27.03.2026
INTERVIEW

Maderthaner: „Wer mit zu viel Ballast in die Transformation marschiert, geht als Erstes unter“

Interview. Während das operative Tagesgeschäft laut dem neuen Leaders of Transformation Barometer die Innovationskraft heimischer Unternehmen lähmt, drängt das Thema Künstliche Intelligenz massiv auf die Agenda. Wir haben mit Unternehmer und Mentor Philipp Maderthaner darüber gesprochen, wie CEOs in diesem Spannungsfeld den Sprung von der Krisenstimmung zur echten Erneuerung schaffen.
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Philipp Maderthaner | (c) Ricardo Herrgott.

Die Stimmung in den österreichischen Teppichetagen ist angespannt, das zeigt der aktuelle Leaders of Transformation Barometer unmissverständlich. Die repräsentative Erhebung, durchgeführt von Business Gladiators in Kooperation mit Leitbetriebe Österreich, offenbart, dass über 90 Prozent der befragten C-Level-Führungskräfte die wirtschaftliche Lage bestenfalls als neutral bewerten, viele rechnen mit Stagnation. Gleichzeitig ist die Einsicht hart: Mehr als die Hälfte der Manager:innen sieht massiven Veränderungsbedarf beim eigenen Geschäftsmodell, um zukunftsfähig zu bleiben (brutkasten berichtete).

Doch zwischen dieser harten Erkenntnis und der tatsächlichen Umsetzung klafft oft eine gewaltige Lücke – der sogenannte „Execution Gap“. Laut der Studie scheitert die notwendige Transformation selten an fehlenden Strategien, sondern vielmehr an der Dominanz des Tagesgeschäfts und verkrusteten Unternehmenskulturen. Wie gelingt in einem so volatilen Umfeld, in dem auch noch Künstliche Intelligenz alles auf den Kopf stellt, der radikale Wandel?

Darüber haben wir mit Philipp Maderthaner, Gründer und Managing Partner von Business Gladitors, gesprochen. Für die brutkasten-Community ordnet er die jüngsten Ergebnisse ein.


brutkasten: Wie gelingt heimischen CEOs konkret der Sprung von dieser harten Einsicht hin zur tatsächlichen Entwicklung echter, radikal neuer Geschäftsmodelle, wenn das operative Tagesgeschäft – das laut Studie als größter Transformationsblocker gilt – scheinbar alle Innovationsressourcen frisst?

Philipp Maderthaner: Es ist ein Klassiker, dass viele CEOs und Gründer:innen im Tagesgeschäft verhaftet sind, wo es eigentlich ihre wichtigste Aufgabe ist, am Unternehmen zu arbeiten, anstatt nur im Unternehmen. Die Wurzel liegt oft in einem falschen Verständnis von Führung und einem Hang zum Micro-Management. In Zeiten massiver Transformation muss es oberste Priorität sein, sich freizuspielen für den Blick nach Vorne. Das gelingt nur über die Stärkung der Führung und Unternehmenskultur im Unternehmen.

Wird KI in der heimischen Wirtschaftselite derzeit wirklich schon genutzt, um disruptive, datengetriebene neue Geschäftsmodelle zu kreieren, oder verharrt die Innovationskraft hier primär auf der Ebene der reinen Prozessoptimierung und Kostenreduktion?

Philipp Maderthaner: Prozessoptimierung und Kostenreduktion sind in der aktuellen Phase gar keine schlechte Idee. Der Wettbewerbsdruck wird durch KI massiv steigen und es ist aus meiner Sicht eine zentrale Aufgabe von Unternehmen, an ihrer Rentabilität zu arbeiten. Der Speck muss weg, wer mit zu viel Ballast in diese Transformation marschiert, geht als Erstes unter. Natürlich liegt auch unendliches Potenzial in der Ertragsseite und neuen Geschäftsmodellen. Es ist kein Entweder oder.

Lassen sich unter diesen strukturellen Voraussetzungen überhaupt neue Geschäftsmodelle aus dem Kernunternehmen heraus entwickeln, oder braucht es dafür zwingend externe Vehikel wie Spin-offs oder Corporate Venture Building?

Philipp Maderthaner: Auch hier ist die Antwort nicht entweder oder. Ja, externe Vehikel sind aus meiner Sicht eine gute Idee, wenn es rasch einen guten Boden braucht, auf dem man eine radikale Innovation pflanzen und entwickeln will. Und gleichzeitig ist es fatal, wie wenig Unternehmen in strategisches und kulturelles Alignment investieren. Bei Business Gladiators sind wir in diesem Bereich sehr datengetrieben und vermessen bei unseren Kunden das Alignment am Beginn und Ende der Transformationsprozesse, die wir begleiten. Am Anfang stehen wir hier bei Werten zwischen 30 und 50 Prozent, das heißt nur drei bis fünf von zehn Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern stehen hinter der Strategie und Kultur eines Unternehmens. Wenn wir fertig sind, stehen wir oft bei neun von zehn. Das macht schon einen Unterschied.

Abschließend zur Risikobereitschaft. Die wirtschaftliche Stimmung ist extrem angespannt. Wie stark lähmt dieser defensive „Krisenmodus“ die Innovationskraft der CEOs, wenn es darum geht, tief in noch ungetestete, völlig neue Geschäftsfelder zu investieren, anstatt nur das wackelnde Kerngeschäft abzusichern?

Philipp Maderthaner: Der Knackpunkt ist: Wir befinden uns in einem wirtschaftlichen „Winter“, einer sehr herausfordernden Phase in einer zyklischen Entwicklung. Wer bis hierher exzellent gewirtschaftet und seine Hausaufgaben gemacht hat, hat jetzt das Potenzial, bereits wieder aufs Gas zu drücken, während andere noch zögern. Das kann die nächsten großen Gewinner produzieren. Viele der erfolgreichsten Unternehmen der Welt wurden in solchen Krisenphasen gegründet. Wer allerdings jetzt schon im Überlebensmodus läuft, tut sich damit natürlich schwer. Die Hausaufgaben sind dann noch zu tun und die liegen vor allem darin, die Schlagkraft des Unternehmens zu erhöhen, KI Potenziale zu heben, aber vor allem auch das volle Potenzial des eigenen Teams auf die Straße zu bringen, indem alle an einem Strang ziehen.

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© ESA/NASA

Astronaut:innen trainieren auf der Internationalen Raumstation (ISS) täglich bis zu zweieinhalb Stunden, um dem Abbau von Muskeln und Knochen in der Schwerelosigkeit entgegenzuwirken: Laufband, Ergometer und ein eigens entwickeltes Widerstandsgerät gehören zum Pflichtprogramm. Ob elektrische Muskelstimulation (EMS) dieses Training wirksamer machen kann, untersucht das Experiment „EasyMotion-2″ der Deutschen Raumfahrtagentur im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und der Charité Berlin. Die französische ESA-Astronautin Sophie Adenot trägt dafür einen Trainingsanzug von EasyMotionSkin, einem Unternehmen mit operativer Zentrale in Reith bei Seefeld in Tirol.

Sechs Wochen Training mit Elektroden

Adenot hat am 17. Juli 2026 im Rahmen ihrer Langzeitmission „εpsilon“ begonnen, mit dem Anzug auf der ISS zu trainieren. Das war der Startschuss für ein sechswöchiges Programm zur Stärkung ihrer Skelettmuskulatur. Der Anzug gibt über integrierte Elektroden niederfrequente Impulse an die Muskulatur ab und soll so den Trainingseffekt der regulären Einheiten erhöhen. Für den Einsatz im All wurde das System von der OHB System AG angepasst und qualifiziert. Die wissenschaftliche Leitung liegt bei Dieter Blottner vom Zentrum für Weltraummedizin und Extreme Umwelten der Charité, das Europäische Astronautenzentrum (EAC) der ESA unterstützt das Experiment.

Das Ziel reicht über die ISS hinaus: Die Daten sollen laut DLR dazu beitragen, EMS-Training fest in den Alltag von Astronaut:innen zu integrieren und damit künftige Reisen zum Mars sicherer zu machen. Eine solche Mission würde rund zwei Jahre dauern, wobei die Crew nach etwa neun Monaten Flug in Schwerelosigkeit den Planeten selbstständig betreten und dort arbeiten müsste. Muskelschwund auf dem Hinweg ist dabei eines der zentralen medizinischen Probleme.

Zweiter Anlauf nach Matthias Maurer

Es ist nicht der erste Einsatz des Anzugs im All. Während der ESA-Mission „Cosmic Kiss“ (2021 bis 2022) trainierte der deutsche Astronaut Matthias Maurer bereits mit dem System, brutkasten berichtete damals. „Es ist bemerkenswert zu sehen, welche bedeutenden Fortschritte die Entwicklungsteams seit der ersten Mission bei der Optimierung des Anzugkonzepts für den Einsatz auf der Raumstation erzielt haben. Ich freue mich sehr, dass wir EasyMotion-2 nun gemeinsam mit Sophie Adenot weiterführen können“, sagt Julia Weis, LEO (Anm. Low Earth Orbit) & Suborbital Utilisation Team Leader bei der ESA.

Adenot, Jahrgang 1982, ist Hubschrauberpilotin der französischen Luftwaffe und Luftfahrtingenieurin. Seit November 2022 gehört sie dem Europäischen Astronautenkorps an, ihre Grundausbildung schloss sie im April 2024 ab.

Was auf der Erde davon bleibt

Die Erkenntnisse aus dem All sollen auch in Trainings-, Therapie- und Präventionskonzepte auf der Erde einfließen, von der Rehabilitation bis zur Prävention altersbedingter Veränderungen. Das ist auch die Perspektive von Christian Jäger, dem Tiroler Unternehmer und Investor hinter EasyMotionSkin: „Entscheidend ist für mich aber ebenso der Nutzen auf der Erde: EasyMotionSkin soll Menschen dabei unterstützen, effizient zu trainieren, ihre körperliche Leistungsfähigkeit zu erhalten und etwas für ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden zu tun. Die Erkenntnisse aus dem Einsatz unter Extrembedingungen können dazu beitragen, die Technologie weiterzuentwickeln und damit auch vielen Menschen auf der Erde zugutekommen.“

EasyMotionSkin wurde von Dirk Fritzsche gegründet. Jäger, 2023 auch als Investor bei „2 Minuten 2 Millionen“ zu sehen, war zunächst mit einem kleinen Investment eingestiegen, bevor er die Firma gänzlich übernahm. Heute ist EasyMotionSkin nach eigenen Angaben Teil der deutschen milon group.

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