu bereits vor einem Jahr im brutkasten-Talk. Auf 13.000 Quadratmetern nahe Wolkersdorf soll dabei ein modulares Biomasse-Recycling-Center und Kompetenzzentrum entstehen, das menschliche Fäkalien und biologische Abfälle in Rohstoffe wie Wasser, Dünger und Pellets sowie in Energie, konkret Biogas, umwandelt.

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