12.07.2023

Macht ChatGPT jetzt Sommerpause?

ChatGPT, der allwissende KI-Chatbot von OpenAI, verzeichnete im Juni erstmals sinkende Nutzerzahlen. Ist der Hype nun vorbei oder der Bot auf Sommerpause?
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(c) Adobe Stock
mit Visuals

ChatGPT, OpenAIs allwissender Chatbot, ist letzten November an den Start gegangen. Der auf einem Sprachmodell basierende KI-Chatbot liefert Antworten zu fast allen erdenklichen Fragen – und wurde seit seinem Launch dementsprechend oft genutzt.

Im vergangenen Juni gingen die weltweiten Zugriffszahlen auf das Sprachmodell allerdings zurück, und zwar um knappe 10 Prozent im Vergleich zum Vormonat Mai. Zu diesen Ergebnissen kam die Traffic Analyse von Similarweb, einem Londoner IT-Unternehmen mit Dienstleistungen im Bereich Web Analytics, Data-Mining und Business Intelligence.

Konkret haben sich die Zugriffe über die Desktop- und Mobilversion auf die ChatGPT Website, chat.openai.com, um 9,7 Prozent verringert. In den USA waren es sogar 10,3 Prozent. Darüber hinaus seien auch die Downloads der ChatGPT App eingebrochen, so Similarweb.

Geringere Verweildauer – ein schlechtes Zeichen?

Auch die Zahl der Unique Visitors, also aller Nutzenden, die das erste Mal auf die Website zugreifen, habe sich im Juni im Vergleich zum Vormonat um 5,7 Prozent verringert. Nutzer:innen bleiben außerdem nicht mehr so lange im Chatbot: Similarweb zufolge habe sich die Verweildauer um 8,5 Prozent reduziert. Dabei muss es sich allerdings nicht unbedingt um eine negative Kennzahl handeln. Nutzende könnten auch einfach versierter im Umgang mit dem Chatbot geworden sein – und demnach schneller gesuchte Antworten bekommen.

ChatGPT immer noch beliebter als Bing

Der interaktive Chatbot von OpenAI sei allerdings immer noch beliebter als Microsofts Suchmaschine Bing. Auch die ChatGPT Alternative Character.AI wurde von denselben Analysten unter die Lupe genommen: Das textbasierte KI-Sprachmodell zeichnete sich als möglicher Rivale zu ChatGPT ab, verzeichnete in den letzten Monaten einen enormen Anstieg an Nutzerzahlen.

Bei Character.AI handelt es sich um eine spielerische Website, auf der Chatbots die Persönlichkeiten von Prominenten, historischen Figuren und fiktiven Charakteren annehmen. Ursprünglich begann Character.AI schnell, aber dennoch langsamer als ChatGPT zu wachsen. Im vergangenen Juni gingen aber auch hier die Zugriffszahlen deutlich zurück.

Zugriffszahlen auf ChatGPT und Character.AI im Vergleich (c) Similarweb

Ist der KI-Hype jetzt vorbei?

Den Forschenden von Similarweb zufolge können die fallenden Nutzungszahlen mit dem Nachlassen des „Neuheitsfaktors“ zusammenhängen. Der Chatbot diente ursprünglich als Demo, der Verkaufsanfragen für das Unternehmen OpenAI generieren soll. Natürlich steht es im Interesse von OpenAI, dessen Technologien in andere Unternehmen einzubetten und ihre Anwendungen – gegen Bezahlung – zur Verfügung zu stellen.

Similarweb zufolge soll Sam Altman, CEO von OpenAI, die Kosten für den Betrieb des größteils kostenlosen Chatbots als „eye watering“, zu Deutsch „tränenbringend“, bezeichnet haben. Externen Schätzungen zufolge handelt es sich dabei um 700.000 US-Dollar pro Tag.

Das Kostenproblem

Etwaige Einnahmen könne OpenAI – anders als die kooperierende Suchmaschine Bing – beispielsweise nicht über Werbemaßnahmen generieren. OpenAI sei nämlich nicht auf den Betrieb einer werbefinanzierten Website für den Massenmarkt ausgelegt. Die Haupteinnahmen von ChatGPT stammen aus dem Verkauf von Abonnements an all jene, die Zugang zu neuesten und besten Version des Chatbots haben wollen. Zahlende Nutzer:innen erhalten so unter anderem Zugriff zu GPT-4, OpenAIs neuester Chatbot-Version. Kostenlosen Nutzer:innen hingegen wird lediglich der Zugriff auf ältere Versionen des Chatbots gewährt. Die Nachhaltigkeit dieses Geschäftsmodells sieht Similarweb als fraglich.

ChatGPT in Sommerpause

Dass nicht nur ChatGPT sinkende Nutzerzahlen verzeichnet, sondern auch Character.AI als einer seiner Rivalen mit sinkenden Zugriffen kämpft, könnte ein Indiz darauf sein, dass der Hype um die KI-Chatbot-Neuheit nachgelassen hat. Dennoch können aber auch externe Faktoren Einfluss auf den Zugriffsrückgang nehmen – so etwa die Sommermonate, die Urlaubssaison und Sommerferien in Schulen und Universitäten. ChatGPT muss bis September vorerst also keine Hausaufgaben mehr schreiben.

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brutkasten hat Paul Blaguss zum Interview getroffen | (c) brutkasten / Haris Dervisevic

Das Wiener Familienunternehmen Blaguss hat zwölf batterieelektrische Reisebusse in den Regelbetrieb genommen und zählt damit zu den ersten Anbietern Österreichs, die E-Fahrzeuge im Reise- und Linienverkehr einsetzen. Geschäftsführer Paul Blaguss, der in seinem Berufsleben über 2.500 Busse gekauft und verkauft hat, spricht im brutkasten-Interview über die Wahl des chinesischen Herstellers Yutong, über ein hartes Zeugnis für die europäische Industrie und die EU-Industriepolitik, über Millioneninvestitionen in Lade- und Energieinfrastruktur und darüber, warum die Zukunft der Mobilität für ihn elektrisch, digital und perspektivisch autonom ist. Ein Gespräch über Standortfragen, Startup-Beteiligungen und die Frage, wann der letzte Buslenker in Pension geht.

Blaguss hat 2024 und 2025 einen zweistelligen Millionenbetrag in die Elektrifizierung der Flotte investiert. Was war der ausschlaggebende Grund?

Überall dort, wo es technologisch und produktseitig schon so weit ist, hat die Elektromobilität deutliche Vorteile gegenüber herkömmlichen Antrieben. Das fängt bei ganz banalen Dingen an: Standklimaanlage und Standheizung. Wenn ein Bus in der Nacht bei 40 Grad auf den Fahrer wartet, ist er vorgekühlt, ohne dass ein Motor läuft. Dazu kommt, dass wir in Österreich sehr viel Strom aus erneuerbarer Energie gewinnen, das hat einen enormen Impact. Für mich ist hundertprozentig klar, dass Elektromobilität die Zukunft ist.

Paul Blaguss am Firmengelände im 23. Bezirk vor einem der neuen batterieelektrischen Reisebuss | (c) brutkasten / Haris Dervisevic

Sie haben sich für den chinesischen Hersteller Yutong entschieden. Hätten Sie lieber europäisch gekauft?

Natürlich. Wir sind seit Jahren einer der Top-drei-, vier-Kunden von Daimlers Premiummarke Setra, ich kenne dort sämtliche Entwickler und den Vorstand, und wir finden die Produkte hervorragend. Aber Mercedes und MAN können heute keinen elektrischen Reisebus liefern, MAN kommt nächstes Jahr, Mercedes erst um 2030. Wir haben weltweit den Markt erkundet und sind relativ schnell in China gelandet, dort haben wir uns fünf, sechs, sieben Hersteller angesehen. Yutong erfüllt unsere Anforderungen an Qualität, Ausstattung, Erfahrung und Mindset am besten, das Fahrzeug hat eine Batteriegarantie von 15 Jahren für 1,5 Millionen Kilometer. Davon ist das, was Deutschland anbieten wird, meilenweit entfernt. Ich habe schon 2015 in Entwicklungsgesprächen gesagt, dass das kommt, das wollte man nicht hören. Die europäische Industrie ist nicht rechtzeitig auf diesen Zug aufgesprungen, das hat man schlicht verschlafen. Wasserstoff spielt im Pkw übrigens keine Rolle und im Busbereich höchstens im Fernverkehr, der Antrieb der Zukunft ist elektrisch.

Wie blicken Sie auf die Debatte rund um „Made in Europe“ und die Standortpolitik?

Made in Europe ist wichtig, wir brauchen Wertschöpfung in Österreich und in Europa. Ich finde es auch in Ordnung, ausländische Produzenten zu einer gewissen Wertschöpfung in Europa zu verpflichten. Die wesentlichen Komponenten dieses chinesischen Busses kommen ohnehin aus deutscher Industrie, da sind Bosch und ZF Friedrichshafen drinnen. Die Mobilitäts- und Industriepolitik der EU sehe ich in einigen Punkten durchaus kritisch. Man kann nicht den Import seltener Erden erschweren und gleichzeitig glauben, bei der Batterietechnologie aufzuholen. Wir können Batterien zu 99 Prozent recyceln, aber dann muss man die Voraussetzungen schaffen, dass hier wirklich geforscht werden darf, bis hinunter zu den nötigen Rohstoffen. In den vergangenen Jahren war die politische Linie zur Elektromobilität, sowohl auf Ebene der Bundesregierung als auch der EU, nicht immer konsistent. Aus meiner Sicht braucht es hier mehr Planbarkeit, Verlässlichkeit und Konsequenz.

Technologieoffenheit ist in dieser Debatte zu einem echten Buzzword geworden. Grundsätzlich ist diese Offenheit natürlich wichtig. Gleichzeitig sprechen die aktuellen Entwicklungen ganz klar dafür, dass die Elektromobilität im Pkw- und Busbereich die Zukunft ist.

Zwölf E-Reisebusse des chinesischen Herstellers Yutong hat Blaguss in den Regelbetrieb genommen | (c) brutkasten / Haris Dervisevic

Parallel investieren Sie massiv in die Energieinfrastruktur. Was bedeutet das konkret?

Wir hatten am Standort ursprünglich rund 150 bis 200 kW Anschlussleistung, die haben wir auf 1,2 Megawatt versechsfacht. Die Photovoltaik haben wir in mehreren Etappen auf rund 235 kWp ausgebaut und dazu einen Batteriespeicher von 1,5 Megawatt gebaut, um am Spotmarkt besser agieren zu können. In der Nacht ist Strom günstiger, im Sommer fallen die Preise zwischen 10 und 15 Uhr bei Sonnenschein teilweise sogar ins Negative. Dann ist es sinnvoll einzuspeisen, und wenn die Busse zurückkommen, laden wir sie entsprechend. Das ist auch eine Antwort auf die Dieselpreise jenseits der zwei Euro: In Österreich produzieren wir rund 80 Prozent unseres Stroms erneuerbar, würden wir alle Pkw umstellen, bräuchten wir zehn Prozent mehr Strom, die Busse und Lkw noch einmal fünf bis sechs Prozent. Das ist machbar.

500 Kilometer Reichweite: Wo sind aktuell die Grenzen?

Wir haben das gesamte Jahr 2024 analysiert und kommen zu dem Schluss, dass wir 95 Prozent aller Fahrten elektrisch durchführen können, die Reichweite schätzen wir sogar eher über 550 Kilometer. Acht dieser Busse werden schrittweise Linien in Bratislava bedienen, das sind Fahrzeuge mit 200.000 bis 250.000 Kilometern im Jahr. Beim Song Contest hatten wir das erste große Event, das wir mehrheitlich elektrisch gefahren sind. Das Feedback von Fahrern und Kunden ist hervorragend, der Kunde merkt den Unterschied gar nicht, außer dass es ruhiger ist.

brutkasten-Chefredakteur Martin Pacher im Gespräch mit Paul Blaguss über E-Mobilität, Energieinfrastruktur und autonomes Fahren | (c) brutkasten / Haris Dervisevic

Blaguss investiert auch in Startups. Mit welcher Motivation?

Vor rund neun Jahren, als die Elektromobilität noch sehr stiefmütterlich behandelt wurde und kein Hersteller sie wirklich wollte, haben wir mit VIBE begonnen. VIBE kann elektrische Großflotten managen und servicieren, das wird relevant, wenn etwa Uber mit einer autonomen Flotte nach Wien kommt: Die haben bisher Taxiunternehmen gemanagt, aber nie ein eigenes Auto, das kann VIBE. Taxi, Sharing und Firmenflotten wachsen zu einer Dienstleistung zusammen, und diese Learnings, etwa was Ladekapazität betrifft, fließen direkt in unser Kerngeschäft. Andere Beteiligungen liegen entlang unserer Wertschöpfungskette, sehr viel im Tourismus und Entertainment: Vienna Pass, immersive Shows, Virtual-Reality-Projekte, der Donauturm, das Johann-Strauß-Museum, zuletzt ein KI-Chatbot für die Hotellerie. Es muss reinpassen: Mobilität, Tourismus oder Entertainment.

Welches Innovationsthema beschäftigt Sie als Nächstes?

Das ganze Thema autonomes Fahren. Technisch ist es möglich, und ich mache mir Sorgen, dass wir eine ähnliche Verzögerung erleben wie bei der Elektromobilität. Wir sollten sehr schnell großflächig testen und selbst lernen, was diese Systeme können und was nicht, natürlich extrem abgesichert. Unser Infrastrukturminister ist sich dessen bewusst und geht in die richtige Richtung. Wir haben durch die Personalkostenentwicklung der letzten fünf Jahre rund 20 Prozent gegenüber Deutschland verloren, das erhöht den Druck enorm. Um gewisse Serviceleistungen hochzuhalten, werden wir in autonome Systeme gehen, etwa auf der letzten Meile oder bei Taxisystemen. Auch hier muss die europäische Automobilindustrie aufpassen, dass sie nicht hinten nachsteht, es kann nicht sein, dass das nur Teslas, Waymos und Baidus sind.

Abschließend: Wann erleben wir die letzten Buslenker in Österreich?

Das wird noch sehr lange dauern. Im Reisebus wollen wir den Lenker gar nicht ersetzen, er ist Begleiter und Manager der Reise und Ansprechperson für logistische Themen, ich möchte nicht, dass diese Dienstleistung zu unpersönlich wird, denn gerade dieser persönliche Kontakt macht einen wesentlichen Teil unseres Services aus. Auch im öffentlichen Nahverkehr werden wir den Buslenker noch lange sehen, weil wir viel zu viele Änderungen haben, Staus, Baustellen, Umleitungen. Im Pkw wird das autonome Fahren deutlich schneller kommen. Dass Reisebusse ohne Fahrer fahren, werde ich aber nicht mehr erleben.

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