15.03.2018

Lorena Skiljan: „Viele wollen Innovation für sich alleine vorantreiben“

Interview. Lorena Skiljan wechselte von ihrer Stelle als Marketing-Chefin bei Wien Energie zur Blue Minds Company. Im Gespräch erzählt sie, was sie an der neuen Stelle reizt und wie sie das Office im WeXelerate nutzen wird.
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Lorena Skiljan
(c) Blue Minds: Lorena Skiljan

Die bisherige Wien Energie-Marketing-Chefin Lorena Skiljan wechselte kürzlich als Partnerin zum Wiener “Energietransformationsunternehmen” Blue Minds Company von Eveline Steinberger-Kern und Bernhard Raberger. Im Gespräch mit dem Brutkasten erzählt sie, was sie von der Tätigkeit im Konzern mitnimmt, was sie bei Blue Minds umsetzen will und welche Rolle der Büro-Standort im WeXelerate dabei spielt.

+++ Blue Minds holt Wien Energie Marketing-Chefin Lorena Skíljan an Bord +++


Warum hast du dich für den Wechsel entschieden? Was ist der Reiz an Blue Minds?

Der Spirit der Blue Minds ist, was mich von Anfang an gefangen hat. Die energiegeladene Innovation kann man auch sagen. Man befindet sich in einem hoch professionellen Umfeld, mit einem scharfen Leistungsniveau, das der Innovation und den Marktbedürfnissen verschrieben ist. Das sind für mich die besten Voraussetzungen, meine Kompetenzen einzusetzen, neue Ideen zu entwickeln und umzusetzen. Der Wechsel kam natürlich, neue Herausforderungen mussten her. Die Märkte entwickeln sich neu und Branchen verschwimmen zum Teil. Diese Entwicklungen möchte ich aktiv mitgestalten. Blue Minds bietet den richtigen Rahmen dafür.

Was sind aus deiner Sicht die wichtigsten Kompetenzen, die du bei Wien Energie erworben hast, die du nun einbringst?

Meine Marktkenntnisse sowie Erfahrungen aus dem Endkundengeschäft sind mit Sicherheit ganz wichtig für meine neue Tätigkeit. Die Go To Market-Erfahrung würde ich aber als eine meiner wertvollsten Kompetenzen nennen. Produkte zu entwickeln und auf den Markt zu bringen, ist für mich eine sehr spannende Aufgabe. Die letzten Jahre habe ich mich intensiv mit den künftigen Entwicklungen von Kundenbedürfnissen und der Marktdynamik beschäftigt. Innovative Geschäftsmodelle, neue Produkte und Services, angetrieben durch neue Technologien werden immer stärker unseren Alltag und damit unsere Märkte verändern. Ich sehe das positiv und als eine große Chance. Bereits da fängt die zukunftsorientierte Denkweise von Blue Minds an.

Was sind konkrete Pläne und Projekte an denen du nun bei Blue Minds arbeitest?

Blue Minds möchte sich diesen Herausforderungen nicht nur stellen, wir wollen hier mitgestalten. Aus diesem Grund designen wir gerade neue Services in den Bereichen Mobilität, Infrastruktur, Energie und vieles mehr. Ganz neu und ohne Grenzen gedacht. Die Beteiligungen der Blue Minds sind dabei wichtige erste Bausteine.

Wir begleiten ebenfalls Unternehmen und Industrie bei der Umsetzung von innovativen Ideen im Rahmen ihrer Geschäfte und betreiben gemeinsames Business Engineering.

Und auch um etwas Konkretes zu nennen: Für die im November stattfindende European Utility Week, das größte Energie-Branchennetzwerk, haben wir ein ganz neues Innovationsprogramm Accelerate2Initiate! konzipiert und verantworten die Umsetzung. Weitere spannende Projekte sind bereits in der Pipeline.

Hast du bei Wien Energie bereits mit Startups zusammengearbeitet?

Die letzten Jahre habe ich aktiv mit Startups aus verschiedenen Bereichen zusammengearbeitet. Dabei sind viele spannende Projekte, Piloten aber auch Produkte entstanden. Das war eine sehr spannende Zeit. Ich habe im Umfeld von Wien Energie sehr viel gelernt und insbesondere mit tollen Kollegen viel gestaltet und in Sachen Innovation verschieden Initiativen gestartet und umgesetzt. Es war einfach eine spannende und lehrreiche Zeit. Diese Erfahrungen kann ich jetzt aus einer ganz neuen Perspektive einsetzen.

Blue Minds hat in Wien zwei Büros. Du arbeitest nun in jenem im WeXelerate. Wie wirst du das nutzen?

Ja, und ein weiteres in Tel Aviv. Aufgrund meiner Agenden in der Blue Minds nutze ich hauptsächlich das Büro im WeXelerate Space 14. Hier findet ein reger Austausch zwischen den Startups, Corporates, Investoren und verschiedenen anderen Stakeholdern statt. Das ist eine tolle Atmosphäre und motiviert mich sehr. Es vergeht kein Tag, an dem nicht eine neue Idee heranwächst, mein Netzwerk erweitert wird und interessante Impulse hereinkommen. Und ich habe das Gefühl, den anderen Mietern hier geht es genauso – wir profitieren somit wechselseitig voneinander.

„Ich kenne viele die heute noch Innovation hinter den eigenen Konzern- und Unternehmensmauern für sich alleine vorantreiben möchten.“

Dieser „open innovation approach“ ist ja auch etwas Neues für das Ökosystem in Wien. Ich kenne viele die heute noch Innovation hinter den eigenen Konzern- und Unternehmensmauern für sich alleine vorantreiben möchten. Und da glaube ich, verpassen sie etwas: der branchenübergreifende Austausch und ein voneinander Lernen ist einfach unheimlich effizient. Nicht jeder muss dieselben Fehler noch einmal machen. Und was streng geheim ist, kann man auch hier im Ökosystem in der Praterstraße weiterhin gut schützen.

Lorena Skiljan im Gespräch:

(c) Blue Minds: Lorena Skiljan

Welche Anknüpfungspunkte hast du mit den Corporates und Investment-Gesellschaften am Standort?

Blue Minds beschäftigt sich mit der Energietransformation im digitalen Zeitalter. Es gibt daher viele Anknüpfungspunkte hier am Standort. Zum einen weil Corporates aus dem Bereich Energie und Infrastruktur mit WeXelerate zusammenarbeiten, zum anderen weil immer mehr Fonds und VCs die Themen „Peer-to-Peer Energy Trading“, „Electric Mobility“, „Energy Storage“ oder „Smart Home“ als Investmenttrend entdecken.

Schließlich möchte ich mich bei WeXelerate auch dem Thema Blockchain verstärkt widmen. Das ist ja eine Technologie, die nahezu jede Branche und jeden Sektor massiv verändern wird. Wir bieten mit der „City of Blockchain“ eine Art Think Thank für diese Umbrüche.

Du bist auch als Mentorin im WeXelerate-Accelerator dabei. Was willst du den Startups mitgeben?

Aufgrund meines beruflichen Backgrounds biete ich mich als Sparring Partner für alle Fragestellungen rund um die Themen Business Development und Marketing an. In den letzten Jahren durfte ich viele neue Services und Produkte entwickeln und erfolgreich launchen. Diese Erfahrung möchte ich nun gerne an Startups weitergeben.
Andererseits bereite ich jungen Unternehmer, insbesondere im Bereich von B2B Lösungen, auf ihre Pitches im Corporate Welt vor; achte darauf, dass diese die richtigen Argumente vorbringen, um auf diesem Weg rasch ihre Lösungen im Rahmen von Piloten und Proof of Concept umsetzten zu können. Es ist sehr aufregend junge Unternehmen mit spannenden Lösungen auf ihren Weg zu unterstützen, sich auszutauschen und aus diesen Austausch neue Ideen zu generieren.

„Die Zukunft wird uns viel Spaß machen!“

Zuletzt eine allgemeine Frage: Was sind die großen Herausforderungen im Energiebereich in den kommenden Jahren?

Die großen Herausforderungen im Energiebereich sind einerseits die Kunden und ihre Bedürfnisse und andererseits die rasante technologische Entwicklung. Beides bietet unglaublich große Chancen, mit entsprechenden Modellen erfolgreich zu sein. Die Welt der Konsumenten erwartet sich ganz klar Services und Leistungen auf eine sehr komfortable Weise, und nur in dem Ausmaß, in dem sie konsumiert werden. Wir entfernen uns immer mehr von starren Besitzverhältnisse und adaptieren immer mehr „As A Service-Modelle“. Diese Entwicklungen lassen sich in verschiedenen Bereichen bereits gut beobachten. Globale Anbieter wie Amazon, Apple usw. führen diese Entwicklung an und dringen immer mehr in alle Bereiche des Alltags ein. Man muss schnell denken und eine hohe Bereitschaft aufweisen sich diesen Entwicklungen entsprechend zu stellen.

Darüber hinaus ist unsere Zukunft elektrisch und dezentral. Immer mehr E-Fahrzeuge kommen in den Markt und andererseits wir sukzessive mehr Strom dezentral produziert. Die Herausforderung dabei ist es, die neuen Systeme entsprechend zu managen, den Kunden sinnvolle, gebündelte Leistungen anzubieten und dabei alle Möglichkeiten der neuen Technologien einzusetzen. Die Zukunft wird uns viel Spaß machen!

+++ Video-Interview: Eveline Steinberger-Kern +++


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Foto: OTS Amt der Oö. Landesregierung

Das Land Oberösterreich holt einen prominenten Player aus dem Silicon Valley dauerhaft nach Linz: Am Campus der Johannes Kepler Universität (JKU) entsteht das erste „Center of Excellence for Physical and Industrial AI“ von Plug and Play innerhalb der Europäischen Union. Das gaben Landeshauptmann Thomas Stelzer und Vertreter der beteiligten Unternehmen am Donnerstag bei einer Pressekonferenz im Landhaus Linz bekannt.

Plug and Play wurde 2006 im Silicon Valley gegründet und betreibt ein internationales Netzwerk für Innovation und Startup-Kooperationen. Nach eigenen Angaben zählt das Unternehmen zu den aktivsten Early-Stage-Venture-Capital-Investoren der Welt, mit mehr als 65 Standorten auf fünf Kontinenten, über 550 Unternehmenspartnern, rund 250 Startup-Investments pro Jahr und mehr als 2.500 Unternehmen im Portfolio, darunter über 35 Unicorns.

Neu ist Plug and Play in Österreich dabei nicht: Seit 2019 kooperiert das Netzwerk mit dem Flughafen Wien, 2021 eröffnete es dort sein österreichisches Headquarter (brutkasten berichtete). In den ersten fünf Jahren dieser Partnerschaft wurden mehr als 700 Startups gemeinsam gescreent, rund zwei Dutzend Projekte in Bereichen wie Robotics, Predictive Maintenance und KI entstanden daraus. Geleitet wird Plug and Play Austria von Managing Director Nik Munaretto. Mit dem Exzellenzzentrum in Linz kommt nun ein dauerhafter Standort mit industriellem Fokus hinzu.

Fünf Industrie-Schwergewichte als Anchor-Partner

Mit Keba, Primetals Technologies, Swietelsky, TGW Logistics und voestalpine beteiligen sich fünf oberösterreichische Industrieunternehmen als künftige Anchor-Partner an der Gründungsrunde. Als Gründungspartner erhalten sie besondere Mitgestaltungsmöglichkeiten und können industrielle Aufgabenstellungen und technologische Schwerpunkte in das Programm einbringen. Im Mittelpunkt stehen konkrete KI-Anwendungen in Produktion, Anlagenbau, Logistik, Engineering und Bauwirtschaft.

Das Prinzip dahinter ist der Open-Innovation-Ansatz von Plug and Play: Etablierte Unternehmen bringen konkrete technologische Herausforderungen ein, Plug and Play identifiziert über sein internationales Netzwerk passende Startups und Technologien und bringt beide Seiten für Pilotprojekte und Kooperationen zusammen.

„Oberösterreich wartet nicht darauf, was die Zukunft bringt: Wir gestalten sie. Mit Plug and Play holen wir eines der weltweit führenden Innovationsnetzwerke nach Linz und machen Oberösterreich zum europäischen Pionier bei ‚Physical and Industrial AI‘“, sagt Landeshauptmann Thomas Stelzer. Neue Technologien sollten „nicht irgendwo Wertschöpfung und Arbeitsplätze schaffen, sondern bei uns in Oberösterreich“.

Knogler: „Bei KI entscheidet nicht allein, wer die besten Ideen hat“

Keba-CEO Christoph Knogler, zugleich Vorsitzender der KI-Taskforce der Industriellenvereinigung, sieht in dem Zentrum einen Hebel für die Umsetzungsgeschwindigkeit: „Bei Künstlicher Intelligenz entscheidet nicht allein, wer die besten Ideen hat, sondern wer sie rasch in die industrielle Anwendung bringt.“ Das Exzellenzzentrum schaffe einen direkten Zugang zu internationalen Startups und Technologien. „Damit haben wir die Chance, die weltbesten und innovativsten KI-Lösungen nach Oberösterreich zu holen und gemeinsam mit unseren Unternehmen in konkrete Wertschöpfung zu übersetzen.“

Im großen Cover-Interview der aktuellen brutkasten-Printausgabe hatte Knogler zuletzt dargelegt, warum er die Chance Europas nicht im LLM-Rennen sieht, sondern in industrieller KI: Produktionswissen und Maschinendaten als europäische Souveränitätschance.

Auch die übrigen Partner ordnen die Initiative in ihre Strategien ein: Primetals-CFO Michael Kienberger will „modernste KI-Ansätze noch schneller in unsere Systeme“ integrieren, Swietelsky-CFO Harald Gindl kündigt an, „Physical AI und Robotik im Baubetrieb in Oberösterreich gezielt erproben“ zu wollen. TGW-CTO Christoph Wolkerstorfer spricht mit Blick auf autonom agierende Systeme von einem „echten Game Changer“ für die Intralogistik. voestalpine-CFO Gerald Mayer verweist darauf, dass sich der Konzern über die Partnerschaft „den Austausch mit führenden Forschungseinrichtungen und den Zugang zu globalen Startups“ sichere.

tech2b als Schnittstelle, keine Parallelstruktur

Die Abwicklung für das Land Oberösterreich übernimmt der Inkubator tech2b. Damit soll keine neue Parallelstruktur entstehen, sondern das internationale Netzwerk von Plug and Play mit dem bestehenden oberösterreichischen Innovationsökosystem verbunden werden. Über die fünf Anchor-Partner hinaus sollen auch weitere tech2b-Mitgliedsunternehmen Zugang zum Netzwerk erhalten.

„Oberösterreich vereint genau das, wonach wir als globales Innovationsnetzwerk und Venture Capital Investor aus dem Silicon Valley suchen: eine unglaublich starke industrielle Basis, exzellente Forschung, ambitionierte Startup-Gründer und Unternehmen, die neue Technologien in die Anwendung bringen wollen“, sagt Nik Munaretto, Managing Director von Plug and Play Austria.

Umsetzungsschritt der KI-Exzellenzstrategie

Das Zentrum ist ein konkreter Umsetzungsschritt der von Landeshauptmann Stelzer initiierten KI-Exzellenzstrategie für den Industriestandort Oberösterreich. Deren Mitautor Teodoro Cocca sieht die „eigentliche Pionierleistung“ darin, „dass das Land nicht bei Strategiepapieren stehen bleibt, sondern eine Struktur schafft, die weltweit nach den besten Lösungen sucht und sie systematisch in die oberösterreichische Industrie bringt“. Mitautor Meinhard Lukas ergänzt: „Aus Wissen werden Anwendungen, aus Kontakten konkrete Kooperationen und aus technologischen Chancen neue Wertschöpfung.“

Dass der Standort Substanz mitbringt, untermauert die Aussendung mit Beispielen: Die JKU bietet ein englischsprachiges Bachelor- und Masterstudium Artificial Intelligence. Das 2024 gegründete JKU-Spin-off Emmi AI holte sich 2025 eine Seed-Finanzierung über 15 Millionen Euro und wurde im Mai 2026 vom französischen KI-Unternehmen Mistral AI übernommen (brutkasten berichtete). Und das oberösterreichische Technologieunternehmen Tractive hat sich mit GPS- und Gesundheitstrackern für Haustiere zu einem international tätigen Anbieter entwickelt, dessen Produkte laut Aussendung in mehr als 175 Ländern funktionieren.

Wie Oberösterreich als Industrie- und Innovationsstandort insgesamt aufgestellt ist, beleuchtet brutkasten im großen Standort-Check der aktuellen Printausgabe: von der Tabakfabrik über die JKU bis zu den Exits von Emmi AI und Tractive.

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