03.12.2024
ENERGIEWENDE

Ein Jahr nach Haselsteiner-Ausstieg: LZH Group gründet neues „Energy-as-a-Service“-Unternehmen

Die LZH Group will mit der Gründung von LZH Energy die Energiewende vorantreiben und setzt auf ein „Energy-as-a-Service“-Modell, das nachhaltige, lokal erzeugte Energie direkt an Immobilienbewohner liefert. Alexander Sommer-Fein und Christoph Pachner haben uns mehr zu den Hintergründen und Wachstumsplänen erzählt.
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Christioph Pachner und Alexander Sommer-Fein | (c) brutkasten / Viktoria Waba

Die Ursprünge der LZH Group gehen auf das Jahr 2018 und die Haselsteiner-Privatstiftung zurück. Das Unternehmen hat sich auf die Schaffung von leistbarem Wohnraum in Regionen mit erwartetem Bevölkerungszuzug und Wertsteigerungspotenzial spezialisiert. Im Fokus stehen teilautomatisierte Planung und Modulfertigung. Seit der Gründung konnte so ein Immobilienportfolio in Höhe von rund 250 Millionen Euro aufgebaut werden.

Im Jahr 2023 erfolgte ein Management-Buyout, bei dem die bisherigen Führungskräfte Dominik Paul, Rafael Lughammer, Philip Mader und Alexander Sommer-Fein die Anteile des Unternehmens übernahmen. Dieser Schritt markierte nicht nur die Unabhängigkeit von den bisherigen Investoren, sondern gab dem Management die Möglichkeit, neue Geschäftsfelder strategisch zu erschließen. Und so folgte Ende Juni die Gründung der LZH Energy GmbH.

„Der Management-Buyout hat uns ermöglicht, die Vision der LZH Group in eine neue Dimension zu heben. Wir konnten unser Unternehmen stärker auf die Zukunft ausrichten und neue Wege einschlagen, die uns vorher nicht möglich waren“, erklärt Alexander Sommer-Fein, Managing Partner der LZH Group. Mit der Gründung von LZH Energy möchte sich das Team nun einer neuen Herausforderungen stellen: der Energiewende.

Das Geschäftsmodell: Energy-as-a-Service

Das Konzept von LZH Energy basiert auf “Energy-as-a-Service“. Das Unternehmen bietet Immobilienbesitzer:innen und Mieter:innen Zugang zu lokal erzeugter, nachhaltiger Energie – dabei übernimmt LZH Energy nicht nur die Installation und den Betrieb von nachhaltigen Energieerzeugungsanlagen, sondern betreibt und verwaltet auch die Energiegemeinschaften. Die Energie wird direkt vor Ort erzeugt, etwa durch Photovoltaikanlagen auf Dächern, und an die Bewohner der Gebäude weitergegeben. Dies reduziert nicht nur CO₂-Emissionen, sondern auch die Energiekosten.

„Unser Ziel ist es, eine dezentrale und nachhaltige Energieversorgung zu ermöglichen, die sowohl ökologisch als auch ökonomisch sinnvoll ist. Wir möchten, dass unsere Kunden nicht nur von leistbaren Energiekosten profitieren, sondern auch aktiv zur Energiewende beitragen”, so Sommer-Fein über die Vision.

Pilotprojekt in Haag

Die Umsetzung dieser Vision startete mit einem Pilotprojekt im niederösterreichischen Haag. Dort wurden in drei Mehrparteienhäusern, Photovoltaikanlagen in Kombination mit Wärmepumpen installiert, wobei die so erzeugte Energie zu einem Großteil direkt in den Wohnhausanlagen verbraucht werden kann. Das Besondere: Überschüssige Energie wird in einer Energiegemeinschaft geteilt, wodurch auch Nachbarn von dem Modell profitieren sollen.

„Das Pilotprojekt hat gezeigt, dass unser Konzept funktioniert. Die Bewohner sind begeistert, weil sie nicht nur Kosten sparen, sondern auch Teil einer innovativen Lösung für die Energiekrise sind“, berichtet Sommer-Fein. Die Erkenntnisse aus Haag sollen nun auf weitere Projekte in ganz Österreich übertragen werden.

USP: Datengetriebene Energiewende

LZH Energy unterscheidet sich von klassischen Energieanbietern auch durch seinen datengetriebenen Ansatz. Bevor ein Projekt umgesetzt wird, analysiert das Unternehmen umfassend die Gegebenheiten vor Ort. Faktoren wie der Energieverbrauch, die geografische Lage und die Bevölkerungsstruktur fließen in die Planung ein. Christoph Pachner, Head of Operations bei LZH Energy, erklärt: Wir wollen sicherstellen, dass jedes Projekt maximal effizient ist. Dafür nutzen wir modernste Analysetools und setzen auf modulare Lösungen, die exakt auf die Bedürfnisse der jeweiligen Nutzer abgestimmt sind.“

Ein Beispiel für diese datenbasierte Herangehensweise ist die Standortanalyse. LZH Energy prüft nicht nur die Eignung von Gebäuden für Photovoltaikanlagen, sondern auch die Möglichkeit, Energiegemeinschaften zu gründen. Solche Gemeinschaften ermöglichen es, Energie innerhalb einer Nachbarschaft zu teilen, wodurch nicht nur die Kosten, sondern auch die Abhängigkeit von zentralen Energieversorgern reduziert wird.

Wachstumspläne und Kapitalbedarf

LZH Energy hat eine ambitionierte Wachstumsstrategie entwickelt. Bis 2026 sollen mehr als 1,2 Megawattpeak an Photovoltaikleistung installiert werden. Zum Vergleich: Dies reicht aus, um etwa 300 bis 400 Haushalte ein Jahr mit Strom zu versorgen. Parallel dazu plant das Unternehmen den Markteintritt in Deutschland, wo das Konzept „Energy-as-a-Service“ ebenfalls großes Potenzial habe.

Um diese Pläne zu finanzieren, arbeitet LZH Energy derzeit an einer Seed-Finanzierungsrunde, die Anfang 2025 abgeschlossen werden soll. „Wir sehen großes Interesse von Investoren, die erkennen, wie wichtig dezentrale Energielösungen für die Zukunft sind“, so Sommer-Fein. „Die Seed-Runde wird uns helfen, unsere Projekte schneller umzusetzen und unsere Vision weiter voranzutreiben.“

Appell an die Politik

Trotz des bisherigen Erfolgs sieht Sommer-Fein Herausforderungen, die außerhalb der Kontrolle des Unternehmens liegen. Eine davon ist der politische Rahmen. Die Verabschiedung des neuen Elektrizitätswirtschaftsgesetzes (EIWOG) wurde in der vergangenen Legislaturperiode verschoben, was die Umsetzung dezentraler Energielösungen derzeit erschweren würde. “Wir brauchen dringend klare und flexible Rahmenbedingungen, um die Energiewende voranzutreiben. Nur wenn Politik und Wirtschaft an einem Strang ziehen, können wir die Herausforderungen der Energiekrise bewältigen”; so Sommer-Fein.

Ein weiteres Problem sieht Sommer-Fein in den steigenden Netzkosten. Diese würden nicht nur die Verbraucher:innen belasten, sondern würden es auch für neue Anbieter schwieriger machen, wettbewerbsfähige Preise anzubieten. „Die Energiewende darf nicht an bürokratischen Hürden scheitern. Es braucht eine klare Linie von der Regierung, um Innovationen zu fördern und Investitionen anzuziehen“, so Sommer-Fein.

Partnerschaften und technologische Offenheit

Zukünftig plant LZH Energy auch die Integration von gebäudeintegrierten Photovoltaikanlagen, die durch ihre Effizienz besonders in urbanen Gebieten Vorteile bieten. Zudem sollen Energiemanagementsysteme entwickelt werden, die künstliche Intelligenz nutzen, um den Energieverbrauch optimal zu steuern. „Die Energiewende ist nicht nur erneuerbar, sondern auch digital. Smarte Lösungen sind entscheidend, um das Potenzial voll auszuschöpfen“, so Pachner.


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Das Gate-Space-Kernteam | (c) Gate Space
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Großprojekte für ESA und das österreichische Verteidigungsministerium, eine eigene Test-Zentrale für Weltraummissionen und Österreichs bislang einziger Astronaut als Investor. Das 2022 gegründete TU-Wien-Spinoff Gate Space, das seinen Hauptsitz bereits vor Jahren nach San Francisco verlegte, aber operativ von Schwechat und Wien aus arbeitet, sorgte schon oft für brutkasten-Schlagzeilen.

Das Projekt „Beaconsat“ wird für ESA und Verteidigungsministerium umgesetzt | (c) Gate Space

Das Startup entwickelt Satelliten-Bauteile, etwa Antriebe. Die Technologien ermöglichen laut Unternehmen, Manöver wie agile Orbitwechsel, sichere Kollisionsvermeidung, präzise Andockmanöver und kontrollierte Entsorgung und sollen dazu beitragen, die Leistungsfähigkeit, Sicherheit und Lebensdauer von Satelliten signifikant zu erhöhen.

„Position als führender Anbieter für Mobilität und Infrastruktur im Weltraum weiter ausbauen“

Schon bislang waren laut Unternehmensangaben mehr als zehn Millionen Euro Kapital in Gate Space geflossen (brutkasten berichtete). Nun sicherte sich das Startup eine weitere große Finanzierung. Über das EIC Accelerator Programm der Europäischen Kommission holt man sich insgesamt 6,3 Millionen Euro. Das Kapital teilt sich auf einen nicht rückzahlbaren Zuschuss des European Innovation Council (EIC) und ein Eigenkapital-Investment durch die Europäische Investmentbank (EIB) auf.

Das Geld soll nun eingesetzt werden, um die Industrialisierung der patentierten Technologie voranzutreiben, Produktionskapazitäten auszubauen und die internationale Marktposition weiter „offensiv“ zu stärken. „Diese Förderung ist eine außergewöhnliche Bestätigung unserer Technologie, unseres Teams und unserer Vision. Sie ermöglicht es uns, unsere Wachstumsstrategie deutlich zu beschleunigen und unsere Position als führender Anbieter für Mobilität und Infrastruktur im Weltraum weiter auszubauen“, kommentiert CEO und Mitgründer Moritz Novak.

Selektives Förderprogramm

Der EIC Accelerator zähle zu den selektivsten Förder- und Investitionsprogrammen für Deep-Tech-Unternehmen weltweit, betont man bei Gate Space. In der letzten Förderrunde seien lediglich rund sechs Prozent der Bewerbungen für eine Finanzierung ausgewählt worden. Das Scaleup sei dabei das einzige österreichische Unternehmen sowie das einzige Unternehmen aus den Bereichen Raumfahrt, Aerospace und Verteidigung, das in der aktuellen Förderrunde dabei ist.

Gate Space betreibt eine eigene Testzentrale | (c) Gate Space

Der mehrstufige Auswahlprozess umfasst die Begutachtung durch unabhängige Experten, eine umfassende technische, kommerzielle und finanzielle Due-Diligence-Prüfung und ein abschließendes Investment-Pitching vor einer internationalen Jury aus Investoren, Unternehmer:innen und Technologieexperten.

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