Rund 200 Teslas sind für das E-Carsharing-Service des Wiener Startups Eloop mittlerweile in Wien im Einsatz. Vor einem Jahr waren es erst etwa 100. Ein Jahr davor setzte das damals noch sehr junge Startup seine ersten operativen Schritte. Dieser schnelle Flotten-Aufbau ist mehreren Finanzierungsrunden im Laufe der vergangenen zwei Jahre geschuldet – auch das „günstige“ Tesla Modell 3, auf das das Startup setzt, ist bekanntlich nicht billig. Neben einigen VCs und dem European Super Angels Club sind unter anderem auch Bitpanda-Co-Founder Christian Trummer und Andreas Ivanschitz, ehemals Kapitän der österreichischen Fußball-Nationalmannschaft als Investoren an Bord. Nun holte sich Eloop mit der Kfz-Werkstattkette Lucky Car einen neuen strategischen Investor ins Boot.
Synergien bei Lucky Car-Einstieg im Vordergrund
Über die Höhe des aktuellen Investments wurde keine Angabe gemacht, es dürfte aber weniger um das Kapital, als um Synergien zwischen den Unternehmen gehen. „Lucky Car ist mit seiner Expertise ein toller strategischer Partner. Wir wollen mit der Zusammenarbeit unsere Effizienz im Bereich der Werkstattaufenthalte steigern und unsere Autos nach Wartung und Service beziehungsweise im Reparaturfall so schnell wie möglich wieder auf die Straße bringen. Bei unseren Zielen braucht es eine starke Werkstatt im Rücken, das kann uns Lucky Car bieten“, kommentiert Eloop-Gründer Leroy Hofer.
Steigender Bedarf an Werkstätten für E-Autos
Lucky Car-Geschäftsführer Mitar Kos meint: „Der Bedarf an Werkstätten für E-Autos wird in den nächsten Jahren stetig wachsen. Das haben wir frühzeitig erkannt und viele unsere Filialen dementsprechend nachgerüstet. Dieses Wissen und dieses Können wollen wir nun auch der E-Auto-Flotte von Eloop zur Verfügung stellen“. Er skizziert auch die Vorteile, die sein Unternehmen von der Beteiligung haben soll: „Lucky Car hat sich in den letzten Jahren sehr stark im B2C-Sektor aufgestellt. Durch unser stetiges Wachstum haben wir zuletzt einiges an Kapazität gewonnen, wodurch künftig auch der B2B-Bereich einen Teil der Kundschaft ausmachen wird. Hier können wir Unternehmen mit unserem dichten nationalen Netzwerk beispielsweise als externer Fuhrparkmanager unterstützen“.
Eloop plant 600 E-Autos in Österreich und Expansion nach Deutschland
Lucky Car beschäftigt an 41 Standorten in Österreich insgesamt rund 300 Mitarbeiter:innen. Kürzlich erfolgte die Expansion in die Schweiz mit einer ersten Filiale. Auch bei Eloop bestehen – bereits früher kommunizierte – Expansionspläne, nämlich nach Deutschland. Zudem will das Wiener Startup seine Flotte in Österreich sukzessive auf 600 E-Fahrzeuge erweitern.
Der Fisch, der von der Fliege lebt: Kreislaufwirtschaft am NOI Techpark
Drei Startups am NOI Techpark in Bozen beweisen, wie smarte Kreislaufwirtschaft funktioniert: Mit der Schwarzen Soldatenfliege ersetzen sie Fischmehl durch Insektenprotein. Eine Geschichte von Startup-Kollaboration, wie sie im Buche steht.
Der Fisch, der von der Fliege lebt: Kreislaufwirtschaft am NOI Techpark
Drei Startups am NOI Techpark in Bozen beweisen, wie smarte Kreislaufwirtschaft funktioniert: Mit der Schwarzen Soldatenfliege ersetzen sie Fischmehl durch Insektenprotein. Eine Geschichte von Startup-Kollaboration, wie sie im Buche steht.
Dieser Text ist zuerst im brutkasten-Printmagazin von August 2026 „Aufbrechen“ erschienen. Eine Download-Möglichkeit des gesamten Magazins findet sich am Ende dieses Artikels.
Es wurlt in der Larvenkiste des österreichischen Scaleups Reploid: Larven der Schwarzen Soldatenfliege werden hier seit einigen Tagen gemästet. Sie ahnen natürlich nicht, dass sie bald eine wichtige Rolle im Kreislaufkonzept dreier Jungunternehmen spielen werden.
Zuerst aber dorthin, wo alles begonnen hat: an den NOI Techpark in Bozen, Südtirol. Auch hier wurlt es, nur bringen statt Insektenlarven Startups Leben in das 12 Hektar große Innovationsviertel. Aktuell arbeiten 76 Unternehmen, 37 Startups, drei Forschungsinstitute, vier Fakultäten der Freien Universität Bozen und insgesamt 2.400 Menschen hier gemeinsam für nachhaltigen Fortschritt. Man tüftelt in den Laboren an Prototypen, vernetzt sich auf Events, feilt beim Spaziergang über den 2017 eröffneten Campus, der sich inzwischen stark vergrößert und weiterentwickelt hat, an der nächsten Idee. Was Gründer:innen hier aber am meisten schätzen: das weitreichende Netzwerk.
Nicht gesucht – trotzdem gefunden
„Wer am NOI Techpark Fuß fasst, bekommt Zugang zu etablierten Akteuren und Investoren in Südtirol“, erklärt Manuel Mairinger, Managing Director und CEO von Reploid Italia. Das ursprünglich aus Österreich stammende Insekten-Scaleup hat sich bei der Expansion nach Italien wegen der hervorragenden Lage zwischen Österreich und Mailand für das Acceleration & Scale-up Programme des NOI Techpark als Launchpad entschieden. „Das NOI baut als renommierter Partner die Brücke zu potenziellen Kund:innen und Partner:innen, ganz ohne die Hilfe von Plattformen wie LinkedIn“, fügt der Reploid-Italia-CEO hinzu.
Mairinger weiß genau, wovon er spricht. Reploid Italia ist eines von drei am NOI inkubierten Jungunternehmen, die zeigen, wie Startup-Kollaboration funktionieren kann. Initiiert hat die Zusammenarbeit Sonja Tetter vom Team des Start-up Incubator. „Wir arbeiten sehr eng mit unseren Startups zusammen, kennen ihre Geschäftsmodelle, Technologien und Herausforderungen. Deshalb sehen wir relativ früh, wo eine Kooperation wirklich Mehrwert schaffen könnte“, erläutert Tetter. Gemeinsam wollen die drei Unternehmen zur regionalen Kreislaufwirtschaft in Bozen beitragen. Und hier kommt die Larve der Schwarzen Soldatenfliege wieder ins Spiel.
Nach nur einer Woche sind die Larven laut Reploid mit rund 25 Millimetern ausgewachsen und überzeugen mit innerer Größe: Sie sind sehr reich an tierischem Protein. Das aus ihnen gewonnene Mehl kann einen Proteingehalt von über 62 Prozent aufweisen.
Das macht die Larven zum potenziellen Proteinersatz, vor allem im Futtermittelbereich, etwa für Fische. „Wir züchten Welse, das sind Fleischfresser“, erklärt Matthäus Kircher, Gründer von Solos. Das Südtiroler Startup betreibt Aquaponik und verbindet Fischzucht mit dem Anbau von Kräutern und Salat.
Das Prinzip dahinter: Die Fische reichern das Wasser durch ihre Ausscheidungen mit natürlichen Nährstoffen an, ein Biofilter leitet es ins Pflanzenbecken, wo Salat und Kräuter die Nährstoffe aufnehmen und das Wasser reinigen, bevor es zurück zu den Fischen fließt. So entsteht ein geschlossener Kreislauf im Zeichen der Nachhaltigkeit.
Ein Punkt war Kircher dabei allerdings von Anfang an ein Dorn im Auge: das mit Fischmehl angereicherte Futter. „Bereits vor vier Jahren haben wir uns gefragt, wie wir tierische Proteine ohne Fischmehl verfüttern können“, erzählt er. Insekten bildeten schließlich die Lösung. Eine Studie ergab: Futtermischungen auf Insektenmehlbasis, angereichert mit Spirulina-Algen, lassen den Omega-3-Gehalt im Fischfilet höher ausfallen als bei herkömmlich gefütterten Tieren.
Hier kommt Reploid ins Spiel: Das Unternehmen implementiert modulare Anlagen, die sogenannten „ReFarm-Units“. Dort verarbeiten Larven der Schwarzen Soldatenfliege regionale Reststoffe zu Insektenprotein und -fett für Futtermittel- sowie Industrieanwendungen. Ein weiteres Nebenprodukt ist der Insektenfraß, also die Ausscheidungen, aus denen organischer Dünger entsteht. Den dritten Baustein liefert Kinsect: Das italienische Startup entwickelt Technologien für die industrielle Zucht der Fliege und liefert Eier sowie Junglarven.
Am Standort von Solos in Tramin greifen so die unterschiedlichen Kompetenzen ineinander: Die von Kinsect bereitgestellten Larven werden in einer Insektenmastanlage von Reploid mit Lebensmittelnebenprodukten wie Apfeltrester, Kartoffelschalen oder Altbrot gefüttert. Solos nutzt sie anschließend als nachhaltiges Futtermittel in der Fischzucht. So soll Fischmehl ersetzt, sollen organische Reststoffe sinnvoll verwertet werden. Neben den ökologischen Vorteilen ergeben sich durch das Vorzeigeprojekt und den realen Usecase natürlich auch wirtschaftliche Vorteile, von denen die drei Startups profitieren.
Es ist eine Kooperation im Namen der Kreislaufwirtschaft, die ohne den NOI Techpark nie zustande gekommen wäre. „Am NOI Techpark konnte diese Synergie organisch entstehen“, fasst Kinsect-CEO Giacomo Benassi zusammen. „Dank der Zusammenarbeit im selben Ökosystem konnten wir viel schneller Vertrauen zueinander aufbauen.“ Der NOI Techpark ermöglicht damit nicht nur grenzüberschreitende, sondern auch branchenübergreifende Vernetzungen, die Startups entscheidend weiterbringen.
Und so wurlt es weiter am NOI Techpark. Jedes Jahr kommen neue Startups zur NOI-Community dazu. Für den Herbst-Batch kann man sich noch bis zum 5. Oktober bewerben – vielleicht entsteht daraus bald die nächste erfolgreiche grenzüberschreitende Startup-Kooperation.
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