04.11.2019

Ludwig: „Für Startups müssen wir europäische Städtenetzwerke schaffen“

Von Montag bis Dienstag finden am Erste Bank Campus in Wien die Digital Days 2019 statt, die von Urban Innovation Vienna und DigitalCity.Wien veranstaltet werden. Im Rahmen der Veranstaltung wird der Frage nachgegangen, wie Wien zur Digitalisierungshauptstadt Europas aufsteigen kann.
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Digital Days
Der Wiener Bürgermeister im Brutkasten-Talk

Wie kann Wien zur Digitalisierungshauptstadt Europas werden? Diese Frage wird derzeit bei den Digital Days 2019 in Wien behandelt, die am Montag und Dienstag am Erste Bank Campus in Wien stattfinden. Zahlreiche Experten aus dem In- und Ausland behandeln zwei Tage lang aktuelle gesellschafts- und wirtschaftspolitische Fragestellungen rund um das Thema Digitalisierung und Smart City.

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Eröffnung durch Ludwig und Precht

Am Montagvormittag fand die feierliche Eröffnung der Digital Days 2019 durch den Wiener Bürgermeister Michael Ludwig und den deutschen Philosophen Richard David Precht statt.

In seiner Eröffnungsrede verwies Ludwig auf die Digitale Agenda 2025, die Ende September 2019 im Wiener Gemeinderat beschlossen wurde. Sie koordiniert die zahlreichen Digitalisierungsprojekte der Stadt Wien und soll die Grundlage dafür bilden, dass sich Wien in den nächsten Jahren zur Digitalisierungshauptstadt entwickelt.

Ludwig im brutkasten-Talk

Im Brutkasten-Talk erläutert Ludwig, dass die passenden Rahmenbedingungen für die Digitalisierungshauptstadt bereits gesetzt sind. In diesem Zusammenhang verwies er auf rund 5700 in Wien ansässige Unternehmen, die sich intensiv mit der Digitalisierung beschäftigen. Weiters führte er an, dass Wien nicht nur die Stadt mit der höhsten Lebensqualität sei, sondern auch den weltweiten „Smart City Strategy Index“ der global agierenden Unternehmensberatung Roland Berger anführt. Wien wurde im Frühling diesen Jahres mit seiner Smart-City-Strategie auf Platz eins gewählt– der brutkasten berichtete.

Digitale Inklusion & Startups

Damit Digitalisierung gelingt, müssten im Rahmen der Digitalen Agenda 2025 alle Generationen und Bevölkerungsschichten mitgedacht werden, so Ludwig. Dazu zählt neben der Installation von WLAN in Schulen für den digitalen Unterricht, auch die Einbindung der älteren Generation. Hierfür wurde das Forschungsprojekt WAALTER ins Leben gerufen, das Wiener Senioren mit Laptops ausstattet und untersucht, inwiefern Technologie ältere Menschen im Alltag unterstützen kann.

In Bezug auf den Startup-Standort Wien sieht Ludwig im internationalen Vergleich noch „Luft nach oben“. Prinzipiell stehe er im engen Kontakt mit anderen europäischen Städten, um Synergien zu schaffen. „Wir müssen als europäische Städte gemeinsam antreten, um mit der Konkurrenz in den USA und Asien Schritt halten zu können. Hierfür müssen wir in Europa ein starkes Städtenetzwerke schaffen“, so Ludwig.

Precht: Das Handwerk ist der Gewinner der Digitalisierung

Im Rahmen der Digital Days hielt der deutsche Philosoph Richard David Precht eine Keynote zum Thema „Zukunft der Arbeit“. In seiner Rede betonte er, dass wir uns bis dato nur unzureichend auf die gesellschaftlichen Umwälzungen vorbereitet haben, die mit der stetig fortschreitenden Digitalisierung einhergehen. Demnach werden viele Berufe in den nächsten Jahren wegfallen, insbesondere jene für die keine besonderen Qualifikationen notwendig seien.

Als Gewinner werden hingegen das Handwerk und Empathieberufe hervorgehen. Zudem befinden wir uns derzeit im Übergang von einer Leistungs- und Lohngesellschaft  hin zu einer Tätigkeitsgesellschaft. Dies bedeutet, dass der Leistungsgedanke nicht mehr zwangsläufig mit dem Lohngedanken korrelieren wird. Demnach bedarf es künftig einer intensiven Debatte hinsichtlich der Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens.


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Die drei Partner von RM Equity Partners (v.l.) Nicola Szekely, Eugen Benedikt Russ und Chris Wittlinger | (c) RM Equity Partners

Rund 50 Digital-Unternehmen mit etwa 600 Mitarbeiter:innen und mehr als 400 Millionen weltweiten Nutzer:innen – das ist das Portfolio der Liechtensteiner Private-Equity-Gesellschaft RM Equity Partners. Insgesamt hält diese eine halbe Milliarde Euro Assets under Management (AuM). Bekannte Portfolio-Unternehmen sind etwa die Outdoor-Plattform Bergfex aus Graz oder die deutsche Motorrad-Tour-App Calimoto.

Neue Bedeutung für zwei Buchstaben

Bis vor kurzem war die Gesellschaft Teil der Vorarlberger Russmedia-Gruppe, wie auch die zwei Buchstaben im Namen verraten. Nun befindet sich das PE-Unternehmen komplett im Besitz der drei Partner Eugen Benedikt Russ, Chris Wittlinger und Nicola Szekely. Somit bleibt es freilich zu einem Teil in der Vorarlberger Unternehmerfamilie Russ, die hinter Russmedia steht. Das RM bleibt als etablierter Name erhalten. Mit dem Slogan „Results matter“ bekommt es eine neue Bedeutung.

„Was das Team im vergangenen Jahrzehnt aufgebaut hat, macht uns stolz – und das ist erst das Fundament. Als völlig unabhängiges Unternehmen liegt unser Fokus nun ganz auf der Zukunft: der partnerschaftlichen Zusammenarbeit mit Unternehmern und dem Aufbau beständiger, digitaler Unternehmen“, kommentiert Russ in einer Aussendung.

Bis zu 250 Millionen Euro pro Beteiligung

Die drei Partner investieren über die Gesellschaft ausschließlich eigenes Kapital und fokussieren klar auf Mehrheitsübernahmen und langfristige Beteiligungen. Bei einem Einzeldeal können nach Unternehmensangaben bis zu 150 Millionen Euro fließen, für eine Beteiligung insgesamt bis zu 250 Millionen. Dabei definiert RM Equity Partners klare Anforderungen, die auch auf der Website abzulesen sind: Das übernommene Unternehmen muss Marktführer oder starker Zweiter in seinem Segment sein und ein EBITDA über fünf Millionen Euro bzw. einen Nettoumsatz über 20 Millionen Euro vorweisen.

Gleichzeitig geben die Partner ihrerseits drei Versprechen: Kommt ein Unternehmen für einen Deal in Frage, bekomme es einen ersten Call innerhalb von 48 Stunden, eine konkrete Antwort innerhalb von sieben Tagen und, wenn ein Deal zustande kommt, dessen Abschluss innerhalb von acht Wochen. „Wenn es uns gefällt, sagen wir ja. Wenn nicht, sagen wir schnell nein. Hinter uns steht kein Investmentkomitee, und zwischen uns stehen keine Berater“, so die Partner auf der Homepage.

Zuletzt Verkauf von Alpy.com

Nach der Übernahme restrukturiere man dann nicht, aber unterstütze in jenen Bereichen, in denen man Expertise habe. Wiewohl RM Equity Partners als PE-Gesellschaft im Gegensatz zu einer VC-Gesellschaft nicht Exit-getrieben ist, sind auch Verkäufe übrigens keineswegs ausgeschlossen. Brutkasten berichtete erst im August vom Verkauf der Beteiligung Alpy.com. Es war der zweite Exit für die Gesellschaft in diesem Jahr.

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