27.01.2025
STATISTIK

M&A-Markt: Startup-Exits spielen in Österreich nur geringe Rolle

Der EY M&A-Index Österreich zeigt eine "Stabilisierung" bei Übernahme-Deals. Dominiert werden diese von den Bereichen Technologie und Industrie. Startup-Deals fallen statistisch wenig ins Gewicht.
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Exit Exits
Foto: Adobe Stock

Um 7,9 Prozent mehr Transaktionen (245), dafür ein um 24,2 Prozent geringeres Gesamtvolumen (5,0 Mrd. Euro) – das ist die Veränderung im M&A-Markt in Österreich von 2023 auf 2024. Gezählt werden hier sowohl Verkäufe heimischer Unternehmen als auch Akquisitionen durch diese.

EY sieht Stabilisierung auf niedrigem Niveau

Beratungsriese EY sieht in den Zahlen in seinem M&A-Index eine Stabilisierung. „Der Markt hat sich nach den Unsicherheiten der vergangenen Jahre stabilisiert, allerdings auf einem niedrigeren Niveau, das sich mittelfristig als das ’neue Normal‘ etablieren könnte“, kommentiert Eva-Maria Berchtold, Partnerin und Leiterin der Strategy and Transactions bei EY Österreich, in einer Aussendung.

Kein Mega-Deal im Vorjahr

Der langjährige Durchschnitt liegt nämlich bei rund 300 Transaktionen, also deutlich höher als der zuletzt erreichte Wert. Den doch recht starken Rückgang beim Gesamtvolumen führt EY auf das Ausbleiben von Mega-Deals über einer Milliarde Euro im vergangenen Jahr zurück. Von den insgesamt 245 Transaktionen im Jahr 2024 waren 43,7 Prozent Übernahmen heimischer Unternehmen aus dem Ausland („inbound“), 36,7 Prozent Übernahmen ausländischer Unternehmen durch heimische Akteure („outbound“) und 19,6 Prozent Deals innerhalb Österreichs („domestic“).

Steigerung nur bei Verkäufen ins Ausland

Während es bei den Inbound-Deals einen Zuwachs um rund 20 Prozent gab, verzeichnet EY bei den Outbound-Deals einen leichte Rückgang um etwa drei Prozent und bei den Domestic-Deals eine Stagnation. 90 Prozent der Transaktionen (220) werden als „strategisch“ klassifiziert. Der Anteil der Finanzinvestor:innen, darunter Private Equity und Venture Capital, stieg von 15 auf 25 Deals. „Dennoch bleibt privates Risikokapital in Österreich mit zehn Prozent der Transaktionen und 16 Prozent des Volumens weiterhin ein Nischenphänomen“, analysiert man bei EY.

Große Deals von etablierten Unternehmen dominieren

Auch Startup-Übernahmen spielen – trotz durchaus vieler Exits im Vorjahr – in der Statistik keine große Rolle. Rund die Hälfte des Gesamtvolumens entfällt auf fünf Groß-Deals, die allesamt Unternehmen älteren Semesters betrafen: die Übernahme der österreichischen Mobilfunktürme von Cellnex um 803 Millionen Euro durch ein internationales Konsortium, die Übernahme der Knab Bank durch die Bawag um 510 Millionen Euro, die Übernahme von Resco Products durch RHI Magnesita um 400 Millionen Euro, der Verkauf von Tannpapier an Evergreen Hill Enterprise um 360 Millionen Euro sowie der Kauf der österreichischen Skidata AG durch das schwedische Unternehmen Assa Abloy um 340 Millionen Euro.

Deutschland wichtigstes Käufer-Herkunftsland

Diese Top-Deals spiegeln sich auch in der Branchen-Statistik wider. Hier dominieren Telekommunikations-, Medien- und Technologiebranche (70 Deals, 1,5 Milliarden Euro Volumen) und Industrie (83 Deals, 1,3 Milliarden Euro Volumen). Bei den Herkunftsländern der ausländischen Investoren, die heimische Unternehmen kauften, liegt Deutschland mit 28 Prozent klar an der Spitze. Weitere knapp 46 Prozent der Übernahmen wurden von Investor:innen aus anderen europäischen Ländern getätigt. Beim Volumen kamen 70,9 Prozent aus Europa, 17,1 Prozent aus Asien-Pazifik und 11,9 Prozent aus den USA.

Global Steigerung bei M&A-Volumen

Apropos international: Global sieht die Entwicklung von 2023 auf 2024 durchaus anders aus. Der globale M&A-Markt verzeichnete 2024 ein Gesamtvolumen von 3,3 Billionen US-Dollar – ein Plus von elf Prozent im Vergleich zu 2023. Besonders in den USA, die mit 1,5 Billionen US-Dollar 46 Prozent des globalen Volumens ausmachten, dominierten große Deals. Dabei dominierten die Sektoren Technologie und Finanzdienstleistungen.

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Playmobil baut Rechenzentrum: Anthropic muss weichen

Die Horst Brandstätter Group baut ihr ehemaliges Playmobil-Werk in Dietenhofen zu einem Rechenzentrum um. Anthropic wollte ein solches nur wenige Kilometer entfernt zusammen mit der Gemeinde Neuhof an der Zenn errichten. Das gemeinsame Projekt wurde nun gestoppt, denn eine Zusage für den Netzanschluss blieb aus.
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Das Playmobil-Werk in Dietenhofen © Horst Brandstätter Group

Dass sich europäische Firmen gegen Anthropic im IT-Sektor behaupten können, hätte wohl niemand gedacht. In Bayern zieht der KI-Gigant gegen Playmobil nun den Kürzeren. Die Horst Brandstätter Group, zu der Playmobil gehört, baut nämlich ihre einstige Produktionsstätte in Dietenhofen zu einem Rechenzentrum um. Im wenige Kilometer entfernten Hirschneuses wird dafür das geplante Rechenzentrum der Gemeinde Neuhof an der Zenn und Anthropic auf Eis gelegt.

Keine Zusage für Netzanschluss

Das Problem: Man wird nicht an das Stromnetz angeschlossen. „Die N-ergie hat die derzeit verfügbaren Netzkapazitäten zunächst für ein weiteres geplantes Rechenzentrumsprojekt der Firma geobra Brandstätter im Raum Dietenhofen reserviert. Damit fehlt dem Projekt in Hirschneuses gegenwärtig die notwendige Planungssicherheit“, erklärt Claudia Wust, Bürgermeisterin von Neuhof an der Zenn, gegenüber dem BR. Sie wünsche sich eine Aufteilung der vorhandenen Netzkapazitäten auf beide Rechenzentren. Brutkasten fragte bei Wust zur aktuellen Situation nach, eine Antwort steht noch aus.

Warum fiel die Wahl auf die Horst Brandstätter Group?

Gegenüber brutkasten antwortet N-ergie, dass man sich zu konkreten Bauprojekten und dem aktuellen Stand von Netzanschlussfragen nicht äußere. Der Energieversorger betont aber, dass diese Anfragen nach den gesetzlichen Vorgaben bearbeitet werden.

N-ergie erklärt: „In unserem Netzgebiet liegen aktuell mehrere Anschlussanfragen für Rechenzentren vor – zusammengenommen beanspruchen diese Projekte eine Leistung, die in etwa zweimal dem gewöhnlichen Leistungsbedarf der Stadt Nürnberg entspricht.“

Im Fokus sei immer die allgemeine Versorgungssicherheit. Durch derart große Projekte müsse das Stromnetz häufig ausgebaut werden, etwa in Form von neuen oder verstärkten Leitungen.

Playmobil „versperrt niemandem den Weg“

Auf ihrer Webseite reagiert die Horst Brandstätter Group: „Gelegentlich ist zu lesen, ein Rechenzentrum in Dietenhofen stehe anderen Vorhaben im Weg. Diese Lesart nehmen wir mit einem Schmunzeln zur Kenntnis. Ein Campus, der von Anfang an auf viele Partner ausgelegt ist, versperrt niemandem den Weg, er öffnet ihn.“ Playmobil habe sich nie gegen ein anderes Vorhaben ausgesprochen und begrüße jede Investition, die Mittelfranken als Standort für digitale Infrastruktur stärke.

Horst Brandstätter Group: Ein Unternehmen am Rande der Existenzkrise

Der Bau des Rechenzentrums ist für die Horst Brandstätter Group wohl ein weiterer Schritt, um sich aus der wirtschaftlichen Krise zu befreien. Im Geschäftsjahr 2024/25 ging ihr Umsatz laut Konzernabschluss um fast neun Prozent auf 409 Millionen Euro zurück. Der Konzernverlust betrug 115 Millionen Euro. Die Horst Brandstätter Group betreibt die Zweige Lechuza, die Playmobil-FunParks und eben Playmobil. Seit diesem Jahr gibt es in Deutschland keine Produktionsstätte der kleinen Plastikmännchen mehr. Dietenhofen wurde im Juni geschlossen. Die Produktion finde laut FAZ somit nur mehr in Tschechien und Malta statt.

Playmobil digital

Der neueste Zweig des Unternehmens ist Playmobil digital. Das Rechenzentrum richtet sich an Unternehmen aus der Region, klassische Rechenzentrumsbetreiber und internationale Hyperscaler. Playmobil digital sei für alle offen, die Rechenkapazität suchen, „ob im großen Maßstab oder für den eigenen Betrieb“. Gespräche mit internationalen Interessenten würden bereits laufen. Auch Startups erwähnt das Unternehmen als mögliche Kunden.

Man möchte mit Playmobil digital auf die wachsenden Anforderungen durch künstliche Intelligenz und High-Density-Computing reagieren. Die Horst Brandstätter Group werde in den kommenden Jahren einen dreistelligen Millionenbetrag in den Aufbau des Campus investieren. Auf dem Areal besteht bereits eine 110-kV-Netzanbindung. Ein 100-Megawatt-Strompfad sei vorgesehen und der Standort sei für Ausbaustufen darüber hinaus ausgelegt.

„Eine der wichtigsten Infrastrukturen der digitalen Zukunft“

„Wo über Jahrzehnte Playmobil produziert wurde, wollen wir künftig eine der wichtigsten Infrastrukturen der digitalen Zukunft ermöglichen. Wir transformieren ein bestehendes Industrieareal, statt neue Flächen auf der grünen Wiese zu erschließen. Dietenhofen kann damit zu einem bedeutenden Standort für KI, Digitalisierung und digitale Souveränität in Deutschland werden“, sagt Matthias Fauser, Vorstand der Horst Brandstätter Group.

René Feser, ebenfalls Vorstandsmitglied, ergänzt: „Mit dem Aufbau des Campus setzt die Stiftung ein klares Bekenntnis zu Dietenhofen und Bayern als Innovationsstandort.“

Die Nutzungsmodelle

Der Campus setzt auf vier unterschiedliche Nutzungsmöglichkeiten. Unter dem Modell „Land & Power“ kann ein Betreiber ein erschlossenes Baufeld mit Stromanschluss pachten und dort ein Rechenzentrum selbst errichten. „Powered Shell und Private Suite“ nennt sich jenes Modell, bei dem Playmobil das Gebäude zur Verfügung stellt und der Partner nur mehr die Rechentechnik einbringen muss. Energie, Kühlung und Sicherheit würden bereitgestellt werden. Unter dem Begriff „Colocation“ bietet Playmobil betriebsfertige Rechenzentrumsflächen an. Als „Sorglospaket“ kann wohl jenes Modell bezeichnet werden, bei dem Kunden fertige Rechenleistung erhalten, ohne eigene Hardware anschaffen zu müssen.  

Eigentümer und Betreiber ist die Horst Brandstätter Group. „Wer seine Daten in Deutschland und außerhalb der Reichweite außereuropäischer Zugriffsrechte wissen will, findet in Dietenhofen einen souveränen Standort“, heißt es von der Gruppe.

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